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This biography offers a portrait of the great Christian thinker and martyr, drawing on writings only recently made accessible - including the correspondence between Bonhoeffer and his teen-age fiance, Maria von Wedemeyer.

Produktbeschreibung
This biography offers a portrait of the great Christian thinker and martyr, drawing on writings only recently made accessible - including the correspondence between Bonhoeffer and his teen-age fiance, Maria von Wedemeyer.
  • Produktdetails
  • Verlag: SPCK Publishing
  • Seitenzahl: 512
  • Erscheinungstermin: 21. August 2014
  • Englisch
  • Abmessung: 233mm x 154mm x 45mm
  • Gewicht: 830g
  • ISBN-13: 9780281073139
  • ISBN-10: 0281073139
  • Artikelnr.: 40764659
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 05.05.2015

Gegen die Verhakenkreuzung des Kreuzes
Der Weg des an sich unpolitischen Glaubenskämpfers Dietrich Bonhoeffer in den Widerstand gegen Hitler

"Es ist unendlich viel leichter, öffentlich und unter Ehren zu leiden als abseits und in Schanden", stellte Dietrich Bonhoeffer, heute vielleicht der weltweit anerkannteste und berühmteste deutsche Theologe, Anfang 1943 anlässlich des zehnten Jahrestags von Hitlers "Machtergreifung" in einem Rundschreiben an seine Freunde fest. Zu diesem Zeitpunkt waren die unbeirrbaren Streiter im Kirchenkampf bereits zu einer kleinen Schar geschrumpft. Im Kampf gegen die Verhakenkreuzung des Kreuzes hatten sie sich aufgerieben. Erst nach 1945 wurde Bonhoeffers Bedeutung entdeckt, denn nun galt er als Zeuge einer unbeugsamen Haltung angesichts des Rassenwahns. Er wurde fast dem Gnadenkonto der Evangelischen Kirche gutgeschrieben, was selbstkritische Schulddiskussionen ehemaliger "Deutscher Christen" erschwerte. Dabei taten sich die Evangelischen Landeskirchen nach 1933 sehr schwer, Bonhoeffers Rigorismus zu teilen, der sich vor allem im Kampf gegen die "Deutschen Christen" niederschlug - gegen "falsche Schwestern und Brüder", die sich gerne als "SA Christi" bezeichneten und zu Komplizen und Mittätern im NS-Staat wurden.

Die Distanzierung der deutschen Nachkriegsgesellschaft von Fragen des Glaubens tat seit den fünfziger Jahren ein Übriges, denn den Kern von Bonhoeffers Theologie zu verstehen fällt einer säkularisierten Gesellschaft nicht leicht. Die Gegenwärtigkeit Christi im "gemeinsamen Leben", die Realisierung mönchischer Ideale des unbedingten Vertrauens, die Entscheidung für eine "Nachfolge" Christi in den Wirrungen und Irrungen der Gegenwart zu begreifen ist in einer protestantischen Gesellschaft, die minimalen sonntäglichen Kirchgang praktiziert, durch Kirchenaustritte von sich reden macht und durch zunehmenden Verzicht auf Trauung und Taufe charakterisiert ist, kaum möglich. Bonhoeffer ging es um letzte Dinge, nicht um den Kirchenbesuch als Zeichen kultureller Differenz.

Vielleicht lag es an diesen Nachkriegsentwicklungen, dass Bonhoeffer als politischer Regimegegner begriffen wurde, der im Kreis um Oster, Dohnanyi und Guttenberg früh die Tötung Hitlers durch einen Anschlag erwogen und angestrebt hatte. Der Theologe wurde oft von seinem Ende her gedeutet, als er - auch um als entschiedener Pazifist dem Wehrdienst zu entgehen - in das "Amt Ausland/Abwehr" unter Admiral Wilhelm Canaris verpflichtet wurde und fortan als eine Art Abwehrmann seinen Dienst tat.

Erst nach dem Ende von Hitlers Herrschaft wandelte sich das Bonhoeffer-Bild. "Von guten Mächten . . . " - nicht mehr als ein Silvester-Gruß -, wurde zum wohl am weitesten verbreiteten Kirchenlied für alle Lebenslagen. Befördert wurde die Anerkennung des in Flossenbürg am 9. April 1945 Hingemordeten nicht zuletzt durch seinen wohl engsten Freund Eberhard Bethge, der Bonhoeffers Texte sammelte, eine erschöpfende Biographie verfasste und die Grundlage für die umfangreiche Werkausgabe schuf, ohne die auch die Biographie des amerikanischen Theologen Charles Marsh nicht hätte entstehen können.

Aufsehen hat die Arbeit von Marsh bisher vor allem durch die Andeutung erregt, Bonhoeffer sei denkbar eng mit Bethge befreundet gewesen, so eng, dass sich bei einem Rezensenten die Vermutung verdichtete, beide seien ein schwules Paar gewesen. Belegen kann Marsh seine Vermutung nicht. Ein gemeinsames Konto ist gewiss kein Beweis, sondern zeugt von einem gewissen Pragmatismus. Zwar gab es immer wieder derartige Gerüchte, auch, weil Bonhoeffer durch die Eleganz seiner Kleidung auffiel, aber niemals wurde diese Unterstellung bestätigt, auch nicht von den späteren Peinigern Bonhoeffers in der Gestapo, die ihm mit Sicherheit gern auch dieses todeswürdige Verbrechen nachgewiesen hätten.

Es wäre schade, wenn die Andeutung dieser engen freundschaftlichen Verbindung zwischen Bethge und Bonhoeffer die Bedeutung dieser neuen Biographie verdunkeln würde. Denn Marsh gelingt es, eine der methodisch sehr schwer zu bewältigenden Forderungen der modernen Widerstandsforschung einzulösen. Denn immer werden Regimegegner nach ihrer Verstrickung in das Regime gefragt. Viel zu selten wollen Historiker wissen, wie es den Gegnern Hitlers gelang, im Zuge ihrer Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit des NS-Staates, mit den sich anbahnenden Übergriffen und Verbrechen, Positionen zu überwinden, die sie zunächst sehr oft mit den Nationalsozialisten geteilt hatten. Dies gilt auch für Bonhoeffer, der im Grunde seines Herzens deutschnational geprägt war, den Versailler Friedensvertrag und die Kriegsschuld ablehnte, gegenüber der Weimarer Republik distanziert war (viel distanzierter als sein Bruder Klaus) und als wissenschaftlicher Theologe einem Lager zugerechnet werden konnte, das ebenfalls nationalistisch dachte und schon vor 1933 wichtige Weichen für die Stärkung des Deutschchristentums stellte. Irritierend wirkten erst seine Kontakte zu Karl Barth; entscheidend aber wurde eine kritische Auseinandersetzung mit der kulturprotestantischen praktischen Seelsorge, die Bonhoeffer kritisierte, weil sie nicht auf eine existentielle Konfrontation mit Glaubensfragen zielte.

Prägend war nach Marsh vor allem die Erfahrung, die Bonhoeffer in den Vereinigten Staaten mit den dortigen Kirchen, vor allem mit der - wie er schrieb - "Negerkirche", sammelte. Bonhoeffer entwickelte seinen offenen Blick für Minderheiten am Rand der Gesellschaft. Dies sensibilisierte ihn für die praktischen Konsequenzen des politischen Antisemitismus und radikalisierte ihn rasch. Aber er dachte theologisch, nicht politisch und auch noch nicht menschenrechtlich, denn, so argumentierte er, die Gemeinde Christi vertrüge keine rassenideologische Differenzierung.

Ausgangspunkt seines späteren unbeirrbaren Widerspruchs war wohl ein ihn schwer belastendes persönliches Versagen, denn Bonhoeffer verzichtete in Abstimmung mit seinen kirchlichen Vorgesetzten darauf, einer dringenden Bitte seiner Zwillingsschwester zu entsprechen und ihren im April 1933 verstorbenen jüdischen Schwiegervater zu beerdigen. Das sei nicht opportun, beschied man Bonhoeffer. Dieses Versagen markierte seinen Wende- und widerstandsgeschichtlichen Ausgangspunkt. Erst jetzt forderte Bonhoeffer, Kirche müsse eben auch dem Rad des Staates in die Speichen "fallen". Nun wurde er zu einer treibenden Kraft im Kirchenkampf, klärte im Ausland auf, nutzte ökumenische Kontakte, engagierte sich in der "Untergrundausbildung" der Bekennenden Kirche und wurde als entschiedener Glaubenskämpfer zunehmend zum Regimegegner, der schließlich "ohne Deckung" (Bethge) arbeitete.

Wenn man konservativen Widerständlern in Verwaltung und Militär vorwirft, in der Verfolgung der Juden kein entscheidendes Motiv für ihr Handeln gefunden zu haben, so überrascht, wie wenig Bonhoeffer sich auf die politische Verfolgung Andersdenkender - von Intellektuellen, Sozialisten, Kommunisten - des Regimes bezog. An Informationen fehlte es mit Sicherheit nicht. Denn sein Vater Karl Bonhoeffer war psychiatrischer Gutachter im Strafverfahren gegen Marinus van der Lubbe, der seine Beteiligung am Reichstagsbrand mit dem Leben bezahlte. Politisch scheint Bonhoeffer erstaunlich unbedarft. Die Wehrpflicht nahm er zum Anlass, über Grundfragen des Pazifismus zu diskutieren, und fast gleichzeitig erlag er völlig dem Flitter und dem propagandistischen Glanz der Olympiade von 1936.

Vielleicht liegt hier der Schlüssel für den bewegenden Satz, den er "nach zehn Jahren", wenige Monate vor seiner Verhaftung wegen angeblicher Beteiligung an einer Devisenschieberei, niederschrieb: "Nichts von dem, was wir im anderen verachten, ist uns selbst ganz fremd." Zugleich beklagte er, in der Auseinandersetzung um die wahre Kirche hätten seine Mitstreiter die Kunst der Verstellung und der Lüge gelernt. Sie seien gleichsam "mit allen Wassern gewaschen". Selbstgerecht, das wird deutlich, war Bonhoeffer zu keiner Zeit. Und deshalb konnte er sich und seine Freunde fragen: "Sind wir noch brauchbar?"

PETER STEINBACH.

Charles Marsh: Dietrich Bonhoeffer. Der verklärte Fremde. Eine Biografie. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2015. 592 S. 29,99 [Euro].

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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 24.03.2015

Der fremde
Märtyrer
Neues aus dem Leben Dietrich Bonhoeffers
Es gibt kein Grab von Dietrich Bonhoeffer. Vielleicht haben ihn seine Mörder verbrannt, vielleicht war sein Körper auch Teil jenes Leichenbergs, auf den die amerikanischen Soldaten stießen, als sie das Konzentrationslager Flossenbürg befreiten. So wurden die Zelle, in der er seine letzten Tage lebte, und der Hinrichtungsplatz zur Stätte seines Gedenkens in Flossenbürg, wo er am 9. April auf den Befehl Adolf Hitlers erhängt wurde. Heute wird Bonhoeffer als Märtyrer verehrt. Sein Gedicht „Von guten Mächten wunderbar geborgen“, verfasst Weihnachten 1944 im Angesicht des Todes, rührt Gläubige und Zweifler. Doch noch 1953 weigerte sich der bayerische Landesbischof Hans Meiser, an einem Gedenkgottesdienst für ihn teilzunehmen – der Mann sei als politischer Widerständler und Verräter gestorben.
  Siebzig Jahre ist es nun her, da Dietrich Bonhoeffer ermordet wurde. Unter den Publikationen zum Jahrestag ragt die Biografie von Charles Marsh hervor, dem Theologieprofessor an der Universität von Virginia. Marsh lehrte 2007 als Dietrich-Bonhoeffer-Gastprofessor in Berlin und erhielt dort Zugang zu den Bonhoeffer-Archiven, unter anderem zu 25 Kartons aus dem Nachlass von Bonhoeffers Freund Eberhard Bethge, in denen er Briefe, Tagebücher, Fotos und Unterlagen fand. Dies ließ, wie Marsh schreibt, „einen faszinierend anderen Charakter zutage treten als jenen, den ich seit meiner philosophischen Doktorarbeit über Bonhoeffer vor Augen hatte“. Die Idee zur Biografie war geboren.
  Marshs Buch ist eine detailreiche und anschauliche Lebensbeschreibung des hochbegabten Großbürgersprösslings und Dandys, der Schritt um Schritt zu einem der Köpfe der „Bekennenden Kirche“ und dann auch zum Unterstützer des politischen Widerstands wird.
  Dietrich wird 1906 in die Familie des angesehenen Psychiaters und Neurologen Karl Bonhoeffer geboren; in Berlin-Dahlem lebt er Villa an Villa mit den Geistesgrößen Deutschlands. Sehr religiös ist die Familie nicht, und doch beschließt Friedrich, Theologe zu werden, zum Schrecken der Eltern und zum Spott der Brüder. Mit 21 Jahren ist er promoviert, mit 24 habilitiert, er lässt sich von Adolf von Harnacks liberaler Theologie beeinflussen und dann von Karl Barths Gedanken, dass Gott der „ganz Andere“ sei. Doch er bleibt ein Fremder im Universitätsbetrieb, geht lieber nach Rom und Barcelona, bestens mit Geld und feiner Kleidung ausgestattet.
  Das Studienjahr in New York nach der Habilitation verändert ihn. Er lernt die schwarzen Kirchen Harlems kennen und die „Social Gospel“-Theologie; er lehnt deren radikale Politisierung ab, interessiert sich aber zunehmend fürs Soziale und den Pazifismus. Nach einem Zwischenspiel an der Uni und als glückloser Hochschulpfarrer arbeitet er mit Konfirmanden der Zionskirche im Arbeiterviertel Berlin-Mitte. Die Machtübernahme der Nazis empfindet er als Unglück, er schreibt und predigt gegen das Führerprinzip und gegen die Judendiskriminierung, von nun an lebt er in Gefahr. Nach einem Zwischenspiel in London übernimmt er das Predigerseminar der Bekennenden Kirche in Finkenwalde, wo er eine Lebensgemeinschaft junger Theologen aufbaut. Der Christ, schreibt er in seinem Buch „Nachfolge“, soll nicht nur das Evangelium verkünden. Er soll Christus nachfolgen, egal, welche Kosten das hat.
  Er meint das ernst, die Zeit des Davonlaufens ist vorbei. Bonhoeffer hätte in den USA bleiben können, wohin er noch einmal gereist ist. Er aber geht zurück, schließt sich der Widerstandgruppe um den Spionage-Abwehrchef Wilhelm Canaris an. Am 5. April 1943 wird Bonhoeffer verhaftet, vor allem, weil er einer Gruppe von sieben Juden beim Grenzübertritt in die Schweiz geholfen haben soll. Im Herbst 1944 findet die Gestapo Unterlagen, die Bonhoeffers konspirative Arbeit belegen. Seitdem weiß er, dass er dem Tod entgegengeht.
  Marsh porträtiert Bonhoeffer als suchenden, zweifelnden, zunächst wenig gefestigten Menschen, der Schritt für Schritt zum todesmutigen Nazigegner wird. Dabei bleibt er immer der Fremde, der Andere: Selbst im Predigerseminar Finkenwalde verstört er seine Schüler mit seinem radikalen Pazifismus.
  Zwei Schwächen hat das lesenswerte Buch: Im Bemühen, Bonhoeffer als den Fremden – und damit auch Einzigartigen – zu beschreiben, wirkt seine Darstellung manchmal, als habe es sonst fast gar keine kirchliche Gegnerschaft gegen Hitler gegeben. Tatsächlich war Bonhoeffers radikale Gegnerschaft zum NS-Regime eine Minderheitenposition in der Bekennenden Kirche. Und dennoch: Es gab evangelische Pfarrer, die Juden retteten, wie die württembergische „Pfarrhauskette“; es gab katholische Geistliche, die ihr Leben ließen, wie etwa der Berliner Domprobst Bernhard Lichtenberg. Dies alles nicht zu erwähnen wird der Sache nicht gerecht.
  Nicht so recht überzeugen auch die Mutmaßungen über Bonhoeffers sexuelle Orientierung: War der große Märtyrer schwul? Marsh legt es nahe, gestützt durch seine Funde aus dem Nachlass Bethges. Eberhard Bethge trifft Bonhoeffer in Finkenwalde, die beiden werden Freunde. Sie fahren gemeinsam in Urlaub – als Bethge einmal zwei Mitreisende anschleppt, reagiert Bonhoeffer eifersüchtig; die beiden führen gar ein gemeinsames Konto. Bonhoeffers Verlobte Maria von Wedemeyer erscheint dagegen als unbedarftes Mädchen, in das sich Bonhoeffer verliebt, nachdem sich auch sein Freund Bethge verlobt hat. Bonhoeffer schreibt Maria rührende Briefe aus dem Gefängnis – Eberhard bleibt jedoch sein wahrer Seelenverwandter.
  Das kann man so sehen – es gibt Briefe, in denen Bonhoeffer die Ehe als Pflicht beschreibt und ihr die freie, weite Freundschaft entgegensetzt. Es gibt aber auch Briefe, in denen er sich auf die Verbindung mit Maria freut, Sex inklusive. Vielleicht war die Emphase für Bethge nur das, was damals in männerbündischen Gruppen an Freundschaftspathos gepflegt wurde.
  Andererseits – was würde sich am Erbe Bonhoeffers ändern, wenn er schwul gewesen wäre?
MATTHIAS DROBINSKI
Charles Marsh: Dietrich Bonhoeffer. Der verklärte Fremde. Gütersloher Verlagshaus, 2015. 592 Seiten, 29,99 Euro.
War der große Theologe schwul?
Marsh legt das nahe.
Doch seine Belege sind dünn
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