Der Roman spielt im Staat Georgia, in einer hässlichen heißen Innenstadt. Es ist die Geschichte eines begabten Mädchens, Mick Kelly, und ihres gewaltsamen Kampfes gegen eine unnachgiebige und harte Umgebung. Carson McCullers' mitleidiges Engagement gilt den einsamen Sonderlingen und Außenseitern, die sich um den taubstummen John Singer scharen, um ihm ihr Herz auszuschütten.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Bewertung
aus Groß-Umstadt
5/5
19.04.2023
Buch (Taschenbuch)
Hammer
Das ist Weltliteratur. Aber es braucht etwas Zeit, um beim Lesen ins Geschehen, die Zeit, die Menschen vorzudringen. Aber es lohnt sich. Die Hauptfigur ist pure Liebe und es gibt in der Literatur wenig Vergleichbares.
Manche Sätze, Abschnitte haben lange bei mir nachgewirkt. Sehr poetisch. Aber ich frage mich, ob dieses Buch heute noch verstanden wird. Es lohnt sich auf jeden Fall, einen Versuch zu machen.
Bories vom Berg
aus München
4/5
09.10.2015
Buch (Taschenbuch)
Mit literarischem Widerhall…
Mit literarischem Widerhall Im überschaubar kleinen Werk der früh verstorbenen US-amerikanischen Schriftstellerin Carson McCullers markiert gleich ihr 1940 erschienener Debütroman «Das Herz ist ein einsamer Jäger» den Durchbruch zum Erfolg. Sie gehört zu den typischen Südstaaten-Autoren, deren Schauplätze von flirrender Hitze und armseligen Hütten geprägt sind, dem jeweiligen Sujet damit ein charakteristisches, stets präsentes Bewusstsein von Ort und Zeit unterlegend. Eine unverkennbar autobiografische Prägung findet sich ebenfalls in diesem frühen Roman, mit Themen wie einseitige Liebe, seelische Einsamkeit, Krankheit, körperliche Behinderung, und auch die Musik wird hier als sinnstiftend gezeigt, wie die Autorin selbst will eine ihrer Figuren Pianistin werden, scheitert aber an den äußeren Umständen. Schwermut allenthalben, kein heiterer Lesestoff also, aber eine zu Herzen gehende Darstellung der Absurdität menschlichen Daseins und der Bemühungen des Einzelnen, der beklemmenden Realität entgegenzuwirken. Mit einem raffinierten Kunstgriff stellt die Autorin den taubstummen Mr. Singer ins Zentrum ihres Figurenensembles, die solcherart personifizierte Sprachlosigkeit manifestiert überdeutlich das Thema der mangelhaften menschlichen Kommunikation in ihrer Geschichte. Singer wohnt geradezu symbiotisch mit einem taubstummen Griechen zusammen, der aber verhaltensauffällig wird und dessen Vetter ihn dann aus Angst vor finanziellen Schäden, für die er aufkommen müsste, ins Irrenhaus bringt. Um den nun einsamen Singer scharen sich mit der Zeit Menschen, die ihn, der alles von den Lippen ablesen kann, als geduldigen und klugen Zuhörer schätzen, er bekommt den Status eines Weisen, um den sich diverse Mythen ranken. Zu seinen Freunden zählt der Wirt Brannon, in dessen Café New York er täglich seine Mahlzeiten einnimmt und der nach dem Tode seiner Frau in eine seelische Leere fällt, in der sich sein Leben in schablonenhaften Abläufen nur noch in seinem Lokal abspielt. Ganz im Innersten ist bei ihm anfangs noch eine vage Sehnsucht, die Mick gilt, einem jungen Mädchen in der Pubertät, deren Einbindung in familiäre Pflichten ihrer grenzenlosen Liebe zu Musik gegenübersteht und letztendlich alle diesbezüglichen Träume scheitern lässt. Mit dem Marxisten Blount verkehrt ein versoffener Idealist in dem Café, der ebenso vergeblich gegen die schreiende Ungerechtigkeit im rigiden kapitalistischen System der USA anpredigt wie der farbige Arzt Copeland gegen die skandalöse Rassendiskriminierung. Sie alle finden sich mit ihren Problemen einzig von Singer verstanden, worin angesichts dessen Behinderung als Taubstummer ein Paradoxon zu bestehen scheint, aber nur wer geduldig zuhört, kaum mal antwortet, auch nie widerspricht, ist ein wohlgelittener, angenehmer Gesprächspartner. Als Singer Suizid begeht, nachdem er vom Tode seines griechischen Freundes erfährt, endet der Roman im dritten, epilogartigen Teil unter dem Datum 23. September 1939 wunderbar stimmig mit einem Ausblick auf das weitere Schicksal der vier übriggebliebenen Protagonisten. Mit seiner existentialistischen Ausrichtung stellt dieser Roman eine mehr als harsche Kritik an der US-amerikanischen Gesellschaft in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts dar, geradezu ein Fanal gesellschaftlicher Ungerechtigkeit. Leider aber nicht auch gegen den Waffenwahn, wie mir auffiel, denn ungerührt wird ein Vorfall geschildert, bei dem ein kleiner Junge mit einer scharfen Waffe spielend ein Nachbarmädchen beinahe totschießt, es fehlten nur Millimeter, - im Roman ein Dummejungenstreich wie bei uns das Einschießen einer Fensterscheibe mit dem Fußball, «business as usual» sozusagen! Abgesehen davon ist dieser elegische Roman ein Fest für einfühlsame Leser, die am Ende tief betroffen vom Einblick in die innere Welt der Figuren das Buch zuklappen. Mit reichlich Stoff zum Nachdenken versehen allerdings, und genau dieser Widerhall macht ja Literatur so einmalig unter den Künsten!
Dorothea Rose
aus Frankfurt
4/5
11.04.2021
Hörbuch (CD)
Großartige Geschichte. Gereift, wie guter Wein!
Die zentrale Figur hält (in eigener Illusion von Freundschaft gefangen) so lange Träume und Hoffnung aller Einsamen um ihn zusammen, wie seine eigene Illusion währt. Wie ein ferner Erzähler hält die Autorin wiederum zu allen Abstand und desillusioniert unser aller Sehnsucht nach "Happy End".
Ich hätte mir eine noch neutralere Stimme als Vorleserin gewünscht. Großartige Geschichte, gereift wie guter Wein und bestimmt unvergänglich!
F. Himmelstorfer
aus Linz
4/5
06.05.2019
eBook (ePUB)
Eine Ballade als Roman!
Gleich im Titel verbirgt sich die Stimmung dieses Melancholischen Romans. Man wird mitgenommen in diese tragische Szenerie einer Kleinstadt in Georgia der 30er Jahre und entdeckt gleich fünf traurige Helden.
Der Roman beginnt mit dem Taubstummen John Singer und seinem ebenfalls Taubstummen, etwas zurückgebliebenen Mitbewohner Antoapoulos. Die Beiden leben in einem symbiotisch anmutenden Zustand. Nach kleineren Ladendiebstählen wird Antoapoulos von seinem Cousin in eine Anstalt eingewiesen.
Auf der Karte, die John Singer, den Leuten bei der Erstbegegnung entgegenhält, stehen unter seinem Namen die Sätze: ”Ich bin taubstumm, kann aber von den Lippen ablesen und alles verstehen. Bitte nicht schreien. Jetzt vollkommen allein begrüßt Singer die einsamen Herzen, die immer wieder zu ihm in seine kleine Wohnung kommen, um sich ihren Schmerz von der Seele zu reden.
Da ist die kleine Mick Kelly, ein jungen Mädchen in der Pubertät, deren Einbindung in familiäre Pflichten ihrer grenzenlosen Liebe zu Musik gegenübersteht und letztendlich alle diesbezüglichen Träume scheitern lässt.
Der Wirt Biff Brannon des Cafe York, der sich nicht mehr erinnern kann ob er seine Frau überhaupt noch liebt, da sie zwar dass selbe Bett teilen, doch nie zur selben Zeit. Brannons Frau arbeitet Tagsüber im Cafe, währen Brannon der Beinahe die ganze Nacht über bedient, sich ausschläft.
Mit dem Marxisten Jake Blount verkehrt ein versoffener Idealist in dem Café, der vergeblich gegen die schreiende Ungerechtigkeit im kapitalistischen System der USA anpredigt und aufgrund seines Alkoholismus nur Gelegenheitsjobs behalten kann.
Und der Arzt Benedict Copeland. Ein gebildeter Schwarzer der laut die skandalöse Rassendiskriminierung anprangert und nicht verstehen kann, warum sich so viele Schwarze in ihr zweitklassiges Schicksal fügen.
”Es handelt sich um die Geschichte von fünf isolierten, einsamen Menschen auf der Suche nach Ausdruck und nach spirituellem Aufgehen in etwas, was größer ist als sie selbst.“
(Carson McCullers)
Leider hat der Diogenes Verlag nicht so viel Herz in den Roman gelegt wie die damals junge McCullers, so wurde nur die alte Übersetzung von Susanna Rademacher einfach ein bisschen überarbeitet (zuletzt 2011) und dadurch grobe Fehler im Buch belassen. Wem es möglich ist sollte das Buch in der originalen Sprache lesen.
Abgesehen davon ist dieser lyrische Roman ein Fest für einfühlsame Leser, die am Ende tief betroffen vom Einblick in die innere Welt der Figuren das Buch zuklappen. Mit reichlich Stoff zum Nachdenken versehen hat mich „Das Herz ist ein einsamer Jäger“ sehr bewegt und ich habe es mit Genuss gelesen.
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