Für eine gute Pointe gab Dovele schon immer alles. Als Kind lief er oft auf den Händen. Er tat das, um seine Mutter zum Lachen zu bringen und damit ihm keiner ins Gesicht schlug. Heute steht er ein letztes Mal in einer Kleinstadt in Israel auf der Bühne. Er hat seinen Jugendfreund, einen pensionierten Richter, eingeladen. Im Laufe des Abends erzählt der Comedian zwischen vielen Witzen eine tragische Geschichte aus seiner Jugend. Es geht um Freundschaft und Familie, Liebe, Verrat und eine sehr persönliche Abrechnung auf dem Weg zu einer Beerdigung. Dem Kleinstadtpublikum ist das Lachen vergangen. Den Leser hält David Grossman mit diesem grandiosen Roman bis zur letzten Zeile gefangen.
Kundinnen und Kunden meinen
3.9/5.0
Bewertung
5/5
29.12.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Psychologisch verstörend, literarisch ein gigantischer Glücksfall
Wahrscheinlich ist Ihnen der große israelische Autor bekannt, doch wenn Sie mutig sind, trauen Sie sich auch an sein - wie ich finde - literarisch größtes, aber auch schockierendstes Buch heran!
Dovele Grinstein, seines Zeichens Komödiant und Spezialist für Stand-up-Unterhaltung, hat seinen letzten großen Auftritt. Das Publikum erwartet einen vergnüglichen Abend mit Schenkelklopfer-Gags und schallendem Gelächter, doch schon bald bleibt den Zuschauern das Lachen im Hals stecken. Wahrscheinlich auch Ihnen, mir jedenfalls erging es so.
Grinstein nutzt den Abend, um abzurechnen, seine vermeintlichen Gags ufern aus ins Schockierende, die Leute flüchten schließlich.
Grossmans Roman verstört, man will sich manches mal abwenden und kann doch nicht anders als bis zur letzten Zeile durchzuhalten.
Die Themen Grossmans sind immer die schweren, darauf muss man sich einlassen wollen, aber alle anspruchsvollen Leser*Innen werden begeistert sein.
Als mir dieser Roman nach Jahren noch einmal in die Hände fiel, konnte ich mich seiner hypnotischen Wirkung wieder nicht entziehen.
Magisch, aber wahrlich keine Strandlektüre!
Bewertung
aus Winterthur
5/5
10.10.2017
Buch (Gebundene Ausgabe)
In einem Atemzug zu lesen
Das Buch ist stilistisch ein Meisterwerk! Ich konnte das Buch nicht weglegen und habe es an einem einzigen Tag gelesen. Das ist auch zu empfehlen, denn der Leser fühlt sich beim Lesen wie der Stand-up Comedian im Buch: atemlos. Das Buch liest sich deshalb am Besten in einem Atemzug. Die Story packte mich sofort und führte mich sehr langsam aber sich an den Abgrund der menschlichen Seele hin. Der Protagonist muss eine grausame Entscheidung treffen, welche im ganzen Buch nie wortwörtlich erwähnt wird, sich dem Leser aber unaufhaltsam eröffnet, je weiter er liest. Als Leserin fühlte ich mit und wurde in diesen Abgrund und in die Entscheidung des Protagonisten mitgerissen. Unwillkürlich trifft man als Leser ebenfalls eine Entscheidung.
C. K.
5/5
07.02.2016
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Meisterwerk
D. Grossman zieht einen mit seiner grandiosen Sprache in seinen Bann, außerdem hat er ein gutes Gespür für Menschen.
In seinem Buch geht es um einen Comedian, der eine Geschichte aus seinem Leben erzählt, wobei man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll.
Es ist ein Auf und Ab der Gefühle, aber mit einer Spannung, die bis zum letzten Wort nicht nachlässt.
Ich habe selten so ein literarisches Werk gelesen, was sich sowohl mit Politik und Gesellschaft, aber auch mit einer einzelnen Lebensgeschichte auseinander setzt. Unglaublich gut
Edith Berger
aus 3istau
5/5
05.02.2016
Buch (Gebundene Ausgabe)
fesselnde Leselektüre
Es ist schon wieder eine Zeit her, seit er sein Richteramt auf Druck von höchster Stelle zurückgelegt hat. Sein ganzes Berufsleben lang übte er seinen Beruf mit Freude und Sorgfalt aus. Unbestechlich und gewissenhaft und ohne liebäugelndem Blick auf die Regierungsbank fällte er bis zuletzt seine Urteile. Seit seine Frau verstorben ist, lebt er nun vollkommen zurückgezogen. Nur seine altersschache Hündin leistet ihm Gesellschaft. Als er von einem Spaziergang mit ihr zurück in die Wohnung kommt, erreicht ihn der Anruf eines Jugendfreundes. Sie haben sich ganz aus den Augen verloren und im ersten Moment weiß er gar nicht, wer diese seltsame Bitte an ihn heranträgt. Sein ehemaliger Freund Dovele ist Comedian. Er bittet ihn zu einer Vorstellung zu kommen. Er wünscht sich seine Einschätzung, sein unbestechliches Urteil. Erst will er ablehnen. Nun sitzt er im halbdunklen Zuseherraum. Als Dovele auf die Bühne stolpert, ist auf den ersten Blick klar, dass Dovele die besten Jahre längst hinter sich hat. Auch klar wird ihm, dass es nicht nur um sein Urteil geht...
Ungemein fesselnde Leselektüre
Bories vom Berg
aus München
3/5
14.08.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Lachen und Weinen Das…
Lachen und Weinen Das Original des erfolgreichsten Romans von David Grossman wurde 2014 in Israel veröffentlicht und zwei Jahre später sowohl ins Englische als auch, unter dem Titel «Kommt ein Pferd in die Bar», ins Deutsche übersetzt. Der Roman wurde 2017 als bester fremdsprachiger Roman mit dem Booker International Prize ausgezeichnet, dessen Preisgeld von 80.000 Pfund sich Autor und Übersetzer teilen. Während das Buch in seinem Heimatland Israel recht unterschiedlich bewertet wurde, war das Echo im deutschen Feuilleton einhellig positiv. Alleiniges Thema des Romans ist ein Auftritt des Komikers Dov Grinstein in einer israelischen Stadt am Mittelmeer, es ist der Tag seines 57ten Geburtstags. Zu diesem Abend hat er Avischai Lasar eingeladen, einen gleichaltrigen Freud aus seiner Kindheit, die Beiden haben sich seit 40 Jahren nicht mehr gesehen! Der ehemalige Richter wurde vor drei Jahren vorzeitig in den Ruhestand versetzt, weil den Vorgesetzten seine scharfsinnigen, immer exzellent begründeten Urteile nicht mehr gepasst haben, sie gaben häufig Anlass zur Revision. Der Stand-up-Comedian hatte große Schwierigkeiten, den auch in den Medien bekannten, hohen Richter a. D. zum Kommen zu bewegen. Sein alter Freund Avischai hat es sich nämlich als Pensionär gemütlich gemacht und ist mental inzwischen auch über den Tod von Samanta hinweg, seiner ehemaligen Freundin. Aber was ihn schon gar nicht interessiert, das sind solche Comedy-Shows, und dann soll er Dov auch noch berichten, wie er seinen Auftritt bewertet! «Das, was von einem Menschen ausgeht, ohne dass er Kontrolle darüber hat – das sollst du mir erzählen.» Er habe ja in seiner Zeit als Richter bewiesen, welch glänzender Formulierer er ist, - und schließlich gibt Avischai nach. «Einen wun-der-ba-ren Guten Abend» heißt es am Anfang, «Gute Nacht» sind die Schlussworte nach gut 250 Seiten, chronologisch sind es zwei, drei Stunden später, dazwischen wird von Dovs denkwürdigem Auftritt berichtet. Er beginnt mit den üblichen Späßen, erzählt viele Witze, erweist sich als schlagfertig, wenn er Leute aus dem Publikum mit einbezieht, ist mimisch und gestisch virtuos. Immer öfter aber schweift er zu seiner leidensvollen Kindheit ab und provoziert damit sein Publikum, das zum Lachen hergekommen ist. Dov reagiert aggressiv, die Proteste werden lauter, man will keine Leidens-Geschichten hören, erste Gäste verlassen den Saal. Mit seinen Witzen gelingt es ihm immer wieder, die Leute zu beruhigen, die lauter werdenden Buh-Rufe für kurze Zeit zum Verstummen zu bringen, aber der Abend wird zusehends zum Fiasko. Mit «Ein Pferd kommt in die Bar» beginnt er einen Witz, den er nicht zu Ende erzählt, er hat sich buchstäblich vergaloppiert, verliert dauernd den Faden. Er ist als Comedian am Ende, bei aller Gelenkigkeit ein körperliches Wrack, sein Freund erkennt aber die Sehnsucht, die da aus seinem total missglückten Auftritt mit der schonungslosen Lebensbeichte überdeutlich spricht. Verstörend ist insbesondere die Einbeziehung des Holocausts in seine Erzählung, sein Vater habe ihn als Einziger in der Familie überlebt. Die Mutter wurde hochgradig traumatisiert, weil sie sich in Todesangst ein halbes Jahr lang unter prekären Verhältnissen vor den Nazis verstecken musste. Sie hat sich nie mehr davon erholt, blieb ihr Leben lang schwer davon gezeichnet. Dov wollte sie aufheitern, unterhielt sie mit Späßen und wurde so zum Comedian wider Willen. Der Erzähler des Romans ist der pensionierte Richter, er schildert die Gratwanderung zwischen mit Witzen gewürzter, oft in Klamauk abgleitender Komik und der Leidensgeschichte, die Dov auf der Bühne, unbeirrt vom Protest des Publikums, trotzig von sich gibt. Von einigen Rückblenden abgesehen ist das der alleinige Erzählstoff des Romans, zu dem sein Autor überraschend angemerkt hat, er selbst sei eigentlich gar kein Freund von Witzen. Lachen und Weinen liegen hier sehr eng beieinander!
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