Sie heißen Familie Blau, Weiß, Rot, Grün, sie leben abgeschottet in ihrer Siedlung, sie befolgen die Regeln. Fortpflanzung und Natur stehen weit oben auf der Normenliste. Weil sich bei Regina und Jakob Grün jedoch kein Nachwuchs einstellen will, helfen sie nach, im Geheimen natürlich. Solches Handeln ist verpönt, und Geheimnisse gibt es nicht. Rosa tritt mit einem Fluch belegt ins leben. Das neugierige Mädchen, das im gewitzten Fredy Blau eine Gefährten findet, wird bald schon von der Strafe eingeholt. Knochenlieder erzählt die Geschichte der Familien Grün und Blau über rund sechs Jahrzehnte, beginnend um 2020. Wenn im ersten Teil das Leben in der Siedlung im Mittelpunkt steht, spielt der Roman im zweiten Teil und gut zwanzig Jahre später in einer überwachten Stadt, die nur noch den Ausnahmezustand kennt. Hier lebt Pippa, zusammen mit einem widerlichen Vater, von dem sie sich dringend befreien will. Ihre Fähigkeiten als Hackerin sollen ihr dabei behilflich sein. Im dritten Teil macht sich Pippa auf die Suche nach ihrer Mutter - un findet Rosa, die ihr Geschichten von früher erzählt, auch jene von Fredy, dem einzigen Menschen, den sie wirklich geliebt hat. Martina Clavadetscher legt mit ihrem zweiten Roman eine bitterböse Zukunftsgeschichte vor, in die sie geschickt verschiedene Märchenmotive einflicht. Eine knappe Sprache und schnelle Dialoge prägen den Text. Knochenlieder ist ein harter Roman, unterlegt von tiefer Menschlichkeit.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Bewertung
aus Brunnen
5/5
24.10.2017
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sensationell
Der Inhalt des in drei Teile gegliederten Buches kann gefallen oder nicht - er nötigt dem Leser einiges ab. Sind die Protagonisten nun sympathisch, mag man sich die Zukunft so vorstellen, versöhnt der Schluss? Eher düster, was uns Clavadetscher an Visionen zumutet. Was aber unbedingt begeistert und überzeugt ist die Sprache - kraftvoll, präzise, mal rhythmisch wie ein Poetry Slam, mal leise wie ein Gedicht. Vor allem diese Sprache ist es, die mich absolut begeistert - ein Buch zum wieder-, quer- und teil-lesen und dabei immer wieder neues entdecken.
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