Die allumfassende globale Vernetzung bestimmt heute nicht nur unser Bild von der gegenwärtigen Welt, die Erfahrung dieser Vernetzung verändert seit gut 30 Jahren zunehmend auch unsere Auffassung von der Geschichte: durch Forschungsinteressen, die sich von einfachen nationalen Geschichtsschreibungen verabschieden und Vernetzung und Verflechtung ins Zentrum der Aufmerksamkeit stellen. Auch das Philosophieren hat längst auf diesen Prozess reagiert. Das Buch will eine verflechtungsgeschichtliche Perspektive auf verschiedene Weisen des Philosophierens eröffnen. Es reflektiert die methodischen Reaktionen auf die Globalisierungsprozesse in der Philosophie und den Geisteswissenschaften im 20. Jahrhundert. Schließlich zeigt es systematische Perspektiven auf, wie Philosophieren in einer globalisierten Welt heute entfaltet werden kann.
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HSL am 01.12.2017
Bewertungsnummer: 1065738
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Das im September 2017 herausgebrachte Werk wurde von einen der führenden deutschen philosophischen Fachverlage, dem Verlag Karl Alber verlegt. Der namhafte Professor, Philosoph und Autor Rolf Elberfeld hat nach dem Studium der Philosophie, Japanologie, Sinologie und Religionsgeschichte 1995 promoviert und sich 2001 habilitiert. Er wurde hauptsächlich mit Veröffentlichungen zur interkulturellen Philosophie (Japan, China) bekannt. All zu schnell übersehen wir heute Wesentliches und Unabdingbares durch Unachtsamkeit. Die feinen Blüten auf dem Cover sind mir aufgefallen, habe sie jedoch schnell ad acta gelegt. So zeigt mir das japanische Gemälde der Mandelblüte von Van Goghs (!890) eine Frontperspektive auf, die parallel zur Bildebene liegt und in etwa auf folgendes aufmerksam machen will. Hier gilt das Motto: Was der eine nicht sieht, sieht der andere umso besser. Das sich in der zunehmenden Globalisierung auch die Perspektiven des Philosophierens verändern, wie in allen anderen Zweigen der Gesellschaft, wird klar, dass auch hier die Weltgeschichte umgeschrieben werden muss. Seit gut 30 Jahren werden zunehmend Auffassungen von der Geschichte durch Forschungsinteressen, die sich von einfachen nationalen Geschichtsschreibungen verabschieden, verändert. Schließlich zeigt der Autor systematische Perspektiven auf, wie Philosophieren in einer globalisierten Welt sich entfaltet. Vergangenes lässt sich heute auf neue Weise überschauen und beurteilen. In diesem Zusammenhang untersucht der Autor Afroeurasien, den Großkontinent der die größte zusammenhängende Landmasse der Erde beinhaltet. Schon hier wurde beim Weltkongress der Philosophie dem Autor klar, dass sich die teilnehmenden Länder, nicht an den Rand der Gesellschaft drängen lassen dürfen und nur wenig am wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Leben teilnehmen können. 1990 war es nicht leicht, in Japan, China, Indien, Südamerika, Afrika usw. fortlaufend aktuelle Tagesereignisse in Europa zu verfolgen. Nun erscheint mir sehr interessant, dass beim nächsten Weltkongress der Philosophie 2018 in Peking sich auch das Gefüge der Sprachen verschiebt. So das chinesisch eine ernsthafte Konkurrenz für das Englische in der globalen Wissensordnung darstellt. Der Inhalt dieses Werkes überrascht mich sehr stark und wächst mit jeder geschriebenen Seite. Sehr viele Themen werden angesprochen und nur das Philosophieren über Sprachen und welche Zwänge auch wissenschaftlich daraus entstehen, um Vereinheitlichung zu schaffen, macht schon sehr nachdenklich. Systematisch bis ins 16.Jahrhundert hinein wird das Selbstbild des Menschen und die Interpretation seines Handelns im Kontext zwischen Asien und Europa sichtbar befragt. Zum Abschluss gibt der Autor einen Methodenvorschlag zur Entfaltung der globalisierten Welt, die aber nur gelingt wenn politische Rahmenbedingungen geschaffen werden. Ein erstaunlich gutes Buch.
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