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Qualitative Freiheit Selbstbestimmung in weltbürgerlicher Verantwortung

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PDF

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Ja

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Nein

Erscheinungsdatum

31.05.2016

Verlag

Transcript Verlag

Seitenzahl

456 (Printausgabe)

Dateigröße

3151 KB

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

EAN

9783839434772

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Die faszinierende Idee der Freiheit als Leitwert der Globalität?

Bewertung aus Tübingen am 09.06.2016

Bewertungsnummer: 955349

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Welche Freiheit? Mit dieser Grundfrage lädt der Philosoph Claus Dierksmeier dazu ein, die Idee der Freiheit zur Grundlage der vielfältigen und im Entstehen begriffenen Weltgesellschaft zu machen. In einer Zeit, in der Fundamentalisten, Nationalisten und Autokraten das Projekt der Freiheit derart unter Beschuss nehmen, dass auch bei Freunden der Freiheit die Befürchtung wächst, die Freiheit habe ihre besten Tage wohl schon hinter sich, könnte sein Buch „Qualitative Freiheit. Selbstbestimmung in weltbürgerlicher Verantwortung“ aktueller, wichtiger und zentraler nicht sein. Denn Dierksmeiers Buch ist eine so bescheidene wie kraftvolle Intervention: Bescheiden, weil Dierksmeier keine finale Theorie der Freiheit verkünden, sondern eine systematische Lesart der liberalen Projekte von Kant über Hayek bis Sen zum Mitdenken und Selbstdenken anbietet. Und kraftvoll, weil diese Lesart das Projekt der Freiheit gegen alle Kritiker klug, selbstbewusst und systematisch verteidigt und dessen soziale wie wirtschaftliche, moralische wie politische Kraft freilegt — als anspruchsvolle, aber historisch bewährte Agenda für ein friedliches, fortschrittliches und weltbürgerliches Miteinander. Das ist klug gedacht, klar strukturiert, gut geschrieben und verständlich formuliert: Eine Lust zu Lesen! Ein Disclaimer vorab: Als Freund und Kollege von Claus Dierksmeier am Tübinger Weltethos-Institut habe ich die Entstehung dieses Buches in den vergangenen Jahren verfolgen können. Aber deshalb kenne ich eben auch die Wirkungsgeschichte, die Dierksmeiers Argument schon seit Jahren entfaltet. Beispielsweise prägt es das aktuelle Grundsatzprogramm der FDP, die Karlsruher Freiheitsthesen von 2012, wo es das zentrale Motiv der „Chancen für jeden" (Chancenpolitik) ermutigt und die Ton-setzenden Thesen 1-3 zur "Freiheit in Verantwortung und Fairness" für den Fortschritt sowie "Freiheit als globalen Leitwert" (These 18) direkt inspiriert hat; eine Inspiration, die sich bis in das Vorwort und das Schlusskapitel des Buches von Christian Lindner & Philipp Rösler "Freiheit gefühlt, gedacht, gelebt" von 2008 zurückverfolgen lässt. Aber nicht nur die Politik, auch die Wirtschaft hat sich inspirieren lassen. So orientiert sich das Humanistic Management Network, ein weltweiter Verbund von Forschern und Praktikern, an den Leitgedanken Dierksmeiers. Ein Vordenker wie Bolko von Oetinger, als Gründer des Strategy Institutes der der Boston Consulting Group einer der hellsichtigsten Beobachter der Wirtschaft, urteilt: „Claus Dierksmeiers Buch über ‚qualitative Freiheit' könnte nicht aktueller sein.“ Denn „über den Freiheitsbegriff nähert sich Dierksmeier der zentralen Frage der Wirtschaft: welchem Zweck sie letztendlich dient. In der gegenwärtigen Digitalisierungseuphorie, das soziale Leben in Algorithmen abzubilden - von Künstlicher Intelligenz bis zur Vermarktung der persönlichsten Daten - droht beiläufig und wortlos jemand verloren zu gehen, den wir alle schätzen: der Mensch als soziales Wesen. Er steht im Mittelpunkt von Dierksmeiers Ideengeschichte.“ Dierksmeier bringe es „auf den Punkt: ‚Freiheit wächst nicht auf Bäumen, sondern gedeiht nur in Gesellschaft’.“ Das Ganze der Gesellschaft sei bekanntlich mehr als die Summe ihrer Individuen: „Wirtschaften ist also nicht nur Wirtschaften, Wirtschaften ist immer auch ein sozialer Prozess, in dem gesellschaftliche und wirtschaftliche Werte – wie die Freiheit - erarbeitet werden.“ Insbesondere lobt von Oetinger den Brückenschlag von der Philosophie zur Wirtschaft: „Der wirtschaftlich orientierte kritische Leser wird die Einzeldarstellungen von Kant, Fichte, Krause zu Rawls, Galbraith und Sen sehr schätzen, weil er in knapper Form in die Gedankenwelt dieser Metaphysiker der Freiheit eintreten und den direkten Bezug zur heutigen Wirtschaftsdebatte ziehen kann.“ Und Dieter Schnaas von der Wirtschaftswoche fasst zusammen: "Zum Bonmot verkürzt: Claus Dierksmeier befreit die Freiheit. Die drei Grundfragen seiner Untersuchung lauten: Was heißt ‚Freiheit’ in weltbürgerlicher Absicht? Wie lässt sich ‚Freiheit’ zu einem Leitbegriff universalisieren, der ‚Gleichheit’ und ‚Gerechtigkeit’ einschließt? Welche Entgrenzungen und Bindungen braucht die ‚freie Marktwirtschaft’, um als Ethos der Mitmenschlichkeit weltweit Anerkennung und Vertrauen zu genießen?“ Die Antwort darauf begeistert Schnaas: „Das erhellende Ergebnis: Mit dem Begriff der ‚qualitativen Freiheit’ teilt Dierksmeier nicht etwa das Unteilbare. Sondern er öffnet der Freiheit eine Perspektive, die von vernunftbegabten Menschen weltweit geteilt werden kann: von den Börsenmaklern an der Wall Street in New York so gut wie von den Arbeitern in den Sweat Shops von Dhaka.“ Die Anerkennung aus Politik und Wirtschaft ist umso erstaunlicher, als der ideengeschichtliche Streifzug Dierksmeiers zunächst einmal einem ideellen Projekt, nämlich dem Projekt Weltethos des Theologen Hans Küng verpflichtet ist. Dieser würdigt Dierksmeiers Entwurf: "Claus Dierksmeier legt mit diesem Buch eine Studie vor, welche die moderne wie gegenwärtige Freiheitstheorie kritisch sichtet und zur säkularen Begründung des Weltethos nutzt. Dies schätze ich besonders. Der schiefe Eindruck, beim Weltethos handele es sich allenfalls um ein Projekt für religiöse Menschen, wird durch die Arbeit von Claus Dierksmeier zurechtgerückt. Er weist auf, dass Freiheit für Atheisten und Agnostiker ebenso wie für religiös beziehungsweise spirituell ausgerichtete Personen Gegenstand ihrer Selbstreflexion sein muss, beispielsweise und insbesondere bei der moralischen Legitimierung ihres Handelns. Damit ist die Basis geschaffen für einen Dialog über alle Grenzen hinweg, seien dies Grenzen der Nationen und Regionen oder Grenzen der Kulturen und Religionen, Grenzen des Geschlechts und der Abkunft oder solche der Einstellung und der Weltanschauung. So wird das Weltethos als eben jene kosmopolitisch einheitsstiftende Konzeption sichtbar, die es ist: als Grundlage und Anfang eines menschheitlichen Gesprächs über diejenigen Werte und Normen, die wir im Interesse heutiger und im Namen zukünftiger Generationen pflegen sollten." Und Küng detailliert: "Mir erscheint dabei ganz entscheidend, dass es Claus Dierksmeier gelingt, den alten Gegensatz von einer Freiheit-von und einer Freiheit-zu beziehungsweise von negativer versus positiver Freiheit zu überwinden. Es hat mich sehr überzeugt, wie Dierksmeier den Diskurs über Freiheit auf ein neues, integratives Begriffspaar umstellt: quantitative und qualitative Freiheit. Das heißt, Dierksmeier konzentriert unser Augenmerk auf die unterschiedlichen, aber vereinbaren Strebungen nach viel und nach guter Freiheit." Küngs Fazit: "Er hebt damit die Debatte auf ein neues Niveau.“ Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Außer dieses: Wer also Freude am Selbst-Denken hat, wer Wirtschaft, Politik und Ethik noch einmal gründlich selbst durchdenken will, der wird Freude an diesem faszinierenden Buch zur Freiheit als Leitwert der Globalisierung, als Fundament einer Weltgesellschaft, als Währung einer neuen Weltordnung und als Nordstern der eigenen Moral haben!

Die faszinierende Idee der Freiheit als Leitwert der Globalität?

Bewertung aus Tübingen am 09.06.2016
Bewertungsnummer: 955349
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Welche Freiheit? Mit dieser Grundfrage lädt der Philosoph Claus Dierksmeier dazu ein, die Idee der Freiheit zur Grundlage der vielfältigen und im Entstehen begriffenen Weltgesellschaft zu machen. In einer Zeit, in der Fundamentalisten, Nationalisten und Autokraten das Projekt der Freiheit derart unter Beschuss nehmen, dass auch bei Freunden der Freiheit die Befürchtung wächst, die Freiheit habe ihre besten Tage wohl schon hinter sich, könnte sein Buch „Qualitative Freiheit. Selbstbestimmung in weltbürgerlicher Verantwortung“ aktueller, wichtiger und zentraler nicht sein. Denn Dierksmeiers Buch ist eine so bescheidene wie kraftvolle Intervention: Bescheiden, weil Dierksmeier keine finale Theorie der Freiheit verkünden, sondern eine systematische Lesart der liberalen Projekte von Kant über Hayek bis Sen zum Mitdenken und Selbstdenken anbietet. Und kraftvoll, weil diese Lesart das Projekt der Freiheit gegen alle Kritiker klug, selbstbewusst und systematisch verteidigt und dessen soziale wie wirtschaftliche, moralische wie politische Kraft freilegt — als anspruchsvolle, aber historisch bewährte Agenda für ein friedliches, fortschrittliches und weltbürgerliches Miteinander. Das ist klug gedacht, klar strukturiert, gut geschrieben und verständlich formuliert: Eine Lust zu Lesen! Ein Disclaimer vorab: Als Freund und Kollege von Claus Dierksmeier am Tübinger Weltethos-Institut habe ich die Entstehung dieses Buches in den vergangenen Jahren verfolgen können. Aber deshalb kenne ich eben auch die Wirkungsgeschichte, die Dierksmeiers Argument schon seit Jahren entfaltet. Beispielsweise prägt es das aktuelle Grundsatzprogramm der FDP, die Karlsruher Freiheitsthesen von 2012, wo es das zentrale Motiv der „Chancen für jeden" (Chancenpolitik) ermutigt und die Ton-setzenden Thesen 1-3 zur "Freiheit in Verantwortung und Fairness" für den Fortschritt sowie "Freiheit als globalen Leitwert" (These 18) direkt inspiriert hat; eine Inspiration, die sich bis in das Vorwort und das Schlusskapitel des Buches von Christian Lindner & Philipp Rösler "Freiheit gefühlt, gedacht, gelebt" von 2008 zurückverfolgen lässt. Aber nicht nur die Politik, auch die Wirtschaft hat sich inspirieren lassen. So orientiert sich das Humanistic Management Network, ein weltweiter Verbund von Forschern und Praktikern, an den Leitgedanken Dierksmeiers. Ein Vordenker wie Bolko von Oetinger, als Gründer des Strategy Institutes der der Boston Consulting Group einer der hellsichtigsten Beobachter der Wirtschaft, urteilt: „Claus Dierksmeiers Buch über ‚qualitative Freiheit' könnte nicht aktueller sein.“ Denn „über den Freiheitsbegriff nähert sich Dierksmeier der zentralen Frage der Wirtschaft: welchem Zweck sie letztendlich dient. In der gegenwärtigen Digitalisierungseuphorie, das soziale Leben in Algorithmen abzubilden - von Künstlicher Intelligenz bis zur Vermarktung der persönlichsten Daten - droht beiläufig und wortlos jemand verloren zu gehen, den wir alle schätzen: der Mensch als soziales Wesen. Er steht im Mittelpunkt von Dierksmeiers Ideengeschichte.“ Dierksmeier bringe es „auf den Punkt: ‚Freiheit wächst nicht auf Bäumen, sondern gedeiht nur in Gesellschaft’.“ Das Ganze der Gesellschaft sei bekanntlich mehr als die Summe ihrer Individuen: „Wirtschaften ist also nicht nur Wirtschaften, Wirtschaften ist immer auch ein sozialer Prozess, in dem gesellschaftliche und wirtschaftliche Werte – wie die Freiheit - erarbeitet werden.“ Insbesondere lobt von Oetinger den Brückenschlag von der Philosophie zur Wirtschaft: „Der wirtschaftlich orientierte kritische Leser wird die Einzeldarstellungen von Kant, Fichte, Krause zu Rawls, Galbraith und Sen sehr schätzen, weil er in knapper Form in die Gedankenwelt dieser Metaphysiker der Freiheit eintreten und den direkten Bezug zur heutigen Wirtschaftsdebatte ziehen kann.“ Und Dieter Schnaas von der Wirtschaftswoche fasst zusammen: "Zum Bonmot verkürzt: Claus Dierksmeier befreit die Freiheit. Die drei Grundfragen seiner Untersuchung lauten: Was heißt ‚Freiheit’ in weltbürgerlicher Absicht? Wie lässt sich ‚Freiheit’ zu einem Leitbegriff universalisieren, der ‚Gleichheit’ und ‚Gerechtigkeit’ einschließt? Welche Entgrenzungen und Bindungen braucht die ‚freie Marktwirtschaft’, um als Ethos der Mitmenschlichkeit weltweit Anerkennung und Vertrauen zu genießen?“ Die Antwort darauf begeistert Schnaas: „Das erhellende Ergebnis: Mit dem Begriff der ‚qualitativen Freiheit’ teilt Dierksmeier nicht etwa das Unteilbare. Sondern er öffnet der Freiheit eine Perspektive, die von vernunftbegabten Menschen weltweit geteilt werden kann: von den Börsenmaklern an der Wall Street in New York so gut wie von den Arbeitern in den Sweat Shops von Dhaka.“ Die Anerkennung aus Politik und Wirtschaft ist umso erstaunlicher, als der ideengeschichtliche Streifzug Dierksmeiers zunächst einmal einem ideellen Projekt, nämlich dem Projekt Weltethos des Theologen Hans Küng verpflichtet ist. Dieser würdigt Dierksmeiers Entwurf: "Claus Dierksmeier legt mit diesem Buch eine Studie vor, welche die moderne wie gegenwärtige Freiheitstheorie kritisch sichtet und zur säkularen Begründung des Weltethos nutzt. Dies schätze ich besonders. Der schiefe Eindruck, beim Weltethos handele es sich allenfalls um ein Projekt für religiöse Menschen, wird durch die Arbeit von Claus Dierksmeier zurechtgerückt. Er weist auf, dass Freiheit für Atheisten und Agnostiker ebenso wie für religiös beziehungsweise spirituell ausgerichtete Personen Gegenstand ihrer Selbstreflexion sein muss, beispielsweise und insbesondere bei der moralischen Legitimierung ihres Handelns. Damit ist die Basis geschaffen für einen Dialog über alle Grenzen hinweg, seien dies Grenzen der Nationen und Regionen oder Grenzen der Kulturen und Religionen, Grenzen des Geschlechts und der Abkunft oder solche der Einstellung und der Weltanschauung. So wird das Weltethos als eben jene kosmopolitisch einheitsstiftende Konzeption sichtbar, die es ist: als Grundlage und Anfang eines menschheitlichen Gesprächs über diejenigen Werte und Normen, die wir im Interesse heutiger und im Namen zukünftiger Generationen pflegen sollten." Und Küng detailliert: "Mir erscheint dabei ganz entscheidend, dass es Claus Dierksmeier gelingt, den alten Gegensatz von einer Freiheit-von und einer Freiheit-zu beziehungsweise von negativer versus positiver Freiheit zu überwinden. Es hat mich sehr überzeugt, wie Dierksmeier den Diskurs über Freiheit auf ein neues, integratives Begriffspaar umstellt: quantitative und qualitative Freiheit. Das heißt, Dierksmeier konzentriert unser Augenmerk auf die unterschiedlichen, aber vereinbaren Strebungen nach viel und nach guter Freiheit." Küngs Fazit: "Er hebt damit die Debatte auf ein neues Niveau.“ Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Außer dieses: Wer also Freude am Selbst-Denken hat, wer Wirtschaft, Politik und Ethik noch einmal gründlich selbst durchdenken will, der wird Freude an diesem faszinierenden Buch zur Freiheit als Leitwert der Globalisierung, als Fundament einer Weltgesellschaft, als Währung einer neuen Weltordnung und als Nordstern der eigenen Moral haben!

Eine Freiheitsidee für eine globalisierte Welt

Bewertung aus Hamburg am 09.06.2016

Bewertungsnummer: 955323

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Vorweg: Ich kenne Claus Dierksmeier schon eine Weile und teile viele (aber nicht alle) seiner Überzeugungen. Vor allem auf einer Metaebene kann ich seine Ideen weitgehend unterschreiben. Nun legt er diese Gedanken in Form eines umfangreichen (knapp 500 Seiten) Grundsatzwerkes zur Freiheitstheorie vor. Warum sollte man das lesen? Und was habe ich aus der Lektüre mitgenommen? Ich habe in der Vergangenheit viele Bücher und Artikel der bekannteren und weniger bekannten Freiheitsphilosophen der letzten Jahrhunderte gelesen. Kant war natürlich dabei, Hayek, Dahrendorf. Ein wenig Rawls, ein wenig Fichte. Und viel Adam Smith und Isaiah Berlin. Immer wieder kam ich an den Punkt, wo mir entweder der Anwendungsraum zu klein erschien – Kant etwa schloss aus seiner Freiheitstheorie zahlreiche Gruppen aus, wie es damals eben opportun erschien (Frauen, Juden, Menschen in fernen Ländern). Oder die Theorien führten in eine totalitäre Weltsicht – Fichte etwa meinte, die Menschen müssten zu ihrem Glück gezwungen werden. Oder aber die Theorien stellten sich als verkürzt und in der Realität wenig anwendbar heraus – so hatte Hayek offenbar kaum ein Verständnis dafür, dass es auch unverschuldete Lebenssituationen geben kann, in denen Freiheit nicht Chance, sondern Bedrohung ist. Kurz gesagt: Irgendwas fehlte immer, zumindest wenn man sich wie ich als Liberaler versteht, der kosmopolitisch allen Menschen auf der Welt das Recht auf Lebenschancen zugesteht. Ich musste mir also eine ganze Zeitlang Krücken basteln, indem ich Bruchstücke einzelner Philosophien mit eigenen Ideen mischte. Dierksmeier nimmt insbesondere den in Deutschland weithin unbekannten Karl Christian Friedrich Krause und Amartya Sen als Basis für den Versuch, eine Alternative zu der unzureichenden Einteilung in negative und positive Freiheitstheorien zu entwickeln. Er führt dafür ein neues Begriffspaar ein, nämlich „quantitative Freiheit“ und „qualitative Freiheit“. Seine Hypothese: Wer alleine auf eine Maximierung der quantitativen Freiheitsoptionen abzielt („Je mehr, desto besser“), wird der Natur des Menschen nicht gerecht. Sonst dürfte man niemals heiraten, beschneidet man sich doch (freiwillig) in der Zahl seiner Sexualpartner. Weil wir es aber doch tun, muss es irgendetwas geben, was uns die Zweisamkeit suchen lässt – und das ist nicht quantitativ messbar, sondern nur qualitativ fühlbar. Es gilt also in der Realität, entgegen allen ökonomischen Modellen: „Je besser, desto mehr.“ Wie das in der realen Welt aussehen könnte? Das kann Dierksmeier natürlich nicht en Detail für jede Frage unserer Zeit durchdeklinieren. Ich persönlich nehme aus dem Werk allerdings ein Gerüst mit, an dem entlang ich meine Positionen auf ihre Konsistenz prüfen kann. Bemerkenswert vor allem: Dierksmeier bevormundet nicht. Und das ist wichtig, denn: Wer die Freiheit wirklich liebt, sollte sich immer bewusst sein, dass auch er hin und wieder Gefahr läuft, deren Zumutungen (im Sinne von: Verantwortung) gegen die einfache (im Sinne von: gemütlichere) Lösung einzutauschen. Wer Freiheit nur für sich in Anspruch nimmt, sie anderen aber nicht im gleichen Maße zugestehen will, verrät die gesamte Idee. Das passiert derzeit sowieso schon viel zu häufig. Und daher kommt Claus Dierksmeiers Buch nicht nur zur richtigen Zeit, sondern wird hoffentlich auch seinen Teil zu einem neuen Debatte über die Freiheit, die wir wollen, beitragen.

Eine Freiheitsidee für eine globalisierte Welt

Bewertung aus Hamburg am 09.06.2016
Bewertungsnummer: 955323
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Vorweg: Ich kenne Claus Dierksmeier schon eine Weile und teile viele (aber nicht alle) seiner Überzeugungen. Vor allem auf einer Metaebene kann ich seine Ideen weitgehend unterschreiben. Nun legt er diese Gedanken in Form eines umfangreichen (knapp 500 Seiten) Grundsatzwerkes zur Freiheitstheorie vor. Warum sollte man das lesen? Und was habe ich aus der Lektüre mitgenommen? Ich habe in der Vergangenheit viele Bücher und Artikel der bekannteren und weniger bekannten Freiheitsphilosophen der letzten Jahrhunderte gelesen. Kant war natürlich dabei, Hayek, Dahrendorf. Ein wenig Rawls, ein wenig Fichte. Und viel Adam Smith und Isaiah Berlin. Immer wieder kam ich an den Punkt, wo mir entweder der Anwendungsraum zu klein erschien – Kant etwa schloss aus seiner Freiheitstheorie zahlreiche Gruppen aus, wie es damals eben opportun erschien (Frauen, Juden, Menschen in fernen Ländern). Oder die Theorien führten in eine totalitäre Weltsicht – Fichte etwa meinte, die Menschen müssten zu ihrem Glück gezwungen werden. Oder aber die Theorien stellten sich als verkürzt und in der Realität wenig anwendbar heraus – so hatte Hayek offenbar kaum ein Verständnis dafür, dass es auch unverschuldete Lebenssituationen geben kann, in denen Freiheit nicht Chance, sondern Bedrohung ist. Kurz gesagt: Irgendwas fehlte immer, zumindest wenn man sich wie ich als Liberaler versteht, der kosmopolitisch allen Menschen auf der Welt das Recht auf Lebenschancen zugesteht. Ich musste mir also eine ganze Zeitlang Krücken basteln, indem ich Bruchstücke einzelner Philosophien mit eigenen Ideen mischte. Dierksmeier nimmt insbesondere den in Deutschland weithin unbekannten Karl Christian Friedrich Krause und Amartya Sen als Basis für den Versuch, eine Alternative zu der unzureichenden Einteilung in negative und positive Freiheitstheorien zu entwickeln. Er führt dafür ein neues Begriffspaar ein, nämlich „quantitative Freiheit“ und „qualitative Freiheit“. Seine Hypothese: Wer alleine auf eine Maximierung der quantitativen Freiheitsoptionen abzielt („Je mehr, desto besser“), wird der Natur des Menschen nicht gerecht. Sonst dürfte man niemals heiraten, beschneidet man sich doch (freiwillig) in der Zahl seiner Sexualpartner. Weil wir es aber doch tun, muss es irgendetwas geben, was uns die Zweisamkeit suchen lässt – und das ist nicht quantitativ messbar, sondern nur qualitativ fühlbar. Es gilt also in der Realität, entgegen allen ökonomischen Modellen: „Je besser, desto mehr.“ Wie das in der realen Welt aussehen könnte? Das kann Dierksmeier natürlich nicht en Detail für jede Frage unserer Zeit durchdeklinieren. Ich persönlich nehme aus dem Werk allerdings ein Gerüst mit, an dem entlang ich meine Positionen auf ihre Konsistenz prüfen kann. Bemerkenswert vor allem: Dierksmeier bevormundet nicht. Und das ist wichtig, denn: Wer die Freiheit wirklich liebt, sollte sich immer bewusst sein, dass auch er hin und wieder Gefahr läuft, deren Zumutungen (im Sinne von: Verantwortung) gegen die einfache (im Sinne von: gemütlichere) Lösung einzutauschen. Wer Freiheit nur für sich in Anspruch nimmt, sie anderen aber nicht im gleichen Maße zugestehen will, verrät die gesamte Idee. Das passiert derzeit sowieso schon viel zu häufig. Und daher kommt Claus Dierksmeiers Buch nicht nur zur richtigen Zeit, sondern wird hoffentlich auch seinen Teil zu einem neuen Debatte über die Freiheit, die wir wollen, beitragen.

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Qualitative Freiheit

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