Produktbild: Ästhetische Erfahrung und literarische Hermeneutik
Band 955

Ästhetische Erfahrung und literarische Hermeneutik

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30,00 €

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Beschreibung

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

30.07.1991

Verlag

Suhrkamp

Seitenzahl

877

Maße (L/B/H)

17,7/10,8/4,7 cm

Gewicht

687 g

Auflage

4

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-518-28555-8

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Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

30.07.1991

Verlag

Suhrkamp

Seitenzahl

877

Maße (L/B/H)

17,7/10,8/4,7 cm

Gewicht

687 g

Auflage

4

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-518-28555-8

Herstelleradresse

Suhrkamp Verlag GmbH
Torstr. 44
10119 Berlin
DE
info@suhrkamp.de

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  • Zitronenblau

    4/5

    20.01.2021

    Buch (Taschenbuch)

    Hochzeit von Hermes und Philologia

    Die guten 900 Seiten inhaltlich detailliert zu rezensieren, ist hier nicht möglich, drum will ich das Wesentliche zusammenfassen: Der Titel antizipiert in Jaußens vorliegendem Werk (Konstanzer Schule) die inhaltlichen Themen: ästhetische Erfahrung und literarische Hermeneutik. Im 1. Teil wird daher ganz zentral das Feld der ästhetischen Erfahrung vermessen, wobei hier drei elementare Begriffe inaugoriert werden: Poiesis (Genuss der Hervorbringung), Katharsis (Genuss der ausgelösten Affekte und ihrer Wirkung) und Aisthesis (Genuss des erkennenden Sehens und sehenden Wiedererkennens). (Letzteres scheint mir bei Proust in die Poisis überführt worden zu sein.) Ferner führt uns Jauß in seine Theorie des literarischen Helden als Funktion der ästhetischen Identifikation ein und endet den Abschnitt mit der kommunikativen Funktion des Fiktiven (unter Abgrenzung des Realen und Imaginären). Im 2. Teil wird es sehr speziell, denn durch Studien zur Hermeneutik von Frage und Antwort ("Fragen als Anfang des Verstehens") muss Hermeneutik in der Literatur nicht nur von anderen hermeneutischen Gebieten (z. B. Rechtslehre) abgegrenzt werden, sondern auch in eigener Weise definiert; so arbeitet Jauß diese komplexe Thematik - wie ich es verstanden habe - anhand des Mythos, der Religion und der Aufklärung auf, setzt sich auch mit dem Begriff des Dialogs vehement auseinander (Diderot) und will eigentlich bzw. wesentlich die hermeneutische Praxis anhand der Momente: Verstehen, Auslegen und Anwenden vergegenwärtigen. Im 3. Teil wird inspesondere das Verstehen und Auslegen des poetischen Textes vor dem Hintergrund des Horizontwandels vertikalisiert (vertieft), d.h. die hermeneutischen Möglichkeiten des Textes werden anhand der Bedingungen von Erwartung und Erfahrung zusammengeführt (problematisch ist beispielsweise das Verhältnis eines Textes aus der Vergangenheit im Dialog mit dem Geist der Gegenwart). Nachteilig scheint mir die Komplexität des Buches, die den systematischen Überblick mitunter erschwert. Auch sind die Titel zu "poetisch", ein Interessierter könnte somit den Faden verlieren und sich schnell wieder abwenden. Vorteilhaft ist, dass Jauß hier einen substanzstarken Status quo des Forschungskörpers vermittelt, den jeder literaturtheoretisch Begeisterte zur Kenntis nehmen sollte. Da Jauß die deutsche mit der französischen Literatur vergleicht, um seine Theorien zu verifizieren, ergibt sich notwendig auch eine "dialogische" Abstraktion zwischen Hermeneutik (die ja typisch deutsch ist, z.B. Schelling, Gadamer etc.) und (franz.) Strukturalismus (Riffaterre, Kristava etc.), wobei dieser Brückenschlag m. E. nach für das Forcieren der literarischen Hermeneutik unabdingbar ist! Zuguterletzt haben mich seine Analysen mitunter tief beeindruckt, allein zu nennen sind hier die Kritik an Adornos Negativer Ästhetik, Goethes und Valérys "Faust", aber auch das Verhältnis von Rousseaus "Nouvelle Héloise" und Goethes "Die Leiden des jungen Werther"; natürlich auch die mannigfachen Forschungsergebnisse und die Zugrundelegung vieler namhafter Wissenschaftler (wie Bachtin, Benjamin, Blumenberg, Iser, Plessner, Schmidt etc.). Eine sehr zu empfehlende Ausgabe des 1997 verschiedenen Romanisten und Literaturwissenschaftlers: H. R. Jauß.

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  • ERSTER TEIL: VERSUCHE IM FELD DER ÄSTHETISCHEN ERFAHRUNG



    Einleitung: Die Erneuerung der Frage nach der ästhetischen Erfahrung



    A. Aufriß einer Theorie und Geschichte der ästhetischen Erfahrung



    1. Was heißt ästhetische Erfahrung?



    2. Kritik an Adornos Ästhetik der Negativität



    3. Der ästhetische Genuß und die Grunderfahrungen der Poiesis, Aisthesis und Katharsis



    4. Die Zweideutigkeit und die Unbotmäßigkeit des Schönen: Rückblick auf ein platonisches Erbe



    5. Poiesis: die produktive Seite der ästhetischen Erfahrung (construire et connaitre)



    6. Aisthesis: die rezeptive Seite der ästhetischen Erfahrung (voir plus de choses qu'on n'en sait)



    7. Katharsis: die kommunikative Leistung der ästhetischen Erfahrung (movere et conciliare)



    8. Die ästhetische Funktion und die Sinnbereiche der Lebenswelt



    a) Zur Grenzziehung zwischen dem Lächerlichen und dem Komischen



    b) Soziologischer und ästhetischer Rollenbegriff



    c) Religiöser Ursprung und ästhetische Emanzipation der Individualität



    B. Ästhetische Identifikation - Versuch über den literarischen Helden



    1. Abgrenzung der primären Ebenen ästhetischer Identifikation



    2. Historische Erläuterung der Interaktionsmuster



    a) Assoziative Identifikation



    b) Admirative Identifikation



    c) Sympathetische Identifikation



    d) Kathartische Identifikation



    e) Ironische Identifikation



    C. Die kommunikative Funktion des Fiktiven



    1. Zur Genese der Scheidung von Fiktion und Realität



    2. Das Vollkommene als Faszinosum des Imaginären



    3. Der Gebrauch der Fiktion in der Anschauung und Darstellung von Geschichte



    a) Die >res fictae< als Ärgernis der Historiographie



    b) Die hermeneutische Funktion der drei Illusionen der klassisch erzählenden Historiographie



    c) Analyse des Gebrauchs fiktionaler Mittel in Rankes Geschichtsschreibung



    d) Ansätze zur Erfassung pränarrativer Muster der Anschauung und Darstellung von Geschichte



    e) J. P. Hebels Version vom Brand von Moskau (rhetorische vs. wissenschaftliche Geschichtsschreibung)



    ZWEITER TEIL: STUDIEN ZUR HERMENEUTIK VON FRAGE UND ANTWORT



    Einleitung: Das Grenzverhältnis der literarischen Hermeneutik



    A. Der fragende Adam (Zur Funktionsgeschichte von Frage und Antwort)



    1. Adam, wo bist du?



    2. Nie sollst du mich befragen!



    3. Fragen als Anfang des Verstehens



    4. Erste, letzte und fürwitzige Fragen



    5. Didaktische Fragen, Katechismen und ihre Folgen



    B. Drei Fallstudien ästhetischer Applikation



    1. Die Mythe vom Sündenfall (Gen. 3), literarisch interpretiert



    2. Hiobs Fragen und ihre ferne Antwort



    3. Der dialogische und der dialektische Neveu de Rameau



    C. Goethes Faust (oder: Über die Schwierigkeit, einen Mythos zu Ende zu bringen)



    D. Befragung des Mythos und Behauptung der Identität in der Geschichte des Amphitryon



    E. Rousseaus Nouvelle Heloise und Goethes Werther im Horizontwandel zwischen französischer Aufklärung und deutscher Idealismus



    1. Der Bruch zwischen Erwartung und Erfahrung in Rousseaus Nouvelle Heloise



    2. Rekonstruktion der Frage, auf die La Nouvelle Helolse und Die Leiden des jungen Werther die Antwort waren



    3. Goethes Werther im Erwartungshorizont der deutschen Rousseau-Rezeption



    4. Die Leiden des jungen Werther als Goethes erste Antwort auf Rousseau



    5. Ausblick auf Wilhelm Meister (den Emile der ästhetischen Bildung)



    DRITTER TEIL: DER POETISCHE TEXT IM HORIZONTWANDEL DES VERSTEHENS



    Einleitung: Horizontstruktur und Dialogizität



    1. Verstehen und Auslegen als Vermittlung von Horizonten



    2. Dialogisches Verstehen in literarischer Kommunikation



    3. Rückblick und Ausblick



    A. Die Partialität des rezeptionsästhetischen Zugangs (Racines und Goethes Iphigenie)



    B. Die ästhetische Vermittlung sozialer Normen (La douceur du foyer)



    1. Von den Bildfeldern des Gedichts zur kommunikativen Funktion der Lyrik



    2. Synchronische Analyse einer lyrisch repräsentierten Subsinnwelt La douceur du foyer



    3. Die gesellschaftliche Funktion der lyrischen Erfahrung und ihr Kommunikationssystem in der Lebenswelt von 1857



    C. Der Text der Vergangenheit im Dialog mit der Gegenwart (Klassik - wieder modern?)



    1. Ästhetische Erfahrung als Verjüngung des Vergangenen



    2. Hildesheimers Reprise von Schillers Maria Stuart



    3. Plenzdorfs Neue Leiden des jungen W.



    D. Der poetische Text im Horizontwandel der Lektüre (Baudelaires Gedicht: Spleen II)



    1. Die Abhebung verschiedener Horizonte der Lektüre als hermeneutisches Problem



    2. Der progressive Horizont des ästhetischen Wahrnehmens (hermeneutische Rekonstruktion der ersten Lektüre)



    3. Der retrospektive Horizont des auslegenden Verstehens (Bedeutungskonstitution in der zweiten Lektüre)



    4. Die Konkretisationen des Gedichts im Horizontwandel seiner Rezeption (historisches Verstehen und ästhetisches Urteil)