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Berlin 1989, Wendezeit. An der durchlässig gewordenen Mauer entlang gehen zwei alte Männer, der Bürobote Theo Wuttke, genannt Fonty, und sein »Tagundnachtschatten« Hoftaller, der ewige Spitzel. Ihre Erinnerungen reichen über große Distanzen, beiden ist die Vergangenheit so nahe und gegenwärtig wie die sich überstürzenden Tagesereignisse. »Ein weites Feld« entwirft ein Panorama deutscher Geschichte von 1848 bis heute, es ist Berlin-Roman und Fontane-Biographie. Ein Buch, das gerade in der Lesung von Günter Grass mit seinen wunderbaren, in leichtem Plauderton und voll Ironie erzählten Geschichten besticht.Ungekürzte Autorenlesung3 mp3-CDs ca. 30 h 9 min…mehr

Produktbeschreibung
Berlin 1989, Wendezeit. An der durchlässig gewordenen Mauer entlang gehen zwei alte Männer, der Bürobote Theo Wuttke, genannt Fonty, und sein »Tagundnachtschatten« Hoftaller, der ewige Spitzel. Ihre Erinnerungen reichen über große Distanzen, beiden ist die Vergangenheit so nahe und gegenwärtig wie die sich überstürzenden Tagesereignisse. »Ein weites Feld« entwirft ein Panorama deutscher Geschichte von 1848 bis heute, es ist Berlin-Roman und Fontane-Biographie. Ein Buch, das gerade in der Lesung von Günter Grass mit seinen wunderbaren, in leichtem Plauderton und voll Ironie erzählten Geschichten besticht.Ungekürzte Autorenlesung3 mp3-CDs ca. 30 h 9 min
  • Produktdetails
  • Verlag: Der Audio Verlag, Dav
  • Gesamtlaufzeit: 1809 Min.
  • Erscheinungstermin: 7. März 2018
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 9783742404978
  • Artikelnr.: 49983298
Autorenporträt
Günter Grass (1927-2015) wurde in Danzig geboren und war Schriftsteller, Bildhauer und Grafiker. Mit dem Roman »Die Blechtrommel« wurde er 1959 schlagartig berühmt. Er gehörte zur »Gruppe 47« und prägte die deutsche Nachkriegsliteratur entscheidend. 1999 wurde Grass mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Zuletzt erschienen von ihm u.a. »Grimms Wörter«, der Gedichtband »Eintagsfliegen« und die illustrierte Jubiläumsausgabe seines 1963 erstmals publizierten Romans »Hundejahre«.Jörg-Dieter Kogel, geboren 1950 in Aachen, studierte Germanistik, Philosophie und Geschichte in Köln. Er begann 1983 im Hörfunk bei Radio Bremen zu arbeiten. Von 2003 bis 2016 war er Programmleiter des Nordwestradios von Radio Bremen und dem NDR.
Rezensionen
»Grass liest, wie er schreibt, entfaltet Satz für Satz seine präzise Sprachkraft von mitreißender Wucht.« Süddeutsche Zeitung »Nur ein von Grass gelesener Grass ist ein echter Grass.« DIE WELT

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 27.04.1995

Mit Fontane in der Stasizentrale
Günter Grass liest zum ersten Mal öffentlich aus seinem neuen Roman "Ein weites Feld"

Der große Saal im Jüdischen Gemeindezentrum war ausverkauft, wie immer bei den Veranstaltungen des Literaturforums. Doch diesmal war die Erwartung des Publikums größer, es war spannender als sonst - schon vor Beginn. Kameraleute hielten sich bereit, die Fotografen stürzten sich auf Günter Grass, als er zusammen mit seinem Kritiker und Lobredner endlich erschien. Auch Marcel Reich-Ranicki merkte man, wie dem berühmten Autor, das Lampenfieber an, als er dann die erste öffentliche Lesung aus dem neuen Roman "Ein weites Feld" bedeutungsvoll am Pult vorbereitete. Er erwarte die Lesung mit Freude und mit Unruhe. Nicht nur Grass werde sich an diesen Tag noch lange erinnern, denn er sei sicher einer der wichtigsten im Leben des Autors. Eines anderen, vergleichbaren Höhepunkts im Leben des großen Schriftstellers wollte Reich-Ranicki auch gedenken: Im Herbst 1958 sei es gewesen, als Grass nach seiner Lesung aus dem "Blechtrommel"-Manuskript den Preis der Gruppe 47 zugesprochen bekommen habe.

Als grimmigen Idylliker, als Heimatdichter stellte Reich-Ranicki den Schriftsteller vor. Er lobte den Sprachrhythmus, die literarische Sinnlichkeit, auch die (unterschätzte) Grasssche Lyrik, die unberechenbare, die nicht für den Feiertag sei, sondern für den Alltag - nach dem Motto "Alles Schöne ist schief". Auch damit schon hinführend zum neuen Roman, sprach Reich-Ranicki über die Juden im Romanwerk dieses Autors; ohne Larmoyanz, ohne Sentimentalität füge Grass sie in seinen deutschen Erzählkosmos ein.

Die Kapitel drei und vier des "Weiten Feldes", aus denen Grass dann etwa 90 Minuten lang las, beherbergen ebenfalls viele deutsche Juden - der bekannteste unter ihnen ist der Maler Max Liebermann, der im Jahre 1896 den Romandichter Theodor Fontane im berühmten Bild festhielt. Der neue Roman, dicker als die "Blechtrommel", leiht sich schon den Titel von Fontane. Ein weites Feld sind diese 37 Kapitel (nicht 47, wie Grass irrtümlich angab), unterteilt in fünf Bücher. Und ein weites Feld ist die deutsche Geschichte in 150 Jahren, die beackert werden. Die deutsche Einheit, für die im 19. Jahrhundert schon drei Kriege nötig gewesen seien, ist die historische Folie, auf der sich dieser Berlin-Roman abspielt. Oberflächlich ist es die Zeit vom Herbst 1989 bis zum Herbst 1991. Im Roman-Untergrund wächst ein Wurzelwerk der Beziehungen, Erinnerungen, Anspielungen.

Die beiden Hauptfiguren, der eine des anderen "Tag- und Nachtschatten", sind Verkörperungen und Vergeistigungen deutscher Kulturgeschichte. Beide kannten sich schon im Reichsluftfahrtministerium, und sie treffen sich in unterschiedlichen Funktionen im Stasihauptquartier in der Normannenstraße wieder - sinnigerweise im Paternoster, Aktenmappen aus dem Archiv durch die Weltgeschichte mit sich führend. Die deutschen Vexierbilder sind von aufwendiger Unauffälligkeit. Christa Wolf und Anna Seghers werden erwähnt, Uwe Johnson kommt vor, es gibt Hinweise auf die "Blechtrommel".

Fondy, ein Vexierbild Fontanes, denkt 1990 laut am Alexanderplatz: "In Deutschland hat die Einheit immer die Demokratie versaut." Und mit seiner Erkenntnis "Siegen macht dumm" bezieht sich der Erzähler wieder auf seine Fontane-Lektüre und den alten Treibel, der Moral durch Phrasen ersetzt hat. Ein hochartifizielles deutsches Beziehungsgeflecht unter diesem "Weiten Feld"; zur Buchmesse kann es vermessen werden. (Siehe auch Seite 35.) ARND RÜHLE

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