Nominiert für die Hotlist 2014 Wien, 1954. Die harten Nachkriegsjahre sind vorbei, Wiederaufbau und wirtschaftlicher Aufschwung prägen die Zeit. Doch nicht jeder findet Halt in einer Gesellschaft, die versucht, Krieg und Gewalt in die Vergangenheit abzuschieben. Lydia, Dragan und Heinrich gehören zu den Entwurzelten, die in einem Schuppen hausen und - jeder für sich - ein anderes Bild der Nachkriegsgesellschaft skizzieren. Der Serbe Dragan kämpft um eine Art Normalität, die er nicht findet. Lydia verliert sich in der Hoffnung, ihr Verlobter würde eines Tages aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehren. Heinrich, der "Watschenmann", hat sich eine eigene Gedankenwelt zurecht gelegt. Er zieht durch die Straßen und provoziert Passanten, ihn zu schlagen. Physische und verbale Hiebe steckt er ein, um den "Kriegswurm" freizulegen, der sich immer noch tief in den Menschen verbirgt. Heinrich entzieht sich Schmerz und Demütigung, indem er an ein Reptil oder einen Raben denkt, "an einen, der sich gegen den Wind stemmt." Mit ungeheurer Sprachwucht erzählt dieser Roman von der ambivalenten Beziehung dreier Menschen, die sich Stabilität und Halt geben, die sich schlagen und beleidigen, die an der Hoffnung festhalten. Karin Peschka fällt aus dem Rahmen der jüngsten deutschen Literatur. (Anton Thuswaldner, Salzburger Nachrichten).
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Bewertung
5/5
19.09.2025
Buch (Paperback)
Großartig
Karin Peschkas Watschenmann zählt für mich zu den neuen Klassikern der österreichischen Literatur. Ein atmosphärisch dichtes, empathisches Porträt mehrerer prekären Existenzen am Rande der Gesellschaft im noch nicht wieder auf gebauten Nachkriegswien, erzählt in einem ganz einzigartigen Sound. Große Literatur!
Marie-Therese Reisenauer
aus Wien
4/5
02.12.2014
Buch (Paperback)
Seinerzeit
Seinerzeit hat Graham Greene mit dem "Dritten Mann" das Wien der Nachkriegszeit überzeugend portraitiert. In seine Fußstapfen tritt Karin Peschka mit dem "Watschenmann". Heinrich ist der Name des Watschenmannes, der durch Wien zieht, sich verprügeln und den Krieg immer wieder aufleben lässt, weil er ja nur schläft. Es ist aber auch die Geschichte des Serben Dragon, der immer wieder versucht Fuß zu fassen, in dieser Zeit der Verlorenen, Entwurzelten und Verzweifelnden. Das Sprachbild ist wuchtig, das Buch beeindruckend.
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