Kann Liebe wachsen, wo Hass gesät wird? Ein Muss für jeden, der um Verstehen ringt im nie endenden Nahostkonflikt. Jaffa, 1948. Der 7-jährige Salim, Sohn eines palästinensischen Plantagenbesitzers, darf endlich die Früchte des Orangenbaums ernten, der am Tag seiner Geburt gepflanzt wurde. Doch zuvor bricht der Krieg über Palästina herein, und seine Familie muss fliehen. Von da an hat Salim nur noch einen Traum: zu seinem Baum zurückzukehren. Judith wächst in England bei jüdischen Eltern auf, gefangen in den Erwartungen ihrer Familie. Als sich Salim und Judith im London der Sechziger Jahre begegnen, wissen sie, dass ihre Liebe nicht sein darf - und doch ist sie stärker als der Hass, der ihre Welten trennt ...
»Claire Hajaj schildert mit feinfühliger, intensiver Wucht und einer atemberaubenden Stilsicherheit beide Seiten dieses Konfliktes, während die große Sehnsucht nach Frieden allgegenwärtig ist. Ein großartiges Debüt!« Hamburger Morgenpost
Die Hardcover-Ausgabe erschien unter dem Titel »Ismaels Orangen« bei Blanvalet.
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Ein einzigartiges Familiendrama
Bewertung aus Oberlunkhofen am 04.04.2020
Bewertungsnummer: 1311638
Bewertet: eBook (ePUB)
<p>Wer Eltern hatte oder selber eine Familie, der weiss, dass es früher oder später zu Meinungsdifferenzen, Spannungen oder sogar Konflikte innerhalb der Familie kommen kann. Wie, aber, wenn sprachliche, religiöse, kulturelle und vor allem ethnische Faktoren mitspielen? Oder kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den Herkunftsvölkern?</p><p>
“Unsere Familien werden niemals akzeptieren, dass wir zusammen sind.”</p>
Ihre Namen sagen es schon: Jude – abgeleitet von Judit – ist eine athletische, belesene, in Nordengland aufgewachsene, halbherzige Jüdin, Enkelin einer von den Nazis geflüchteten Russin; und Salim Al Ismaeli, ein halbherzig muslimischer, aus Jaffa vertriebener Palästinenserjunge, der zwar ein Wirtschaftsstudium in London absolviert hat, aber sich nie befreien kann vom Spottnamen seiner Kindheit, Fellah – Landarbeiter – und ständig seine Heimat sucht. Wie können sie es wagen, an eine Ehe zu denken?
Und wie kommt es wohl, wenn so unterschiedliche Zwillinge entstehen: Marc, ein schlanker, hitziger, dunkelhäutiger Junge, der Tänzer werden will, und Sophie, ein friedfertiges, hübsches, blondes Mädchen?
Wir erleben beide Hauptakteure von ihrer Kindheit an; wie sie geprägt werden von den Traumen ihrer Vorfahren; wie sie sich dann in London kennenlernen, ihre inkompatiblen Hintergründen entdecken und sich trotz allem ineinander verlieben.
Am Hals trägt Jude sowohl den Davidstern ihrer Grossmutter wie auch den von Salim geschenkten Anhänger mit der arabischen Beschriftung “Gelobt sei Gott”.
Zerrissen im Gemüt, reist Salim nach Beirut, wo er sich mit seinem jungen Bruder, Rafan, trifft. Dieser unterstützt die Palästinensische Befreiungs Organisation bei ihrer Tätigkeiten im Flüchtlingslager Shatila, und betrachtet alle Juden als Feinde – Zionisten – die sein Volk aus ihrem Land vertrieben und unterdrücken.
Trotz Widerstand der Familien, heiraten Salim und Jude. Nach der Geburt der Zwillinge, findet er Arbeit in Kuwait. Die Familie fühlt sich aber dort nicht wohl, besonders wenn Rafan wieder auftaucht und Salim in seine kriegerischen Machenschaften hinein verwickelt. Die Spannungen – besonder zwischen Salim und Marc – flauen auf. Am Schluss flüchtet Jude mit den Kindern zurück nach London. Salim weiss weder ein noch aus.
Ab und zu als Sofagast bei seiner Familie in London, sehnt sich Salim immer mehr nach dem ‘Orangenhaus’ seiner Kindheit in Jaffa, wovon er ständig ein Foto mit sich trägt. Er reist hin und versucht, über dem Rechtsweg das Haus wieder zurück zu gewinnen. Aber alles läuft schief.
Plötzlich taucht Marc auf aber Vater und Sohn verstehen einander nicht. Es kommt zur mehrfachen Tragödie, die aber veranlasst, dass Jude auch nach Jaffa reist. Werden sie sich wieder finden?
Trotz der langen Zeitspanne der Erzählung, den vielen Spielern und den unterschiedlichen Lokalitäten, ist das Buch sehr spannend zum lesen und, vor allem, stilistisch hervorragend geschrieben. Claire Hajaj beherrscht nicht nur die Schreibkunst, sondern kennt sich bestens aus mit den Charakteren und Sehnsüchten der entgegengesetzten Völkern. Wir lernen viel über die Ereignisse im Nahen Osten nach der Gründung des Staates Israel aber auch über die Kultur und Beweggründe sowohl der als ‘Siegervolk’ bezeichneten Juden wie auch der scheinbar ewig unterlegenen Palästinensern.
Das Buch verdient ohne Zweifel fünf Sterne.
Nicht nur, dass das Buch sehr…
Thopf aus Poppenbüll am 24.10.2022
Bewertungsnummer: 2784642
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Nicht nur, dass das Buch sehr gut und vor allem im weiteren Verlauf sehr spannend und mitreißend geschrieben ist, es ist auch ein riesiger Gewinn für all diejenigen, die den als völlig unlösbar erscheinenden Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern von innen her verstehen möchten, ein MUSS. Die Lebens-, Liebes- und Familiengeschichte der beiden Protagonisten nimmt mit in die ganze Tragik dieses Konfliktes in den unterschiedlichsten Facetten. Solange es nur um Gerechtigkeit, Tradition, Identität, Landbesitz und Nationalismus geht, wird es keine Lösung geben, dazu braucht es zwischenmenschliche Solidarität, gegenseitige Achtung und Liebe und einen Schlussstrich unter eine nicht mehr lösbare oder korrigierbare Vergangenheit. Ich danke Claire Hajaj für dieses wunderbare Buch.
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