Das Bild über Frauenrechte im Iran ist oft durch Schleierpflicht geprägt. Aber das Kopftuch rutscht: Iranische Frauen sind selbstbewusster denn je. Über muslimische Frauen gibt es viele Vorurteile. Ist das Kopftuch wirklich ein klares Zeichen der Unterdrückung? Erlaubt der Koran den Männern, über ihre Ehefrauen zu bestimmen? Wie steht es um die Frauenrechte in muslimischen Ländern heute? Vor allem: Gibt es von Land zu Land gravierende Unterschiede? Bita Schafi -Neya hat für dieses Buch zahlreiche Interviews geführt, die zu interessanten und oft überraschenden Einsichten führen.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Bewertung
5/5
31.10.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sehr gefühlvoll geschrieben
Mein Fazit:
Die Autorin besitzt die deutsche sowie iranische Staatsbürgerschaft und ist freie Journalistin. Ihr Buch räumt mit vielen Vorurteilen auf, es bringt dem Leser die Gebräuche Ihres Landes, die Rechte und Pflichten der Frauen im Koran und das Tragen des Kopftuches näher. Und das israelische Frauen als Prostituierte arbeiten...war für mich neu und habe ich noch nie in einem der vorigen Bücher gelesen.
Am Anfang des Buches steht das Kopftuch, aber warum tragen es die iranischen Frauen? Um sich selbst oder vor den Blicken der anderen Männer geschützt zu sein? Von den Familien und dem Koran wird verlangt, dass die Frauen ihre Reize verdecken, damit sie nicht das Interesse des anderen Geschlechts auf sich ziehen. Nicht nur das bedecken der Haare durch das Kopftuch, da Haare als verführerisch auf andere Männer gelten... sondern auch ihre Körper zu verhüllen.
Die Autorin liebt ihr Land, auch wenn sie nicht mit allem einverstanden ist, was passiert. Aber der" Aufschwung" in ihrem Land, auch dass die Frauen immer selbstbewusster werden, für ihre Rechte und Unabhängigkeit kämpfen, ist erstaunlich. Früher war die Rollenverteilung genau geregelt: Die Frau hat kaum Rechte, außer für ihre Familie da zu sein. Kein öffentliches Mitspracherecht … aber ich habe den Eindruck beim Lesen, dass die meisten Frauen sich trotzdem in ihrem Land wohlfühlen.
Israelische Frauen in Führungspositionen? Ab den 90-iger Jahren veränderte sich das Bild der israelischen Frauen. Die Autorin beschreibt an Hand von einigen Beispielen Frauen, die in ihrem Leben viel erreicht und somit eine Art Vorbildfunktion haben: die Vizepräsidenten, die Bürgermeisterin, die Königin der Trucker und die erste Frau die ins Weltall flog... unheimlich spannend und vor vielen Jahren noch undenkbar.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig, modern gehalten, spannend geschrieben und mit sehr viel Feingefühl wird die Thematik" Muslimische Frauen" dem Leser näher gebracht.Das Buch ist so spannend geschrieben, dass ich es nicht mehr aus der Hand legen konnte. Spannende Themen mit viel Sensibilität verfasst.
Klusi liest
aus Hof
5/5
27.11.2017
Buch (Gebundene Ausgabe)
Freiheit unterm Schleier
Die allgemeine Meinung über den Iran ist geprägt von Negativmeldungen in der Presse, mehr wissen die meisten Menschen nicht über dieses Land und seine Bewohner. Schon vor einiger Zeit habe ich ein Buch über das Reisen im Iran gelesen und war fasziniert, was sich hinter der starren offiziellen Fassade alles verbirgt, wie die Menschen wirklich denken und leben.
In diesem Buch hier geht es nun speziell um die Frauen im Iran. Die Autorin hat Frauen der unterschiedlichsten Lebensbereiche zu ihrer Situation befragt und erstaunliche Erkenntnisse gewonnen. Sie besitzt selbst, neben der deutschen, die iranische Staatsbürgerschaft und hat eine ganz andere Sichtweise des Lebens dort.
An vielen Bemerkungen im Buch und zur Situation merkt man sehr deutlich, dass die Autorin den Iran liebt und den Menschen dort verbunden ist. Bei ihr gibt es keine Berührungsängste, denn ihr sind viele Gegebenheiten vertraut, die uns fremd erscheinen. Da sie die meiste Zeit in Deutschland lebt, gelingt es ihr besonders, die Gegensätze aber auch eventuelle Gemeinsamkeiten im Leben der iranischen und der deutschen Frauen realistisch darzustellen. Sie beschönigt nichts und gibt durchaus zu, dass in ihrem Heimatland nicht alles bestens ist, aber die Menschen dort sind auf dem besten Weg, den Iran in eine hoffnungsvolle Zukunft zu führen.
Für mich war es erstaunlich, zu lesen, was die Frauen in diesem Land schaffen, denn gerade der weiblichen Bevölkerung wird vieles durch strenge Gesetze erschwert, worüber man sich als Europäerin gar keine Gedanken machen muss. Es trotzdem zu schaffen, sich gegen staatliche Verordnungen aufzulehnen und das Leben nach eigener Vorstellung zu leben, das zeigt die wahre Stärke der Iranerinnen.
Nicht nur Frauen, die im Iran aufgewachsen sind, kommen zu Wort, sondern da gibt es auch diejenigen, die aus Liebe zu einem Mann in den Iran ausgewandert sind und seitdem dort leben. Für sie sind die Unterschiede in der Lebensführung sicher besonders deutlich spürbar, und doch gelingt es ihnen ein, glückliches, erfülltes Leben im Iran zu führen, ohne etwas zu vermissen.
Es gilt, die Möglichkeiten zu entdecken und auch zu nutzen, und das beherrschen die meisten Frauen in diesem Land außerordentlich gut. Ihre eigenen Vorstellungen durchzusetzen und danach zu leben, das ist oft schwierig aber machbar, und ich war überrascht, was alles in diesem Land möglich ist!
Für mich war dieses Buch eine interessante und erkenntnisreiche Lektüre, die so manches Bausteinchen in meinem Weltbild gerade und an seinen Platz gerückt hat.
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