Dieses Buch widmet sich einem Artenschutzprogramm. Denn sie werden immer seltener, die schrägen Vögel. "Sie nisten", schreibt Alfred Komarek, "im Schweigen der Schwätzer, unter den Dächern der Unbehausten, hinter den Regeln der Vernunft, über den Niederungen des Größenwahns, in Wissenslücken, Budgetlöchern und in der Höhle des Löwen." Zusehends fehlt es ihnen an Lebensraum. Höchste Zeit, ihnen Würdigung und Ermutigung zuteil werden zu lassen, in Worten, aber auch in den wunderbaren Bildern des Fotografen János Kalmár.
Eine Auswahl solcher rarer Köpfe ist in diesem Buch versammelt, u.a.:
. Heini Staudinger: Idealist und Realist, friedfertiger Rebell, erfolgreicher Unternehmer.
. Gottfried Umschaid: Weinkeller-Unterweltskönig, Winzer, Galerist, Künstler, Mitbegründer des "Nonseums" im "verruckten" Dorf Herrenbaumgarten.
. Bodo Hell: Hüter der Worte und der Ziegen, gründlich geerdeter Sprachakrobat, kompliziert, weil nichts komplexer ist als das einfache Leben.
. Martha Labil: Clown und Komödiantin fernab der Bühne, hemmungslos exponierte Akrobatin, möglichst unmöglich, befremdlich alltäglich.
. Arnold Lobisser: Instrumentenbauer, Musiker und vieles mehr. Ein Lehrer, der nie auslernt, ein Künstler, der mit den Händen träumt, ein schöpferischer Handwerker.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Bewertung
aus Biesenthal
5/5
11.01.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Schräge Vögel
Schräge Vögel Faszinierende Lebensentwürfe von Alfred Komarek ist eine Sammlung kurzer Lebensgrundrisse verschiedener Persönlichkeiten, die allesamt eine Gemeinsamkeit haben: Sie führen ihr Leben nach eigenen Regeln und Vorstellungen.
Ich dachte zunächst, dass es sich bei diesem Buch um kurze Biographien handeln würde, wurde aber eines Besseren belehrt. Der Schreibstil ist meiner Meinung nach passend zum Buch. Herrlich unaufgeregt und sachlich aber dennoch gut und leicht zu lesen. Eine gehörige Portion Humor und Scharfsinn ist -selbstredend- dabei.
Der Fotograf János Kalmár fängt die Atmosphäre um diese schrägen Vögel unheimlich authentisch ein. Durch seine Fotographien scheint jedes kurze Portrait lebendig und dynamisch, voller Leben und Esprit.
Julia Reichert
Ich mochte, dass es einen kurzen Abriss aus ihrem Leben gab und sich der größere Teil des Kapitels auf ihr jetziges Schaffen konzentriert hat. Sie kommt selbst zu Wort, wodurch es zu einem Anflug von Intimität kam. Sie ist ohne Frage eine immens kreative und schaffensfrohe Persönlichkeit.
Arnold Lobisser
Ein hochinteressanter und begabter Mensch - keine Frage. Das schräge an ihm konnte ich nicht entdecken, dennoch lebt er sein Leben nach eigenem Maßstab. Warum sollte er etwas anfangen, wenn er es nicht zu Ende bringen wollte?
Heini Staudinger
Ich ziehe meinen Hut vor ihm, denn solch ein Leben verlangt sicher Mut und ein hohes Maß persönlicher Integrität! Ein unheimlich kreativer Geist, der viel erreicht hat.
Marika Reichhold
Marika Reichhold ist ein unglaublich interessanter Mensch, nicht nur wegen ihres Alter Egos Frau Franzi, sondern auch wegen den Dingen, die sie bisher erleben und sehen durfte. Eine weit gereiste und bewanderte Dame.
Bodo Hell
Ich habe die Auszüge der Almnotizen von Bodo Hell wirklich sehr gern gelesen.
Ich werde mir wohl die ein oder anderen Texte von Bodo Hell zulegen und lesen, denn ich bin ein großer Ernst Jandl Fan und wenn er mit diesem verglichen wird (zumindest teilweise), ist es wohl einen Versuch wert.
Das Leben, das Bodo Hell führt, ist sehr abgeschieden, scheint es. Dafür hätte ich nie den Mut, doch er erscheint sehr glücklich und zufrieden.
Daniel Spoerri
Die Kunst von Daniel Spoerri gefällt mir sehr, ich kannte diese bereits und war sehr erfreut ihn hier mit im Buch zu haben. Ich finde die Fallenbilder von ihm irgendwie sehr inspirierend. Generell gefällt mir seine Kunst sehr. Ein freischaffender Geist, der abwegig denkt und dabei geerdet ist.
Otto Lechner
Otto Lechner ist ohne Frage ein unheimlich musikalischer und künstlerischer Mensch, allerdings entspricht er nicht wirklich meiner persönlichen Auffassung eines schrägen Vogels. Dennoch habe ich gern den kurzen Abriss über ihn gelesen und habe nicht im geringsten das Gefühl damit Zeit meines Lebens verschwendet zu haben.
Martha Labil
Warum sich Martha den Künstlernamen 'Labil' ausgesucht hat, hat sich mir nicht so recht erschlossen.
Eine großartige Künstlerin, die sich nicht neu erfinden muss aber doch immer im Wandel ist.
Klaus Hoffmann
Eine Geschichte, die sich von den anderen abhebt. Schön bodenständig und charmant!
Josef Fuchs
"Andere haben einen Schrebergarten. Wir haben einen Friedhof."
Für mich ist es eher eine Familiengeschichte, als eine einzelne Lebensgeschichte, so ist der Friedhof ja schon in Verantwortlichkeit der dritten Generation der Familie Fuchs.
Es ist sicher ein etwas eigentümlicher Lebenssinn sich um einen Friedhof zu kümmern, dennoch habe ich größten Respekt vor Josef Fuchs, der damit eine gewisse Selbstlosigkeit und Generosität an den Tag legt.
Friedl Umschaid
Friedl Umschaid ist wahrlich ein Gedankenüberschussverwerter. Mit seinen herrlich unbrauchbaren Erfindungen ist er mir sofort sympathisch.
Ein Träumer und Ideengeber wie er im Buche steht!
Christian Wessely
Fundamentaltheologe und Donaldist. Hier ist das Kind im Mann deutlich vernehmbar. Christian Wessely ist ein äußerst origineller und sonderbarer Zeitgenosse, den ich zu gern selbst treffen möchte um das Gelesene adäquat verarbeiten und einordnen zu können!
Roland Girtler
"Und weil es nun einmal so herrlich einfach ist, Menschen mit Etiketten zu bekleben und mit Schlagwörtern abzuspeichern, wurde Roland Girtler zum Professor mit dem wenig standesgemäßen Hang zu Randgruppen, gönnerhaft vielleicht auch noch als 'Original' zur Kenntnis genommen."
Für mich ist Roland Girtler ein Original im positivsten Sinne, er lernt nie aus und hat sich seine gesunde Neugier behalten. Ein wissensdurstiger und intuitiver schräger Vogel.
Alfred Komarek
Alfred Komarek - der Höhlenmensch. "Bücher gehören natürlich in jede Höhle, die was auf sich hält, [...]" Damit spricht er mir aus der Seele.
Ein schräger Vogel, der vielleicht gar nicht so schräg ist, eventuell etwas absonderlich aber unheimlich liebenswert. Ein Höhlenmensch, der seine Höhle dem guten Zweck wegen verlässt.
Marie-Therese Reisenauer
aus Wien
5/5
08.11.2014
Buch (Gebundene Ausgabe)
Raritäten
Alfred Komarek, selber ein Erschaffer schräger Typen - man denke nur an Simon Polt, oder Daniel Käfer, widmet sich in seinem neuesten Werk, den lebenden schrägen Vögeln, welche fürwahr schon eine sehr rare Spezies sind. Doch Komarek ist es gelungen eine gar nicht so kleine Ansammlung zu finden, um sie dem staunenden Publikum nahebringen zu können. Es ist ein breites Spektrum der Gesellschaft, dass Komareks Feder abarbeitet. Lehrer, Künstler, Weinbauer, aber auch Finanzrebell. Schön, dass es sie gibt.
Sikal
5/5
07.10.2014
Buch (Gebundene Ausgabe)
Schräge Vögel
Wenngleich dem Ausdruck schräger Vogel in der Umgangssprache nicht immer nur andersdenkende Menschen gerecht werden, sondern auch Kleinkriminelle oder Spinner - so ist nach den ersten Zeilen von Komareks Buch klar, welche Kategorie der schrägen Vögel noch folgen werden.
In vielen kleinen Details erzählt Alfred Komarek die oft recht seltsam anmutenden Geschichten von Menschen, die ihr Leben anders gestalten als es unsere Gesellschaft für richtig hält. Es werden die Schwierigkeiten in deren Vergangenheit und Gegenwart erzählt, die Stolpersteine über welche sie gegangen sind oder auch geschickt wurden, aber auch die Fülle der Erlebnisse, welche ihr Leben so lebenswert machen.
Das Buch lebt aber nicht nur von den Worten und Sätzen Komareks. Die Bilder des Fotografen Janos Kalmac tragen ihrerseits zum Leben der Worte bei. Während Arnold Lobisser aus dem Buch heraus auf den Leser zu rudert, hört man wenige Seiten später die Maultrommel spielen.
Diese schrägen Vögel leben aber nicht nur dort wo Alfred Komarek sie aufgesucht hat einige von ihnen finden sich auch als ganz normale Menschen in unserer Nähe wieder. Ist es bei Komarek der Ziegenhirte Bodo Hell oder der Einsiedler Alfred Komarek selbst, wird einem bei der Lektüre dieses Buches nach und nach bewusst, dass wir umgeben sind von solchen schrägen Vögeln. Ob es sich dabei um den kleinen Biobauern am Rande des Dorfes handelt, der - so wie auch Heini Staudinger - sein Ziel verfolgt, egal wie viele Steine man ihm in den Weg legt oder um den Volksschullehrer, der für seine Dorfschule kämpft - wie Roland Girtler für seine Randgruppen.
Wer nicht nur Polt oder Daniel Käfer kennt, sondern auch Komareks Beschreibungen unseres Landes (und unserer Nachbarländer) wird feststellen, dass sich auch Menschen wie Landschaften beschreiben lassen. Manches Mal gleitet man als Leser wie in der Vogelperspektive über den Menschen, um ihn in seiner Gesamtheit zu erfassen - um gleich danach ein Detail präsentiert zu bekommen, welches alles in einem anderen Licht erscheinen lässt. Dann wiederum werden nur Kleinigkeiten erzählt und all diese Einzelheiten fügen sich zu einem (Menschen)Bild.
Betrachtet man jedoch all diese Menschen, so wird bald klar, dass dieses Buch um einige hundert Seiten mehr haben müsste, um all die schrägen Vögel um uns herum zu erfassen. Das jedoch überlässt Alfred Komarek uns selbst Danke.
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