Veit Kolbe verbringt ein paar Monate am Mondsee, unter der Drachenwand, und trifft hier zwei junge Frauen. Doch Veit ist Soldat auf Urlaub, in Russland verwundet. Was Margot und Margarete mit ihm teilen, ist seine Hoffnung, dass irgendwann wieder das Leben beginnt. Es ist 1944, der Weltkrieg verloren, doch wie lang dauert er noch? Arno Geiger erzählt von Veits Alpträumen, vom "Brasilianer", der von der Rückkehr nach Rio de Janeiro träumt, von der seltsamen Normalität in diesem Dorf in Österreich – und von der Liebe. Ein herausragender Roman über den einzelnen Menschen und die Macht der Geschichte, über das Persönlichste und den Krieg, über die Toten und die Überlebenden.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Bewertung
5/5
05.09.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Überraschend gut
Als Pflichtlektüre für das Abi 2022 gekauft und wirklich positiv überrascht. Am Anfang hat man möglicherweise etwas Mühe reinzukommen und es ist ein wenig zäh, danach wird man jedoch mitgerissen und man erlebt eine Geschichte aus dem 2. Weltkrieg abseits von den historischen Ereignissen und gleichzeitig mittendrin.
Obwohl die Charaktere gewöhnlich erscheinen und teilweise stellvertretend für viele stehen könnten, ist die Erzählung spannend und der Schreibstil des Autors angemessen. Teilweise muss man, wenn man ein neues Kapitel beginnt einige Sätze lesen, bevor man weiß, wer gerade spricht, aber das ist eher belanglos.
Positiv überrascht hat mich außerdem Arno Geigers Art, vollkommen auf Nazi-Sprache zu verzichten. So werden die Begriffe “Führer” und “Hitler” mit F. und H. abgekürzt.
Ich hätte mir das Buch selbst nicht gekauft, jetzt, wo ich es gelesen habe, kann ich allerdings nur empfehlen, sich darauf einzulassen.
Wirklich gut gelungen.
Miri
5/5
02.06.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
„… jeder halbwegs nüchterne Mensch muss ein politisches System mit den Augen der Toten betrachten“ (296)
Das, was in diesem Buch der Autor dem Leser bietet, hat einen immens hohen Wert. Die Handlung wird aus mehreren sich abwechselnden Perspektiven erzählt. Was am Anfang als Schicksäle Einzelnen erscheint, fließt am Ende ineinander und mündet im Meer der Vernichtung („Im Wort Vernichtung steckt das wortverwandte Nichts,…) Dass Krieg ein totales Versagen der Menschlichkeit und Abwesenheit des Verstandes bedeutet, ist in der Theorie zwar klar, trotzdem braucht die Menschheit, vor allem in diesen Zeiten, solche Bücher, die als Mahnzeichen angesehen sein sollten. Als Hauptprotagonist Veit Kolbe schwer verletzt wird, kommt er zur Genesung nach Mondsee. Hier trifft ihn das wahre Bild des Krieges mit voller Wucht. Panikattacken, die nur mit Hilfe des Pervitins zu überstehen sind, menschlicher Egoismus aber auch Mut begegnen ihn tagein, tagaus. Erst in der Einsamkeit realisiert er, dass er selbst ein Teil dieses Verbrechens an Menschheit ist. Trotz all den negativen Erlebnissen begegnet er Margot, einer Kriegsbraut. Mit ihr lernt er die Schönheiten des Alltags zu schätzen und erfährt Liebe. Als er am Ende des Buches dem Juden Oskar flüchtig begegnet, schließt sich der Kreis. Oskar hat alles verloren, seine Kinder, seine Frau und als Jude zu einem Element, der fremd und unerwünscht geworden ist. Es gab sprachlich so viele starke Passagen, dass ich nur schwer, welche aussuchen könnte. Die wichtigste Botschaft allerdings ist die, dass man die Augen nicht verschließen und sich „dumm“ stellen sollte:
„Jeder, der stehenbleibt und gafft, gibt dem Publikum Fülle und Ansehen und verlängert dadurch das Leiden derer, die gequält werden. Es soll sich also niemand einbilden, nur Zuschauer zu sein.“ (406)
Es sollte uns bis in die Gene reingehen, dass der Krieg, egal gegen wem, wann und wo „ein leerer Raum, in den schönes Leben hineinverschwand…“ (327) war/ist.
„Der totale Krieg war ein totaler Betrug. Vor allem die Einberufung der Buben … enthüllte auch im Hinterland in grausamer Deutlichkeit, wie wahnsinnig und menschenfeindlich die Firma für Blut und Boden agierte, jederzeit bereit, völlig sinnlose Opfer zu fordern…“ (345)
leseratte1310
5/5
02.06.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Warten auf das Kriegsende
Veit Kolbe wurde kurz vor Weihnachten 1943 in Russland schwer verwundet und nun hält er sich am Mondsee unter der Drachenwand auf, um sich zu erholen. Er ist erschöpft und ausgelaugt und hofft, dass er nicht mehr zurück an die Front muss. In seinem Quartier ist auch die Darmstädterin Margot, die mit ihrem Kind hier gelandet ist. Mit der Kinderlandverschickung ist die Lehrerin Margarete und über dreißig Mädchen aus Wien in diesen Ort gekommen. Dann ist da auch noch der Gärtner, der davon träumt, nach Brasilien zurückzugehen. Veit wird ein Jahr hier verbringen und der Leser lernt diese Menschen kennen, die hoffnungslos sind und einfach nur überleben wollen. Aber da ist auch Trude Dohm, die Zimmerwirtin, die immer noch ihre Durchhalteparolen von sich gibt.
Die ganze Zeit spürt man die Hoffnung, die die Menschen haben auf eine bessere Zeit nach dem Kriegsende. Aber es ist auch eine unterschwellige Bedrohung spürbar. Es ist ein melancholisches Buch,
Veit hat so viel mitgemacht, auch wenn er nicht in der vordersten Linie dabei war, dass er nicht mehr an die Wehrmacht und nicht an den Sieg glaubt. Er will nicht mehr an die Front und versucht mit allen Mitteln, seine Erholungsphase zu verlängern. Dabei helfen im Margot und die „Panzerschokolade“. Doch für Veit ist der Krieg noch nicht zu Ende, denn es kommt ein neuer Einberufungsbefehl.
Arno Geiger bringt unter der Drachenwand die unterschiedlichsten Menschen zusammen und wir dürfen ihre Gedanken, ihre Sehnsüchte und Hoffnungen kennenlernen.
Es ist keine leichte Lektüre und mehr als einmal musste ich schlucken aufgrund des Pragmatismus, mit dem die Menschen versuchten, in diesen Ausnahmezeiten zu überleben.
Ein packender und sehr eindringlicher Roman, der noch lange nachhallt.
Timo Funken
5/5
02.06.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Unter der Drachenwand
Toller bewegender Roman aus der Perspektive eines junges Mannes zur Kriegszeit. Dieses Buch hat mich sehr berührt und ich konnte es nicht aus der Hand legen.
Liebe Grüße
Timo Funken
Bewertung
5/5
02.06.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Unglaublich beeindruckend
Ich gestehe, dass mich die letzten Bücher von Arno Geiger nicht wirklich überzeugt haben. Was er aber in "Unter der Drachenwand" geschaffen hat, ist schlicht und einfach großartig.
Mit einer grandiosen Sprache und drei ganz unterschiedlichen Charakteren macht er für uns alle das Kriegsjahr 1944 erlebbar.
Ein Buch, das unter die Haut geht.
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