Novellen, die vom Zustand jener Unglücklichen erzählen, denen das Bewusstsein ein besonderes Verhängnis war. Novellen über Nietzsches Wahnsinn, die Goebbels-Kinder, den rätselhaften Freitod von Kleist und Henriette Vogel, den Nihilisten Alfred Seidel, der, kaum neunundzwanzig Jahre alt, in einer Erlanger Nervenklinik endete, und über eine Jüdin, die mit einem SS-Mann, ihrem Mörder, spazieren geht.
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Otto Jägersberg (Jg. 1942)…
MaWiOr aus Halle am 09.05.2015
Bewertungsnummer: 2704364
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Otto Jägersberg (Jg. 1942) gehört seit fünfzig Jahren zu den Autoren des Diogenes Verlages. Damals debütierte er mit seinem Roman „Weihrauch und Pumpernickel“, der seitdem schon einige Nachauflagen erlebt hat. Später trat Jägersberg vor allem als Drehbuchautor und Regisseur in Erscheinung. Nun liegt von ihm bei Diogenes erstmals auch ein Gedichtband vor. In den rund 120 Gedichten zeigt sich Jägersbach als aufmerksamer und nüchterner Beobachter des Alltags, allerdings mit viel Sinn für Humor. Sie zeichnen sich einerseits durch die Präzision der Wahrnehmung aus („Der Wind hat Plastiktüten / an die Sträucher geweht / Schöne Bescherung“), andererseits aber auch durch Fantasie („Jeden Abend wenn die Sonne sinkt / ist sie am Drücker knipst / den Sonnenuntergang / 40 Jahre schon / Jeden Abend / wenn der Himmel verhüllt ist / holt sie die Kiste mit den Fotos / von den Sonnenuntergängen / Sieh mal“). Oft sind es Gedichte mit einem erzählerischen Charakter, dann wieder Betrachtungen und kurze Gedankensplitter. Dabei richtet Jägersberg seinen Blick selten auf die großen Menschheitsthemen sondern meist auf die kleinen, konkreten Dinge - so tragen seine Gedichte Titel wie „Vorregenerwartung“, „Die neue Waschmaschine“ oder „Apfelbaum im Winter“. Überall entdeckt er die kleinen Wunder im Alltag und in seiner unmittelbaren Umgebung. Die konzentrierten Gedichte sind eine Mixtur von epigrammhafter Kürze, Ironie und Entdeckerlust: „Ein einzig Wort genügt ihm schon / und weiter läuft die Zeit davon“.
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