Als das Unglück geschieht, flieht Edgar Bendler aus seinem Leben. Er wird Abwäscher auf Hiddensee, jener legendenumwogten Insel, die, wie es heißt, schon außerhalb der Zeit und »jenseits der Nachrichten« liegt. Im Abwasch des Klausners, einer Kneipe hoch über dem Meer, lernt Ed Alexander Krusowitsch kennen – Kruso. Eine schwierige, zärtliche Freundschaft beginnt. Von Kruso, dem Meister und Inselpaten, wird Ed eingeweiht in die Rituale der Saisonarbeiter und die Gesetze ihrer Nächte, in denen Ed seine sexuelle Initiation erlebt. Geheimer Motor dieser Gemeinschaft ist Krusos Utopie, die verspricht, jeden Schiffbrüchigen des Landes (und des Lebens) in drei Nächten zu den »Wurzeln der Freiheit« zu führen. Doch der Herbst 89 erschüttert die Insel. Am Ende steht ein Kampf auf Leben und Tod – und ein Versprechen.
Inselabenteuer und Geschichte einer außergewöhnlichen Freundschaft: Lutz Seilers erster, lang erwarteter Roman schlägt einen Bogen vom Sommer 89 bis in die Gegenwart. Die einzigartige Recherche, die diesem Buch zugrunde liegt, folgt den Spuren jener Menschen, die bei ihrer Flucht über die Ostsee verschollen sind, und führt uns dabei bis nach Kopenhagen, in die Katakomben der dänischen Staatspolizei.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Bewertung
5/5
06.10.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Von Hiddensee versuchten viele Menschen die Flucht aus der DDR über die Ostsee. Um Krusowitsch (Kruso) entsteht eine verschworene Gemeinschaft "der Schiffbrüchigen", der Kruso eine andere Idee von Freiheit zu geben versucht, die nicht mit einer lebensgefährlichen Flucht erkauft werden muss. Doch es ist der Sommer 89, die Gemeinschaft zerfällt. Es kommt zu Verrat und tödlichen Auseinandersetzungen. Mit der großartigen Sprache des Lyrikers erzählt Seiler diese bewegende Geschichte von der Sehnsucht nach Freiheit und gibt den namenlosen Verschollenen, die beim Fluchtversuch über die Ostsee ihr Leben ließen, ein Gesicht.
Bewertung
5/5
24.11.2016
Buch (Gebundene Ausgabe)
Seilers Roman über Ed, der 1989...
Seilers Roman über Ed, der 1989 auf Hiddensee als Saisonarbeiter in Alexander "Kruso" Krusowitsch einen Freund findet & den Zusammenbruch der DDR erfährt ist eine lohnende Lektüre.
Bories vom Berg
aus München
5/5
11.12.2014
Buch (Gebundene Ausgabe)
Magischer Realismus Sein…
Magischer Realismus Sein Debüt als Romancier hat Lutz Seiler mit einem Schlage bekannt gemacht, «Kruso» wurde mit dem deutschen Buchpreis 2014 geehrt, und auch das Feuilleton war unisono voll des Lobes. Nun beschert ein derartiger Medienwirbel nicht nur hohe Auflagen, er sorgt auch dafür, dass der preisgekrönte Roman, - eines bis dato als Epiker kaum bekannten Autors zudem -, nun plötzlich einen sehr großen Leserkreis erreicht. Zu groß scheinbar, denn wie die Rezeption des Buches zeigt, sind viele Leser darunter, die mit dem Roman offensichtlich überfordert sind, die hohe Zahl negativer Laienkritiken ist jedenfalls ein unübersehbares Indiz dafür. Umso mehr ist deshalb die Entschlossenheit der diesjährigen Buchpreis-Jury zu loben, unbeirrt auch heuer wieder ein literarisch hochstehendes, ambitioniertes Werk auszuzeichnen. Wenige Tage nach der Inthronisierung eines «Linken» zum thüringischen Ministerpräsidenten ist die DDR-Vergangenheit derzeit Thema vieler Diskussionen. Seilers Geschichte ereignet sich während der letzten Monate dieses üblen Unrechtsregimes, sie liefert fernab der Politik ein beklemmendes Bild der unsäglichen Bedingungen, unter denen die Menschen dort jahrzehntelang gelitten haben. Hiddensee, die Insel in der Ostsee, kaum fünfzig Kilometer von der verlockenden Küste Dänemarks entfernt, ist als Schauplatz des Romans ein geheimer Fluchtpunkt von Aussteigern, Gestrandeten, Verzweifelten. Aus eigenem Erleben schöpfend schildert der Autor, wie sein Protagonist Ed, nach dem Unfalltod seiner Freundin völlig aus der Bahn geworfen, dort in der Touristen-Gaststätte «Zum Klausner» als Saisonkraft unterkommt und schon bald Teil einer verschworenen Gemeinschaft wird. Sein Mentor ist Alexander Krusowitsch, genannt Kruso, Spiritus Rector dieser exotischen Kaste von Intellektuellen, die nicht ins sozialistische System passen, die ihren ganz eigenen Regeln und Wertvorstellungen folgen. Die zwölfköpfige Mannschaft im systemfernen Refugium des Klausners erscheint wie ein aberwitziges Panoptikum von wundervoll beschriebenen, ebenso markanten wie sympathischen Figuren, allesamt Gestrandete auf einer Arche namens Hiddensee, dem vermeintlichen Schlupfloch in die Freiheit. Seilers Robinsonade währte, anders als bei Defoe, nur wenige Sommermonate bis zur sogenannten Wende im November 1989. Die politischen Ereignisse dieser Zeit sind im Roman weitgehend ausgeblendet, sie klingen nur im Hintergrund an, aus dem Lautsprecher der Viola nämlich, jenem permanent eingeschalteten Radioapparat, aus dem rund um die Uhr das Programm des Deutschlandfunks erschallt. Die Ritter der Klausner-Tafelrunde versammeln sich täglich um sieben Uhr früh zum gemeinsamen Frühstück am Persotisch, dessen zentrale Rolle im Roman der Autor durch eine beigefügte Handzeichnung am Ende des Buches betont. Nach und nach allerdings lichten sich dort die Reihen, verschwindet spurlos einer nach dem anderen, der Untergang des politischen Systems wird hier gekonnt am Exodus der Saisonkräfte gespiegelt. Bis schließlich nur noch Ed übrig bleibt, und als der das seit Tagen defekte Radio wieder repariert hatte, wusste er eine Weile lang nicht, ob er begriff, was er da hörte: «Alle Grenzen waren offen. Offen seit Tagen». Mich hat die eigenständige, poetische Erzählform Seilers unwillkürlich an James Joyce erinnert. Der magische Realismus des Romans ignoriert die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Mythos, lässt Fakten und Irreales gleichberechtigt nebeneinander bestehen, kombiniert sie meisterhaft, ein Märchen für Erwachsene. In einem beklemmenden Epilog berichtet Ed als Ich-Erzähler von seinen hartnäckig verfolgten Recherchen nach den verschollenen Flüchtlingen, nach den unbekannten Toten, denen er damit ein Denkmal setzen will. Das ist spannend zu lesen wie ein Krimi und lässt den Leser tief betroffen zurück. Dieser grandiose Roman hat in vielerlei Hinsicht das Zeug dazu, ein Klassiker zu werden in der deutschsprachigen Literatur.
Markus von Brevern
aus Aachen
5/5
29.11.2014
Buch (Gebundene Ausgabe)
Tolles Buch
Ich habe das Lesen sehr genossen. Der Schreibstil ist grandios. Das Thema interessant, Selbstfindung im unfreien Land im Sommer 1989. Oder eigentlich: Entzauberung als maßgebliche Zutat für das Erwachsenwerden. Die Geschichte, Germanistikstudent wird Tellerwäscher auf einer Aussteigerinsel, ist so hautnah erzählt und authentisch, dass man annehmen muss, der Autor habe das alles genau so wirklich erlebt. Uneingeschränkt empfehlenswert.
Marie-Therese Reisenauer
aus Wien
5/5
08.10.2014
Buch (Gebundene Ausgabe)
Gewinner
"Kruso" ist der Gewinner des diesjährigen Deutschen Buchpreises. Es ist auch der erste Roman des Autors, und das was man einen Volltreffer nennt. Die Geschichte des Edgar Bender, der sich nach einem Unglück auf die Insel Hiddensee zurück zieht, dort zum Tellerwäscher wird, mit dem Inselpaten Krusowitsch zu einer innigen Freundschaft findet, ist auch gleichzeitig die Geschichte der in der Ostsee ertrunkenen Flüchtlinge aus dem Arbeiter- und Bauernstaat der DDR. Die Katakomben der dänischen Staatspolizei spielen in diesem weitgehend unbemerkten Drama eine wichtige Rolle. Wäre der Autor Glockengiesser von Beruf, so könnte man "in einem Guss" formulieren...
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für dein Feedback
Wir nutzen dein Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte habe Verständnis, dass wir dir keine Rückmeldung geben können. Falls du Kontakt mit uns aufnehmen möchtest, kannst du dich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.