Zwei Frauen lernen sich auf einer Party kennen. Die zurückhaltende Delphine, die sich mit fremden Menschen meist sehr schwer tut, ist sofort fasziniert von der klugen und eleganten L., die als Ghostwriter arbeitet. Aus gelegentlichen Treffen werden regelmäßige, man erzählt einander das eigene Leben, spricht über Familie und Freunde, vor allem über Freundinnen. Und natürlich über Bücher und Filme, die man liebt und bewundert. Delphine ist glücklich über die Gemeinsamkeiten und fühlt sich verstanden wie schon lange nicht mehr. Ganz entgegen ihrer Gewohnheit gibt sie in einem Gespräch über das Schreiben die Idee für ihr nächstes Buch preis. L. reagiert enttäuscht: Wie nur könne Delphine ihre Zeit auf eine erfundene Geschichte verschwenden? Eine Autorin ihres Formats müsse sich der Wahrheit verschreiben. Delphine ist entsetzt. L.s leidenschaftlich vorgetragene Forderung löst eine tiefe Verunsicherung in ihr aus. Bald kann sie weder Papier noch Stift in die Hand nehmen. L. scheint völlig unglücklich über das zu sein, was sie in der Freundin ausgelöst hat. Selbstlos übernimmt sie die Beantwortung von E-Mails, das Absagen von Lesungen und Interviews, das Vertrösten des Verlags, der auf einen neuen Roman wartet. Und all das in Delphines Namen. Keiner weiß davon, keiner kennt L., und so ist Delphine allein, als sie feststellt, dass L. ihr immer ähnlicher wird ...
Anfänglich gewöhnungsbedürftig, der dritte Teil ist aber alles erklärend und das Buch fulminant
Delphine de Vigan thematisiert hier eine Geschichte, die sich mit Fiktion und Wahrheit befasst, geschickt zwischen Beidem hin und herpendelnd. Die Autorin hat vorher das Buch "Das Lächeln meiner Mutter" herausgebracht, das deutliche biographische Züge trägt und daher ist es nicht verwunderlich, dass sich die Autorin danach mit Fiktion und Wahrheit auseinandersetzt. Man kann sich in etwa vorstellen, was Presse und Leser und auch die eigene Familie und Freunde aus einem autobiographischen Buch ziehen, was sie mit solchen Informationen machen können.
Auch ich hatte bei der Lektüre von "Nach einer wahren Geschichte" immer die Frage vor den Augen, ist das wahr oder eine Fiktion, verglich die Geschichte mit den biographischen Daten der Autorin. ... Irgendwo im Buch wird auch erwähnt, dass sie bisher aus den Augen anderer nur zwei interessante Bücher geschrieben hatte, das erste und das sechste Buch ( "Tage ohne Hunger" und "Das Lächeln meiner Mutter" ). Beides sind Bücher, die deutliche biographische Züge tragen. Doch machen keine deutlichen biographischen Bezüge ein Buch minderwertig? Meine Antwort auf diese interessante Frage ist eindeutig ein Nein. Natürlich können biographische Züge begeistern, aber schlussendlich muss ein Buch etwas mit mir machen, mich erreichen und/oder begeistern, dann hat der Autor genau das geschafft, was ich mir wünsche, egal, ob nun deutlich autobiographisch erkennbar oder nicht.
Ich hatte "Nach einer wahren Geschichte" schon einmal begonnen, war etwas erstaunt über die Schreibweise und beschloss schließlich zuerst "Das Lächeln meiner Mutter" zu lesen, denn "Nach einer wahren Geschichte" bezieht sich sehr auf den Vorgänger. Das war kein Fehler wie ich finde. Gerade nach der Lektüre von "Das Lächeln meiner Mutter" und auch "Dankbarkeiten" empfindet man "Nach einer wahren Geschichte" ganz anders, der ganze Sprachklang ist anders. Ich driftete ständig in meinen Gedanken ab, dieses Buch war definitiv eine Herausforderung, die sich aber unheimlich gelohnt hat, denn im dritten Teil des Buches dröselt sich alles auf/alles erklärt sich und für mich wird auch dieses Buch, trotz der damit verbundenen anfänglichen Leseschwierigkeiten zu einem herausragenden Werk, das mir satte 5 Sterne wert ist.
Doch um was geht es genau in "Nach einer wahren Geschichte", zentral gestellt ist eine Freundschaft zweier Frauen, Delphine und L., die sich nach und nach in eine Geschichte um Fremdbestimmung entwickelt, zu einem Psychospiel a la Hitchcock gestaltet. Anders, interessant und auch soghaft kann man "Nach einer wahren Geschichte" nennen, aber auch wirklich boshaft trifft zu.
Bewertung
5/5
10.03.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine fesselnde Geschichte, die...
Eine fesselnde Geschichte, die einen immer wieder umdenken lässt. Lesenswert!
Bewertung
aus Kelkheim
5/5
20.01.2017
Buch (Gebundene Ausgabe)
Spannende Geschichte über zwei Frauen
Nach einer wahren Geschichte
In Delphine de Vigans neuem Roman Nach einer wahren Geschichte geht es um zwei Schriftstellerinnen, die sich begegnen und die ihr Leben beeinflussen. Vor allem steht das Leben von Delphine de Vigan im Vordergrund, die die eine Protagonistin verkörpert und biographisch erzählt, wie eine andere Frau, L. genannt, in ihrem Leben gelangt und es beeinflusst. Doch schon bald merkt Delphine, dass die Veränderungen, die mit der Freundschaft zu L. einhergehen, nicht mehr harmlos und positiv sind.
Am Anfang des Romans lernt man die Autorin kennen, ihre Ängste und Wünsche und ihr Seelenleben. Die Handlung beginnt, nachdem die Autorin gerade einen biographischen Roman über das Leben ihrer Mutter veröffentlich hat. Dieser Roman war zwar ein Erfolg für die Autorin, zog jedoch auch unerwartete Konsequenzen nach sich, wie eine große mediale Aufmerksamkeit und zahlreiche Enthüllungen über das Privatleben und die Familie. Von diesen Folgen überwältigt gelangt die Autorin in eine Sinnkrise und sieht keine Richtung, in die es weitergehen soll. Zudem sind ihre beiden Kinder gerade zum Studieren weggezogen und ihr Freund ist viel beruflich im Ausland unterwegs. In dieses Situation lernt sie die Schriftstellerin L. kennen, die nach und nach zu der Delphines Vertrauten wird und großen Einfluss auf Delphines Leben hat. Doch während die Freundschaft zu L. immer stärker wird, verschlechtert sich ihre psychische Verfassung und sie fällt in eine Depression. Nach und nach nimmt Delphine wahr, dass L. sie anlügt und sich in vielen Situationen merkwürdig verhält, bis es fast schon zu spät ist.
Durch das Buch erhält der Leser spannende Einblicke in das Leben eines Schriftstellers und den Literaturbetrieb. Man erfährt wie Delphine beim Schreiben vorgeht, wie sie zu einer Autorin wurde und in welcher Szene sie sich als Autorin bewegt. Man erfährt aber auch die Tiefen, die Schreibblockaden und den Druck, ein gutes Buch zu schreiben. Auch in den Dialogen der beiden Frauen geht es oft um Literatur, um konkrete Beispiele aber hauptsächlich, darum wie sie beschaffen sein sollte. Ich fand es auch interessant zu lesen, wie sich die Veröffentlichung eines biographischen Buches auf das Leben der Autorin auswirkt. Neben der Schriftstellerei und Literatur geht es auch viel um zwischenmenschliche Beziehungen. Die Autorin gewährt dabei sehr tiefe Einblicke in ihr Seelenleben und wirkt daher sehr authentisch. Man kauft ihr alles ab, die Gefühle, die Stimmungen und die Gedanken. Überhaupt sind beide Figuren wirklich interessant.
Zu der Beziehung von L. und Delphine möchte ich anmerken, dass ich anfangs noch mit Delphine sympathisierte, doch schnell erschien sie mir zu naiv. Ich kann ihr Verhalten an manchen Stellen gar nicht nachvollziehen, z.B. frage ich mich, wie sie nicht erkennen konnte, dass L. sie offensichtlich manipulierte. Während der gesamten Handlung herrscht eine düstere Stimmung und ein Spannungsbogen, der nicht abnimmt. Das Buch ist eher wie ein Psychothriller geschrieben und so konnte ich es kaum aus der Hand legen. Der Gedanke, dass es nach einer wahren Begebenheit erzählt wird macht das Ganze noch unheimlicher und verschwindet nie aus dem Kopf des Lesers. Der Leser wird immer daran erinnert. Am Ende des Romans wird der Leser planlos und emotional zurückgelassen, ganz eingenommen von der Wirkung dieses Buches. Ich empfehle diesen Roman uneingeschränkt, dennoch muss man ein gewisses Interesse an Literatur und Schreiben haben, damit die Passagen, in denen es darüber geht, nicht zu Langeweile führen.
Bewertung
aus Stuttgart
5/5
17.11.2016
Buch (Gebundene Ausgabe)
Literarisches Verwirrspiel
Auf einer Party lernt die Autorin Delphine L. kennen, mit der sie sich auf Anhieb sehr gut versteht. L. teilt ihre Vorlieben, sie können sich sehr gut unterhalten, kurz, L. wird eine besonders gute Freundin. Parallel dazu wird Delphine von einer Schreibblockade gehemmt, und L. unterstützt sie immer mehr in ihrem Leben. Bald übernimmt L. Aufgaben in Delphines Namen.
Der Klappentext verspricht mit diesem Buch ein raffiniertes literarisches Spiel mit Fiktion, Wirklichkeit und Identität, und das wird auf eine intelligente Art eingehalten. Mit Delphine erlebt der Leser, wie L. immer mehr Raum in ihrem Leben einnimmt, wobei sie jedoch das Beisein mit Delphines Freunden vermeidet. Das literarische Verwirrspiel beginnt und endet äußerst verwirrend mit den Fragen um L., um ihre Geschichten, um ihre Anwesenheit.
Spannend geschrieben, verwickelt das Buch den Leser immer mehr in die Erzählung hinein. Passend zu dem Klappentext und der Geschichte ist das Cover gestaltet, mit dem Bild der Frau, das auf dem Schutzumschlag mehrfach erscheint, auf dem Buch selbst dann gibt es nur leere Rahmen ohne Bild. Und so rätselt auch der Leser zum Schluss: Wahrheit oder Fiktion?
Ein intelligenter Lesespaß mit eindeutiger Leseempfehlung von mir.
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