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Wer einmal eine Lesung von Günter Grass live erlebt hat, dem werden sein eindringlicher Sprechrhythmus, sein unverwechselbarer Sound immer im Ohr bleiben. Kein Sprecher könnte Grass' Texte besser präsentieren als der Autor selbst, der besonders gern aus seinen Gedichten vorträgt. Günter Grass hat an zwei Abenden in Lübeck eine große Auswahl aus seiner Lyrik vor Publikum gelesen. Es sind die ihm liebsten Stücke: 140 Gedichte aus fünfzig Jahren, erschienen in seinen Lyrikbänden oder eingeflochten in seine Romane.
Das gleichnamige Buch ist im Steidl Verlag erschienen.
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Produktbeschreibung
Wer einmal eine Lesung von Günter Grass live erlebt hat, dem werden sein eindringlicher Sprechrhythmus, sein unverwechselbarer Sound immer im Ohr bleiben. Kein Sprecher könnte Grass' Texte besser präsentieren als der Autor selbst, der besonders gern aus seinen Gedichten vorträgt. Günter Grass hat an zwei Abenden in Lübeck eine große Auswahl aus seiner Lyrik vor Publikum gelesen. Es sind die ihm liebsten Stücke: 140 Gedichte aus fünfzig Jahren, erschienen in seinen Lyrikbänden oder eingeflochten in seine Romane.

Das gleichnamige Buch ist im Steidl Verlag erschienen.
  • Produktdetails
  • Verlag: Jumbo Neue Medien
  • ISBN-13: 9783833731365
  • Artikeltyp: Hörbuch
  • ISBN-10: 3833731362
  • Artikelnr.: 38045733
  • Laufzeit: 195 Min.
  • Erscheinungstermin: Juli 2013
Autorenporträt
Günter Grass wurde am 16. Oktober 1927 in Danzig geboren, absolvierte nach der Entlassung aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft eine Steinmetzlehre, studierte dann Grafik und Bildhauerei in Düsseldorf und Berlin. 1956 erschien der erste Gedichtband mit Zeichnungen, 1959 der erste Roman 'Die Blechtrommel'. 1965 erhielt der Autor den Georg-Büchner-Preis, 1994 den Karel-Capek-Preis. 1999 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen und 2009 wurde er zum Ehrenpräsidenten des P.E.N. ernannt. Günter Grass starb am 13. April 2015 in Lübeck.
Rezensionen
Besprechung von 21.08.2004
Schreiben färbt ab
Tintenfaß: Gedichte von Günter Grass aus fünfzig Jahren

Es gibt Gedichte, die immer noch nicht zum "Volksvermögen" gehören, obwohl sie es verdienten. Günter Grass hat etliche von ihnen geschrieben; mehr übrigens als die sechs oder acht, die man den großen Lyrikern zubilligt. Ich nenne nur drei: Das hintersinnig böse "Kinderlied", dann "Annabel Lee", die Hommage auf Edgar Allan Poe, und schließlich "Pan Kiehout", das traurig-komische Gedicht auf die donquijoteske Attacke polnischer Lanzenreiter gegen deutsche Panzer. Jeder Liebhaber der Lyrik könnte mühelos andere, nicht minder schöne Stücke nennen.

Und doch und dennoch: Wenn Ruhm eine besondere Weise des Verkanntseins ist, dann ist Günter Grass als Lyriker ein verkannter Autor. Dabei reichte allein seine Lyrik für ein Lebenswerk aus. Aber darauf fällt, seit der "Blechtrommel", der lange Schatten des Erzählers. Da ist die Reserve gegen den Romancier, der auch Lyrik schreibt. Von diesem Typus sagt Benn etwas abschätzig: "Das Wort genügt ihm nicht, er sucht Motive."

Genau das tut aber Grass seit seinen frühen Lyrikbüchern "Die Vorzüge der Windhühner" (1956) und "Gleisdreieck" (1960). In allem, was er macht, ist Grass jemand, den gegenständliche Motive inspirieren: Vögel, Puppen, Nonnen, Aale, Köche, Pilze, Schnecken - ein schier unerschöpflicher Vorrat an dinglicher Welt. Ihn findet er, paraphrasiert ihn, wertet ihn aus mit dem Eigenrecht des Sammlers oder Jägers. Solange sie künstlerisch etwas hergeben, erscheinen seine Motive in Zeichnung, Erzählung, Roman - und eben im empfindlichen Medium des Gedichts. Bei jedem anderen ginge solche Mehrfachverwertung schief. Nicht so bei Grass. Erstaunlich, wie seine Gedichte sich gegen die eindringenden Gegenstände behaupten: Sie schließen den Fremdkörper ein. So entstehen Perlen.

"Am meisten liegt mir die Lyrik", hat Grass einmal, beinahe entschuldigend, gesagt. Dennoch gibt es von Anfang an diese merkwürdigen Vorbehalte gegen den Lyriker. Die Experimentellen der sechziger Jahre vermißten die Reflexion auf das Sprachmaterial, die dann folgenden Linken das richtige, also linke Bewußtsein. Grass ließ sich nicht einschüchtern. Er hielt 1961 den "Labordichtern" das Gelegenheitsgedicht entgegen. Seine Phantasie, erklärte er, erprobe sich an der Realität. Allem, was mit Idee behangen ist, stehe er von vornherein mißtrauisch gegenüber. Das war vielleicht etwas unvorsichtig formuliert. Denn als Grass 1967 mit "Ausgefragt" lyrisch in die politische Debatte eingriff und gegen die radikale Linke den realistischen Kompromiß setzte ("Ich rat Euch, Es-Pe-De zu wählen"), wurde ihm die Verachtung des intellektuellen Überbaus vorgeworfen.

In den Jahren danach versteckte Grass die Gedichte, die er noch schrieb, in seinen Prosabüchern: "Aus dem Tagebuch einer Schnecke" (1972), "Der Butt" (1977) und "Die Rättin" (1986). Für passionierte Lyrikleser waren das nicht die richtigen Aufbewahrungsorte. Zwar hat Grass später die Butt-Gedichte wieder separiert und mit Radierungen zusammen als "Ach Butt, dein Märchen geht böse aus" (1983) veröffentlicht - doch auch diese Zusammenstellung rechnet damit, daß dem Leser die Bezüge zum Roman geläufig sind.

Kaum erstaunlich, daß der Lyriker Grass im Leserbewußtsein in den Hintergrund trat. Auch das Reisebuch "Zunge zeigen" (1988) und die dreizehn Sonette von "Novemberland" (1993) änderten daran nichts. Mehr Beachtung hätten die "Fundsachen für Nichtleser" (1997) verdient. Aber vielleicht wirkte der ironisch gemeinte Titel defätistisch. Doch merkwürdig: Manche dieser epigramm- und haikuhaften Petitessen zeigten die Klaue des Löwen. Etwa in der lakonischen Präzision von "Spiegelbild": "Als er sich sattgesehen hatte, / warf Narziß / einen Stein in den Teich."

"Zum Abschied" erklärte der Poet, "habe ich meine Tinte umgestürzt. / Soll doch jemand, / der mir nachkleckert, / das Fäßchen auffüllen / und sich die Finger schmutzig machen; / Schreiben färbt ab." Eben diese Aufforderung zeigt, wie einzig und einzigartig der Lyriker Grass ist: Er hat - anders als Celan, Jandl oder Enzensberger - keine Schüler, keine Epigonen. Niemand kleckert ihm nach. Alle seine Gedichte sind erkennbar von ihm, alle sind Einzelstücke, eben "lyrische Beute".

Das zeigt fast überdeutlich der gleichnamige Sammelband mit Gedichten und Zeichnungen aus fünfzig Jahren. Er zeigt, wie gut Lyrik und Grafik bei Grass zusammengehen: Sie beißen einander nicht, sie illustrieren einander nicht, noch sind sie wechselseitige Kommentare. Der Akzent liegt auf der Lyrik, und die Auswahl ist überzeugend. Grass hat alle Privatspäße, alle Gelegenheitsnörgelei fortgelassen, vor allem: alle versifizierte Politik. Also auch die Novemberland-Sonette. Aus den "Letzten Tänzen" (2003) hat er ein paar signifikante Stücke ausgewählt.

Der Lyrik-Liebhaber vermißt in dieser Auswahl kaum eines der Gedichte aus einem lyrischen Werk, das in dieser konzentrierten Auslese immer noch, immer wieder fasziniert. So könnte man schließen. Aber nein, ich vermisse doch eins. Nämlich das 1965 in den "Akzenten" publizierte Gedicht "Adornos Zunge" - ein Poem, das den immanenten Ästhetizismus von Adornos Theorie zur grotesken, fast makabren Ballade macht: "Als Metzger über Treppenstufen / das Haus verließen, trugen sie / die schöne Zunge in ihr Haus." Wie immer man, nach Adornos Tod, über das Gedicht denken mochte: Es gehört in die Geschichte der Kritischen Theorie. Es gehört zum Bleibenden von Günter Grass.

Günter Grass: "Lyrische Beute". Gedichte und Zeichnungen aus fünfzig Jahren. Steidl Verlag, Göttingen 2004. 253 S., geb., 35,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

"Rezensent Harald Hartung feiert Günter Grass als Autor, dessen Lyrik allein schon für ein Lebenswerk ausreichen würde. Trotzdem sei er als Lyriker ein verkannter Autor. Umso mehr begrüßt der Rezensent die Herausgabe dieser Gedichte aus fünfzig Jahren, deren Auswahl er fast durchweg überzeugend findet. Dankbar nimmt der Rezensent außerdem zur Kenntnis, dass Grass alle Privatspäße, alle Nörgelei und vor allem "versifizierte Politik" herausgelassen hat. Auch zeigt Hartung dieser Band, wie gut im Falle Grass' Lyrik und Grafik zueinander passen: "Sie illustrieren einander nicht, noch sind sie wechselseitige Kommentare".

© Perlentaucher Medien GmbH"