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Kolumnen - kurze Texte, die mit unserem Commonsense sprechen - und Essays, die uns etwas mehr Raum und Zeit geben, um über ihren Gegenstand nachzudenken, von großer Vielfalt und Intensität.

Produktbeschreibung
Kolumnen - kurze Texte, die mit unserem Commonsense sprechen - und Essays, die uns etwas mehr Raum und Zeit geben, um über ihren Gegenstand nachzudenken, von großer Vielfalt und Intensität.
Autorenporträt
Urs Widmer, geboren 1938 in Basel, studierte Germanistik, Romanistik und Geschichte in Basel, Montpellier und Paris. Danach arbeitete er als Verlagslektor im Walter Verlag, Olten, und im Suhrkamp Verlag, Frankfurt. 1968 wurde er mit seinem Erstling, der Erzählung 'Alois', selbst zum Autor. In Frankfurt rief er 1969 zusammen mit anderen Lektoren den 'Verlag der Autoren' ins Leben. Für sein umfangreiches Werk wurde er u.a. mit dem 'Heimito-von-Doderer-Literaturpreis' (1998) sowie dem 'Friedrich-Hölderlin-Preis' der Stadt Bad Homburg (2007) ausgezeichnet. Urs Widmer starb 2014 in Zürich.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 14.12.2011

König Midas
hat Eselsohren
Es gibt Menschen, die sind ihrer Zeit voraus. Urs Widmer ist so ein Mensch. Der Schweizer Autor hat sich schon vor zehn Jahren auf die Suche nach dem Ursprung des Geldes gemacht. Und nicht nur jene, die jetzt Angst um ihr Erspartes haben, tun gut daran, ihm auf seinen Spuren zu folgen. Das Angenehme: Widmer macht es einem leicht, ihm zu folgen. Er schreibt in einer Sprache, die einfach daherkommt und doch voller berührendem Tiefgang steckt. Sein Essay „Das Geld, die Arbeit, die Angst, das Glück“ beginnt mit dem Satz: „Im Anfang war nicht das Geld.“ Und es endet mit der Feststellung, „daß heute noch alle Midasse Eselsohren haben“.
Dazwischen streift er Themen, die das Leben postmoderner Gesellschaften mehr denn je bestimmen: die Arbeit, die Angst, das Glück – bis er am Ende wieder zum Geld kommt. Sein Essay ist ein Text, der wie kaum ein anderer nachdenklich lässig um die Fragen unserer Zeit kreist. Die Zeit der Krise. Urs Widmers Sätze sind Sätze, die hängenbleiben. Seine Sätze sind Denkanstöße. Wie halten wir es mit dem Geld? Wie definieren wir uns durch Arbeit? Was macht uns Angst? Was glücklich?
Widmer beschreibt den Alltag der sogenannten Spaßgesellschaft, der jeder Spaß so langsam vergangen ist. Er beschreibt das Erlöschen des kollektiven Gedächtnisses, die Hysterie der westlichen Gesellschaften im 9/11-Jahr. Zehn Jahre später stellt man fest: Das alles ist immer noch da. Es verschwindet einfach nicht. Nein, so leicht ist es nicht. Wie gesagt: Widmers Sätze bleiben. Dabei ist er entwaffnend ehrlich, wenn er schreibt: „Ich hätte gern, zu Beginn meiner Überlegungen, mit einigen knallharten Fakten aufgewartet. Mit handfesten, unwiderruflich recherchierten Zahlen. Ich hätte zum Beispiel gern herausgefunden, wie viel Geld es auf der Welt eigentlich gibt. Alles Geld, alles – die Summe muß, da sie gewiß endlich ist, bezifferbar sein. Aber niemand weiß das, niemand auch nur annähernd. Keine Statistik, kein Ökonom, kein Mensch.“ Und so geht sie weiter, die Suche nach dem Geld; es ist wie ein Flug im Nebel, und die Instrumente sind ausgefallen.
Also: mutig sein, einsteigen und mitfliegen.
Alexander Mühlauer
Urs Widmer: Das Geld, die Arbeit, die Angst, das Glück. Diogene s, 9,90 Euro.
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