Lenin the Dictator - Sebestyen, Victor
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'A fresh, powerful portrait of Lenin' Anne Applebaum, author of Red Famine 'Richly readable ... An enthralling but appalling story' Francis Wheen, author of Karl Marx The cold, one-dimensional figure of Lenin the political fanatic is only a partial truth. Drawing on extensive material that has only recently become available, Sebestyen's gripping biography casts an intriguing new light on the character behind the politics. In reality, Lenin was a man who loved nature as much as he loved making revolution, and his closest relationships were with women. He built a state based on terror. But he…mehr

Produktbeschreibung
'A fresh, powerful portrait of Lenin' Anne Applebaum, author of Red Famine 'Richly readable ... An enthralling but appalling story' Francis Wheen, author of Karl Marx The cold, one-dimensional figure of Lenin the political fanatic is only a partial truth. Drawing on extensive material that has only recently become available, Sebestyen's gripping biography casts an intriguing new light on the character behind the politics. In reality, Lenin was a man who loved nature as much as he loved making revolution, and his closest relationships were with women. He built a state based on terror. But he was a highly emotional man given to furious rages and deep passions. While never ignoring the politics, Sebestyen examines Lenin's inner life, his relationship with his wife and his long love affair with Inessa Armand, the most romantic and beguiling of Bolsheviks. These two women were as significant as the men - Stalin or Trotsky - who created the world's first Communist state with him.
  • Produktdetails
  • Verlag: Orion Publishing Group; Weidenfeld & Nicolson
  • Artikelnr. des Verlages: .513176
  • Seitenzahl: 592
  • Erscheinungstermin: 26. Juli 2018
  • Englisch
  • Abmessung: 198mm x 126mm x 40mm
  • Gewicht: 462g
  • ISBN-13: 9781474601054
  • ISBN-10: 1474601057
  • Artikelnr.: 52018784
Autorenporträt
Sebestyen, Victor
Victor Sebestyen is the acclaimed author of TWELVE DAYS (W&N, 2006), REVOLUTION 1989 (W&N, 2009) and 1946 (Macmillan, 2014). He was born in Budapest. He was a child when his family left Hungary as refugees. As a journalist, he has worked for numerous British newspapers, including the EVENING STANDARD, DAILY MAIL and THE TIMES. He reported widely from Eastern Europe when Communism collapsed and the Berlin Wall came down in 1989. He covered the wars in former Yugoslavia and the breakup of the Soviet Union. At the EVENING STANDARD he was foreign editor, media editor and chief leader writer. He is an associate editor of NEWSWEEK.
Rezensionen
An excellent, original and compelling portrait of Lenin as man and leader Simon Sebag Montefiore, author of STALIN: THE COURT OF THE RED TSAR
Besprechung von 21.11.2017
Maßlose Gewalt gegen jedermann
Über Lenin schreibt Victor Sebestyen, was andere Biographen schon längst erzählt haben

Wladimir Iljitsch Uljanow, der sich Lenin nannte, war ein großer Zerstörer, ein Mann der Tat, der nicht warten wollte, bis die Geschichte ihr letztes Wort gesprochen hatte. Lenin sah sich nicht als Vollstrecker, sondern als Motor der Geschichte, er war ein Mann des unbedingten Willens, mit Rücksichtslosigkeit aus der Welt zu schaffen, was nicht in sie hinein zugehören schien. Richtig erschien ihm deshalb einzig und allein, was er als Wahrheit erkannt hatte. Für den Kompromiss war Lenin nicht gemacht.

Über den Politiker und Tatmenschen gäbe es tatsächlich noch manches zu erzählen, was den Biographen der Vergangenheit verborgen geblieben ist. Victor Sebestyen aber will vor seinen Lesern nur noch einmal ausbreiten, was andere schon erzählt haben. Lenins beschauliche Kindheit, der Weg des jungen Studenten der Rechte in den revolutionären Untergrund, die ersten Auseinandersetzungen mit der Staatsmacht, Verbannung und Exil - all das wird im plauderhaften Ton vorgetragen, ohne dass dem Leser erklärt wird, wozu er all das wissen muss. Lenin war ein Pedant und Freund geordneter Verhältnisse, ein Mann von bürgerlichem Geschmack, aber er war auch ein Fanatiker, dessen Streitsucht seinesgleichen suchte. Es gab keinen Revolutionär, den er mit seinen Tiraden nicht vor den Kopf stieß, keine Theorie, die er nicht sofort aufgab, wenn sie keinen Erfolg versprach.

Lenin konnte sich von Anschauungen, an denen andere aus Prinzip festhielten, sofort trennen, sobald er erkannt hatte, dass sie ihm im Weg standen. Lenin verachtete Arbeiter und Bauern, Trunksucht und den russischen Schlendrian, und er glaubte, dass nur eine autoritäre Diktatur den Untertanen geben könne, wonach sie eigentlich verlangten: nach Disziplin und Führung. Und es verstand sich für ihn von selbst, dass niemand außer ihm selbst dazu berufen sei, zu befehlen und zu führen. Wer sich ihm widersetzte, musste wüste Beschimpfungen über sich ergehen lassen. Am Ende wundert man sich, dass es überhaupt noch Revolutionäre gab, mit denen er sich nicht überworfen hatte. Wer hätte Lenin schon gern zum Freund gehabt?

Er richtete sich ab für den Tag der großen Abrechnung. Verbrecher seien nützlich, weil sie Verbrecher seien, so hat er über die Bankräuber geurteilt, die für die bolschewistische Partei Geld stahlen. Die Appassionata, die er so gern hörte, mache ihn weich und milde, so hat er einmal bekannt. Man möchte die Köpfe der Menschen streicheln, wenngleich es doch darauf ankomme, auf sie einzuschlagen. Der Revolutionär müsse sich abhärten, auch hart gegen sich selbst sein, wenn er Erfolg haben wolle. Sebestyen erzählt davon, aber man erfährt nicht, was er mit dieser aufschlussreichen Erzählung, die doch manches erklären könnte, eigentlich bezwecken will.

Diese Schwäche des Textes wird vor allem im letzten Teil des Buches offensichtlich, in dem Sebestyen von der Machtergreifung der Bolschewiki erzählt, aber nicht erklärt, warum sie erfolgreich war. Denn es sprach im Sommer 1917 nichts für einen Sieg der Leninschen Partei. Lenin war zweifellos ein autoritärer, humorloser und fanatischer Mann, der für den Kompromiss nicht zu gebrauchen war. Er konnte es nicht ertragen, wenn andere als er selbst letzte Entscheidungen trafen. Man mag darin eine Charakterschwäche sehen. Zugleich aber war diese Schwäche Lenins größte Stärke. Seine Hand zitterte nicht, er spielte va banque und setzte stets alles auf eine Karte, und stets ging er als Sieger aus selbst inszenierten Konflikten hervor.

Es hätte ohne Lenin, den Tatmenschen und skrupellosen Machtstrategen, der ideologische Fragen immer den Erwägungen der Nützlichkeit unterordnete, keine Oktoberrevolution gegeben. "In sechs Monaten baumeln wir am Galgen, oder wir sind an der Macht", so soll Lenin zu Karl Radek gesagt haben, als sie im April 1917 in Schaffhausen den Zug bestiegen, der sie nach Russland zurückbringen sollte. Ein Schlüsselsatz, den Sebestyen zwar zitiert, aus dem aber nichts folgt. Hier hätte der Biograph innehalten und dem Leser erklären müssen, warum nicht die politischen Überzeugungen, sondern die politischen Strategien Lenins über Sieg und Niederlage entschieden.

Lenin wurde von allen unterschätzt, niemand nahm ihn ernst, als er im April 1917 nach Russland zurückkehrte. Alexander Kerenski, der Ministerpräsident der Provisorischen Regierung, hielt ihn zwar zu Recht für einen Apologeten der Despotie, aber er hielt es nicht für möglich, dass diese Despotie Wirklichkeit werden könnte. Lenin setzte sich über alle Bedenken hinweg, er ergriff die Flucht nach vorn, und als er im Oktober 1917 mit dem Rücken zur Wand stand, scharte sich seine Gefolgschaft um ihn. Gewalt und Terror bestimmten seither den Charakter der bolschewistischen Herrschaft. Der Erfolg gab Lenin recht. Die Diktatur lebte vom Ausnahmezustand, den die Bolschewiki über Russland verhängt hatten. Mehr als einmal standen die Revolutionäre am Abgrund. Sie gewannen, weil der Revolutionsführer keinerlei Skrupel hatte, maßlose Gewalt gegen jedermann auszuüben. Der verständige Leser muss all das aus dem Text herauslesen, weil Sebestyen nicht interpretiert, sondern nur erzählt, was er anderenorts gelesen hat.

Lenin lebte für die Revolution. Alles andere war ihm einerlei. Warum also sollen wir uns für Lenins Beziehungen zu seiner Mutter, zu seiner Frau, Nadjeschda Krupskaja, und seiner Geliebten, Inessa Armand, interessieren, wenn sie uns nicht auch etwas über die Revolution verraten? Sebestyen schreibt, Lenin habe besonders enge Beziehungen zu Frauen unterhalten. Woher er das weiß? Er hat es in den Memoiren Nadjeschda Krupskajas gelesen, die zum Kanon bolschewistischer Verehrungsliteratur gehören. Warum dieses Wissen für die Biographie des Revolutionsführers von Belang ist, erfahren wir nicht.

Überhaupt teilt Sebestyen nur mit, was er in den Büchern anderer Historiker über Lenin in Erfahrung gebracht hat. Es gibt keine Geschichte, die nicht auch schon von Orlando Figes, Robert Service, Ronald Clark und Louis Fischer erzählt worden wäre, bei denen sich Sebestyen großzügig bedient. Eine eigene Interpretation trägt er den Lesern nicht vor. Stattdessen zitiert er aus den Memoiren von Leo Trotzki, Nikolai Suchanow, Clara Zetkin und Nadjeschda Krupskaja - als seien sie Wahrheitsquellen, an die keine Fragen gestellt werden müssten.

Menschen sind mit anderen Menschen in der Welt, sie machen ihre Lebensgeschichte, und sie sind Produkt ihrer Lebensgeschichte. Davon weiß Sebestyen offenbar wenig, weil er darauf verzichtet, den kulturellen Ort zu beschreiben, an dem Lenin sich aufhielt. Und wenn dann doch einmal der Kontext ins Spiel gebracht wird, regiert das Klischee. Russland, Land der Despoten und Unterdrücker. Lenin hätte an diesen Vereinfachungen einen Gefallen gefunden. Intelligente Leser aber sollten sich mit solchen Stereotypen nicht zufriedengeben. Sebestyen ist ein Plauderer, der seine Leser gut unterhält, ihnen aber nichts Neues mitzuteilen hat. Er hat ein Buch geschrieben, das niemanden stört, das aber auch niemand braucht.

JÖRG BABEROWSKI

Victor Sebestyen: Lenin. Ein Leben. Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2017. 701 S., 29,95 [Euro].

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