Der Orpheusmythos zwischen Authentizität und Aktualisierung Inszenierung von Poetizität in Angelo Polizianos 'Fabula di Orpheo'
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Sprache:Deutsch
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Produktdetails
Format
ePUB
Kopierschutz
Nein
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Nein
Text-to-Speech
Ja
Erscheinungsdatum
13.08.2009
Verlag
GRINSeitenzahl
24 (Printausgabe)
Dateigröße
324 KB
Auflage
1. Auflage
Sprache
Deutsch
EAN
9783640399109
entstanden, seine eigene Poetizität thematisiert, diese geradezu in den Vordergrund seiner eigenen
Gestaltung rückt, verschiebt den Kontext der Fragestellung. Denn bei aller Plausibilität können
pragmatische Erklärungen rhetorisch-strategischer Funktionen diesen Umstand nicht zureichend,
ja überhaupt nicht erklären. Angesichts der vorausgegangenen Epoche des Mittelalters
geht es hier um einen grundsätzlichen Wandel im Selbstverständnis des Künstlers und nicht zuletzt
des Kunstwerkes selbst. Diese These, deren Nachweis es hier zu führen gilt, wirft, und das
ist nicht zu weit gegriffen, einen epochalen Fragehorizont auf. Wie ist es möglich, daß ein solcher
Text im Kontext der Frühen Neuzeit, genauer im Kontext des rinascimentalen Neuplatonismus
verfaßt werden konnte? Es stellt sich hierbei nicht nur die Frage nach der Diskontinuität (und
Kontinuität) von Mittelalter und Neuzeit, sondern auch nach der Kontinuität und Diskontinuität
innerhalb der Renaissance selbst. Denn Poliziano selbst sah sich genötigt, ein epochales Kunstund
Textverständnis gegenüber der Philosophie eines Marsilio Ficino durchzusetzen, einen
Bruch innerhalb der Ästhetik der Renaissance zu forcieren, ein Bruch, der offenbar sowohl auf
theoretischer wie praktisch-ästhetischer Ebene eine gewisse polemische Haltung erforderte. Damit
allein wäre aber die Komplexität des Sachverhaltes nicht erfaßt. Das im Grunde vom Mittelalter
tradierte Textverständnis, das auch für Ficino noch grundlegend ist, wird erst durch Poliziano
problematisiert. Und doch, auch dies soll gezeigt werden, hat die Möglichkeit der Fabula di
Orpheo die neuplatonische Dichtungstheorie, die Konzeption des furor poeticus zur Voraussetzung. Wenn der Aufbau dieser Arbeit den literaturwissenschaftlichen Teil um eine theoretische Darstellung
ergänzt, ist dies keine unnötige Abschweifung. Vielmehr soll die kontinuierlichdiskontinuierliche
Bewegung, die die Fabula ermöglicht, auf zwei Diskursebenen veranschaulicht werden, derer sich Poliziano zu gleicher Zeit bedient hat. Und erst diese doppelte Analyse wird es
leisten können, diesen Einschnitt in der Ästhetik der Renaissance zu konturieren.
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