Helmut Salzinger war Literaturkritiker der "Zeit" und hatte Bücher über Walter Benjamin("Swinging Benjamin") und über Musik geschrieben, als er sich Anfang der 1970er Jahre auf das Land zurückzog, um sich fortan möglichst biodynamisch mit Lebensmitteln zu versorgen. Wie bei einem Stadtmenschen und Intellektuellen naheliegend, ging das Unterfangen schief. Aber es bescherte dem Autor statt reichlich Gemüse tiefgehende Erkenntnisse - und machte ihn zum "Gärtner im Dschungel". Seine Erkenntnis: "Wenn wir etwas vom Wesen des Menschlichen begriffen haben, dann dieses: dass der Mensch als Natur und Lebewesen von keinerlei Bestimmung über die Erde gesetzt ist, sondern dass er von gleicher Art ist wie alles Lebendige."
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Gartenphilosophie
Gertie G. aus Wien am 14.02.2019
Bewertungsnummer: 1172742
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Garten hat nicht zwangsläufig mit raspelkurz geschorenem Ra-sen, Thujen, schnurgeraden Beeten und einem Grillplatz zu tun.
Helmut Salzinger schildert mit poetischen Worten seine Erfahrungen als Gärtner. Dabei verschweigt er weder Fehler noch Irrungen.
Er berichtet darüber, dass er anfänglich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion junge Bäume aus dem fremden Wald ausgegraben und in seinem Garten eingepflanzt hat. Der typische Anfängerfehler, zu viele Bäume (oder andere Pflanzen) viel zu dicht nebeneinander zu pflanzen, beschert ihm eine Ausfallsquote von nahezu 100%. Aber, vielleicht hat sich der bestohlene Wald auch nur für den Frevel gerächt.
Schmunzeln muss der Leser über seine Versuche, den Rasen durch Schafe statt Rasenmäher kurz zu halten: Versuch gestartet, miss-lungen und abgebrochen.
Erst als er durch Versuch und Irrtum entdeckt, dass sich gärtnerischer Erfolg dadurch einstellt, der Natur möglichst ihren Lauf zu lassen, kommt die ersehnte Vielfalt und Ruhe.
Dieses Buch ist schon vor mehr als zwanzig Jahren erstmals er-schienen und wurde nun neu aufgelegt. Salzingers philosophische Betrachtungsweise hat nicht an ihrer Aktualität verloren. Nein, im Gegenteil, die Sehnsucht nach dem kleinen (oder größeren) Garten ist nach wie vor ungebrochen.
Dem Autor ist es gut gelungen, seine Erfahrungen, Misserfolge und Einsichten in einer leicht fasslichen und schönen Sprache darzubieten.
Fazit:
Ein Buch an dem Gärtner, Nichtgärtner, Stadt- oder Landbewohner ihre Freude finden können. Gerne gebe ich hierfür 5 Sterne.
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