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Die Glühlampe Erfindung eines deutschen Genies? Hans-Christian Rohde geht einem realen Krimi in der Geschichte der Erfindungen nach. In Deutschland wird Heinrich Göbel als der wahre Erfinder eines gebrauchsfertigen elektrischen Glühlichtes angesehen. Der deutsche Auswanderer soll schon vor Thomas A. Edison eine Kohlefaden-Glühlampe konstruiert haben. Doch war Göbel wirklich der Erste, der die Idee einer Glühlampe umgesetzt hat? Zweifel an der Darstellung der Entwicklung durch Göbel kamen schon früh auf. Dennoch wurden die amerikanischen Fachberichte über die Gerichtsverfahren um das Patent auf…mehr

Produktbeschreibung
Die Glühlampe Erfindung eines deutschen Genies? Hans-Christian Rohde geht einem realen Krimi in der Geschichte der Erfindungen nach. In Deutschland wird Heinrich Göbel als der wahre Erfinder eines gebrauchsfertigen elektrischen Glühlichtes angesehen. Der deutsche Auswanderer soll schon vor Thomas A. Edison eine Kohlefaden-Glühlampe konstruiert haben. Doch war Göbel wirklich der Erste, der die Idee einer Glühlampe umgesetzt hat? Zweifel an der Darstellung der Entwicklung durch Göbel kamen schon früh auf. Dennoch wurden die amerikanischen Fachberichte über die Gerichtsverfahren um das Patent auf die Glühlampe in Deutschland so umgebogen, daß in den 1920er Jahren die Göbel-Legende entstehen konnte: Heinrich Göbel, ein Mann von echtem deutschen Geist und Blut, galt nach der Demütigung durch die Niederlage im Ersten Weltkrieg als der wirkliche Erfinder der Glühlampe: Eine Geschichte, die besonders in den Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft gern gehört wurde und bis heute gern gehört wird.
  • Produktdetails
  • Verlag: Zu Klampen Verlag
  • Artikelnr. des Verlages: 30006
  • Seitenzahl: 248
  • Erscheinungstermin: Februar 2007
  • Deutsch
  • Abmessung: 240mm
  • Gewicht: 456g
  • ISBN-13: 9783866740068
  • ISBN-10: 3866740069
  • Artikelnr.: 22496780
Autorenporträt
Rohde, Hans-Christian
Hans-Christian Rohde, Jahrgang 1952, studierte Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaft. Er unterrichtet am Gymnasium in Springe, arbeitet über die Lokalgeschichte und ist Autor einer Studie zur Geschichte der örtlichen Synagogen-Gemeinden: »Wir sind Deutsche mit jüdischer Religion«. Bei zu Klampen veröffentlichte er »Die Göbel-Legende« (2007).
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 20.03.2007

Hartnäckige Legende
Göbel war definitiv nicht der Erfinder der Glühlampe

Man nehme wirtschaftliche Interessen, etwas betrügerische Energie, einen Schuss Hochstapelei und eine Portion verirrter Ideologie - und schon hat man jene Zutaten beisammen, die aus Durchschnittstypen Helden machen können. So geschehen mit Heinrich Göbel, der über mehr als ein Jahrhundert von einem fingerfertigen Bastler mit Hang zur Hochstapelei zum eigentlichen Erfinder der elektrischen Glühlampe erhoben wurde - allen Leistungen Thomas Alva Edisons zum Trotz -, gefeiert vom ZDF in einer Galasendung, geehrt mit Briefmarke der Deutschen Post und in mancher Enzyklopädie schwarz auf weiß nachzulesen.

Alles nur Legende, wie Hans-Christian Rohde in seinem Buch "Die Göbel-Legende" stichhaltig und in umfangreichen Archivrecherchen nachweist. Göbels Geschichte ist rasch erzählt: Der Schlossergeselle mit feinmechanischen Fertigkeiten, 1818 in Springe unweit Hannover geboren, wanderte 1848 nach New York aus und übernahm dort ein Geschäft als Uhrmacher und Juwelier. Erst 1881 hat Göbel erstmals mit Glühlampen zu tun, als Angestellter von American Electric Light. 1882 will Göbel selbst in das boomende Glühlampengeschäft, bastelt in seiner eigenen Werkstatt an Glühlampen und sucht Geldgeber. Damit beginnt der Sündenfall.

Göbel behauptet, er hätte schon 1854 die erste Glühlampe mit Kohlefaden gebaut, 24 Jahre vor Edison - und wäre wohl weiter unbeachtet geblieben, hätten nicht gewiefte Anwälte dreier amerikanischer Unternehmen, von Edison der Patentverletzung beklagt, die "Goebel-Defence" erdacht: Danach sei Edisons Patent hinfällig, da Göbel ja lange vor ihm erfolgreich gewesen sei. Zweifel an Göbels Leistung bestanden zwar schon früh. Doch Autoren in Amerika und später in Deutschland bogen die Geschichte um. In Deutschland fiel die Göbel-Legende - nach der Demütigung des Ersten Weltkriegs - auf fruchtbaren Boden. Und auch die Nazis wussten den deutschen Erfinder, der über den Amerikaner Edison gesiegt hatte, für ihre Sache zu nutzen.

Die Göbel-Legende ist denn auch ein Lehrstück in Sachen ideologischer Verblendung. Ob und wann die Beteiligten irrten oder bewusst fälschten, ist im Einzelfall nicht immer eindeutig zu klären. Fest steht, dass sich die Legende über die Jahrzehnte verselbständigte. Und das Ergebnis dieser Geschichtsklitterung reicht bis in die heutige Zeit. Noch 2004 wurde auf einem VDE-Kongress Heinrich Göbel als der Mensch ausgelobt, "der vor 150 Jahren die Glühlampe erfand".

Doch Hans-Christian Rohde lässt von Göbels Leistung wenig übrig. Seine Indizienbeweise sind erdrückend. Er deckt Widersprüche auf und erklärt, wie sich Fehler über Jahrzehnte durch die Dokumente schleichen, entlarvt persönliche Interessen und bewusste Lügen, bringt Licht in wirtschaftliche und politische Hintergründe, kurz - er macht die Legendenbildungen nachvollziehbar. Die ausführliche Analyse ist gespickt mit Quellenangaben (das Quellen- und Literaturverzeichnis zählt weit über 400 Titel), die Darstellung ist wissenschaftlich fundiert.

Die Stärke von Rohdes Arbeit ist zugleich (unvermeidbare) Schwäche, denn der Wunsch nach Präzision zwingt über weite Strecken zu recht trockener Darstellung. Amüsant und leicht liest sich das Buch nicht. Wer freilich erfahren will, wie historische Umstände aus einem Hochstapler einen Helden generieren, sollte danach greifen.

ULLRICH HNIDA

Die Göbel-Legende. Der Kampf um die Erfindung der Glühlampe. Von Hans-Christian Rohde. Zu Klampen Verlag, Springe, 248 Seiten, 29,80 Euro

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