Noch immer ist kein Frieden eingekehrt in der Wildermark, wo das Volk der Willkürherrschaft grausamer Kriegsfürsten ausgeliefert ist. Um seinen Untertanen ein besseres Leben bieten zu können, stürzt sich Ulfberth von Moorauen in den Kampf, sein verlorenes Lehen zurück zu erobern. Doch er wird verraten und findet sich sich unversehens im Herzen der Schwarzen Lande wieder, wo er ums nackte Überleben kämpfen muss. Als sie von Ulfberths Schicksal erfährt, weilt Zita in der Kaiserstadt Gareth, um einem Meisterschmied alte Geheimnisse von Feuer und Stahl abzutrotzen. Entschlossen bricht sie auf, ihren Geliebten zu retten. Im Vorposten der Niederhöllen, der verfluchten Stadt Yol-Ghurmak, müssen beide dem schwärzesten Teil ihrer Seele entgegentreten, wollen sie nicht in den unheiligen Schmiedefeuern der dämonischen Esse vergehen.
Nach "Im Schatten der Esse" schmiedet Judith C. Vogt das Schicksal von Zita und Ulfberth nun "Im Feuer der Esse" weiter.
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07.10.2026
eBook (ePUB)
„Möge nie der Tag erscheinen“ – Eine lebendige aventurische Geschichte
Manchmal beginnt ein Roman mit einem Satz, der einen sofort in eine andere Welt zieht. Bei Judith C. Vogts "Im Feuer der Esse" ist es das Bild einer jungen Schmiedin, die in einer Garether Werkstatt zwischen Ruß, Intrigen und dem Hämmern der Esse um ihren Platz kämpft. Zita´s Vorgeschichte wurde bereits im DSA 129 Roman "Im Schatten der Esse" erzählt. Dieser 150. DSA-Roman ist die direkte Fortsetzung, ein Jahr später. Zita ist keine strahlende Heldin, sondern eine Frau mit rauen Händen, einem aufbrausenden Temperament und dem festen Willen, eines Tages Meisterschmiedin zu werden. Und ihr Begleiter Ulfberth von Moorauen ist kein edler Ritter, sondern ein verarmter Junker, der sich mit Gerichtskämpfen über Wasser hält und von der Rückeroberung seiner Burg träumt. Zwei Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und doch gehören sie zusammen. Wer diese ersten Seiten liest, merkt schnell: Hier wird nicht bloß Fantasy erzählt, hier wird eine Welt zum Leben erweckt.
Volker Weidermann würde wohl von einem „Roman voller Feuer und Asche“ sprechen. Und tatsächlich ist Im Feuer der Esse genau das: ein Buch, das nach Schmiedehammer, Rauch und Abenteuer riecht. Judith C. Vogt schreibt mit einer Wärme, die selbst die dunkelsten Szenen noch menschlich erscheinen lässt. Ihre Sprache ist bildgewaltig, aber nie überladen; sie findet für jede Figur den richtigen Ton. Besonders beeindruckend ist, wie sie die Dämonenstadt Yol-Ghurmak zeichnet – ein Ort, der nicht nur bedrohlich ist, sondern geradezu atmet, flüstert und nach den Seelen seiner Bewohner greift. Man spürt beim Lesen förmlich die Hitze der Essen, den Staub der Straßen und die eisige Angst der Gefangenen.
Die Geschichte folgt zwei parallelen Handlungssträngen, die sich immer wieder kreuzen und schließlich zusammenlaufen. Zita und Ulfberth werden getrennt, verlieren sich, suchen einander und müssen dabei lernen, dass Heimat nicht nur ein Ort auf einer Karte ist. Vogt gelingt es, diese Suche spannend und emotional zugleich zu erzählen. Sie baut Spannung nicht durch laute Effekte auf, sondern durch die stille Bedrohung, die über allem liegt. Die Kapitel wechseln die Perspektive, was den Leser tief in die Köpfe beider Protagonisten eintauchen lässt. Dadurch wird die Geschichte nie eindimensional, sondern entfaltet sich wie ein kunstvoll geschmiedetes Schwert – Schicht für Schicht.
Besonders gelungen ist die Figurenzeichnung. Zita ist keine perfekte Heldin; sie ist stolz, stur und manchmal unbeherrscht. Aber gerade das macht sie so sympathisch. Ulfberth wiederum ist ein Träumer, der zwischen Pflichtgefühl und Selbstzweifeln schwankt. Auch die Nebenfiguren – der treue Zwerg Frimbolsch, die kämpferische Amazone Lieta, der wahnsinnige Torxes – bleiben im Gedächtnis. Hier trifft die Fantasie der Autorin auf lebendige aventurische Geschichte in der Spielwelt von "Das Schwarze Auge". Selbst die Antagonisten sind nicht einfach böse, sondern haben nachvollziehbare Motive. Das hebt den Roman wohltuend von simpler Schwarz-Weiß-Fantasy ab.
Leider gibt es auch Längen. Manche Passagen in Yol-Ghurmak ziehen sich, und nicht jede Nebenhandlung trägt gleichermaßen zur Spannung bei. Auch der Schluss wirkt an manchen Stellen etwas hastig, als hätte die Autorin zu viele Fäden auf einmal zusammenführen müssen. Dennoch: Die Geschichte hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und habe es in zwei Tagen durchgelesen – ein sicheres Zeichen dafür, dass hier eine Autorin am Werk ist, die ihr Handwerk versteht.
Meine Lieblingsszene ist die Geburt eines Kindes in der Kerkerzelle. Zwischen feuchtem Stroh, Angst und Dunkelheit bringt die Mutter ihr Kind zur Welt, während der Vater in der Nachbarzelle nur ihre Stimme hören kann. Diese Szene ist so intensiv, so roh und gleichzeitig so voller Hoffnung, dass sie mir noch lange nachging. Hier zeigt sich, was den Roman ausmacht: Die Mischung aus Verzweiflung und Lebenswillen, aus Dunkelheit und Licht.
Ich wurde gut unterhalten – sehr sogar. "Im Feuer der Esse" ist ein Roman, der sich flüssig lesen lässt, der mitreißt und der trotz seiner düsteren Momente immer wieder kleine Funken Humor und Wärme versprüht. Man könnte sich gut eine kurzweilige Verfilmung als Serie vorstellen: düstere Kulissen, starke Frauenfiguren, politische Intrigen und eine Liebesgeschichte, die über Kontinente und Kerker hinweg Bestand hat. Als Animationsfilm oder als düstere Real-Serie hätte der Stoff jedenfalls Potenzial.
Von mir gibt es 4 von 5 Sternen. Ein halber Stern Abzug für die kleinen Längen und den etwas überstürzten Schluss. Der fünfte Stern fehlt, weil das Buch an einigen Stellen noch tiefer in die Nebenfiguren hätte eintauchen können. Dennoch: Für Fans von Dark Fantasy, vor allem für DSA-Leser und für alle, die eine starke Heldin mit Ecken und Kanten suchen, ist dieser Roman eine klare Empfehlung. Möge nie der Tag erscheinen, an dem solche Geschichten nicht mehr erzählt werden.
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