Der Wortbruch - Maser, Werner
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Kompromißlos räumt Maser mit der Legende von der"heimtückisch von Hitler überfallenen"Sowjetunion auf. Materialreich belegt er die langjährigen Planungen Stalins für einen militärischen Erstschlag gegen das Deutsche Reich, die schließlich in die Mobilmachung vom Sommer 1941 münden. Masers Grundlagenarbeit belegt auch die erschreckend enge Kumpanei der Westmächte mit dem bolschewistischen Rußland und seinem Roten Despoten.…mehr

Produktbeschreibung
Kompromißlos räumt Maser mit der Legende von der"heimtückisch von Hitler überfallenen"Sowjetunion auf. Materialreich belegt er die langjährigen Planungen Stalins für einen militärischen Erstschlag gegen das Deutsche Reich, die schließlich in die Mobilmachung vom Sommer 1941 münden. Masers Grundlagenarbeit belegt auch die erschreckend enge Kumpanei der Westmächte mit dem bolschewistischen Rußland und seinem Roten Despoten.
  • Produktdetails
  • Verlag: Pour Le Mérite
  • Artikelnr. des Verlages: 102067
  • Seitenzahl: 480
  • Erscheinungstermin: Dezember 2007
  • Deutsch
  • Abmessung: 246mm x 179mm x 39mm
  • Gewicht: 845g
  • ISBN-13: 9783932381065
  • ISBN-10: 3932381068
  • Artikelnr.: 22865830
Autorenporträt
Werner Maser ist 1922 in Ostpreußen geboren. Studium in Berlin, München, Erlangen. Staatsexamen. Dr. phil. Wissenschaftlicher Assisstent in Berlin. Lehrbeauftragter an der Hochschule für Politik an der Universität München über Hitler, die NSDAP und das Dritte Reich; Professor für Geschichte und Völkerrecht; Gast-Professuren in den USA, in Japan und Finnland; beschäftigte sich von 1949 bis 1980 ausschließlich mit Forschungsarbeiten über Hitler und die NSDAP. 2007 verstarb Werner Maser.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 16.01.1995

Wann, nicht wie
Stalins Eroberungspläne und der Zweite Weltkrieg

Werner Maser: Der Wortbruch. Hitler, Stalin und der Zweite Weltkrieg. Olzog Verlag, München 1994. 463 Seiten, Abbildungen und Fotos, geb., 44,- Mark.

Selbst unter Historikern (besonderer Fall: am Militärgeschichtlichen Forschungsamt der Bundeswehr) litt die Erforschung des Zusammen- und Gegenspiels von Hitler und Stalin darunter, daß mancher befürchtete, die Erörterung der Mittäterschaft Stalins könnte Hitlers Schuld am Kriege verringern, die pädagogische Pflege des nationalen Schuldbewußtseins erschweren und die Entspannungspolitik beschädigen. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion erscheinen nun in Rußland historische Arbeiten und Dokumente, die den Streit über die Absichten Stalins allmählich erledigen. Die Kritiker der bahnbrechenden Arbeiten von Ernst Topitsch, Joachim Hoffmann und Viktor Suvorow (Pseudonym eines im Kalten Krieg nach England geflohenen sowjetischen Generalstabsoffiziers) sind inzwischen ziemlich kleinlaut geworden. Die These, daß im Zweiten Weltkrieg beide Diktatoren Eroberung im Sinn hatten, kann sich auf immer mehr Belege stützen. So wurde der Operationsplan General Schukows vom Mai 1941 aufgedeckt. Franz Magenheimer berichtete über verschiedene neuere russische Arbeiten in der Österreichischen Militärischen Zeitschrift, zuletzt im Januar.

Aus den Akten der britischen Regierung ist bekannt, daß in den Militärverhandlungen des Sommers 1939, in denen England und Frankreich die Sowjetunion für den Schutz des von Hitler bedrohten Polen gewinnen wollten, Stalin zwar Unterstützung mit einer gewaltigen Militärmacht, darunter 136 Heeresdivisionen, in Aussicht gestellt hatte, aber verlangte, seine Truppen auch ohne Durchmarscherlaubnis der polnischen oder rumänischen Regierung einsetzen zu dürfen. Masers Buch enthält darüber lesenswerte Auszüge aus den Protokollen beider Verhandlungsdelegationen. London und Paris wollten Stalin nicht nachgeben. Sie durchschauten die Absicht. Deshalb ließ Stalin die Verhandlungen am 19. August abbrechen und tags darauf Hitler den Entwurf für einen Nichtangriffsvertrag samt der Forderung nach einem (geheimzuhaltenden) "Protokoll über interessierende Fragen" überreichen. Es umschrieb seinen Plan, Ostpolen, die baltischen Staaten und Bessarabien zu annektieren. Stalin machte Hitlers Zustimmung zu diesem Protokoll zur Bedingung für den Nichtangriffsvertrag. Hitler stimmte zu und hatte einen Partner für seinen Krieg gegen Polen. Am 17. September 1939, als Polen den Krieg schon verloren hatte, aber noch kämpfte, rückten die Sowjets von Osten ein und nahmen unter dem Vorwand, weißrussische und ukrainische Minderheiten schützen zu müssen, ihren Teil der Beute. 200000 polnische Soldaten wurden gefangengenommen, etliche verschleppt. Am 30. November überfiel Stalin Finnland.

Die Annahme, Stalin habe die Verbindung mit Hitler gebraucht, um Zeit für die Vorbereitung des Kampfes gegen ihn zu gewinnen, hat dünne Beine. Nichts wäre einfacher für Stalin gewesen, als mit Briten und Franzosen eine Droh-Kulisse gegen Hitler zum Schutze Polens aufzubauen. Über das Weitere läßt sich nicht mit gleicher, allerdings mit zunehmender Bestimmtheit sprechen. Für Hitler wurde die Zeit knapp, als England im Herbst 1940, nach der Niederlage Frankreichs, nicht klein beigab. Am westlichen Horizont trat die Silhouette der amerikanischen Macht aus dem Dunst, der Kumpan im Osten war zum unheimlichen Grenznachbarn geworden. Hitler schwankte, von welchem Gegner er sich zuerst befreien sollte - von England oder der Sowjetunion. Seit Sommer 1940 entwarfen die Führungsstäbe Operationspläne für beides, für "Seelöwe" (zunächst für den Herbst 1940 geplant, Mitte Oktober verschoben aufs nächste Frühjahr) und für "Barbarossa". Der Besuch Molotows im November 1940 mit neuen, noch größeren Forderungen Stalins in bezug auf Finnland, die dänischen und die türkischen Meerengen, Rumänien und Bulgarien führte zur Entscheidung in Berlin: "Barbarossa" zuerst.

Schwindelerregend

Maser behandelt nicht, warum Molotow in Berlin so provozierend aufgetreten war, zumal da Stalin die Rolle des vertragstreuen, zuverlässigen Rohstofflieferanten weiterspielte, während seine Vorbereitungen für den Krieg gegen Deutschland andauerten. Nach allem, was man bisher weiß, faßten beide Diktatoren vor dem Ende des Jahres 1940 ungefähr gleichzeitig ihren Entschluß zum Krieg gegeneinander - ehe sie erste Nachrichten über verdächtige Truppenbewegungen des jeweils anderen hatten. Als Hitler im Juni losschlug, waren trotzdem beide Seiten überrascht, wie weit die Angriffsvorbereitungen jeweils schon gediehen waren.

Masers Darstellung folgt diesen Einsichten. Wesentlich Neues trägt sein Buch nicht bei. Dennoch kann ein Buch, das den neuesten Forschungsstand verarbeitet und einem größeren Publikum vorstellt, seine Meriten haben. Doch auch da zögert der Rezensent. Masers Prosa läßt zu wünschen übrig, selbst sinnverzerrende grammatische Fehler blieben ungetilgt, bisweilen erregen seine Satzkonstruktionen Schwindel. Informationen sind wirr zusammengesteckt. Manche Urteile bleiben unbegründet, manche Gründe stützen das Urteil nicht. Anderes bleibt schlicht unverständlich: "Stalin glaubte, was er glauben wollte. Sein vielgerühmter Instinkt und Realitätssinn hatten in dieser Hinsicht unentwirrbare Grenzen." Die Darstellung mäandert, verzweigt sich, endet im Nichts. Ein und derselbe Tatbestand wird zwei-, dreimal, oft auf wenigen Seiten hintereinander wiederholt. In einem Kapitel ist durchgehend von Militärbezirken die Rede, in einem anderen von Wehrkreisen. Irgendwann beginnt der Leser zu ahnen, daß dasselbe gemeint ist. Mehrere Bildunterschriften sind erkennbar falsch.

Vor allem aber wird die Kernfrage, die Deutung des Aufmarschs der Roten Armee an der Westgrenze, nicht ernsthaft erörtert. Die Fachliteratur hält alle Argumente bereit. Daß der mit vielen Mutmaßungen und Spekulationen ausgetragene Streit unter deutschen Historikern über Stalins Absichten nach der Arbeit von Joachim Hoffmann (1983) weitergehen konnte, war nur möglich, weil die meisten Gegner sich nicht darauf einlassen wollten, die Details des sowjetischen Aufmarsches, wie sie sich der Wehrmacht in den ersten Wochen des Rußland-Feldzuges offenbarten, gründlich zu studieren.

Auch Maser hat offenbar die Beweiskraft des militärhistorischen Materials für die Außenpolitik Stalins unterschätzt. Stärkeangaben über Truppen, ihre Waffen, ihre Mobilität, die Versorgungs- und Transportwege, generell die Leistungsfähigkeit einer bestimmten Streitmacht müssen dem Leser, der im Zweifel kein militärischer Fachmann ist, in ihrer Bedeutung erschlossen werden. Dazu gehören auch Vergleiche mit dem Gegner. Sie fehlen. Maser führt zwar viel militärisches Zahlenmaterial in die Darstellung ein, aber er verwertet es kaum. Bei Joachim Hoffmann und Viktor Suvorow steht alles aufbereitet zur Verfügung.

Zum Beweise der Angriffsabsicht Stalins reicht es nicht, zu wissen, daß die sowjetische Seite wesentlich mehr Soldaten, mehr Artillerie und wesentlich mehr "Angriffswaffen" wie Panzer und eine ausschließlich auf Angriff ausgerichtete Militärdoktrin besessen habe. Denn auch der Verteidiger muß angreifen können. Auch er muß wünschen, den Kampf so rasch wie möglich auf das Gebiet des Gegners zu tragen. So kann selbst Schukows Operationsplan von Mitte Mai 1941, ein Offensivplan, für sich genommen nicht schlagender Beweis für eine Angriffsabsicht Stalins sein. Stalin lehnte Schukows und Timoschenkows Vorschlag, bald loszuschlagen, ab. Überhaupt oder nur für den Augenblick? Das hätte erörtert werden müssen. Und es hätte beantwortet werden können.

Denn in der Ordnung, in der eine Armee aufmarschiert (werden die kampfentscheidenden Waffen und Depots weit vorn aufgestellt oder hinten, näher den Reserven?), enthüllt sich der politische Auftrag. Denn diese Ordnung belegt die zugedachte Rolle. Maser unterläßt es, darzustellen, daß der sowjetische Generalstabschef Schukow und der Kriegskommissar Timoschenko im Mai 1941 Stalin einen Operationsplan vorlegten, bei dem es nur noch um das Wann gehen konnte. Das Wie stand im fast vollendenten Aufmarsch von etwa 180 Divisionen schon fest.

GÜNTHER GILLESSEN

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