Spannend, witzig, skurril, melancholisch und überraschend: 20 Geschichten zeigen Mädchen, die gängige Vorurteile und Geschlechterrollen durchbrechen. Die jungen Protagonistinnen befinden sich im Spannungsfeld zwischen den Lebensentwürfen ihrer Umgebung und ihren eigenen Wünschen und Bedürfnissen. In den Erzählungen haben Kinder mit der sexuellen Orientierung ihrer Eltern sehr viel weniger Probleme als diese selbst, verliebt sich eine junge Frau in die beste Freundin, fällt ein Mädchen durch eine Zeitfalte ins Mittelalter und boxt sich durch – und es tauchen Einhörner auf, die keine "fluffigen, pinken Plüschtiere" sind.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
anette1809 - katzemitbuch.de
aus Sulzheim
5/5
26.05.2016
Buch (Taschenbuch)
"Unicorns don't swim" ist…
"Unicorns don't swim" ist eine Sammlung von 21 Kurzgeschichten, in denen dem Leser in verschiedenen Genres und Stimmungen Mädchen in den unterschiedlichsten Lebenssituationen begegnen und unter anderem Themen weit ab des Mainstreams behandelt werden. So geht es hier auch darum mit dem Schubladendenken der Geschlechter zu brechen und Frauen - aber auch Männer - in Rollen zu zeigen, die mit dem konventiellen Denken der meisten nicht einher gehen. Um nicht zu spoilern, will ich nicht näher darauf eingehen, welche in der Anthologie vertretenen Autorinnen welche Genres oder Themen behandeln, da einige Geschichten besonders wirken, wenn der Überraschungsmoment nicht vorweg genommen wird. Bei Anthologien und Kurzgeschichtensamlungen habe ich immer etwas Bammel, dass mir Großteile des Werkes nicht zusagen, aber bis auf ein oder zwei Geschichten, zu denen mit der Zugang leider verwehrt geblieben ist, haben mich hier alle Erzählungen angesprochen, trotz ihrer extremen Unterschiedlichkeit. Hier werden wirklich Leser aller Colour fündig: ob witzig, skurril, melancholisch, überraschend, ernst oder traurig - ob fantastisch, realistisch, sureal, eher für Jugendliche oder Erwachsene geeignet... "Unicorns don't swim" ist wie eine "Tüte Gemischtes", auf die man sich einlassen muss und dabei auf viele Bonbons stößt, die Lust darauf machen auch andere Werke der vertretenen Autorinnen kennen zu lernen. Neben der Herausgeberin Antje Wagner sind folgende Autorinnen mit ein oder zwei Geschichten in der Anthologie vertreten: Ingrid Annel, Juliette Bensch, Anja, Frisch, Sabine Funder, Laura Henkel, Vera Kissel, Katharina Korbach, Anja Kümmel, Sophie Micheel, Anthonie Partheil, Kim Katharina Salmon, Kathrin Schrocke, Claudia Schuster, Corinna Waffender, Tania Witte Sehr gut gefallen hat mir, dass neben dem Vorwort abschließend eine kurze Vita von allen vertretenen Autorinnen enthalten ist, die bei jeder durch einen O-Ton ergänzt wird, in denen sie zu Wort kommen, warum ihnen die Themen Mädchen und die Erwartungshaltungen an ihre Geschlechterrolle so wichtig sind. Für mich enthält dieses Buch etliche Perlen, so dass ich eigentlich keine Highlights benennen kann. Besonders im Kopf geblieben sind mir aber die Geschichte von Tania Witte, die von Ingrid Annel - die der Auftakt für einen Roman werden soll, von dem ich ganz, ganz dolle hoffe, dass er bald bei einem guten Verlag unterkommt - und jeweils eine der beiden enthaltenen Beiträge von Kathrin Schocke und Corinna Waffender.
JDaizy
aus Berlin
5/5
24.05.2016
Buch (Taschenbuch)
Nicht nur für jugendliche Leserinnen ein Gewinn!
""Warum eigentlich nicht?" Ilka hielt nichts im Leben für unmöglich. Sie war mein Fels in der Brandung, die rettende Hand, die mir aufhalf, wenn ich fiel, und ich wünschte mir, ich wäre das Gleiche für sie. Vielleicht würde es helfen, wenn ich über meine Gefühle sprach?Darüber zum Beispiel, dass ich es liebte, wenn Ilka sich durch das dunkelbonde Haar fuhr, dass immer in alle Richtungen abstand, als wäre sie gerade in einen Sturm geraten."
Die Anthologie "Unicorns don`t swim" ist entstanden, weil der Autorin und Herausgeberin Antje Wagner auffiel, dass es in der deutschsprachigen Jugendliteratur bisher kein Buch über Geschlechterrollen gibt, das nicht moralisiert und bewertet.
Was ist ein typisches Mädchen? Was ein typischer Junge? Müssen Mädchen Kleider tragen? Müssen Jungen Mädchen lieben oder ist es auch normal, wenn man Gefühle für das eigene Geschlecht hegt?
In zwanzig Geschichten begegnen uns (meist junge) Menschen in ganz unterschiedlichen Lebensituationen. "Sie alle befinden sich im Spannungsfeld zwischen den Vorstellungen und Erwartungen ihrer Umwelt und ihren eigenen Wünschen und Bedürfnissen jenseits der gängigen Rollenzuweisungen."
So treffen wir zum Beispiel auf ein Mädchen, dass plötzlich ihre Mutter "verliert"; ein Flüchtlingsmädchen, dass ihre Identität und ihren Weg sucht; aber auch auf den azurblauen Drachen Flori und das Alpha-Weibchen Sona.
Manchmal verwischen die Grenzen der Realität in unseren Gedanken und man sollte unbedingt unvoreingenommen und offen an die gut ausgewählten Texte gehen. Manche offenbaren beim mehrmaligen Lesen erneut Geheimnisse, die einem vorher verborgen blieben und andere zaubern uns ein bleibendes Lächeln ins Gesicht.
Zwei Geschichten sind mir besonders im Gedächtnis geblieben und haben mich nachdenklich zurückgelassen. Da ist zum einen die Geschichte "Metamorphose" der Autorin Tania Witte, in der die elfjährige Alina mit Schmerz, Ungewissheit und Angst umgehen (lernen) muss.
Auch bei "Die Sache am See" schafft die Autorin auf wenig Raum eine bleibende Geschichte mit offenem Ende, dass mich bald wahnsinnig werden ließ, weil ich es immer und immer wieder lesen musste, um es für mich greifbarer zu machen.
Das nicht immer alles eitel Sonnenschein ist und Geschichten auch weh tun können, zeigen die Erzählungen "In Nächten ohne Marika", "An der Mauer" und "Baby". Ich hoffe, dass die (versteckten) Botschaften bei den jugendlichen Lesern ankommen und dieses Buch helfen kann unsere oft festgefahrenen, gedanklichen Grenzen zu überwinden.
Nicht unerwähnt bleiben dürfen auch die beiden Geschichten "Feuer und Flamme" und "Und wie heißt du?", weil sie, im Gegebnsatz zu den anderen, so herrlich unbefangen und erfrischend waren und ich herzhaft lachen musste. Haben sie schon einmal daran gedacht morgens neben einem Drachen aufzuwachen? Ich ehrlich gesagt bisher nicht.
Und auch bei der Namenswahl ihrer Kinder sollten Eltern lieber Vorsicht walten lassen, weil sonst was passiert? Das wüssten sie gern? Dann sollten sie unbedingt zu dieser Anthologie greifen.
Sonst verpassen sie außerdem den kleinen Tierschutz-Aktivisten-Kampfzwerg, der ahnungslosen Passanten in den Weg springt und die Geschichte mit den "kotzenden" Meerscheinchen.
Was mir bei dieser Anthologie für Jugendliche (14+) besonders gut gefällt, ist, dass die Herausgeberin ganz bewusst auch unerfahrenen Autorinnen eine Stimme gegeben hat. Ab und an merkt man die sprachlichen und stilistischen Unterschiede in den einzelnen Geschichten, was der Aussagekraft der Erzählungen aber keinen Abbruch tut. Und auch die Auswahl der Kurzgeschichten finde ich sehr gelungen. Neben tiefgehenden, bewegenden Themen, gibt es auch humorvolle, leichte Geschichten. Und man findet sogar eine genreübergreifende (Fantasy-)Geschichte. Nur männliche Autoren habe ich in der Auswahl vermisst.
Das Buch wurde 2016 als Taschenbuch im AvivA-Verlag veröffentlicht. Der Titel stammt aus einer der Erzählungen im Buch und überzeugt mit einem aussagekräftigen Cover. Ein junges Mädchen schaut den Leser herausfordernd ins Gesicht. Sie ist mit ihrem sportlichen Aussehen und ihrem Skateboard nicht passiv, sondern fordert uns auf, aktiv an den Geschichten teilzunehmen. Auch die kräftige, harmonische Farbgebung des Covers, die Reihenfolge und Anordnung der Geschichten in der Anthologie und auch die Länge der Erzählungen fande ich sehr gelungen. Bei der ein oder anderen Geschichte könnte ich mir sehr gut eine Fortsetzung vorstellen.
Fazit:
Eine wunderbare Anthologie, die sich über die Grenzen gesellschaftlich festgelegter Rollenbilder hinweg setzt. Auch für erwachsene LeserInnen ein Gewinn.
Bewertung
4/5
15.08.2016
Buch (Taschenbuch)
Kurzgeschichten - zum Nachdenken und Mutmachen
Das Buch besteht aus 20 Kurzgeschichten, bei denen es sich fast immer um Mädchen oder junge Frauen dreht. Man erlebt als Leser jeweils einen kurzen Abschnitt aus deren Leben. Jede Geschichte hat ihre ganz eigene Botschaft. Manchmal wird dazu ermutigt das Leben so zu leben, wie man es will und sich nicht in ein Korsett zwängen zu lassen, egal ob es z.B. um die sexuelle oder berufliche Orientierung geht. Es ist schwierig, zu sich selbst zu finden, wenn die Familie oder das Umfeld versuchen einen jungen Menschen nach ihren Vorstellungen zu formen und manchmal zerbricht man daran. Auch vor dieser realistischen und leider immer wieder aktuellen Tatsache macht das Buch nicht halt.
Die Erzählungen sind nicht zur reinen Unterhaltung gedacht, sondern sie enthalten Botschaften, die Mut machen sollen oder zum Nachdenken anregen.
Es sind wichtige Botschaften und Kurzgeschichten sind eine gute Möglichkeit diese vor allem an Jugendliche weiterzugeben. Aber auch Eltern empfehle ich dieses Buch.
Und so begegnen wir im Laufe des Buches den unterschiedlichsten Menschen, wie dem Flüchtlingsmädchen Djemile die versucht in einer ihr fremden Welt zurechtzukommen, oder Alina, die als Kind von ihrer Mutter verlassen wurde und erst mit 16 Jahren erfährt warum.
Mal schicken die Autorinnen ihre Protas in die Zukunft, mal in die Vergangenheit oder auch einfach nur in die Schule oder auf den Skaterplatz. Durch die diversen Erzählstile und die Vielseitigkeit der Handlungsorte war die Lektüre für mich sehr kurzweilig.
Damit die Geschichten jede für sich auf mich wirken konnten, habe ich sie nicht in einem Rutsch gelesen, damit sie nicht miteinander verschwimmen. Beim Lesen hatte ich die unterschiedlichsten Emotionen, mal habe ich mich amüsiert, dann wieder war ich betroffen, wütend oder traurig. Einzelne Eindrücke hallen immer noch in mir nach.
So ein Buch hätte ich mir in meiner Jugend gewünscht.
Am Ende des Buches werden die einzelnen Autorinnen vorgestellt und jede hat ein paar persönliche Worte zu einem ihr wichtigen und zum Buch passenden Thema geschrieben. Eigentlich mag ich solche Nachworte nicht, aber hier haben mir vor allem die als O-Ton bezeichneten Abschnitte sehr gut gefallen.
Crowandkraken
4/5
07.08.2016
Buch (Taschenbuch)
Ein bunter Strauß an Charakteren
Mädchen haben viele Facetten, und definitiv mehr, als die Gesellschaft bereit ist, ihnen zuzugestehen. Die paar Schubladen, die eben jene Gesellschaft bereithält, sind wenig, zu klein und werden durch unzählige Erwartungen noch enger.
Dass Mädchen unfassbar vielschichtig und unterschiedlich sind, sollte keine wundersame Überraschung sein. Die Autorinnen der Kurzgeschichten, die Antje Wagner zusammengestellt hat, haben einen bunten Strauß unterschiedlichster Charaktere vorgestellt, bei denen es größtenteils Spaß macht, kurz in ihr Leben zu schnuppern.
Da gibt es Skaterinnen, Mädchen, die von ihren Müttern verlassen wurden und solche, die ihre Liebe in unerwarteten Menschen und Orten finden. Wir sehen schüchterne und unsichere, selbstbewusste und laute, verwirrte, verzweifelte und sehr wütende Mädchen. Vor allem sind die Mädchen und jungen Frauen stark.
Mit manchen konnte ich mich sehr gut identifizieren, bei anderen Geschichten hatte ich einen wundervollen Aha-Effekt. Denn diese Geschichten halten einem selbst und den unbewussten, tief verankerten Erwartungen, die wir durch das Leben in unserer Gesellschaft gelernt und verinnerlicht haben, den Spiegel vor. Mit manchen Geschichten konnte ich wenig bis gar nichts anfangen, was aber der Gesamtheit des Buches nichts wegnimmt.
Es ist eine tolle Anthologie, die man aus einer feministischen, gesellschaftskritischen Haltung heraus lesen kann, aber nicht muss.
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