"Verena Boos verbindet großes Erzähltalent mit historischer Präzision." Jan Brandt
Für die junge Spanierin Maite ist das Studium in München vor allem eine Chance, ihrem konservativen Elternhaus zu entfliehen. Ihre Heimat Valencia, berühmt für den Handel mit makellosen Orangen, wird ihr allmählich fremd. Sie verliebt sich in Carlos, der aus einer deutsch-spanischen Familie stammt, und befreundet sich mit seinem Großvater Antonio. Der alte Emigrant berichtet von nie gehörten Ereignissen und erzählt doch nicht alles. Eines Tages wird aus der Zuhörerin eine Fragerin: Wie gelangte ihr Vater in eine deutsche Uniform?
Ausgezeichnet mit dem Mara-Cassens-Preis für das beste Debüt, Debütpreis des Buddenbrookhauses Lübeck, Grimmelshausen-Förderpreis und dem Gerhard-Beier-Preis.
"Verena Boos verknüpft deutsche und spanische Geschichte über einen Zeitraum von achtzig Jahren hinweg, mit Eindringlichkeit und narrativer Vielfalt. Der Leser hält einen erstaunlichen und höchst lesenswerten Debütroman in den Händen, der mit einer enormen Stoffvielfalt aufwartet, wie man sie nur von großen Romanciers kennt." Thomas Lehr.
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Spannend, lehrreich, berührend
Bewertung aus Weggis am 24.10.2019
Bewertungsnummer: 1259818
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Wenn man sich einmal an Verena Boos Stil gewöhnt hat, nimmt einen die Geschichte gefangen. Sie beleuchtet einen Teil der Geschichte Spaniens, der vielen unbekannt sein dürfte.
Die junge Spanierin Maite…
sommerlese am 05.03.2017
Bewertungsnummer: 2721693
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Die junge Spanierin Maite kommt aus Valencia und beginnt in München ein Studium, damit kann sie ihrem konservativen Elternhaus, besonders ihrem herrischen Vater entfliehen. Sie verliebt sich in den spanischstämmigen Carlos und erfährt von seinem Großvater Antonio dessen Erlebnisse als Verfolgter unter dem Regime von Franco. Auf einem Foto erkennt sie ihren eigenen Vater in einer deutschen Uniform. Sie steht vor einem unbekannten und in ihrem Elternhaus totgeschwiegenen Kapitel ihrer Vorfahren. "1939. Selbst die Erde schweigt. Schweigend nimmt sie sieben Körper auf, die liegen, wie sie fielen, übereinandergetürmt im Krater einer Explosion, eingehegt von dämmenden Lehmschichten, bedeckt nur von Nachtluft." Zitat S. 83 In diesem Buch geht es um die geschichtliche Aufarbeitung der Zeit des spanischen Bürgerkrieges und des nachfolgenden faschistischen Franco-Regimes. Durch das zufällige Kennenlernen von Maite und Carlos treffen hier in der Enkelgeneration Täter- und Opferfamilien aufeinander. Man bekommt hier Einblicke in die noch heute nicht aufgeklärte Diktatur unter Franco, der Hunderttausende Menschen zum Opfer fielen. Es geht um Verbrechen und Schuld, die auch heute noch nach Generationen Menschen spürbar belastet und nicht gesühnt wurde. "Erst das Schweigen machte den Franquismus zum perfekten Verbrechen. Und die Realitätsverweigerung ihres Vaters ist eine Frage der Macht, ... Der Pakt des Schweigens auf ihrer eigenen Hochzeit." Zitat S. 221 Dieser Roman zeigt parallel zwei Familien, erklärt aus deren Erlebnissen die Zeit unter Franco und deckt Verbrechen auf, die noch heute totgeschwiegen werden. Verena Boos Roman ist eine intensive Recherche dieser Zeitspanne vorausgegangen, das merkt man deutlich. Doch ihre Zeitsprünge, die auch zwischen Orten und Personenperspektiven hin und her springen, machen es dem Leser nicht leicht, dieses Knäuel von Vorkommnissen und Andeutungen zu entwirren. Erst allmählich bekommen die Zusammenhänge ein eindeutigeres Bild und es wird verständlich, worauf dieser Roman hinausläuft. Diese Zeit von Beginn des spanischen Bürgerkrieges an war mir bis auf einige Schlagwörter und allgemeine Informationen nicht so speziell bewusst. Zum besseren Verständnis wäre ein dem Roman vorangestellter geschichtlicher Hintergrund durchaus hilfreich gewesen. "Massengräber, das klang nach Balkan oder Afrika, doch Franco ließ die Leute systematisch erschießen, Lehrer wie sie selbst, renitente Geister wie Maite." Zitat Seite 339 Auch wenn ich das Familiendrama sehr spannend, die Liebesgeschichte recht ausführlich und die geschichtliche Thematik sehr interessant finde, ihr nach einigen anfänglichen Schwierigkeiten auch gut folgen kann, so hat mich doch der moderne Schreibstil der Autorin eher abgeschreckt und meinen Lesefluss unterbrochen. Verena Boos schreibt wie mit einer Kunstsprache. Sie benutzt viele Fragen und gekünstelt wirkende abgehackte Sätze. Dann wieder benutzt sie lange Sätze, in denen sich Nebensätze und Worthülsen wie Perlen auf einer Schnur aneinanderreihen. Beispiel: "Seine Isabelita. Bei ihr löste er das nicht mit einem Schuss, er hat sie den Roten einfach weggeheiratet, jung und unverdorben, bevor man sie beschmutzen konnte, Isabel, Schönste von allen." Zitat S. 356 Wie so häufig, finden Literaturkritiker die höchsten Lobpreisungen über diese Sprache. Ich bin nicht völlig überzeugt und finde auch die vielen Nebenschauplätze zu intensiv beschrieben. Mich lenkt das vom eigentlichen Ziel ab, dem Herausfinden des Geheimnisses um Franciscos Schuld. Besonders Antonios Schicksal hat mich sehr berührt. Und die Verknüpfung zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart ist der Autorin inhaltlich gut gelungen. Hier zeigt sich wie traurige Kapitel der Geschichte nie vergessen werden können. Bei diesem Roman kann man viel über die historischen Vorgänge in Spanien ab 1936 erfahren. Man muss sie nur durch die vielen Zeit- und Perspektivsprünge richtig einordnen können.
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