Rezension
»Die unerbittliche Entschiedenheit, mit der Doulatabadi diese hoch verdichtete Gesamtatmosphäre herstellt, macht seinen jüngsten Roman zu einem außerordentlichen Werk. Die jüngeren Epochen der iranischen Geschichte schieben sich ineinander zu einem einzigen Bild des blutigen Scheiterns. Und es sind die widersprechendsten Empfindungen, die der Rückblick auf diese Unheilsgeschichte auslöst: Zorn, Scham, Resignation. Als zugleich großes, doch hochkonzentriertes und grelles Tableau einer selbstdestruktiven Geschichte markiert der Colonel einen historischen Tiefpunkt, der nur eine Forderung erlaubt: Das muss überwunden werden, derlei darf sich weder fortsetzen noch wiederholen. Dieser Roman hat das Zeug dazu, als ein starkes, unwiderstehliches Signal zu wirken. Für uns ist das Buch eine erschütternde Lektüre. Für iranische Leser wäre es womöglich eine verändernde.« ("Die Zeit")
»Verstrickt sind alle Figuren – es ist die Abstufung, die den Unterschied macht, ob man Folterer oder Opfer wird. Erzählerisch geht in ›Der Colonel‹ einiges durcheinander. Die Stimme des Erzählers verschwimmt mit den inneren Monologen der Hauptfigur. Eine wichtige zeitgeschichtliche Pointe versteckt sich im Nachwort des Übersetzers Bahman Nirumand. Die deutschsprachige Ausgabe ist die erste dieses Romans. In Iran liegt ›Der Colonel‹ bei der Zensurbehörde.« ("Der Spiegel")
»Die Handlung des Romans dauert etwa einen Tag und birgt doch das Panorama eines ganzen Jahrhunderts. Es ist ein großartiger Roman über eine schreckliche Zeit.
»Doulatabadi hat ein ungemein eindringliches, von erschütternder Intensität und düsteren Bildern geprägtes Buch vorgelegt, das nicht nur wegen seines Themas, sondern auch wegen seiner literarischen Qualität sicher zu den wichtigsten Neuerscheinungen dieses Jahres zählt.« ("Nürnberger Nachrichten")
»Ein schwieriges Buch, ein großartiger Roman, der genau genommen nur eine einzige Nacht schildert. Erzählerisch und sprachlich teilweise atemberaubend, mit großer Dichte erzählt. Für anspruchsvolle LeserInnen und solche, die eine vielleicht neue Sichtweise auf die Verhältnisse im Iran bekommen wollen.« ("bn. Bibliotheksnachrichten")
»Die iranische Zensurbehörde hat Mahmud Doulatabadi wissen lassen, dass sein Roman ›Der Colonel‹ ein Meisterwerk sei. Man könne daraus unmöglich etwas streichen. Die Konsequenz war allerdings kein Literaturpreis, sondern ein Publikationsverbot. Noch Anfang Juni hoffte Doulatabadi, nach den Präsidentschaftswahlen im Iran könne sein Buch endlich veröffentlicht werden. Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt, kein Wunder: ›Der Colonel‹ liest sich wie ein Prolog zur gewaltsamen Niederschlagung der Proteste gegen die gefälschte Wahl. Die deutsche Ausgabe von ›Der Colonel‹ ist somit die Welterstveröffentlichung.« ("SWR 2")
»Doulatabadi, der wohl prominenteste lebende Autor in Iran, hat über 25 Jahre an seinem neuen Roman gearbeitet, und das merkt man ihm an. ›Der Colonel‹ ist ein Stimmengewirr der inneren Monologe und ein Drama vom Ausmaß klassischer Tragödien. Erst allmählich verdichten sich die Bruchstücke und Erinnerungsfetzen der Hauptfigur zu einem Tableau des Iran im 20. Jahrhundert.« ("Kulturaustausch, Nr. III / 09")
»Dem Schriftsteller, der unter dem Schah im Gefängnis saß und unter den Mullahs mit großen Schwierigkeiten kämpft, ist mit dem ›Colonel‹ sein wohl politischstes Buch geglückt. Die Zensur unterbindet daher die Veröffentlichung, denn der Roman bricht zu viele Tabus und geht zu schonungslos mit politischen Systemen und Ideologien um. Dieses Buch wird wohl erst über den Umweg ins Ausland ein Identifikationswerk für die Iraner werden. Für Europäer ist es ein fesselndes Epos, das einen schmerzenden Blick auch auf die eigene Vergangenheit erzwingt.« ("Die Furche - booklet")