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"Haben Sie schon jemals in Ihrem Leben etwas Wichtiges verloren?" Der Taxifahrer, dem sie gestellt wird, muss lange über die Frage nachdenken, doch der Ich-Erzähler ist schon mitten drin in seiner Geschichte. Und während er mit existenzieller Dringlichkeit sein ohne ihn im Nachtzug aus Straßburg davongefahrenes Reisegepäck wiederzuerlangen sucht, finden, indem er von ihnen erzählt, unversehens auch Dinge, Menschen und Augenblicke, die unwiederbringlich sind, noch einmal zu ihm zurück - und zu uns, indem wir ihm zuhören. Denn: "Man muss solche Geschichten erzählen, sonst hält man es nicht aus."…mehr

Produktbeschreibung
"Haben Sie schon jemals in Ihrem Leben etwas Wichtiges verloren?"
Der Taxifahrer, dem sie gestellt wird, muss lange über die Frage nachdenken, doch der Ich-Erzähler ist schon mitten drin in seiner Geschichte. Und während er mit existenzieller Dringlichkeit sein ohne ihn im Nachtzug aus Straßburg davongefahrenes Reisegepäck wiederzuerlangen sucht, finden, indem er von ihnen erzählt, unversehens auch Dinge, Menschen und Augenblicke, die unwiederbringlich sind, noch einmal zu ihm zurück - und zu uns, indem wir ihm zuhören. Denn: "Man muss solche Geschichten erzählen, sonst hält man es nicht aus."
  • Produktdetails
  • Verlag: Suppose Verlag
  • Gesamtlaufzeit: 62 Min.
  • Erscheinungstermin: Februar 2010
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 9783932513923
  • Artikelnr.: 26539984
Autorenporträt
Peter Kurzeck ist 1943 in Böhmen geboren und als Flüchtlingskind in Staufenberg im Kreis Gießen aufgewachsen, lebte seit 1970 viele Jahre in Frankfurt am Main und in Uzès, Südfrankreich. Verschiedene Literaturpreise und Stipendien: Alfred-Döblin-Preis 1991, Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste 1999, Hans-Erich-Nossack-Preis 2000, Stadtschreiber von Bergen 2000/2001. 2008 erhielt Peter Kurzeck den Georg-Christoph-Lichtenberg-Preis. Der Autor verstarb 2013.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 16.04.2010

DAS HÖRBUCH
Schlicht ein Wunder
„Erzählen, sonst hält man es nicht aus”: Peter Kurzecks Zugerlebnisse
Spätestens seit dem „Mord im Orient-Express”, wahrscheinlich aber schon viel länger, haftet der Zugreise ein ganz besonderes Flair an. In Hörbuchform legte davon bisher Eckhard Henscheid am eindrucksvollsten Zeugnis ab, mit seiner von ihm selbst vor sieben Jahren eingelesenen Reiseerzählung „Poschiavo-Graz einfach”, dem minutiösen Bericht einer absurd umständlichen Fahrt, die Henscheids Kollege Wolfgang Hildesheimer einst zu einem Dichtertreffen unternommen hatte.
Peter Kurzeck nun, auf dem Hörbuch „Da fährt mein Zug”, ist ein Chronist seiner selbst. So hat er es in seinem Romanen von jeher gehalten, und auch auf „Ein Sommer, der bleibt”, dem ersten von ihm live eingesprochenen Hörbuch, war das der Fall. Berichtete der 1943 in Böhmen geborene, in Hessen aufgewachsene Kurzeck in „Einer Sommer, der bleibt” noch ausführlich von seiner Kindheit, so spielt die Geschichte, die er auf „Da fährt mein Zug” erzählt, geradezu in der Gegenwart, im Dezember 1996.
Und wieder spricht Kurzeck frei, ohne Vorlage, mit warmer, eindringlicher Stimme, die hellen Vokale deutlich dehnend. Es geht um eine Reise, die er damals unternahm. Sie sollte von seinem Wohnort Frankfurt über Straßburg und Avignon zu seinem zweiten Wohnort Uzès gehen, eine Reise mit dem Nachtzug. Mehr noch als Züge sind es wohl die Nachtzüge, die nicht nur auf Zugnostalgiker eine besondere Anziehung ausüben.
Peter Kurzeck auf jeden Fall sagt nicht einfach: „Ich bin in den Zug gestiegen und dann . . .”, nein, er holt weit aus, nähert sich dem Bahnhof, wenn man so will, auf Umwegen, berichtet, wie er nachmittags nach Straßburg zu fahren pflegt, um dann den Tag noch in dieser schönen Stadt zu verbringen, in der Gegend des Münsters herumzustreifen, durch die Judengasse zu gehen, die spielenden Kinder beobachtend, irgendwann zu Abend essend, um dann um 23:13 Uhr oder 23:18 Uhr – intensiv beschäftigen ihn die flexiblen Abfahrtszeiten französischer Züge –, um dann schließlich den Zug zu besteigen und all die Dinge vor sich auszubreiten, die es für eine solche Fahrt braucht: Die Bücher, Zeitungen, Manuskripte, den Walkman mit den Kassetten, die ihm die Tochter aufgenommen hat. Auch der teure Kaschmir-Mantel will noch sorgfältig aufgehängt sein, bevor der Reisende noch einmal aussteigt.
Hier geschieht nun das, was vielen aus unruhigen Alpträumen her bekannt vorkommen wird: Der Zug fährt ohne den Reisenden ab. Der versucht noch aufzuspringen, aber es ist zu spät, die Türen sind schon geschlossen und er steht da. Wie konnte das bloß passieren! Später wird der Satz fallen, der auch auf der schön und sparsam gestalteten CD-Hülle abgedruckt ist: „Man muss solche Geschichten erzählen, sonst hält man es nicht aus.” Dieser Satz birgt den Kern des Kurzeckschen Schreibens und Erzählens: Man muss von der Welt erzählen, sonst fällt man aus ihr raus. Es kommt einem vor, als würde Peter Kurzeck mit seiner Art zu erzählen, die nicht minder minutiös ist als Henscheids Bericht von Hildesheimers Reise, als würde er sich mit den Wörtern an der Welt festklammern, als würde diese erst in ganzen Sätzen Gestalt und Gehalt für ihn annehmen.
Dabei wirkt in seinen Erzählungen das meiste ganz nebensächlich: Von einem Getränkeautomat ist da die Rede, „der grell und eigentlich so war, dass man nichts davon will”. Oder es fällt eine Mischung aus Schnee und Regen vom Himmel, „wie es nachts manchmal so ist”. Ausgefallene Beobachtungen, neuartige Gedanken sind das nicht. Aber es macht gerade den Charme des Kurzeckschen Erzählens aus, dass er auch die allerselbstverständlichsten Dinge benennt, dass er ihnen eine Aufmerksamkeit widmet, die ihnen sonst längst versagt wird. Einmal noch meint man sie aufatmen, aufleben zu sehen: „Das war schön, dass die Sachen da waren, wo sie sein sollten, das ist ja nicht immer so.”
So steht der Erzähler also plötzlich mit vor Schreck blutender Nase auf dem Straßburger Bahnsteig und ist auf Hilfe angewiesen. Bahnbeamte treten auf, die an Romane Simenons erinnern, ein Taxifahrer, der mindestens ebenso nachdenklich wirkt wie der Erzähler selbst, und ohne dass hier verraten sei, wie genau diese eine Reise ausgeht, es ist doch schlicht ein Wunder, da muss man Peter Kurzeck recht geben, „dass man immer noch losfahren kann”, im Walkman vielleicht diese Aufnahme, „und kommt in den Süden”.TOBIAS LEHMKUHL
PETER KURZECK: Da fährt mein Zug. Supposé Verlag, Berlin 2010. 1 CD, 16,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.sz-content.de
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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Höchst fesselnd findet Alexander Cammann diese zweite Hörgeschichte von Peter Kurzeck, die aus seiner Sicht darüber hinaus ein höchst passender Urlaubsbegleiter ist. Allerdings warnt Cammann auch: Kurzeck macht süchtig. Denn diese leicht nasale und insistierend erzählende Stimme erzeuge sofort einen Sog, dem man sich nicht mehr entziehen könne. Worum es geht? Um einen Aufenthalt des Autors in Straßburg im Jahr 1996, als ihn eine Reise von Frankfurt nach Avignon führte, und der Zug mit dem Gepäck und ohne den Autor weiter fuhr. Dessen Beschreibungsfuror erfasse daraufhin alles und jeden, sogar Worte für die Mysterienwelt unserer Existenz finde er in dieser Verfassung, wie Cammann staunend feststellen kann, der "Kurzecks Kunst der Seinsbeschreibung" überhaupt einzigartig findet und am Ende die Welt mit anderen Augen sieht: auch so ein "Kurzeck-Effekt".

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