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Ein optimistisches, lebenspraktisches Buch, die Quintessenz des bekannten Entwicklungsforschers und Autors Remo H. Largo.
Über 1 Mio. verkaufte Exemplare von ›Babyjahre‹
Jetzt das Lebenswerk des Entwicklungsforschers Remo H. Largo
Basierend auf vierzig Jahren Forschung, u.a. den einzigartigen Zürcher Langzeitstudien…mehr

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Produktbeschreibung
Ein optimistisches, lebenspraktisches Buch, die Quintessenz des bekannten Entwicklungsforschers und Autors Remo H. Largo.

Über 1 Mio. verkaufte Exemplare von ›Babyjahre‹
Jetzt das Lebenswerk des Entwicklungsforschers Remo H. Largo
Basierend auf vierzig Jahren Forschung, u.a. den einzigartigen Zürcher Langzeitstudien


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  • Produktdetails
  • Verlag: FISCHER E-Books
  • Seitenzahl: 480
  • 2017
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783104903613
  • ISBN-10: 3104903611
  • Best.Nr.: 46778014
Autorenporträt
Remo H. Largo, geboren 1943 in Winterthur, studierte Medizin an der Universität Zürich und Entwicklungspädiatrie an der University of California, Los Angeles. Seit 1978 leitete er die Abteilung »Wachstum und Entwicklung« an der Universitäts-Kinderklinik Zürich. Die Zürcher Longitudinalstudien, die er dort verantwortete, sind international einzigartig und gehören zu den umfassendsten Studien in der Entwicklungsforschung. Er ist Autor zahlreicher wissenschaftlicher Arbeiten und Bestseller, die sich mit der menschlichen Entwicklung befassen. Remo H. Largos Bücher (u.a. »Babyjahre«, »Schülerjahre«, »Jugendjahre«) gelten als Klassiker der Erziehungsliteratur.
Inhaltsangabe
"Im Verlauf von 40 Jahren fügten sich meine Erfahrungen in Klinik und
Forschung und die Erkenntnisse aus diversen Fachgebieten, etwa der
Genetik und Soziologie, allmählich- wie Puzzle Teile - zu einem
Gesamtbild zusammen. Eine ganzheitliche Sichtweise, die die Vielfalt unter den
Menschen, die Einzigartigkeit jedes Menschen, und das Zusammenwirken
von Individuum und Umwelt nicht nur als Fundament der Evolution,
sondern auch als Grundlage der menschlichen Existenz versteht."
Remo H. Largo
Rezensionen
Es tut immer gut, mal den Ballast von Philosophiegeschichte und Ökonomie abzuwerfen und aus einer anderen Sicht frisch auf das Leben zu schauen. Johan Schloemann Süddeutsche Zeitung 20170527
Besprechung von 27.05.2017
Der du warst
Der Schweizer Kinderarzt Remo Largo hat Erziehungsbestseller
verfasst. In seinem neuen Buch berät er die Erwachsenen
VON JOHAN SCHLOEMANN
Wer kennt das nicht: müde im Internet gewesen oder vor dem Fernseher gesessen oder beides. Alleine oder höchstens zu zweit. „Wenn der Abend zu Ende geht, bleibt ein schales Gefühl sinnlos verbrachter Stunden zurück, weil auch die beste aller virtuellen Welten reales Zusammenleben nicht ersetzen kann.“ Aber ein bisschen Entspannung muss doch jedem vergönnt sein! Und vielleicht waren wir sogar den ganzen Abend auf der Suche nach etwas Wertvollem, nach Kontakten zu Abwesenden, nach interessanten Informationen, guten Geschichten, kluger Unterhaltung?
Oh nein, etwas anderes ist passiert: Wir haben uns verabschiedet vom „ursprünglichen Auftrag von Kultur, nämlich Räume für ein aktives gemeinsames Erleben zu schaffen“. Mehr noch: „Wir sitzen in einem komfortabel eingerichteten Käfig.“ Und in dieser selbstgeschaffenen Einzelhaft herrschen immer mehr „emotionale Verunsicherung und soziale Vereinsamung“.
Diese Sätze stammen aus dem neuesten Buch von Remo H. Largo. Der Schweizer Kinderarzt ist Millionen Eltern vertraut, die seine Bestseller-Handbücher zu Rate ziehen: „Babyjahre“, „Kinderjahre“, „Jugendjahre“ und vieles mehr. Jetzt aber hat Remo Largo sein sympathisches Beratungsimperium ausgeweitet auf uns alle, auf die Erwachsenen. Das neue Buch sieht der 73-Jährige als eine notwendige Fortsetzung, ja als Summe seines Lebenswerks an: „Das passende Leben. Was unsere Individualität ausmacht und wie wir sie leben können“ (S. Fischer Verlag, 480 Seiten, 24 Euro, E-Book 19,99 Euro).
Sympathisch ist Remo Largo deswegen vielen Eltern, weil seine Ratgeber ohne erhobenen Zeigefinger daherkommen. Sie teilen allgemeingültige Rezepte für den Umgang mit dem eigenen Nachwuchs, mit Kindergartenkindern und Schülern nur da mit, wo es wirklich Rezepte gibt, also nicht so oft. Stattdessen hat Largo in Langzeitstudien die Entwicklung der Kleinen beobachtet und kann auf dieser Grundlage erklären, wie sie im Allgemeinen biologisch und sozial heranwachsen, wie groß aber im Besonderen auch die individuellen Ausschläge und Bedingungen sind. Dahinter steht die vielleicht banale, aber immer wieder zu wenig beherzigte Einsicht, „dass jeder der fast acht Milliarden Menschen (...) ein einzigartiges Wesen ist“.
Und so fasst Remo Largo auch in seinem neuen Buch seine Grundeinsicht zur Erziehung zusammen: „Wir können das Kind nicht wie einen Klumpen Lehm formen, aber wir können ihm entwicklungsspezifische Erfahrungen ermöglichen oder vorenthalten.“ So einfach und so schwierig ist das. Es bedeutet zum Beispiel, dass man Kleinkindern, anders als man früher dachte, das Krabbeln, Sitzen und Laufen nicht beibringen muss. Das lernen sie von selbst, in verschiedenem Tempo, oft auch auf verschiedenen Wegen, wenn ihnen denn nur das soziale Umfeld dafür geboten wird: Ermutigung und Geborgenheit, Freiheit innerhalb hilfreicher Grenzen. Mal mit dem Kind sprechen, singen, spielen, essen, mal einfach nur da sein.
Remo Largo heilt von Konformität und Erwartungsdruck. Zur beliebten Großelternfrage etwa: „Und, ist er/sie schon trocken?“ stellt Largo, nun ja, trocken fest: „Ein früher Beginn und eine hohe Intensität der Sauberkeitserziehung beschleunigen die Entwicklung der Blasen- und Darmkontrolle nicht.“
Wie aber kommt man als Kinderarzt von den Windeln, dem Töpfchen und dem Räuber Hotzenplotz zur großen, alten philosophischen Frage, was ein gelingendes Erwachsenenleben ausmacht? Und wie zur Diagnose einer massiven Kulturkrise, zu jenem Käfigdasein, von dem Remo Largo in dem neuen Buch schreibt, dass daran unter anderem die „räumliche und zeitliche Fragmentierung des Alltags“ sowie „Leistungswettbewerb, Gewinnstreben und Konsumzwang“ schuld seien?
Aufmerksame Leser von Erziehungsratgebern wissen, dass die Ratschläge schon bei zunehmendem Alter der Kinder immer ungreifbarer werden, man könnte sagen: immer bedenkenswerter und zugleich nutzloser. Das ist naturgemäß so – denn auch wenn das Wunder der Individualität mit unserer Geburt (und davor) anfängt, so tritt mit den späteren Jahren, im Schulalter, immer mehr Kultur, Charakter, Persönlichkeit und Gesellschaft vor die jedenfalls im Vergleich eher technischen Probleme der Kleinkindzeit. Und je älter die Menschen werden, mit denen sich ein Arzt in der Abteilung „Wachstum und Entwicklung“ in einer Kinderklinik beschäftigt, desto mehr Weltanschauung wird eben auch in seine Beratung einfließen. Daraus erwächst dann am Ende „Das passende Leben“.
Nun könnte man gleich schon grundsätzlich abwehren und sagen: Lasst mich doch in Ruhe mit euren Glückstipps, dies ist ein freies Land. Ich bin schon groß! Dem steht aber zweierlei entgegen, worauf Remo Largo aufgrund seiner Erfahrungen und Forschungen beharrt. Zum Ersten warnt er, jeder und jede Einzelne könne und solle die je eigene Prägung, die Anlage nicht vergessen, also all das, was uns angeboren war und was wir bis zum Pubertätsalter von 15 Jahren daraus gemacht haben, dem Alter, in dem auch die Gehirnentwicklung abgeschlossen ist.
Danach kann man natürlich noch sehr viel Neues machen, lernen und erreichen, auch weit über seine soziale Herkunft hinaus. Die Botschaft ist nicht etwa: Schuster, bleib bei deinem Leisten. Aber: „Wir sind keine Alleskönner.“ Zur Erklärung dieser Verschiedenheit der Menschen, ihrer Bedürfnisse und Begabungen, körperlich, kognitiv, sprachlich, musisch und so fort, greift Remo Largo weit in die Evolutionsgeschichte, in die Physiologie und Lernforschung aus. Zweck dieser menschenfreundlichen Übung: Je mehr man sich der eigenen Kompetenzen und der der anderen bewusst wird, desto besser können alle die individuellen Stärken nutzen und mit Schwächen klarkommen. Selbstverwirklichung, so verstanden, ist kein purer Egoismus: „Diese Annäherung an sein eigenes Wesen will jeder Mensch bis ins Alter fortführen.“
Und zweitens entkommt man einfach nicht der Gemeinschaftlichkeit. Auf diesen Punkt verwendet Remo Largo besonders viel Leidenschaft: „Wir sind im Großen und Ganzen immer noch die gleichen Wesen wie vor 200 000 Jahren.“ Der Mensch konnte aus der Gattungs- und Naturgeschichte zwar ausbrechen durch Kultur, Institutionen, Handel, Technik, nicht aber aus dem ererbten Bedürfnis nach Geborgenheit und Zusammenhalt. Daher die düstere Kulturkritik eines im Prinzip optimistischen Linksliberalen an den Störungen in der „Übereinstimmung“ von Mensch und Umwelt – eine Kritik, die vielem gleicht, was seit je gegen die Moderne vorgebracht wurde. Daher auch Largos Forderung, Gesellschaft und Wirtschaft so umzubauen, dass wir wieder größere
„Lebensgemeinschaften“ mit stabilen Beziehungen und Abhängigkeiten bilden können. Er wünscht sich „neue Formen des Zusammenlebens“, aber ohne den autoritären Charakter von früher.
Wie das gehen soll? Remo Largo schlägt vor: Ausbau der Mehr-Generationen-Wohngemeinschaften, hohe Erbschaftsteuer, Enteignung des Bodens zugunsten der Allgemeinheit, mehr Zeit füreinander, mehr draußen sein und Ähnliches mehr. Sonst aber, wenn wir immer einsamer und verunsicherter würden durch die monsterhafte Welt des Wettbewerbs, die wir selbst geschaffen haben, könnten die Populisten „uralte Verhaltensmuster“ ansprechen und „ein Wir-Gefühl vorgaukeln, das die Menschen so sehr vermissen“.
Es wäre nun borniert zu sagen: Kinderarzt, bleib bei deinen Kindern. Es tut immer gut, mal den Ballast von Philosophiegeschichte und Ökonomie abzuwerfen und aus einer anderen Sicht frisch auf das Leben zu schauen. Auch sonst florieren gerade diverse Lehren vom „guten Leben“. Remo Largos Bild vom Menschen ist dabei deutlich realistischer als die beliebte Marketing-Floskel vom „Sich neu erfinden“. Und seine Selbstoptimierung ist eine andere, plausiblere als die, die einfach nur immer mehr Yogamatten zur kapitalistischen Leistungssteigerung auslegt. In Anlehnung an Friedrich Nietzsches „Werde, der du bist“ könnte man Remo Largos Botschaft so bündeln: „Werde, der du warst.“
Aber Remo Largo ist auch sozial sehr idealistisch. Wenn man den Wunsch nach Wohlstand, Entfaltung und den nach mehr Gemeinschaft konsequent zusammennimmt, dann passt das passende Leben leider immer ein bisschen hinten und vorne nicht. Largos Lehre ist auch eine Art Sozialdarwinismus durch die Hintertür, wenn auch ein freundlicher, gut gemeinter. Und „Selbstverwirklichung“ steht immer in der Gefahr des Zirkelschlusses, der auch Remo Largo in seinem Buch nicht entgeht: Wenn nämlich Fälle gelingender Selbstverwirklichung beweisen sollen, was im Selbst vorher drinsteckte. Trotzdem wünscht man ihm viele Leser: auf dass wir ausbauen, was wir können, aber nicht versuchen anders und mehr zu sein, als wir sind, und das möglichst in Gemeinschaft. Aber dafür muss man die 450 Seiten Text ja auch erst mal lesen – ganz allein, abends auf dem Sofa.
Von Windeln, Töpfchen und
Räuber Hotzenplotz zu
großen philosophischen Fragen
„Wir sind keine Alleskönner“,
sagt Largo – es ist ein
menschenfreundlicher Hinweis
Es wäre borniert zu sagen:
Kinderarzt, bleib
bei deinen Kindern
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Besprechung von 25.10.2017
Mit Bildung allein wird man nicht unbedingt glücklich
Gegen den Trend zur Selbstoptimierung: Der Kinderarzt Remo H. Largo hat Vorschläge, wie Menschen ein Leben führen können, das ihr Begabungspotential ausschöpft

Die Gesellschaft muss also ein Interesse daran haben, dass nicht nur die Aufstiegschancen gewahrt bleiben, sondern auch der Abstieg nicht verhindert wird." - Entschiedener als der Schweizer Entwicklungsforscher und Kinderarzt Remo H. Largo in seinem neuen Buch kann man kaum gegen den Strom schwimmen. Schon in früheren Büchern wie "Babyjahre" und "Kinderjahre" hat er vor der Idee gewarnt, mit ausreichender Förderung könne jeder alles erreichen. Seine Erfahrungen, unter anderem als langjähriger Leiter der Zürcher Longitudinalstudie, die seit 1954 die Entwicklung von mehr als siebenhundert Kindern bis ins Erwachsenenalter untersucht hat, fasst er nun in seinem neuen Buch zusammen. Herausgekommen ist ein Durchgang von der Evolutionsgeschichte bis zur Diskussion über das bedingungslose Grundeinkommen.

Im Mittelpunkt steht dabei das "Fit-Prinzip". "Fit" bedeutet hier - wie bei Charles Darwin - nicht Leistungsfähigkeit, sondern Passung. Alle Menschen, meint Largo, haben spezifische Begabungspotentiale. Die können sie ausschöpfen oder nicht, je nachdem, wie förderlich die Umwelt ist, in der sie leben. Glücklich würden Menschen nicht, wenn sie es gesellschaftlich nach ganz oben geschafft haben, sondern, wenn es ihnen gelingt, in Übereinstimmung mit diesem Potential zu leben, etwas zu tun, was sie fordert, aber nicht überfordert, etwas, das passt.

Die Gesellschaft allerdings funktioniere derzeit ganz anders, meint Largo: Leistung, Optimierung, bloß kein Abweichen von der Norm, jeder ist seines Glückes Schmied, man muss eben an sich arbeiten, wer wirklich will, kann alles erreichen. Wer dann nicht viel erreicht, muss wohl selbst schuld sein. Rechenschwäche? Pech gehabt! Leseschwäche? Auch Pech! Und wenn die Maschinen in Zukunft immer mehr Arbeit für uns erledigen, heißt es: Die Bildung wird's richten, wird alle zu Softwareingenieuren und Personal Coaches machen.

Wird sie nicht. Dieser Anspruch wird die Menschen unglücklich machen, und er tut dies auch jetzt schon. Um das zu belegen, beginnt der Autor beim Urknall und arbeitet sich durch die gemeinsamen Baupläne der Körper von Mensch und Tier, Genetik und Epigenetik, Anlage und Umwelt, Hirnwachstum und die Wanderungen der Frühmenschen bis zur Entwicklung der Menschenkinder vor. Nach dieser wenig innovativen Vorarbeit geht es erst wirklich los: In viel größerem Maße als alle anderen Wesen suchen Menschen nach Wissen und haben damit die wissenschaftliche, technologische und wirtschaftliche Entwicklung ermöglicht, die sie nun in einen Wettlauf um immer größere Leistungen und immer klügere Kinder zwinge, konstatiert Largo.

Er stellt der vertrauten Fortschrittsgeschichte die schnöde Biologie entgegen: Es gebe ein Begabungsprofil, für den Einzelnen wie für die gesamte Gesellschaft, das sich, ebenso wie etwa die Körpergröße, nicht verändere. In Gesellschaften wie der in Kirgistan blieben viele Menschen hinter ihren Möglichkeiten zurück, weil Lebenssituation und Schulsystem dazu führen. Finnland hingegen schöpfe das Potential seiner Bevölkerung fast vollständig aus. Doch auch in einem in Sachen Bildung vorbildlichen Land gibt es, die Glockenkurve lässt grüßen, wenige extrem hoch und wenig sehr gering Begabte und viele in der Mitte des Leistungsspektrums.

Und wie es eine Gesetzmäßigkeit namens "Rückentwicklung zur Mitte" will, bleibt diese Mitte stabil, für die Körpergröße wie für die Intelligenz: Die Kinder sehr großer Eltern sind demnach eher ein bisschen kleiner, die Kinder kluger Eltern ein bisschen dümmer als diese, die Kinder wenig begabter Eltern ein bisschen klüger. Wenn erfolgreiche Eltern alles daransetzen, dass ihre Kinder mindestens ihr Ausbildungsniveau halten, mindestens ebenso anspruchsvolle Jobs haben, kann das ebenso wie die Bemühungen, einen Bildungsaufstieg zu erzwingen, dazu führen, dass es nicht mehr passt. Dann sehen sich Menschen mit Aufgaben konfrontiert, die sie kaum oder gar nicht bewältigen können und werden unglücklich. In diesem Sinne ist für Largo ein Abstieg eine Chance.

In Übereinstimmung mit sich selbst zu leben ist allerdings weder einfach noch ein Gleichgewichtszustand, der ein für allemal zu erreichen wäre, betont Largo. Letztlich geht es nach ihm darum, die eigenen Kompetenzen so zu akzeptieren, wie sie sind, und sich zu trauen, ein passendes Leben zu führen. Untermalt mit Geschichten von Menschen, denen der Autor in seiner langjährigen Praxis begegnet ist, erklärt Largo, dass man nicht irgendein Leben leben könne, sondern nur das eigene.

Das Buch endet nicht ohne Vorschläge, wie der Einzelne aus "Misfit"-Konstellationen herausfinden könne und die Gesellschaft so einzurichten wäre, dass sie den Menschen besser gerecht wird, von einem Leitfaden zur Selbstanalyse bis zu Vorschlägen zur Einrichtung von Wohngenossenschaften oder anderen Formen freiwilliger Lebensgemeinschaften und ihrer staatlichen Förderung. Denn was für unsere Kompetenzen gelte, gelte ebenso für unsere Bedürfnisse, vor allem für das Bedürfnis nach Anerkennung und stabilen sozialen Beziehungen: wenn sie nicht befriedigt werden, macht das unglücklich. Die wichtigste Aufgabe einer Gesellschaft ist aus der Sicht des Fit-Prinzips, für Lebensräume zu sorgen, in denen Menschen ein passendes Leben führen können.

MANUELA LENZEN

Remo H. Largo: "Das passende Leben". Was unsere Individualität

ausmacht und wie wir

sie leben können.

S. Fischer Verlag, Frankfurt a.M. 2017. 480 S., geb., 24,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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