Orlando ist jung, gut aussehend – und seine Schönheit soll niemals vergehen. Ein Wunsch, der ihm zum Schicksal wird: Er durchlebt beinahe vier Jahrhunderte und vier verschiedene Lebensentwürfe, ohne merklich zu altern.
In diesem furiosen Roman, als Biographie getarnt, geben sich die literarischen Genres ein lustvolles Stelldichein. Sprachlicher Übermut und Stilsicherheit halten sich unübertroffen die Waage.
Eine moderne Neuübersetzung, die erstmals den Ton des Originals trifft. Melanie Walz gelingt es, dieses Paradestück der Kunst Virginia Woolfs zu neuem Leben zu erwecken und ein unvergessliches Leseerlebnis zu schaffen.
Kundinnen und Kunden meinen
3.0/5.0
4 Bewertungen
5 Sterne
(0)
4 Sterne
3 Sterne
2 Sterne
1 Sterne
(0)
Vertane Chance Mir ist nicht…
Juti aus HD am 05.11.2019
Bewertungsnummer: 2729939
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Vertane Chance Mir ist nicht klar, warum dieses Buch auf meine Liste der zu lesenden Bücher kam. Vielleicht durch Simone de Beauvoir. Es ist eine Parodie auf eine Biographie. Der Graf Orlando wurde im 16. Jahrhundert geboren, verwandelt sich nach 122 Seiten in eine Frau und lebt bis ins Erscheinungsjahr 1928 ohne alt zu werden. Die Möglichkeiten, die sich aus der Geschlechtsumwandlung ergeben, bleiben aber ungenutzt. Im Gegensatz zum griechischen Propheten Teiresias behandelt die Autorin die Vor- oder Nachteile, die ein Geschlecht kaum, stattdessen wird ellenlang die Situation im Adel über die Jahrhunderte beschrieben. In der Nachbemerkung heißt es: „Das Buch ist vollkommen durcheinander, unzusammenhängend, unerträglich, unmöglich.“ (294) Auch wenn die Autorin diese Bemerkung ironisch meint, einen wahren Kern enthält sie doch. Der Befürchtung, das Buch könne zu frivol sein, widerspreche ich. Im Gegenteil. Es hätte weit mehr Bilder geben können. Gut dagegen fand ich, dass reale Fotos dem Band Authenzität verleihen. Mehr als 2 Sterne kann ich dennoch nicht vergeben.
Dieses Buch sollte jeder kennen
Endlose Seiten am 25.03.2023
Bewertungsnummer: 1907848
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Seitdem ich im Jahr 2022 eine Comic-Biografie über Virginia Woolf gelesen habe, interessiere ich mich sehr für sie und ihre Werke. Aus diesem Grund konnte ich mir »Orlando« nicht entgehen lassen. Der Roman ist bereits im Jahr 1928 erschienen. Fun Fact: In diesem Jahr endet die Handlung des Buches. »Orlando« ist Woolfs Freundin Vita Sackville-West gewidmet. Der Roman enthält ein Vorwort von Schauspielerin Tilda Swinton, die im Jahr 1992 Orlando in einer Verfilmung spielte.
Die Handlung beginnt im England des 16. Jahrhunderts - als Königin Elisabeth I. (Haus Tudor) den Thron bekleidet - und erstreckt sich bis zum Jahr 1928. Das bedeutet, dass wir unsere Hauptfigur Orlando etwa vierhundert Jahre lang begleiten, was ich extrem spannend fand, da ich ein Fan davon bin, wenn Buchcharaktere lange Zeitspannen überbrücken. Dies ist jedoch nicht das Einzige, was den Roman besonders macht. Die wahrscheinlich noch aufregendere Tatsache ist, dass Orlando eine Geschlechtsumwandlung vollzieht. Dies geschieht zwar wie durch Zauberhand und wird in dem Buch nicht näher erläutert, aber das ist auch nicht schlimm, denn Woolf gelingt es trotzdem auf die Geschlechterrollen einzugehen. Wir begleiten also einen Mann, der zur Frau wird und der Zeit trotzt.
Orlando ist eine der interessantesten Figuren, die mir bis jetzt begegnet sind. Der Grund dafür ist nicht nur Orlandos Geschlechtsumwandlung, sondern auch die Art zu denken oder einem Gedanken nachzugehen. Orlando besitzt das Talent, einen Gedanken derart weiterzuspinnen, dass ich manchmal nicht mehr wusste, worum es ursprünglich ging. Erzähltechnisch wurde dies in Form von Schachtelsätzen und endlosen Aufzählungen umgesetzt. Es war für mich manchmal nicht einfach, einem Satz zu folgen bzw. bei längeren Sätzen musste ich mich sehr konzentrieren.
Dadurch, dass Orlando ein Mann ist, der zu einer Frau wird, ist das Thema Identität ganz zentral und zieht sich dementsprechend durch das ganze Buch. Dabei zeigt Woolf sowohl kritisch als auch mit einer Prise Ironie, wie Männer und Frauen in der Gesellschaft wahrgenommen werden und welchen Einfluss die jeweilige Epoche und das Zeitalter auf das Dasein haben. So sinniert Orlando mehrere Male sowohl über den Geist der Zeit als auch über den Sinn des Lebens nach, was wiederum die Leserschaft ins Nachdenken stürzt.
Ein weiteres stets präsentes Thema ist das Schreiben und Literatur. Dies ist einer der Punkte, die (wie ich finde) Virginia Woolf von sich einfließen ließ, da Literatur und Schreiben in ihrem Leben eine enorme Rolle gespielt haben. Es ist also nicht überraschend, dass Orlando sich viel mit dem Thema auseinandersetzt und selbst schreibt. Ein weiteres spannendes Thema sind die Unterschiede zwischen dem Adel und dem einfachen Volk. Interessanterweise hat sich Orlando als eine Person erwiesen, die zwar viele Privilegien genießt, aber trotzdem immer wieder das Einfache vorzieht.
Der Roman ist unter anderem eine fiktive Biografie, die Porträts von Orlando und ein Personen-Register am Ende des Buches enthält. Erzählt wird aus der Sicht eines Biografen, der stets von sich wissen lässt, da er von sich in dritter Person spricht. Es kommen reale historische Personen wie Königin Elisabeth I., Dichter Alexander Pope, Politiker Joseph Addison und der Schriftsteller Jonathan Swift vor.
Fazit: »Orlando« von Virginia Woolf ist einfach großartig! Ich finde, alle sollten dieses Buch kennen.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für dein Feedback
Wir nutzen dein Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte habe Verständnis, dass wir dir keine Rückmeldung geben können. Falls du Kontakt mit uns aufnehmen möchtest, kannst du dich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.