Wie erlebt jemand Deutschland, der dazugehört, aber für viele anders aussieht? Mohamed Amjahid, Sohn marokkanischer Gastarbeiter und als Journalist bei einer deutschen Zeitung unfreiwillig "Integrationsvorbild", wird täglich mit der Tatsache konfrontiert, dass er nicht-weiß ist. Er hält der weißen Mehrheitsgesellschaft den Spiegel vor und zeigt, dass sich diskriminierendes Verhalten und rassistische Vorurteile keineswegs bloß bei unverbesserlichen Rechten finden, sondern auch bei denen, die sich für aufgeklärt und tolerant halten. Pointiert und selbstironisch macht er deutlich, dass Rassismus viel mit Privilegien zu tun hat – gerade wenn man sich ihrer nicht bewusst ist.
Kundinnen und Kunden meinen
4.9/5.0
Bewertung
5/5
05.04.2021
Buch (Taschenbuch)
Ich kann dieses Buch wirklich...
Ich kann dieses Buch wirklich jedem weiterempfehlen der einen Einblick in das Leben einer PoC (Person of color) in Deutschland bekommen möchte. Es ist nicht vorwurfsvoll oder belehrend geschrieben sondern eher versöhnlich. Ein gutes Einsteigerbuch zum Thema Rassismus.
Bewertung
5/5
05.05.2018
Buch (Taschenbuch)
Rassismus, der unter die Haut...
Rassismus, der unter die Haut geht. Pflichtlektüre für jeden - selbst, wenn man glaubt, man sei nicht rassistisch.
Bewertung
aus Mainz
5/5
10.05.2017
Buch (Taschenbuch)
Wie tolerant und fremdenfreund…
Wie tolerant und fremdenfreundlich ist die deutsche Gesellschaft wirklich? Nach dem großen Hype um die weltweit beachtete Willkommenskultur und der vorbildlichen Aufnahme hunderttausender Geflüchteter, stellt Mohamed Amjahid die Frage, inwieweit dieses Selbstbild der „Biodeutschen“ in der Realität Stand hält. Als Sohn marokkanischer Gastarbeiter wird er in Deutschland geboren, verlässt als Kind aber schon wieder das Land, weil seine Eltern enttäuscht waren und ihre Integrationsanstrengungen nicht den gewünschten Erfolg brachten. Das Studium führt Amjahid zurück und heute arbeitet er als Journalist für unterschiedliche Medien. Mit seinem Migrationshintergrund ist er in diesem Beruf eine Ausnahme und sein Bildungsgrad ist ebenfalls nicht repräsentativ. Umso mehr kann er jedoch den Blickwinkel des Fremden einnehmen und die oftmals unbewusste Alltagsdiskriminierung aufzeigen. Vieles in Amjahids Buch kommt einem bekannt vor, wenn man sich mit der Thematik beschäftigt hat. Dennoch ist einem nicht immer bewusst, welche Wirkung manche Aussagen auf Betroffene haben und wie schlimm diese tatsächlich wahrgenommen werden. Amjahid fokussiert hierbei nicht nur auf Ausländer, sondern stellt diese in eine Reihe mit Homosexuellen und auch Frauen, denen gleichermaßen im Alltag Diskriminierung wiederfährt. Sehr gut nachvollziehbar für mich sind die verstörenden Erfahrungen, wenn Menschen auf sein Äußeren reagieren und z.B. in der U-Bahn ihre Tasche fester zu sich ziehen. Wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob man dies zwingend unter offenem Rassismus verbuchen muss; vielleicht steht auch eine unbeabsichtigte Angst dahinter, die sicherlich antrainiert wurde, sich aber nicht einfach lösen lässt. Womöglich ist es vielen nicht einmal bewusst, was sie damit tun. Die Privilegien-Fragen wiederum waren erschreckend deutlich in ihrem Ausmaß und sind sehr prägnant, um zu verdeutlichen, wie stark die Herkunft über Zukunftschancen bestimmt – weit über das bekannte Klischee der Akademikerkinder, die statistisch signifikant häufiger aufs Gymnasium kommen hinaus. Pseudohilfe in Afrika, „man wird doch mal sagen dürfen“ und „man muss das nicht so verbissen sehen“ – nein, das geht gar nicht und wird zurecht hier offen ausgesprochen. Assoziationen, die sich von klein auf eingeprägt haben und womöglich nie hinterfragt werden – hier muss jeder einzelne bei sich ansetzen. Der Autor ist wütend und bringt dies auch zum Ausdruck. Man kann sich jetzt angegriffen fühlen und ihn als beleidigten Einzelfall abtun. Man hat aber auch die Chance, sich selbst und sein Menschenbild zu hinterfragen und zu reflektieren, wo man Schwächen hat und wie man diese vielleicht überwinden kann. Jede noch so kleine Diskriminierung, die jemandem nicht wiederfährt, ist ein Gewinn für alle.
Bewertung
aus Berlin
5/5
15.03.2017
Buch (Taschenbuch)
Öffnet die Augen!
Ich lese "Unter Weißen". Danke dafür. Auch wenn das alles viel peinlicher zu lesen ist, als ich erwartete. Nach "Rückkehr nach Reims" von Eribon das nächste Buch, dass mir die Augen für das Ausmaß meiner Privilegiertheit öffnet - hier als Weißer (es fällt mir nicht leicht, das Wort nicht in Anführungszeichen zu setzen). Schmerzlich auch das Kapitel über Frankreich, weil ich dort so gerne bin. Erstaunlicherweise verändert das Buch allen Ernstes meinen Blick auf meine nichtweißen MitbewohnerInnen. Ich habe es bisher abgelehnt, Unterschiede wie z.B. Hautfarbe als solche wahrzunehmen, das war wohl naiv. Dass sie sehr wohl einen Unterschied machen, zeigt dieses Buch. Es öffnet die Augen. Und weckt bei mir als Bewohner des Berliner Bezirks Neukölln bei den vielen alltäglichen Begegnungen ein Gefühl wachsender Solidarität. Lesen!
Peter Becker
aus Kandel
4/5
15.06.2022
Buch (Taschenbuch)
Anstrengend, aber empfehlenswert.
Am Anfang hatte ich den Eindruck, dass der Autor versucht, die Situation objektiv und fair zu betrachten. Aber schon beim dritten Kapitel ist er bereits voll auf der Linie der Sprachpolizei und scheint es nicht mal zu bemerken. Während er gegen die Bezeichnungen "Neger" und "Mohr" wettert, benutzt er den Begriff "biodeutsch". Alle drei Begriffe können gleichermaßen sowohl sachlich, als auch rassistisch verwendet werden. Es kommt dabei nicht auf das Wort, sondern auf den Kontext an.
(Ich werde nie verstehen, warum "Negerkuss" rassistisch sein soll. Ich würde zustimmen, wenn man einen Hundehaufen so nennen würde, aber doch nicht bei einer süßen Köstlichkeit. Und über Bezeichnungen mit "Mohr" sollte er mal mit Andrew E. Onuegbu diskutieren, ein Schwarzer, der sein Restaurant stolz "Zum Mohrenkopf" nannte.)
In Kapitel 4 geht es um Menschen, die sich nicht diskriminiert fühlen, obwohl sie potentielle Opfer sind. Er bezeichnet sie als Token. Er meint, sie haben diese Haltung nicht etwa, weil sie souverän sind, nein, sie würden instrumentalisiert. Und er selbst achtet darauf (Seite 56), dass ihm das nicht geschieht. Mit anderen Worten: Er WILL sich diskriminiert fühlen.
Immerhin eignet er sich nicht die Ideologie der Gutmenschen an, sondern kritisiert sie ebenso. In Kapitel 6 "Hilfe! Weiße wollen mein Leben retten!" Seite 84 schreibt er:
"Viele Weiße und unter ihnen oft gerade die engagierten sehen in schwarzen Menschen lediglich den hungernden Afrikaner, so wie sie in Orientalen nun fast nur noch hilfsbedürftige Geflüchtete und Opfer erkennen. Ich wurde in München plötzlich selbst zum Flüchtling, nur weil ich so aussehe, wie ich aussehe. Und das ist noch nicht mal der Kern des Problems: Denn nicht alle Afrikaner leiden Hunger, und Geflüchtete benötigen nicht immer Seife. Trotzdem wird fleißig geholfen, so wie es die Weißen für richtig halten. Dem weißen Retterkomplex liegt eine weit verbreitete Annahme zugrunde: Nichtweiße sind demnach weniger selbständig, man muss ihnen die Welt erklären und sie letztlich sogar vor sich selbst schützen."
Ansonsten betrachtet er zahlreiche Aspekte der Weltgesellschaft – leider ebenso tendenziös, wie "die Weißen". Und einige, die zwar nicht von der Hautfarbe abhängen, aber mit ihr korrelieren (z.B. Staatsangehörigkeit), bezieht er (nur) auf die Hautfarbe.
Im 9. Kapitel geht er dann komplett auf den antiweißen Rassismus über, den wir hierzulande von den links-grünen kennen. Da habe ich eine Weile bereut, Geld für dieses Buch ausgegeben zu haben.
Im letzten Kapitel findet er aber nach und nach zurück zu einer Sachlichkeit, wie am Anfang.
Einiges, was er anspricht, ist tatsächlich änderungsbedürftig, aber die von ihm erwünschte Gleichmacherei ohne Berücksichtigung sonstiger Einflussparameter wäre nur der entgegengesetzte Fehler. (Zitat von Jean Paul Getty: Wenn man der Natur freien Lauf lässt, arbeitet sie gegen die Gleichheit.)
Insgesamt finde ich das Buch nützlich. Nicht um sich kritiklos seiner Meinung anzuschließen oder sie rigoros zu verwerfen, sondern um sich eine eigene Meinung zu bilden. Wer es aushält, sollte es lesen.
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