Lange Zeit haben Wirtschaftswissenschaftler, politische Entscheidungsträger und Bürokraten, die mit den Problemen der ärmeren Völker der Welt beschäftigt sind, behauptet, dass die Lebensqualität sich nur dann erhöht, wenn das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf steigt. Anhand dieses groben Maßstabs erhalten auch solche Länder hohe Wertungen, in denen eine besorgniserregende Ungleichheit herrscht und ein Großteil der Bevölkerung nicht in den Genuss der gesamtgesellschaftlichen Verbesserung der Wirtschaftslage kommt. Weil diese Leitvorstellungen zutiefst falsch sind, haben sie die Entwicklungspolitik auf Wege gelenkt, die im Lichte weit verbreiteter menschlicher Werte (wie der Achtung von Gleichheit und Würde) unhaltbar erscheinen müssen. Um diese etablierten, aber unangebrachten Theorien in Frage zu stellen, benötigen wir einen theoretischen Gegenentwurf - wenn wir den politischen Entscheidungen die richtige Richtung geben wollen. Heute gibt es auf dem Feld entwicklungspolitischer Entscheidungen einen neuen Ansatz zur Verbesserung der menschlichen Lebensweise, der auch als Befähigungskonzept (Capability Approach oder Capabilities Approach) bekannt geworden ist. Dieser setzt mit einer sehr einfachen Überlegung an: Was sind Menschen wirklich zu tun und zu sein in der Lage? Über welche wirklichen Chancen verfügen sie? Diese einfachen Fragen sind zugleich komplex: Denn die Qualität eines Menschenlebens umfasst eine Vielzahl von Aspekten, deren wechselseitiger Zusammenhang eine eingehende Untersuchung verlangt. So es ist in der Tat auch und gerade dessen Komplexität, die für den neuen Ansatz spricht. Damit scheint er gut gerüstet, die Vielgestaltigkeit menschlichen Lebens und Strebens zu erfassen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
HSL
4/5
13.01.2021
Buch (Taschenbuch)
Mein Eindruck
Immer wieder gerne lese ich gern in gut verfassten Büchern, die sich mit Ökonomen, also politischen Entscheidungsträgern und Verwaltungsbeamten befassen. Dieser Band wurde von Veit Friemert aus den amerikanischen ins deutsche übersetzt und durch den Karl Alber Verlag 2015, herausgegeben.
Die unterschiedlichsten Möglichkeiten, Ziele und auch die Würde eines jeden Menschen werden in diesem Werk nicht über einen Kamm geschert und Martha Nussbaum als Autorin bezieht sogar die Ansprüche von Tieren mit ein. Sie ist Professorin für Rechtswissenschaften und Ethik an der University of Chigago und gilt als eine der einflussreichsten Philosophinnen der Gegenwart. Um eigene Ansätze und Gedanken nicht nur in Gleichungen und Formeln wider zugeben, wurde dieses Buch Fähigkeiten schaffen, mit gut gegliederten Inhalten zum Lebensstandart verschiedener Nationen, mit anderen Schlüsselelementen verdeutlicht. Sehr fasziniert hat mich bereits Kapitel 1, in dem eine kurze Lebensgeschichte zum Thema Verbesserung menschlicher Lebensqualität nacherzählt wird, aber auch alle anderen 7 Kapitel sind es wert, sie zu lesen. Im Anhang befinden sich unterschiedliche Theorien der akademischen Welt. Eine umfangreiche Bibliographie und Anmerkungen zu den einzelnen Kapiteln unterstützen den Leser zusätzlich zu dem ausführlichen Werk der Autorin, seine eigenen Grenzen zwischen Theorie und Praxis herauszufinden. Das doch große Ungleichheiten und Verfälschungen in der Lebensqualität nicht nur in sogenannten Entwicklungsländern bestehen, aber noch wichtiger ist, wo liegen die Unterschiede in der Denkweise und Wahrnehmung eines Entscheidungsträgers und eines Bürgers. Leider haben Gegner und fähige Köpfe wenig Einfluss und Macht, bestehende Strategien zu durchbrechen. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf (BIP) ist das Maß einer Regierung für Wohlstand. Die Fähigkeiten einzelner Personen nutzen nichts und die Umverteilung geschieht weiterhin zu ungleichen Teilen. Denn in Zahlen ist nicht enthalten, wer das Geld hat, oder wer nicht. Das Buch beinhaltet die Aufklärung, welche Themen Vorrang haben, um das alle Menschen am BIP profitieren können und dazu erstellt Martha Nussbaum eine Liste mit zentralen Fähigkeiten. Durch das Versagen des Staates, sind alle auf diesen Globus Entwicklungsländer, verglichen mit den Vereinigten Staaten und Indien. Toll geschrieben und sogar wahr.
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