Berlin 1927. Bei einer Modenschau im ›Romanischen Café‹ werden zwei Vorführdamen verletzt: Ihre Kleider wurden mit einem Kontaktgift präpariert. Offenbar ein gezielter Anschlag gegen den Modesalon ›Morgenstern & Fink‹, den aufsteigenden Stern am Berliner Modehimmel. Steckt ein Konkurrent dahinter? Kurz darauf wird in Schöneberg ein Toter gefunden. In seiner Wohnung entdeckt man einen Prospekt des Modesalons. Leo Wechsler, inzwischen Oberkommissar bei der Berliner Kripo, nimmt die Ermittlungen auf.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Büchertanz.de
aus Freiburg
5/5
17.04.2022
Buch (Taschenbuch)
Einfach unverwechselbar
Das Buch „Es geschah in Schöneberg“ ist der fünfte Fall für den sympathischen Leo Wechsler, welcher im Jahre 1927 in Berlin ermittelt.
Der Modesalon ‚Morgenstern & Fink‘ hat eine große Modenschau organisiert. Im ‚Romanischen Café‘ ist alles vorbereitet, die Zuschauer sind eingetroffen und warten gespannt. Doch da brechen zwei der Vorführdamen während der Modenschau zusammen. In ihren Kleidern wird Kontaktgift gefunden und Leo Wechsler und seine Kollegen sind sich schnell sicher, dass dahinter ein gezielter Anschlag gegen den Modesalon steckt. Die Konkurrenz ist groß und ‚Morgenstern & Fink’ sind der aufstrebende Stern am Modehimmel in Berlin.
Kurze Zeit später wird Leo Wechsler zu einem furchtbaren Mord in Schöneberg gerufen. In der Wohnung des Toten findet sich ein Werbekatalog des Modesalons.
Wie hängen diese Fälle zusammen? Oberkommissar Leo Wechsler beginnt zu ermitteln.
Als ich im Februar den achten Teil um den Kommissar Leo Wechsler „Schatten in der Friedrichstadt“ zugesendet bekommen und diesen mit großem Vergnügen gelesen habe, wollte ich unbedingt auch die vorherigen Teile lesen, um mehr über die Vorgeschichte der Protagonisten (allen voran natürlich Leo Wechsler) zu erfahren. Ich fragte beim dtv-Verlag an und bekam die ersten sieben Teile als Rezensionsexemplare in Form von eBooks zugesendet. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den dtv-Verlag!
Die ersten vier Teile brachten mir spannungsreiche Lesestunden und ich habe die Reihe und die Protagonisten sehr in mein Herz geschlossen.
Auch in diesem Fall ermittelt Leo Wechsler wieder mit guten Gespür und zeigt sehr viel Empathie, Geschick und Geduld. Seinen Beruf übt er mit einer absoluten Überzeugung aus, auch wenn ihn die menschlichen Schicksale immer wieder sehr berühren.
Er ist zum Oberkommissar aufgestiegen, wird in seinem Privatleben aber trotzdem von Geld – und Zukunftsängsten geplagt, er hat Bedenken, ob er seinen beiden Kindern eine sichere Zukunft bieten kann.
Diese Empathie, sein Mitgefühl, seine Ängste aber auch seine Routine machen Leo Wechsler zu einem sehr authentischen und menschlichen Charakter, den ich in mein Herz geschlossen habe und nie wieder vergessen werde.
Seine Frau Clara ist mit ihrer ruhigen und besonnen Art an seiner Seite und unterstützt ihn, wie und wo sie nur kann. Die Beiden verbindet absolutes Vertrauen ineinander und eine starke, unverrückbare Liebe zueinander.
„Clara verstand ihn manchmal besser als er sich selbst und sah klar, wo er sich in etwas verrannte.“ [Kapitel 2]
Ilse, Leos Schwester, spielt in diesem Teil wieder eine etwas größere Rolle und brachte mich mit ihrer Geschichte und ihrer herrlich ehrlichen Art öfter zum Schmunzeln.
In Robert Walther hat Leo Wechsler einen Arbeitskollegen an der Seite, der ihm auch gleichzeitig ein guter, loyaler Freund ist und auf den er sich verlassen kann.
Das Team der Mordkommission arbeitet wieder Hand in Hand und sie setzen zusammen alles daran, die Fälle rasch und gründlich zu lösen. Sie alle sind vom Charakter und ihren Hintergrundgeschichten völlig verschieden. Susanne Goga hat mit diesen verschiedenen Figuren sehr lebensechte und vielfältige Charaktere geschaffen.
Die Figuren, welche neben diesem ‚harten Kern‘ eine Rolle spielen und diesem Fall ihr Gesicht geben, hat Susanne Goga wunderbar herausgearbeitet und sie zeigt mit ihnen einen authentischen Querschnitt der Gesellschaft der ‚Goldenen Zwanziger‘. Eine Gesellschaft, die politisch aber auch sozial, tief zerrissen ist.
Alle Figuren, egal ob Haupt- oder Nebenfigur, sind sehr authentisch gezeichnet, sind nie überzeichnet und ich konnte mich richtig in ihre Geschichten hineinversetzen. Hier ist vor allem Carl Fink zu nennen – sein wunderbar herausgearbeiteter Charakter und seine ergreifende Geschichte werde ich so schnell nicht vergessen.
Ihre größtenteils fiktiven Figuren treffen auch immer mal wieder auf historisch belegte Figuren – Susanne Goga lässt diese gekonnt miteinander agieren.
Die Handlung des Buches setzt an den vorherigen Band („Mord in Babelsberg“) an und führte dazu, dass ich direkt wieder in der Geschichte angekommen war.
Chronologisch erzählt die Autorin den Fortgang der Geschichte und Ermittlungen.
Susanne Gogas rasanter und flüssiger Sprachstil zogen mich sofort in das Geschehen und ich konnte das Buch nur noch schwer aus den Händen legen – die 336 unterhaltsamen und spannenden Seiten waren im Nu gelesen.
Das Jahr 1927 bildet den geschichtlichen Hintergrund der Geschichte.
Die Spuren des Ersten Weltkrieges waren verblasst, die deutsche Kunst, Kultur und Wissenschaft befanden sich in ihrer Blütezeit. Die ‚goldenen Zwanziger‘ ließen die Menschen aufatmen und das Leben mehr und mehr genießen.
Die Stadt Berlin war zu dieser Zeit tolerant im Umgang mit homosexuellen Menschen und entwickelte sich für diese zu einem Anziehungspunkt . Es gab in Berlin zahlreiche Lokale und Vergnügungsstätten, aber auch politisch aktive Organisationen, welche sich für ein Ende der Diskriminierung einsetzten. Der Paragraph 175 verbot gesetzlich diese Aktivitäten, sie wurden aber von der Polizei geduldet. Doch auch trotz dieser Duldung waren homosexuelle Menschen oft Hass und Häme ausgesetzt. Diesen Teil der Geschichte erzählt Susanne Goga sehr atmosphärisch und authentisch, ohne dass es aufgesetzt oder gar unecht wirkt.
Des weiteren spielt die Entwicklung der deutschen Konfektion eine große Rolle: Vom 19. Jahrhundert an bis ins 20. Jahrhundert war Berlin das Zentrum der Mode. Von Mode, die sich jeder leisten konnte, bis hin zur exklusiven Haute Couture für die gehobenere Gesellschaftsschicht.
Susanne Goga hat diese Hintergründe akribisch recherchiert, lässt diese Zeiten für den Leser/ die Leserin lebendig werden und verwebt diese gekonnt mit ihren größtenteils fiktiven Charakteren und deren Handlungen.
Fazit: Die schicksalshafte und spannende Geschichte hat mich von der ersten bis zur letzten Seite bestens zu unterhalten. Mit einer dichten Atmosphäre und unverwechselbaren Charakteren hat Susanne Goga eine farbenprächtige Zeitreise geschaffen, die ich so schnell nicht vergessen werde. Top!
leseratte1310
aus Niederrhein
5/5
18.02.2016
Buch (Taschenbuch)
1927 in Berlin: Am Anfang…
1927 in Berlin: Am Anfang einer Modenschau in einem Café reißen sich zwei Vorführdamen des Modehauses Morgenstern & Fink die Kleider vom Leib, weil sie glauben zu verbrennen. Wie sich bei den Untersuchungen herausstellt, ist Capsaicin im Futter der Kleider dafür verantwortlich. Leo Wechsler wird stutzig, als ihm sein Kollege beichtet, dass Lotte Morgenstern vor einiger Zeit den Verdacht hatte, dass jemand im Modehaus eingebrochen sei. Aber es gab keine Einbruchspuren und es war auch nichts gestohlen worden. Wurde das aufstrebende Unternehmen zur unangenehmen Konkurrenz? Wer hat ein Motiv Lotte Morgenstern und Carl Fink zu ruinieren? Kurz darauf gibt es einen Toten. In der Wohnung des Toten, Rainer Vogt, findet Leo einen Hinweis auf das Modehaus. Vogt setzte sich für die Homosexuellen ein und kämpfte für die Abschaffung des §175. Wie hängen die Fälle zusammen? Dies ist mein erstes Buch mit Leo Wechsler, aber bestimmt nicht das letzte. Leo ist ein sympathischer Kommissar, der nicht mit einer vorgefassten Meinung an seine Fälle geht, wie das in jener Zeit so oft der Fall ist. Er hat ein besonderes Gespür für Menschen und ihre Umgebung und nimmt so manchmal etwas wahr, das die Kollegen übersehen. Aber er ist auch ein liebevoller Ehemann und Vater mit gelegentlichen kleinen Schwächen. Sohn Georg hat sich einer Gruppe angeschlossen, die sich die „Adler“ nennt. Endlich hat er Freunde. Doch sind es die richtigen Freunde? Der 13jährige Georg steckt in einer Zwickmühle. Lotte ist eine ehrgeizige Frau, die mit Carl eine Zweckehe eingegangen ist und nun befürchten muss, dass ihr Traum vom angesehenen Modehaus zerbrechen könnte. Die Atmosphäre in Berlin ist sehr gut dargestellt. Es sind die goldenen Zwanziger und obwohl die Menschen sich freuen, dass es ihnen wieder besser geht, ist da auch die Gefahr spürbar, die sich immer öffentlicher zeigt. Der Schreibstil gefällt mir sehr und die Geschichte ist spannend bis zum Schluss.
leseratte1310
5/5
18.02.2016
Buch (Taschenbuch)
Die gar nicht so goldenen Zwanziger
1927 in Berlin: Am Anfang einer Modenschau in einem Café reißen sich zwei Vorführdamen des Modehauses Morgenstern & Fink die Kleider vom Leib, weil sie glauben zu verbrennen. Wie sich bei den Untersuchungen herausstellt, ist Capsaicin im Futter der Kleider dafür verantwortlich. Leo Wechsler wird stutzig, als ihm sein Kollege beichtet, dass Lotte Morgenstern vor einiger Zeit den Verdacht hatte, dass jemand im Modehaus eingebrochen sei. Aber es gab keine Einbruchspuren und es war auch nichts gestohlen worden. Wurde das aufstrebende Unternehmen zur unangenehmen Konkurrenz? Wer hat ein Motiv Lotte Morgenstern und Carl Fink zu ruinieren? Kurz darauf gibt es einen Toten. In der Wohnung des Toten, Rainer Vogt, findet Leo einen Hinweis auf das Modehaus. Vogt setzte sich für die Homosexuellen ein und kämpfte für die Abschaffung des §175. Wie hängen die Fälle zusammen?
Dies ist mein erstes Buch mit Leo Wechsler, aber bestimmt nicht das letzte. Leo ist ein sympathischer Kommissar, der nicht mit einer vorgefassten Meinung an seine Fälle geht, wie das in jener Zeit so oft der Fall ist. Er hat ein besonderes Gespür für Menschen und ihre Umgebung und nimmt so manchmal etwas wahr, das die Kollegen übersehen. Aber er ist auch ein liebevoller Ehemann und Vater mit gelegentlichen kleinen Schwächen. Sohn Georg hat sich einer Gruppe angeschlossen, die sich die Adler nennt. Endlich hat er Freunde. Doch sind es die richtigen Freunde? Der 13jährige Georg steckt in einer Zwickmühle.
Lotte ist eine ehrgeizige Frau, die mit Carl eine Zweckehe eingegangen ist und nun befürchten muss, dass ihr Traum vom angesehenen Modehaus zerbrechen könnte.
Die Atmosphäre in Berlin ist sehr gut dargestellt. Es sind die goldenen Zwanziger und obwohl die Menschen sich freuen, dass es ihnen wieder besser geht, ist da auch die Gefahr spürbar, die sich immer öffentlicher zeigt.
Der Schreibstil gefällt mir sehr und die Geschichte ist spannend bis zum Schluss.
hallobuch, Silke Schröder
aus Hannover
5/5
04.02.2016
Buch (Taschenbuch)
Auf in die Modewelt Berlins der 1920er Jahre
Es geschah in Schöneberg ist der mittlerweile fünfte Band von Susanne Goga mit ihrem ebenso symphatischen wie cleveren Kommissar Leo Wechsler. Dieses Mal führt sie uns in die Modewelt Berlins ein, das Mitte der 1920er Jahre das deutsche Modezentrum schlechthin war und von der Konfektionsware bis zur Haute Couture alles bot, was das Herz des stilbewußten bürgerlichen Publikums höher schlagen ließ. Vor allem am Kurfürstendamm siedelten sich damals viele Ateliers an. Goga führt uns aber auch nach Schöneberg, wo bis heute viele Schwulenbars zu finden sind. Berlin galt damals als vergleichsweise tolerant; der diskriminierende §175 des Strafgesetzbuches wurde in der Hauptstadt nicht allzu streng angewandt, so dass viele bekennende (und noch mehr heimliche) Homosexuelle nach Berlin kamen, um wenigstens etwas nach ihrem Gustus zu leben nur hier konnten Sexualforscher wie Magnus Hirschfeld arbeiten oder Geschichten wie Aimee und Jaguar und Goodbye to Berlin die Romanvorlage von Cabaret spielen. Doch wie diese zeigt auch Gogas Krimi, wie sich die Lage schon bald wieder verdüsterte und Nazi-Schläger bereits weit vor 1933 Jagd auf Kommunisten, Juden und Homosexuelle machten. Zugleich geht es bei Goga um allgemeinere Themen wie die Gleichberechtigung, wenn sich etwa das Ehepaar Wechsler nach langer Diskussion entscheidet, ihre Tochter trotz hohen Schulgeldes auf eine höhere Schule zu schicken. So lässt Susanne Goga ihren Kommissar in Es geschah in Schöneberg nicht nur in dichter, authentischer Atmosphäre einen spannenden Fall lösen, sondern sie bietet auch viele spannende Infos über die goldenen Zwanziger Berlins und zeigt, dass ein einmal erreichtes Level an Teilhabe und gegenseitiger Toleranz nicht einfach da ist, sondern schnell wieder verloren gehen kann, wenn es nicht verteidigt wird. Freuen wir uns also auf viele weitere historisch erhellende Abenteuer mit dem aufrechten Kommissar Leo Wechsler.
Bewertung
5/5
28.01.2016
Buch (Taschenbuch)
Leo Wechslers neuester Fall
Jetzt darf ich Ihnen schon den sechsten Fall von Leo Wechsler, dem von Susanne Goga erfundenen Kommissar, vorstellen. Ich liebe diese Krimi-Reihe, die im Berlin der zwanziger Jahre spielt. Und wie immer hat die Autorin eine gelungene Mischung aus spannendem Mordfall, gut recherchierten Hintergründen und einer sehr persönlichen Familiengeschichte geschrieben.
Dieses Mal entführt uns Susanne Goga in den neuen Westen Berlins, wo sich rund um den Kurfürstendamm und den Nollendorfplatz das glitzernde Leben abspielt. Wir sind inzwischen im Jahr 1927. Bei einer Modenschau in dem renommierten Romanischen Café werden zwei Mannequins verletzt. Ausgerechnet bei der ersten Modenschau des Modesalons Morgenstern & Fink. Wer steckt dahinter und was bezweckt diese Person damit? Will hier jemand seine Konkurrenten ausschalten? Oder steckt Eifersucht dahinter? Doch dann geschieht ein Mord, der anscheinend gar nichts mit diesem Fall zu tun hat. Rainer Vogt, ein enger Mitarbeiter von Magnus Hirschfeld, wurde erschlagen in seiner Wohnung aufgefunden. War es ein Mord aus dem Milieu? Was macht eine Einladung zu der Modenschau in seiner Wohnung? Hängen die beiden Fälle zusammen? Und so müssen Leo Wechsler und seine beiden Kollegen Robert Walther und Jakob Sonnenschein diesmal in zwei ganz fremde Welten eintauchen. Einmal ist es die Welt der Mode und zum anderen die Welt der Homosexuellen.
Susanne Goga bringt uns am Anfang mit ganz unterschiedlichen Personen zusammen. Und nach und nach ahnt man, was es mit ihnen auf sich haben könnte. Sie zeigt auf, wie die Modebranche in der Zeit funktioniert hatte. Und sie führt uns ein wenig in das schwule Berlin. Zwar ist Homosexualität laut dem berühmt berüchtigten Paragraphen 175 verboten, aber zumeist wird sie toleriert, da sie auch ein großer Anziehungspunkt für ausländische Besucher ist.
Aber es geht in diesem Buch nicht nur um den Mordfall, sondern auch um die Familie von Leo Wechsler. Sein Sohn Georg ist inzwischen 13 Jahre und wird langsam selbständiger. Er wird Mitglied bei den Jungen Adlern. Und auch die gesellschaftliche Entwicklung in Berlin kommt nicht zu kurz.
Herausgekommen ist wieder ein spannender Krimi, der ein gutes Bild der Weimarer Republik bietet. Ich liebe diese Krimis, die sehr informativ und spannend sind, aber ohne blutrünstige Szenen auskommen.
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