Zwischen Wahnsinn und bitterer Realität - ein packender Psychokrimi, der Hochspannung garantiert.
Helene traut ihren Augen nicht: In der Wiege ihres Sohnes auf der Säuglingsstation eines Klagenfurter Krankenhauses liegt ein fremdes Kind. Doch niemand glaubt der jungen Mutter. Kommissar Rosners Freundin Alice liegt einige Zimmer weiter und gerät immer tiefer in den Sog der Ereignisse. Als sich Helene schließlich zu einer Verzweiflungstat hinreißen lässt, schreitet Rosner ein . . .
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Atmosphärisch dichter und packender Krimi!
Bewertung aus Nittendorf am 03.02.2021
Bewertungsnummer: 1072260
Bewertet: eBook (ePUB)
In Simon Rosners drittem Fall entwickelt die Autorin Andrea Nagele eine packende Handlung, in der mehrere Erzählstränge, teils auch auf unterschiedlichen Zeitebenen fesselnd miteinander verwoben wurden.
Dies war mein erstes Buch über den Ermittler Simon Rosner, was aber kein Problem war, da die Figuren im Zuge der Handlung so geschickt eingeführt wurden, dass man die Hintergrundgeschichte von Rosner und seiner Alice allmählich durch Erinnerungen oder Rückblenden erfährt.
Fasziniert hat mich auch, wie aus mehreren zunächst scheinbar völlig unabhängigen Schicksalen dann eine stimmige Erzählung wurde.
Wie der Klappentext verrät, steht Leni im Mittelpunkt, die nach der Geburt ihres Sohnes Max plötzlich behauptet, ihr Baby sei vertauscht worden. Da sie aber bereits nach der Geburt von Ängsten gequält wurde, schenkt man ihr keinen Glauben. Alice, Rosners Verlobte, die zufällig ebenfalls auf der Station liegt, ist die einzige, die ihr hilft.
Ausgehend vom persönlichen Albtraum einer jeden Mutter entwickelt sich eine spannende Geschichte von Lenis traumatischer Vergangenheit über den kriminellen KIndsvater bis hin zu einer Einbruchserie in Klagenfurt. Wirklich spannend mit verblüffendem Ende!
"Eins, zwei, drei. Das Dritte von links."
Elke Seifried aus Gundelfingen am 03.02.2021
Bewertungsnummer: 1059901
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Zwischen Wahnsinn und bitterer Realität ein packender Psychokrimi, der Hochspannung garantiert., mit diesen Worten wird für Kärntner Wiegenlied geworben, und dieses Versprechen hält die Autorin absolut. Nicht nur Rosner und seine Freundin geraten hier immer tiefer in den Sog der Ereignisse, sondern der Leser mindestens genauso sehr.
Eins, zwei drei. Das dritte von links., murmelt Helene stets vor sich hin, wenn sie das Säuglingszimmer der Privatklinik betritt. Nach einer schweren Geburt ist sie zutiefst verunsichert und hat Angst davor, dass sie ihr eigenes Kind nicht wiedererkennen könnte. Dass man einer Mutter nichts vormachen kann, wird ihr schlagartig klar, als ein fremder Junge im dritten Bettchen von links liegt. Natürlich ist ihre seltsam anmutende Angst auch den Pflegekräften und den Ärzten nicht verborgen, geblieben, was dazu beiträgt, dass ihr niemand glaubt, als das Unglaubliche nun wahr wird. Es kann nicht sein, dass ein Baby auf dieser Station vertauscht wurde. Aber was, wenn doch?
Die frisch gebackene Mutter Helene, bei der man nicht weiß, ist sie durchgedreht, oder nicht, ein absolut unsympathischer Kindsvater Sven, der nur darauf aus ist, die Beruhigungsmittel, die ihr der seltsame Psychiater Dr. Friede verschreiben will, für seinen eigenen Drogenkonsum abzuzwacken, eine unbekannte Miriam, die fern ab von Klagenfurt eine Gastprofessur in Exeter hat, ein Einbrecher, der der Fröhliche Weinberg genannt wird, weil er bei seinen Opfern genüsslich ein Glas Wein trinkt, und eine schwangere Alice, Rosners Freundin, die ins Krankenhaus eingeliefert wird, weil sie liegen muss. Das sind die Puzzlestücke, die dem Leser zu Beginn von der Autorin präsentiert werden und aus denen sich dann ein absolut fantastischer Psychokrimi entwickelt.
Ein Kind vertauscht, unmöglich, klar, dass der Frau niemand glaubt. Nur die schwangere Alice, die auf derselben Station liegt, scheint misstrauisch zu werden. Rosners Grenze zwischen Beruf und Privatem wird kläglich überschritten, was ihm gar nicht behagt und er beginnt nur zögerlich mit seinen Nachforschungen, Alice zuliebe. Den Hauptpart, der zur Lösung des Falls dient, trägt hier die Mutter selbst. Diese hat nicht nur damit zu kämpfen, dass ihr niemand glaubt, sie muss die Ängste um ihr eigenes Baby aushalten und hat zudem ein fremdes, schwächliches Kind am Leben zu erhalten.
Der locker, flüssige Schreibstil der Autorin hat Sogwirkung. Ich bin regelrecht durch den Krimi geflogen. Das Buch noch einmal aus der Hand zu legen, ist fast unmöglich, hat man erst einmal begonnen. Ich konnte immer wieder einmal schmunzeln, was mir gut gefallen hat. So bringt z.B. Rosner seiner Alice unüberlegt Kinderkacke, das ehrliche Elternbuch als Geschenk ins Krankenhaus, oder sie sagt ihm deutlich, dass nicht aufregen mit einem Mann wie ihm nicht geht. Andrea Nagele versteht sich ganz großartig darauf die Psyche und die Gefühle der Protagonisten zu beschreiben. Die Ängste und die grenzenlose Verzweiflung Helenes konnte ich fast selbst spüren, ich habe regelrecht mit ihr gelitten und die Geschichte hat mich emotional absolut gefangen genommen. Rosners Angst um das ungeborene Baby ist ebenfalls grandios dargestellt. Seelische Abgründe tun sich auf und ziehen den Leser regelrecht ins Geschehen hinein.
Die Eigenheiten der Mitspieler werden hier bis ins Detail großartig gezeichnet. Helene, die verzweifelte Mutter, die um den Kindsvater Sven alles andere als zu beneiden ist und zudem ein gehöriges Päckchen aus der Vergangenheit zu tragen hat, hat sofort mein Mitleid erregt. Wie muss es sein, wenn einem niemand glaubt, wenn man sich plötzlich in einem ganz anderen Film befindet, in die Psychiatrie abgeschoben wird und es scheinbar niemanden gibt, der bestätigen kann, dass das Kind vertauscht wurde. Rosner, der Ex Alki, macht dieser Fall schwer zu schaffen, hat er doch Angst, dass seine Alice vor Aufregung, das Baby verlieren könnte. Ich mag den, in Beziehungsfragen manchmal etwas unbeholfenen, Kommissar richtig gern. Süß ja, wenn er beim Hausputz auch die Ecken nicht vergisst, bevor Alice entlassen wird. Undurchsichtige Nebendarsteller, beim mysteriösen Dr. Friede angefangen bis hin zum Jugendfreund, der unter jugendlicher Schizophrenie litt und plötzlich auftaucht, ermöglichen dem Leser Rätselraten.
Nach Tod am Wörthersee und Tod in den Karawanken ein weiterer Pageturner um Rosner aus der Feder von Andrea Nagele, der mich mit Sogwirkung mehr als fesselnd, berührend und äußerst exzellent unterhalten hat. Völlig begeisterte fünf Sterne.
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