»Man kam nicht her, um zu genesen, sondern um zu sterben.«
Paris, 1884. In die neurologische Abteilung der Salpêtrière-Klinik wird ein kleines Mädchen eingeliefert: Runa, die allen erprobten Behandlungsmethoden trotzt und den berühmten Arzt und Hysterieforscher Dr. Charcot vor versammeltem Expertenpublikum blamiert. Jori Hell, ein Schweizer Medizinstudent, wittert seine Chance, an den ersehnten Doktortitel zu gelangen, und schlägt das bis dahin Undenkbare vor. Als erster Mediziner will er eine Patientin heilen, indem er eine Operation an ihrem Gehirn durchführt. Was er nicht ahnt: Runa hat mysteriöse Botschaften in der ganzen Stadt hinterlassen, auf die auch andere längst aufmerksam geworden sind. Und sie kennt Joris dunkelstes Geheimnis ...
Die Hardcover-Ausgabe erschien unter dem Titel »Runa« bei Limes.
Kundinnen und Kunden meinen
3.8/5.0
Milla
aus Dortmund
5/5
31.05.2021
Buch (Taschenbuch)
Dies war das erste Buch, das…
Dies war das erste Buch, das ich von der Autorin Vera Buck gelesen habe - und es sollte nicht das letzte bleiben! Es ist ein wirklich besonderes Buch, das tiefe Einblicke in die Psychiatriegeschichte gibt. Es ist ein Wissenschaftsthriller in einem super Schreibstil, das ein echtes historisches Setting mit einer fiktiven Geschichte verwebt. Wahnsinn, wieviel Recherche in diesem Buch steckt. Ich habe zwischendurch nach einzelnen Figuren recherchiert, und es gibt sie fast alle. Das Ende war - wie bei allen von Vera Bucks Büchern - sehr überraschend. Es kommt selten vor, dass ich eine Autorin nach dem Lesen google, aber hier habe ich es gemacht. Runas Schweigen ist eins meiner Top-Lieblingsbücher.
Bewertung
4/5
09.03.2023
Buch (Taschenbuch)
Das Leben ist zumal grausamer, als man es sich vorstellen kann.
Was uns Vera Buck in ihrem fulminaten Debüt hier liefert, ist eine souverän recherchierte Geschichte über den heute schockierenden Umgang mit psychisch gestörten Patientinnen in einer Pariser Klinik.
Sie spielt eine Klaviatur der grausigen Verbrechen im Namen der Wissenschaft vor der Kulisse einer morbiden Kliniklandschaft. Die studierte Journalistin löst sich in ihrem Roman von den Fesseln der kurzen Texte, wie sie eben teils bei Zeitschriften oder für Fernsehen und Radio vorherrschen, und schreibt nahezu schmerzhaft detailiert und unglaublich bildhaft atmosphärisch. Das ist echtes Kopfkino vom Feinsten. Ein bisschen Liebe, ein wenig Mystik und eine gute Portion Thrill machen dieses Buch zu einem nachhaltigen Leseerlebnis.
Im Klappentext wird von Jori erzählt, weshalb ich dachte, dass es in erster Linie alleine um ihn gehen wird. Oh, wie falsch ich lag! Die Autorin hat ein regelrechtes Netz aus Personen und Erzählsträngen gewoben, womit sie den Leser regelrecht ans Buch fesselt. Was hat Person X mit Person A zu tun und wie passt L da rein? Man lernt so viele unterschiedliche Charaktere kennen, wo zumindest ich mich nicht entscheiden konnte, welchen ich am faszinierendsten fand. An der Stelle gebe ich euch mal einen Hinweis: Wenn ihr das Buch lest, achtet mal genau auf die Erzählweise der Personen. Und dann auch noch die Thematik im Allgemeinen. Dabei ist es eindeutig nichts für schwache Nerven. So kam ich beim Lesen an meine Grenzen, was sich in einigen Nächten tatsächlich in meinem Schlafverhalten wieder fand. Diejenigen von euch, die also nichts von der Salpêtrière und der allgemeinen Hysterieforschung der damaligen Zeit wissen – lest euch mal ein bisschen dazu ein. Dieses Buch ist eine Empfehlung an die ganz harten Thriller- und Horrorfans hier. Diejenigen, die gerne so richtig schön kranke Inhalte lesen...
Bewertung
4/5
04.09.2018
Buch (Taschenbuch)
Ein wirklich schockierender Thriller...
Ein wirklich schockierender Thriller über abartigen Anfänge der Neurologie und Psychiatrie. Ihnen wird das Blut in den Adern gefrieren. Nichts für schwache Nerven oder Anfänger!
KittyCatina
3/5
15.08.2025
Buch (Taschenbuch)
Erschreckend, teils bösartig, aber auf jeden Fall interessant
Eigentlich hat mich dieses Buch nie wirklich interessiert, bis es dieses dann als Mängelexemplar zu kaufen gab und die Buchkaufsucht zugeschlagen hat. Kein Wunder, dass es deshalb auch so lange ungelesen im Regal stand. Nun war es aber Zeit für die Lektüre dieses doch schon besonderen Werkes, welches ich einerseits schon interessant und streckenweise recht spannend fand, welches aber gerade am Anfang leider lange brauchte, um in Fahrt zu kommen und auch ansonsten einige Dinge an sich hatte, die mir nicht so gut gefallen haben.
Man begibt sich mit diesem Roman ins Paris des Jahres 1884, wo der junge Medizinstudent Jori versucht, Heilung für seine heimliche Liebe Pauline zu finden. Ihn begleitet man dann auch größtenteils durch die Geschichte, wobei es sehr medizinisch wird, aber nicht so, wie wir es heute kennen, sondern teilweise auf sehr makabere, teils schon bösartige Weise. Gerade Dr. Charcot war dabei ein Beispiel für Machtgehabe und fehlende Liebe für den Mitmenschen, was mich extrem sauer und traurig gemacht hat, zumal der Roman sich sehr an der Realität entlang schlängelt. Vieles, was man hier erfährt, gab es zu dieser Zeit wirklich und obwohl ich davon bereits wusste, hat es mich teilweise sprachlos gemacht.
Jori ist dabei ein Charakter, von dem ich nicht so richtig wusste, was ich von ihm halten soll. Einerseits will er unbedingt Pauline retten, will wirklich heilen und scheint eigentlich kein schlechter Kerl zu sein. Andererseits scheint er manchmal etwas schwer von Begriff und macht vieles mit, was er eigentlich nicht tun sollte. Dennoch zeigt er wenigstens ein Gewissen und im Laufe der Geschichte entwickelt er sich weiter. Auch zu Runa entwickelt er eine fast schon liebevolle Beziehung.
Doch wer denkt, dass Jori, der eigentlich Johann Richard Hell heißt, die einzige wichtige Person in diesem Buch ist, der täuscht sich, denn dieses wird aus vielen verschiedenen Perspektiven erzählt, allesamt aus der personellen Sicht, bis auf einen Fall, was im Endeffekt eine tiefere Bedeutung hat. Aber kommen wir erst einmal zu den anderen Charakteren.
Da ist zum Beispiel der ehemalige Polizist Lecoq, der sich selbst als Verbrecher betitelt, aber durch einen alten Bekannten auf einen Fall angesetzt wird, der ihn, ohne, dass er es selbst merkt, immer mehr in die Machenschaften rund um Jori, die Salpêtrière und Runa verwickelt. Außerdem gibt es die beiden Kinder Isabelle und Frédéric, die sich mehr oder weniger mit Lecoq anfreunden und ihm helfen. Und dann ist da noch Maxime, der einzige Ich-Erzähler in diesem Buch, der mit der eigentlichen Geschichte gar nicht so viel zu tun hat, aber dennoch im Großen und Ganzen eine wichtige Rolle spielt. Hier will ich aber nicht zu viel verraten.
Am Wichtigsten ist aber die Figur, die hier im Mittelpunkt steht und das ist natürlich Runa selbst, von der man anfangs gar nicht allzu viel erfährt und die mehr wie ein großes Rätsel wirkt. Dieses Mädchen ist besonders, scheint aggressiv und unnahbar, redet nicht und interagiert auch nicht wirklich. Dafür aber gibt es an verschiedenen Orten mysteriöse Botschaften, welche nach und nach mehr und mehr Sinn ergeben und ein Stück weit erklären, warum Runa so ist, wie sie ist. Leider wird aber nie alles ganz aufgeklärt und es bleiben am Ende viele Fragen offen, was ich echt schade fand.
Alles in allem begann dieser Roman sehr langsam. Schon allein, bis Runa tatsächlich auftauchte, dauerte es um die hundert Seiten und selbst dann kam die Geschichte nur allmählich in Fahrt. Irgendwann wurde es allerdings echt spannend und ich habe auf eine allumfassende Auflösung hin gefiebert, was es mit Runa und ihrem Verhalten auf sich hat, was eben nicht so kam, wie erwartet. Dafür war das Buch aber wirklich gut geschrieben und bis auf das Medizinische und die französischen Namen ließ es sich flüssig lesen. Ob ich es empfehlen würde, kann ich aber nicht wirklich sagen, da es eben nicht schlecht war, mich aber auch nicht umgehauen hat. Dennoch wird die Geschichte sicher in meinem Kopf bleiben, weil sie doch recht einprägsam und besonders ist.
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