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A deeply honest investigation of what it means to be a woman and a commodity from Emily Ratajkowski, the archetypal, multi-hyphenate celebrity of our time.

Produktbeschreibung
A deeply honest investigation of what it means to be a woman and a commodity from Emily Ratajkowski, the archetypal, multi-hyphenate celebrity of our time.
Autorenporträt
Emily Ratajkowski is a model, actress, activist, entrepreneur, and writer. She has starred in David Fincher's Gone Girl, among other films. Ratajkowski has also appeared on the covers of multiple magazines and walked the runway for numerous high fashion brands. Her 2020 essay for New York magazine, "Buying Myself Back," garnered over one million views within twenty-four hours, was hailed as a landmark, and was the magazine's most-read piece of the year. My Body is her first book.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 04.12.2021

Mein heißt mein
Das Model Emily Ratajkowski ist bekannt
für freizügige Bilder. Nun hat sie ein Buch veröffentlicht,
in dem sie die Frage stellt: Bin ich nicht mehr als
ein wohlgeformter Körper?
VON JULIA ROTHHAAS
Das Batikshirt hat sie nach oben geschoben, das Baby liegt ruhig in ihren Armen, sie stillt ihren Sohn. Ein rührendes, völlig normales Bild, das Emily Ratajkowski Mitte April auf Instagram veröffentlicht. Die Kommentare dazu aber verdeutlichen, in welchem Dilemma die 30-Jährige steckt, nämlich irgendwo zwischen „Schäm dich“ und „Geile Titten“, zwischen „Was für ein billiger Vorwand, um sich wieder oben ohne zu zeigen!“ und „Was für ein Glückspilz, der Kleine!“. Einmal nackt, immer nackt?
Man muss auf Ratajkowskis Instagram-Profil nicht lange suchen, um etwas Haut zu entdecken. Überall Po, Bauch, Bein und ein paar wenige Finger über der Brustwarze – es scheint, als sei das US-Model vor allem eins: nackt. Selbst wenn sie mehr trägt als nur einen Tanga, regnet es für ihre Kleiderwahl „Sexy/Hot/Omg“ in der Kommentarspalte. Für ihren makellosen Körper und die prallen Schmolllippen ist Emily Ratajkowksi bekannt geworden; sie arbeitet als Model, seit sie 14 Jahre alt ist.
Der Durchbruch gelingt ihr 2013, als sie in dem Musikvideo zu „Blurred Lines“ von Robin Thicke auftaucht. In der „Nude Version“ (es gibt noch eine Variante mit einem Hauch von Kleidung) tanzen Ratajkowski und zwei weitere Models nackig durchs Bild, während ihnen drei singende Männer in Anzügen dabei zusehen. Nach diesem Auftritt bekommt sie einen Auftrag nach dem nächsten und wird für internationale Kampagnen und Magazine gebucht. Als Schauspielerin ist sie unter anderem in „Gone Girl“ von David Fincher zu sehen.
Die junge Frau genießt ihren Ruhm und verdient bald mehr, als ihre Eltern es in ihrem Leben je tun werden (eine Lehrerin und ein Künstler). Aber sie hadert auch mit den Schattenseiten. Darf man sie ungefragt angrapschen, wie es ihr etwa beim Videodreh zu „Blurred Lines“ passiert, weil sie ja eh schon nackt vor der Kamera steht? Was gehört eigentlich zum „Auftrag“, wenn man einen Filmproduzenten für 25 000 US-Dollar zum Superbowl begleiten soll? Und darf man sich beschweren, wenn private Nacktfotos im Internet veröffentlicht werden und man die ganze Zeit kaum bekleidet im Netz zu sehen ist?
Mit diesen Fragen hat sich Emily Ratajkowski nun öffentlich auseinandergesetzt und eine Sammlung von Essays als Buch herausgebracht, das passenderweise „My Body“ heißt. Das „my“ zum Körper ist kein Zufall, schließlich ist beim Lesen manchmal nicht ganz klar, wie viel ihr von ihrem Körper wirklich gehört, etwa wenn explizite Fotos in erfolgreichen Bildbänden erscheinen, auf dem sogar ihr Name steht, die sie selbst aber nie freigegeben hat.
Ihre Geschichten erzählen von den Widersprüchen, als Sexsymbol und Männertraum zu gelten, vom Zaudern des Wahrgenommen- und Ernstgenommenwerdens. „Für mich war Schönheit lange eine Möglichkeit, etwas Besonderes zu sein“, schreibt sie. Schon als Kind habe sie gebetet: „Lieber Gott, mach, dass ich die Schönste bin.“ Das Beten scheint geholfen zu haben. Von allen Seiten hört die kleine Emily, wie gut sie aussieht.
Dass andere sie für ihr Aussehen nicht nur bewundern, sondern auch mobben, erfährt Ratajkowski dann ebenfalls. Als sie in einem Theaterstück ihrer Schule auftritt, bekommt die Familie im Anschluss Besuch von Bekannten. Ob sie denn ahnen, wie viel Sorgen man sich um Emily mache? Wegen der Männer im Publikum? Mit 13 Jahren wird sie von einem Schultanz nach Hause geschickt, weil sie zu sexy gekleidet sein soll. Nur ein Jahr später bekommt sie ihren ersten Model-Job.
Mit diesen Erfahrungen stolpert die junge Frau in eine Branche, in der sich niemand beschwert, wenn sie sich freizügig kleidet, in der sie aber auch keine Vorbilder für eine selbstbestimmte Karriere findet. Dafür muss sie bald lernen, wie man sich wehrt. Unerwünschtes Angefasstwerden kichert sie zunächst weg, sexuelle Übergriffe von Fotografen schiebt sie für Jahre tief in ihr Inneres. Den ersten Aufschrei notiert sie 2017 in Lena Dunhams Newsletter „Lenny“. Sie sei es leid, sich für die Art und Weise, wie sie sich in der Öffentlichkeit präsentiert, zu entschuldigen. „Für mich ist „sexy“ etwas Schönes, ein Stück Selbstdarstellung, eine, die gefeiert gehört, weil sie wunderbar weiblich ist. Woher kommt also die Annahme, dass Sex etwas ist, das Männer Frauen wegnehmen?“
Das Posieren vor der Kamera macht Ratajkowski Spaß, auch unbekleidet. Am liebsten sei sie ohnehin nackt, schreibt sie in ihrem Buch, deswegen habe sie sich nie geschämt, sich vor anderen auszuziehen. Wie sie sich zeigt, sei schließlich ihre freie Entscheidung. „Mein Körper ist nur Zierde, ein Werkzeug.“ Anfassen gegen ihren Willen gehört allerdings nie zum Deal. Das verstehen nicht alle. Gestärkt fühlt sie sich von der „Me Too“-Debatte, die Aufmerksamkeit auch auf Abhängigkeiten in der Modebranche lenkt.
Doch mit der Zeit kommen ihr Zweifel, ob sie uneingeschränkt stolz auf ihre Karriere sein kann, die es nur gibt, weil andere sie „geil“ finden. „Egal welchen Einfluss oder Status ich mir erarbeiten konnte: Mir ist das nur gelungen, weil ich irgendwelchen Typen gefalle.“ Ihr sei dabei durchaus klar, was für ein absurdes Produkt des Internetzeitalters sie ist, wenn sie ihren Wert in der Welt daran misst, wie viele Menschen ihr Foto mit einem Like versehen haben. „Wenn ich ein Foto von meinem Hintern auf Instagram poste, kann ich nicht die Dreistigkeit haben, mich darüber zu beschweren, dass mich niemand ernst nimmt. Das ist Heuchelei!“ Gleichzeitig solle es doch möglich sein, Bikinis zu verkaufen und dennoch nicht nur als „piece of ass“ wahrgenommen zu werden. Oder ein Foto beim Stillen ihres Kindes zu zeigen, ohne schmierige Kommentare und Beschimpfungen.
Auf diesen Zwiespalt findet Ratajkowski keine finale Antwort in ihren Essays, vielleicht muss sie das auch gar nicht. Zugleich darf man sich fragen, ob nicht jetzt ein guter Zeitpunkt wäre, selbst als Vorbild für andere zu fungieren – jemand, nach dem sie sich als junges Model gesehnt hätte, irgendwo zwischen „Ich muss Geld verdienen“ und „Ich bin viel mehr als ein Männertraum“. Dazu gehört aber auch, ihren 28,6 Millionen Followern ab und an mehr anzubieten als nackte Haut. Das Buch ist da ein guter Anfang.
„Alle Frauen werden zu einem gewissen Grad als Objekt sexualisiert, also beschloss ich, das zu meinen Bedingungen zu tun“, schreibt Ratajkowski. „Damals dachte ich, dass ich die Macht dazu hätte.“ Heute ist sie sich da nicht mehr so sicher.
Das Musikvideo zu
„Blurred Lines“ von Robin
Thicke ist ihr Durchbruch
Ob sie ihren 28,6 Millionen
Followern künftig mehr anbietet
als nackte Haut?
Ein Traum in Knallrot: Emily Ratajkowski, Model und
Schauspielerin, bei
der Met Gala in
New York im Herbst 2021.
Foto: angela weiss/AFP
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