Ludwig Winter (1889 - 1946), der als langjähriger Feuilletonredakteur der Deutschen Zeitung Bohemia ähnlich großen Einfluß auf das Prager Geistesleben der Zwischenkriegszeit besaß wie Max Brod, gehört mit seinem umfangreichen, von psychologischem Verismus und gesellschaftlichem Bewußtsein gleichermaßen geprägten Romanwerk auch zu den bedeutendsten Dichtern der Prager deutschsprachigen Literatur, wobei ihn strukturelle und thematische Gemeinsamkeiten vor allem mit Hermann Ungar und Ernst Weiß, den beiden anderen aus Mähren stammenden Autoren, verbinden. Judith von Sternburgs Arbeit, mit welcher der IUgel Verlag die von Dieter Sudhoff betreute Wissenschaftsreihe Studien zur Prager deutschen Literatur fortsetzt, untersucht in exemplarischen Analysen die Romane Die jüdischen Orgel (1922), Die nachgeholten Freuden (1927), Dr. Muff (1931) und -in einem Ausblick auf das gewandelte Exilwerk - Die Pflicht (19149); dabei gelangt Judith von Sternburg über en Einzelbefund hinaus zu signifikanten und gültigen Aufschlüssen über die gesamtliterarische Entwicklung Winders und stzt erste Wegmarken für den erhofften künftigen Diskurs. Ihre Monogrpahie erhält zusätzliches Gewicht dadurch, daß es sich um die überhaupt erste eigenständige Veröffentlichung über das Leben und Werk des zu Unrech lange Zeit vergessenen Dichters handelt.
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