Produktbild: Der Colonel

Der Colonel »Das literarische Gegenstück zu Picassos Guernica.« Lutz Bunk, Deutschlandradio — Roman

1

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Beschreibung

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

08.07.2010

Verlag

Unionsverlag

Seitenzahl

224

Maße (L/B/H)

19/11,3/2 cm

Gewicht

231 g

Farbe

Eisblau / Schwarz

Auflage

4

Übersetzt von

Bahman Nirumand

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-293-20499-7

Beschreibung

Rezension

»Die unerbittliche Entschiedenheit, mit der Doulatabadi diese hoch verdichtete Gesamtatmosphäre herstellt, macht seinen jüngsten Roman zu einem außerordentlichen Werk. Die jüngeren Epochen der iranischen Geschichte schieben sich ineinander zu einem einzigen Bild des blutigen Scheiterns. Und es sind die widersprechendsten Empfindungen, die der Rückblick auf diese Unheilsgeschichte auslöst: Zorn, Scham, Resignation. Als zugleich großes, doch hochkonzentriertes und grelles Tableau einer selbstdestruktiven Geschichte markiert der Colonel einen historischen Tiefpunkt, der nur eine Forderung erlaubt: Das muss überwunden werden, derlei darf sich weder fortsetzen noch wiederholen. Dieser Roman hat das Zeug dazu, als ein starkes, unwiderstehliches Signal zu wirken. Für uns ist das Buch eine erschütternde Lektüre. Für iranische Leser wäre es womöglich eine verändernde.« ("Die Zeit")
»Verstrickt sind alle Figuren – es ist die Abstufung, die den Unterschied macht, ob man Folterer oder Opfer wird. Erzählerisch geht in ›Der Colonel‹ einiges durcheinander. Die Stimme des Erzählers verschwimmt mit den inneren Monologen der Hauptfigur. Eine wichtige zeitgeschichtliche Pointe versteckt sich im Nachwort des Übersetzers Bahman Nirumand. Die deutschsprachige Ausgabe ist die erste dieses Romans. In Iran liegt ›Der Colonel‹ bei der Zensurbehörde.« ("Der Spiegel")
»Die Handlung des Romans dauert etwa einen Tag und birgt doch das Panorama eines ganzen Jahrhunderts. Es ist ein großartiger Roman über eine schreckliche Zeit.
»Doulatabadi hat ein ungemein eindringliches, von erschütternder Intensität und düsteren Bildern geprägtes Buch vorgelegt, das nicht nur wegen seines Themas, sondern auch wegen seiner literarischen Qualität sicher zu den wichtigsten Neuerscheinungen dieses Jahres zählt.« ("Nürnberger Nachrichten")
»Ein schwieriges Buch, ein großartiger Roman, der genau genommen nur eine einzige Nacht schildert. Erzählerisch und sprachlich teilweise atemberaubend, mit großer Dichte erzählt. Für anspruchsvolle LeserInnen und solche, die eine vielleicht neue Sichtweise auf die Verhältnisse im Iran bekommen wollen.« ("bn. Bibliotheksnachrichten")
»Die iranische Zensurbehörde hat Mahmud Doulatabadi wissen lassen, dass sein Roman ›Der Colonel‹ ein Meisterwerk sei. Man könne daraus unmöglich etwas streichen. Die Konsequenz war allerdings kein Literaturpreis, sondern ein Publikationsverbot. Noch Anfang Juni hoffte Doulatabadi, nach den Präsidentschaftswahlen im Iran könne sein Buch endlich veröffentlicht werden. Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt, kein Wunder: ›Der Colonel‹ liest sich wie ein Prolog zur gewaltsamen Niederschlagung der Proteste gegen die gefälschte Wahl. Die deutsche Ausgabe von ›Der Colonel‹ ist somit die Welterstveröffentlichung.« ("SWR 2")
»Doulatabadi, der wohl prominenteste lebende Autor in Iran, hat über 25 Jahre an seinem neuen Roman gearbeitet, und das merkt man ihm an. ›Der Colonel‹ ist ein Stimmengewirr der inneren Monologe und ein Drama vom Ausmaß klassischer Tragödien. Erst allmählich verdichten sich die Bruchstücke und Erinnerungsfetzen der Hauptfigur zu einem Tableau des Iran im 20. Jahrhundert.« ("Kulturaustausch, Nr. III / 09")
»Dem Schriftsteller, der unter dem Schah im Gefängnis saß und unter den Mullahs mit großen Schwierigkeiten kämpft, ist mit dem ›Colonel‹ sein wohl politischstes Buch geglückt. Die Zensur unterbindet daher die Veröffentlichung, denn der Roman bricht zu viele Tabus und geht zu schonungslos mit politischen Systemen und Ideologien um. Dieses Buch wird wohl erst über den Umweg ins Ausland ein Identifikationswerk für die Iraner werden. Für Europäer ist es ein fesselndes Epos, das einen schmerzenden Blick auch auf die eigene Vergangenheit erzwingt.« ("Die Furche - booklet")

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Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

08.07.2010

Verlag

Unionsverlag

Seitenzahl

224

Maße (L/B/H)

19/11,3/2 cm

Gewicht

231 g

Farbe

Eisblau / Schwarz

Auflage

4

Übersetzt von

Bahman Nirumand

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-293-20499-7

EU-Ansprechpartner

Unionsverlag AG
Siemensstr. 16
35463 Fernwald
DE
mail@unionsverlag.ch

Herstelleradresse

Verlag C.H.Beck oHG
Neptunstraße 20
8032 Zürich
CH
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  • Bewertung

    aus Bergisch Gladbach

    5/5

    19.08.2010

    Buch (Taschenbuch)

    Der Colonel

    Mahmud Doulatabadis Roman “Der Colonel“ handelt von einem anderen Buch, in dem gerade eine Seite umgeschlagen wird, dem Buch der Geschichte des Iran. Solche Bücher werden vornehmlich mit Blut und Tränen geschrieben, umso mehr, wenn man sich am Ende eines Kapitels befindet. Als in einer regnerischen Nacht zwei Männer an die Türe des pensionierten Colonels klopfen, macht er sich keine Gedanken darüber, was der nächtliche Besuch von ihm wünschen könnte, denn die Zeiten, sowohl die historischen Zeiten, in denen er lebt, als auch die Tageszeit zu der sich der Besuch anmeldet, können nur Schlimmes bedeuten. So gilt seine einzige Sorge der Haltung, dass er seine Fassung bewahren möge. Für Doulatabadi endet die Geschichte der persischen Könige nicht mit dem Sturz des letzten Schah oder mit seinem Tod, sondern erst zwei, drei Jahre später. Nicht der Zusammenbruch einer Gesellschaft markiert ihr Ende, sondern die Errichtung einer neuen Gesellschaft. Jede Revolution hat ihre Übergangsphase und die wartet Doulatabadi ab, ehe er die Handlung von „Der Colonel“ einsetzen lässt. Die zwei jungen Männer, die nachts an die Tür des Colonel klopfen, sind junge Revolutionäre, die ihn zum Staatsanwalt begleiten. Sie holen ihn ab, damit er im Schutze der Nacht seine jüngste Tochter begraben kann. Die war zwar noch nicht alt genug, um zu lieben, aber bereits alt genug, um für das Verteilen von Flugblättern und Zeitungen von der Revolution ermordet zu werden. Zwei Jahre nach dem Sturz des Shahs befand Ayatollah Khomeini, dass es Zeit sei die Revolution zu konsolidieren. Diejenigen Kräfte, die nicht seiner islamischen Republik folgen, werden gewaltsam beiseite geschafft. Der Colonel hat es kommen gesehen. „Nichts weckt bei Jungen soviel Leidenschaft wie eine Revolution. Wie die Taube zur Sonne fliegt, so hoch bis sie verbrennt. Ein solcher Akt ist für die Jugend der Gipfel der Wahrheit.“ Einen Sohn hat er schon begraben, ein anderer hat im Folterkeller der Geheimpolizei Verstand und Lebensmut verloren und den letzten verbliebenen Sohn wird er am Morgen zu Grabe tragen. Als Anhänger Khomeinis hatte er sich freiwillig gemeldet und ist zu einem der ersten Märtyrer im Krieg gegen Saddam Hussein geworden. Der Colonel klagt nicht über den Tod seiner Tochter, er empört sich auch nicht. Er weiß, dass er ein lebendiges Gespenst ist, das nur noch die Pflicht hat Haltung zu wahren. Es gilt noch die Kinder zu begraben, die Tochter heimlich und nachts, den Sohn am Morgen und in aller Öffentlichkeit. Dann, wenn alles erledigt ist, kann sein Kapitel iranischer Geschichte geschlossen werden.

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