Was passiert hinter den Fronten des Jihad? Wie ticken Warlords und jugendliche Attentäter? Spannend wie in einem Krimi berichtet Souad Mekhennet von ihren teils lebensgefährlichen Recherchen in den No-go-Areas des Terrors, allein, ohne Handy, bekleidet mit einer schwarzen Abaya. Die Journalistin Souad Mekhennet verfügt über ungewöhnliche Verbindungen zu den Most Wanted des Jihad und über ein einzigartiges investigatives Talent.
Sie deckte die Entführung und Folterung des Deutsch-Libanesen Khaled al-Masri durch die CIA auf, interviewte den Führer von al-Qaida im Maghreb, obwohl ihr die Geheimdienste auf den Fersen waren, lernte ein ägyptisches Foltergefängnis unfreiwillig von innen kennen, enttarnte den berüchtigten IS-Henker "Jihadi John" und wusste nach den Pariser Anschlägen schon vor der Polizei, wer der in Saint Denis erschossene Attentäter war. Ihre meisterhaften Nahaufnahmen lassen uns die Kämpfe und Wünsche der islamischen Welt besser verstehen und führen uns heilsam vor Augen, dass sich der Clash zwischen Islam und Westen in Wirklichkeit nur in den Köpfen abspielt.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Janine S.
5/5
29.12.2017
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Frau, die nicht locker lässt und nachfragt
Die Journalistin Souad Mekhennet ist in Deutschland geboren, aber ihre Wurzeln sind marrokanisch-türkisch. Dank ihrer Eltern weiß sie von klein auf, dass ein Zusammenleben von Schhiten und Sunniten möglich ist. Doch in der islamischen Welt prallen die verschiedenen Glaubsrichtungen imemr wieder aufeinander. Viele Islamisten sind außerdem nicht gut auf den Westen zu sprechen. Die Journalistin wagt sich vor in diese gefährliche Welt und interviewt Warlords und Führer von al-Qaida. Dabei enthüllt sie Identitäten und geheime Machenschaften.
Die Journalistin erzählt ihre Lebensgeschichte und somit auch über ihre Reportagen, Interviews und Arbeitsweise. Man erfährt, dass sie in Deutschland geboren wurde, aber einen gewissen Teil ihrer Kindheit bei ihrer Großmutter in Marroko verbracht hat. Sie kann daher sehr gut Deutsch und Arabisch sprechen, was ihr später sehr viele Türen öffnen wird. Außderm ist sie sehr mit dem Islam vertraut. Früh ist Mekhennet klar, das sie Journalistin werden will und schaffst es shcließlich in Hamburg auf die Henri-Nannen-Schule. Ihre islamischen Wurzeln erlauben es ihr in Gebiete vorzudringen und Menschen zu interviewen, zu denen deutsche Journalisten niemals Zutritt bekämen. Sie weiß wie man sich zu verhalten hat und taucht entsprechend verschleiert zu ihren Inteviews auf. Außerdem lässt sie nicht lockert und lässt sich niemals einschüchtern. Das imponiert so einigen Anführern, so dass sie exklusive Interviews erhält.
Ihr journalistische Reise beginnt mit dem 11. September 2001 und führt sie über den islanischen Frühling bis in die Gegenwart. Man bekommt die andere Seite zu sehen, lernt deren Beweggründe kennen. Warum schließen sich so viele, junge Männer dem Dschiad an? Was versprechen sie sich vom Kalifat? Warum hat sie der Westen enttäuscht?
Mekhennet hat einen ganz eigenen Charakter, der sie prädestiniert für den Job als Jourlanistin. Sie hinterfragt die Dinge, sie traut sich in Krisengebiete und hört tatsächlich zu ohne zu verurteilen oder jemals nur die eine Seite zu beleuchten. Sie lässt sich auch nicht von Entführungen, Verhaftungen oder Drohungen einschüchtern. Es ist spannend sie auf ihren Reisen und Interviews zu begleiten. Mitzufiebern, wenn sie versucht geheime Identitäten und Machenschaften aufzudecken. Sie berichtet von Einzelschicksalen, bringt sie in den großen Zusammenhang und ist stets vor Ort, mittendrin in den größten Tumulten und Auseinandersetzungen.
Gerade als Westler weiß man oft nicht allzu viel über den Islam und warum sich junge Menschen zu radikalisierten Islamisten werden. Die Journalistin vermag auf eindringliche Art und Weise eine uns fast geheime Welt zu beleuchtet, in dem sie hinter die Kulissen schaut und sich nicht abschrecken lässt. Der Mut dieser Frau lässt einen neue Einblicke gewähren, die unbedingt jedem zuteil werden sollten. Daher gebe ich eine ganz klare Leseempfehlung, denn jede Medaille hat zwei Seiten.
Gertie G.
aus Wien
5/5
05.10.2017
Buch (Gebundene Ausgabe)
Aktueller denn je ...
Mit diesem Buch entführt uns die Autorin Souad Mekhennet in die (Gedanken)Welt der radikalen Islamisten.
Die bekannte Reporterin ist wie keine zweite berufen, sich dieses Themas anzunehmen. Sie ist eine Wanderin zwischen Orient und Okzident. In Deutschland als Tochter von marokkanisch-türkischen Eltern geboren, wächst sie als gläubige Muslima und moderne Frau auf. Allerdings
kennt sie die schiefen Blicke der anderen und das Gefühl Nicht-dazu-gehören. Mit Ehrgeiz und Beharrlichkeit hat sie sich ihren Platz im politischen Journalismus erkämpft.
Was veranlasst sie nun, hinter die Kulissen des IS zu blicken?
Souad Mekhennet will ergründen, warum sich vor allem junge Menschen dem Aufruf zum Dschihad folgen. Sie spricht mit Frauen und Männern. Dabei entdeckt sie Ähnlichkeiten mit ihrer eigenen Herkunft. Doch anders als die enttäuschten Jugendlichen, die vor allem den Westen für ihre Situation verantwortlich machen, hat Souad die ihr angebotenen Chancen genützt. Sie hat hart für ihren Erfolg gearbeitet.
Auf ihren Reisen in die arabischen Staaten wird sie mehrmals verschleppt, mit dem Tod bedroht und kann das eine oder andere Mal nur mit viel Glück entkommen.
Während des arabischen Frühling ist sie in Ägypten, wird verhaftet und lernt eines der berüchtigten ägyptischen Gefängnisse von innen kennen.
Doch nicht nur den islamischen Staaten ist sie suspekt. Nein, auch die westlichen Staaten beäugen die Journalisten argwöhnisch. Ist sie gar eine von denen?
Schonungslos listet sie die Fehler, die den westlichen Politikern unterlaufen sind. Schon lange vor den Anschlägen in Paris, Brüssel oder London hat die Top-Journalistin vor radikalisierten Jugendlichen gewarnt. Allein, man hat sie nicht ernst genommen.
Doch nicht nur der Westen schlägt eine falsche Richtung ein. Auch die islamische Welt ist in sich zerstritten. Sunniten bekämpfen Schiiten, gehen für diese Kämpfe allerlei Allianzen ein, die sich dann verselbständigen.
Für sie ist es klar, dass die Beseitigung eines Diktators à la Saddam Hussein nur ein Vakuum entstehen hat lassen, das nun von diversen Gruppen aufgefüllt wird. Die handelnden Politiker scheinen hier nicht weiter gedacht zu haben. Die Folgen spüren wir auf der ganzen Welt.
In sachlichen Worten und mit vielen Details aus ihrem nicht ganz ungefährlichen Reisen, gibt uns Souad Mekhennet Einblick in die Gedankenwelt der radikalisierten Islamisten. Ich gebe zu, ich habe bislang nicht allzu viel darüber gewusst.
Dieses Buch ist ein wichtiger Beitrag, um eine andere als die westliche Sicht zu bekommen. Allerdings fürchte ich, der Terror wird uns noch länger beschäftigen.
Fazit:
Ein Buch, das unbedingt gelesen werden sollte. 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!
Sikal
5/5
26.09.2017
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine faszinierende Frau, die Mut beweist
Souad Mekhennet, Journalistin, türkisch-marokkanischer Abstammung, in Deutschland aufgewachsen, hat sich ein gefährliches Ziel gesetzt sie versucht Brücken zwischen dem Islam und dem Christentum zu bauen, zwischen den arabischen Ländern und dem sogenannten Westen, zwischen Personen diverser Terrororganisationen und der Öffentlichkeit. Sie hat sich somit einiges vorgenommen und ihre Geschichte in diesem Buch zeigt von vielen gefährlichen Situationen, von wunderbaren zwischenmenschlichen Begegnungen, von der Suche nach der Wahrheit, von Zufällen aber auch hartnäckigem Recherchieren kurzum: von einem rasanten Leben.
Das Buch beginnt mit einem Prolog, ein Treffen mit einem ISIS-Mitglied, das sie unter schwierigen Bedingungen zu bewältigen hatte:
Ich sollte allein kommen. Ohne Ausweispapiere oder sonstige Dokumente; Handy, Aufnahmegerät, Uhr und Handtasche sollte ich in meinem Hotel in Antakya lassen. Erlaubt waren lediglich ein Notizbuch und ein Kugelschreiber.
Sie erzählt uns von ihrer Kindheit und Jugend in Deutschland, vom Anderssein, von ihrer Beziehung zur Großmutter in Marokko und ihren Eltern, die sie gelehrt haben Gemeinsamkeiten und Einigkeit zu schaffen egal welcher Nationalität und Konfession diese Menschen sind. Hier wurde wohl die Grundlage für ihren Beruf gelegt, in dem sie gefordert ist nicht nur Mut, sondern vor allem Empathie und Entschlossenheit an den Tag zu legen. Langsam erkämpft sie sich ihren Status als Journalistin, baut sich ein Netzwerk innerhalb bekannter Medien ebenso auf wie diverse Kontaktpersonen, die sie bei ihren Recherchetätigkeiten tatkräftig unterstützen.
Sie hat wohl eine besondere Gabe: Sie hört den Menschen zu, verurteilt sie nicht nach ihren Taten und versucht objektiv zu berichten, auch wenn sie sich dadurch Feinde macht oder sich teilweise den Herausgebern beugen muss. Souad gibt den Islamisten die Möglichkeit, dass auch ihre Sicht der Dinge gehört wird, gibt ihnen eine Stimme und macht sich viele zum Feind (nicht nur Dschihadisten, sondern auch westliche Regierungen und Geheimdienste). Sie erfährt in ihren Interviews welche Ursachen teilweise zur Radikalisierung dieser Menschen führte, wie diese den Westen hassen, weil sie dort keine Chance bekamen und als Menschen zweiter Klasse interagieren mussten.
Nicht die Religion radikalisiert den Menschen; der Mensch radikalisiert die Religion.
Ihr Buch liest sich spannend wie ein Thriller, sie erklärt sachlich und dann wieder emotional, als der Terror bis in ihre Familie hineingreift. Eine Mischung, die ihr Authentizität und Glaubwürdigkeit verleiht und - ja, man darf auch Tränen zulassen!
Ein sehr empfehlenswertes Buch für jedermann, der genug hat von den einseitig berichtenden Medien und die Unterschiede zwischen westlicher und arabischer Welt hinterfragen will.
Wenn ich eins gelernt habe, dann dies: Die Schreie einer Mutter, die ihr getötetes Kind beweint, klingen immer gleich, egal ob sie nun schwarz, braun oder weiß, Muslimin, Jüdin, Christin, Schiitin oder Sunnitin ist.
Dem ist nichts hinzuzufügen.
Igelmanu66
aus Mülheim
5/5
22.09.2017
Buch (Gebundene Ausgabe)
Hut ab vor dieser großartigen Frau!
»Ich sollte allein kommen. Ohne Ausweispapiere oder sonstige Dokumente; Handy, Aufnahmegerät, Uhr und Handtasche sollte ich in meinem Hotel in Antakya lassen. Erlaubt waren lediglich ein Notizbuch und ein Kugelschreiber.«
Sommer 2014. Die Journalistin Souad Mekhennet hat eine Verabredung zu einem Interview mit einem Kommandeur des IS. Mitten in der Nacht. Und allein.
Schon der Anfang des Buchs las sich wie ein Thriller. Die Gefahr, in die sich Souad Mekhennet begeben hat, wird niemand von der Hand weisen. Wie kommt eine Frau dazu, einen solchen Schritt zu wagen? Woher nimmt sie den Mut?
Ein autobiographischer Teil, der sich anschließt, hilft, die Autorin kennenzulernen. Schon früh musste sie lernen, gegen Widerstände zu kämpfen. Eben weil sie in Deutschland geboren und aufgewachsen war, es als ihre Heimat ansah und doch wegen ihrer Wurzeln diskriminiert wurde. Im September 2001 war sie eine junge Journalistin, zutiefst schockiert und von dem Wunsch getrieben zu verstehen, was da geschehen war
»Was genau meint ihr mit Dschihad?«, fragte ich.
»Dass man ein Recht auf Selbstverteidigung hat«, erklärte mir einer der Studenten.
»Wovon redest du?«, fragte ich. »Wer hat euch denn persönlich angegriffen?«
»Die Amerikaner.«
»Ich wüsste nicht, dass die Amerikaner Marokko angegriffen haben.«
»Wir denken nicht als Marokkaner«, sagte er. »Wir denken als Muslime.«
Allmählich dämmerte es mir, dass ich eine Welt betrat, vor der mich meine Eltern immer gewarnt hatten. Als Journalistin war es mein Job, über das zu schreiben, was in den Köpfen dieser Männer vor sich ging, und es anderen zu erklären.
Souad Mekhennet begriff es als ihre Aufgabe, die Beweggründe zu erfahren und sie der Welt mitzuteilen. Weshalb radikalisieren sich junge Männer und Frauen? Wo kommt all der Hass her? So reist sie um die Welt, von einem Krisengebiet ins nächste. Ob im türkisch-syrischen Grenzgebiet, im Irak oder in Jordanien immer wieder begibt sie sich in Lebensgefahr. In Ägypten wird sie verhaftet und lernt ein berüchtigtes Foltergefängnis von innen kennen. Zeitgleich wird sie aber auch von westlichen Regierungen argwöhnisch beobachtet und fragt sich manchmal, von welcher Seite ihr mehr Gefahr droht.
Unbeirrt bemüht sie sich um Gespräche mit Dschihadisten, interviewt Anführer von al-Qaida, radikalisierte Jugendliche und ihre Familien, Politiker und Imame. Wo nötig zieht sie zum Gespräch eine Abaya über Jeans und T-Shirt, verzichtet aber fast nie auf das Stellen unbequemer Fragen.
In ihren Reportagen bemüht sie sich um Objektivität. Dafür bringt sie die besten Voraussetzungen mit, denn von klein auf ist sie gewohnt, zwischen den Welten zu leben. Als Kind marokkanisch-türkischer Eltern wächst sie in Deutschland auf, wird sowohl eine gläubige Muslimin als auch eine selbstbewusste, moderne Frau. Und stellt als Tochter eines Sunniten und einer Schiitin schockiert fest, dass diese beiden Glaubensrichtungen sich in Teilen der Welt abgrundtief hassen und bekämpfen.
Ihre Sichtweise und die Art zu berichten hat mich wirklich beeindruckt. Offen legt sie ihre Meinung dar, verurteilt Gewalt und Hass, bemüht sich aber auch zu verstehen, wie beides entstehen kann. Und hofft darauf, dass ihre Erkenntnisse helfen können, noch mehr Hass und Morde zu verhindern.
Ich für mein Teil habe viel Interessantes erfahren und gelernt. Souad Mekhennet schildert die Hintergründe so mancher Konflikte, erläutert die Differenzen zwischen Sunniten und Schiiten, sie denkt über die wahre Natur des sogenannten Arabischen Frühlings nach und stellt Menschen vor, die an der Deradikalisierung junger Muslime arbeiten. Sie befasst sich mit Frauenrechten, spricht aber auch über Europäerinnen, die davon träumen, einen IS-Kämpfer zu heiraten. Sehr spannend fand ich auch die Enttarnung von Jihadi John meine Güte, die Autorin ist sowohl mutig, einfallsreich als auch intelligent!
Der Stil sagte mir ebenfalls sehr zu. Obwohl reichlich Fakten geschildert werden und mir manchmal aufgrund der vielen arabischen Namen der Kopf rauchte, ist die Schilderung sehr lebhaft und gut zu lesen. Immer wieder gibt Souad Mekhennet Einblicke in ihr Gefühlsleben, man spürt, dass sie durchaus Ängste hat und zwar nicht nur um ihr eigenes Leben, sondern auch um die Zukunft der westlichen und der arabischen Welt.
Fazit: Hut ab vor dieser großartigen Frau! Sehr lesenswerter Bericht, der informiert, nachdenklich macht und um gegenseitiges Verständnis wirbt.
»Nicht die Religion radikalisiert den Menschen; der Mensch radikalisiert die Religion.«
Igelmanu
aus Mülheim
5/5
22.09.2017
Buch (Gebundene Ausgabe)
»Ich sollte allein kommen.…
»Ich sollte allein kommen. Ohne Ausweispapiere oder sonstige Dokumente; Handy, Aufnahmegerät, Uhr und Handtasche sollte ich in meinem Hotel in Antakya lassen. Erlaubt waren lediglich ein Notizbuch und ein Kugelschreiber.« Sommer 2014. Die Journalistin Souad Mekhennet hat eine Verabredung zu einem Interview mit einem Kommandeur des IS. Mitten in der Nacht. Und allein. Schon der Anfang des Buchs las sich wie ein Thriller. Die Gefahr, in die sich Souad Mekhennet begeben hat, wird niemand von der Hand weisen. Wie kommt eine Frau dazu, einen solchen Schritt zu wagen? Woher nimmt sie den Mut? Ein autobiographischer Teil, der sich anschließt, hilft, die Autorin kennenzulernen. Schon früh musste sie lernen, gegen Widerstände zu kämpfen. Eben weil sie in Deutschland geboren und aufgewachsen war, es als ihre Heimat ansah und doch wegen ihrer Wurzeln diskriminiert wurde. Im September 2001 war sie eine junge Journalistin, zutiefst schockiert und von dem Wunsch getrieben zu verstehen, was da geschehen war. Souad Mekhennet begriff es als ihre Aufgabe, die Beweggründe zu erfahren und sie der Welt mitzuteilen. Weshalb radikalisieren sich junge Männer und Frauen? Wo kommt all der Hass her? So reist sie um die Welt, von einem Krisengebiet ins nächste. Ob im türkisch-syrischen Grenzgebiet, im Irak oder in Jordanien – immer wieder begibt sie sich in Lebensgefahr. In Ägypten wird sie verhaftet und lernt ein berüchtigtes Foltergefängnis von innen kennen. Zeitgleich wird sie aber auch von westlichen Regierungen argwöhnisch beobachtet und fragt sich manchmal, von welcher Seite ihr mehr Gefahr droht. Unbeirrt bemüht sie sich um Gespräche mit Dschihadisten, interviewt Anführer von al-Qaida, radikalisierte Jugendliche und ihre Familien, Politiker und Imame. Wo nötig zieht sie zum Gespräch eine Abaya über Jeans und T-Shirt, verzichtet aber fast nie auf das Stellen unbequemer Fragen. In ihren Reportagen bemüht sie sich um Objektivität. Dafür bringt sie die besten Voraussetzungen mit, denn von klein auf ist sie gewohnt, zwischen den Welten zu leben. Als Kind marokkanisch-türkischer Eltern wächst sie in Deutschland auf, wird sowohl eine gläubige Muslimin als auch eine selbstbewusste, moderne Frau. Und stellt als Tochter eines Sunniten und einer Schiitin schockiert fest, dass diese beiden Glaubensrichtungen sich in Teilen der Welt abgrundtief hassen und bekämpfen. Ihre Sichtweise und die Art zu berichten hat mich wirklich beeindruckt. Offen legt sie ihre Meinung dar, verurteilt Gewalt und Hass, bemüht sich aber auch zu verstehen, wie beides entstehen kann. Und hofft darauf, dass ihre Erkenntnisse helfen können, noch mehr Hass und Morde zu verhindern. Ich für mein Teil habe viel Interessantes erfahren und gelernt. Souad Mekhennet schildert die Hintergründe so mancher Konflikte, erläutert die Differenzen zwischen Sunniten und Schiiten, sie denkt über die wahre Natur des sogenannten Arabischen Frühlings nach und stellt Menschen vor, die an der Deradikalisierung junger Muslime arbeiten. Sie befasst sich mit Frauenrechten, spricht aber auch über Europäerinnen, die davon träumen, einen IS-Kämpfer zu heiraten. Sehr spannend fand ich auch die Enttarnung von „Jihadi John“ – meine Güte, die Autorin ist sowohl mutig, einfallsreich als auch intelligent! Der Stil sagte mir ebenfalls sehr zu. Obwohl reichlich Fakten geschildert werden und mir manchmal aufgrund der vielen arabischen Namen der Kopf rauchte, ist die Schilderung sehr lebhaft und gut zu lesen. Immer wieder gibt Souad Mekhennet Einblicke in ihr Gefühlsleben, man spürt, dass sie durchaus Ängste hat – und zwar nicht nur um ihr eigenes Leben, sondern auch um die Zukunft der westlichen und der arabischen Welt. Fazit: Hut ab vor dieser großartigen Frau! Sehr lesenswerter Bericht, der informiert, nachdenklich macht und um gegenseitiges Verständnis wirbt. »Nicht die Religion radikalisiert den Menschen; der Mensch radikalisiert die Religion.«
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