Krisenintervention und Existenzsicherung im Rahmen rechtlicher Betreuung (eBook, PDF) - Herzog, Uta
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Inhaltsangabe:Eine Besprechung von Uta Herzogs Publikation findet sich hier: http://www.utaherzog.de/html/publikationen.html Einleitung: Sozialarbeit ist Arbeit mit Menschen, deren Lebenslagen gekennzeichnet sind durch Armut, Krankheit, stigmatisierte Verhaltensweisen sowie geringe soziale Teilhabe und geringe gesellschaftliche Einflussnahme. Sie richtet sich an Menschen, die ohne fremde Hilfe ihre Lebensprobleme nicht bewältigen können. Funktionen der Sozialarbeit sind die Erschließung von Ressourcen zur Befriedigung der Grundbedürfnisse, die zur Erhaltung und zur Entfaltung des Menschen…mehr

Produktbeschreibung
Inhaltsangabe:Eine Besprechung von Uta Herzogs Publikation findet sich hier: http://www.utaherzog.de/html/publikationen.html Einleitung: Sozialarbeit ist Arbeit mit Menschen, deren Lebenslagen gekennzeichnet sind durch Armut, Krankheit, stigmatisierte Verhaltensweisen sowie geringe soziale Teilhabe und geringe gesellschaftliche Einflussnahme. Sie richtet sich an Menschen, die ohne fremde Hilfe ihre Lebensprobleme nicht bewältigen können. Funktionen der Sozialarbeit sind die Erschließung von Ressourcen zur Befriedigung der Grundbedürfnisse, die zur Erhaltung und zur Entfaltung des Menschen erfüllt sein müssen, der Schutz der Menschen vor sie verletzenden Aktionen und die Förderung von Lernprozessen im Hinblick auf individuelle und kulturelle Orientierungs- und Handlungsmuster, die Menschen zu problemlösenden Verhalten bewegen. In dieser Arbeit geht es um psychisch kranke Menschen, deren Krankheitsausprägung schwer und bereits manifestiert ist. Verbunden ist dies häufig mit fehlender Compliance und Behandlungsmotivation, vielfach mit Realitätsverlust. Durch die seelische Not und deren Folgen reichen die Kompetenzen der Betroffenen nicht mehr aus, ihren Alltag zu bewältigen; folglich ist die selbstbestimmte Lebenspraxis dieser Menschen zusammengebrochen. Auf der Strecke bleiben die Gesundheit, Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, existentielle Bedürfnisse wie Nahrung, Wasser, Wärme, ein Dach über dem Kopf. Soziale Beziehungen bestehen kaum noch. Arbeitsfähig sind die meisten schon lange nicht mehr, waren meist auch ¿working poor¿, also Bezieher von Niedrigeinkommen. Ansprüche auf Sozialleistungen werden nicht oder nur unzureichend wahrgenommen. Somit sind die Betroffenen in besonderem Maße sozial und materiell benachteiligt und belastet. Häufig kumulieren sich die Armuts-Risikofaktoren: Neben der Krankheit bestehen weitere negative Einflüsse, wie etwa Trennung, Alter, Sucht. Menschen am Rande des Existenzminimums sind zudem häufig überschuldet. Viele allein deshalb, um zu überleben. Oder um die Folgen ihrer Erkrankung, etwa bei Sucht, zu finanzieren. Zur psychosozialen Krise kommt nun ein weiterer, erheblicher Belastungsfaktor hinzu. Neben Krankheitserleben, Stigmatisierung und Isolation sind die Betroffenen nun auch dem oft erbarmungslosen Druck der Gläubiger ausgeliefert. Die Grenze des Erträglichen ist dann erreicht, ein ¿abdriften¿ in komorbide Krankheitsformen ist keine Seltenheit, möglich sind auch Delinquenz, oder Suizidalität. Es entsteht eine schwere, existentielle psychosoziale Krise. Ein menschenwürdiges Leben in sozialer Gemeinschaft ist nun nicht mehr möglich. Die Abwärtsspirale ist nicht mehr aufzuhalten. Für den professionellen Helfer steht hier die Existenzsicherung des sich in einer Krise befindlichen Betroffenen im Vordergrund. Diese Kriseninterventionen sind Strategien psychosozialer Hilfen, sind Soforthilfe in menschlichen Ausnahmesituationen, die der Betroffene alleine zu beheben nicht in der Lage ist¿. Interventionen sind in der sozialen Arbeit ¿ein bewusstes, zielgerichtetes Eingreifen in aktuelles Geschehen. Die Einmischung soll Kräfte und Fähigkeiten der Beteiligten für ein alternatives Verhalten mobilisieren und neue Erfahrungen als Voraussetzung als Voraussetzung für eine Problemlösung ermöglichen¿. Sie richten sich nach dem konkreten Einzelfall, sind zunächst meist kurzfristige Interventionen mit der Folge der sofortigen Entlastung und Schadensminimierung für den Betroffenen. Ziel ist die Stabilisierung der Interventionserfolge: Integration in soziale und berufliche Zusammenhänge, wirtschaftliche Entlastung, autonome Lebensgestaltung, kurz: Verbesserung der Lebenslage! Interventionsziele sind grundsätzlich Klienten- und problembezogen zu bestimmen, sind methodisch differenziert und unter Berücksichtigung der Wünsche und Bedürfnisse des Klienten zu bearbeiten. Optimal gelingt die Arbeit in Kooperation mit dem Klienten. Leider lässt die Schwere der Störung dies oft nicht zu. Dann muss der professionelle Helfer die Verantwortung für den Betroffenen übernehmen, stellvertretend für ihn entscheiden und ggf. auch fremdbestimmend agieren, bis der Betroffenen wieder entscheidungsfähig ist. Dies kann er rechtswirksam nur als gesetzlicher Vertreter des Betroffenen. Deshalb kann hier die umfassende Unterstützung durch das Rechtsinstitut der gesetzlichen Betreuung eine reelle Chance sein, die Lebenslage des Betroffenen deutlich zu verbessern. Und ihn als ¿großes Ziel¿ letztlich wieder zu befähigen, in zunehmendem Maße als ¿Experte seines Lebens¿ wieder die Verantwortung für seine Entscheidungen zu treffen- mittels Interventionen, die möglicherweise keine Kriseninterventionen mehr sind! Neben der rechtlichen ist hier eine erhebliche psychosoziale Dimension der Arbeit hervorzuheben, und so ist dieses Arbeitsfeld für Sozialarbeiter und Sozialpädagogen geradezu prädestiniert. Zum Text: Mit der Tätigkeit des rechtlichen Betreuers ist hier immer der Berufsbetreuer gemeint. Der besseren Lesbarkeit wegen wird im gesamten Text auf die weibliche Schreibweise verzichtet. Wenn möglich, werden neutrale Formulierungen verwendet, ansonsten schließt die Benutzung der männlichen Form selbstverständlich die weibliche Form mit ein. Bei den im Text verwendeten Fallbeispielen werden die Aufgabenkreise Gesundheitsfürsorge, Vermögenssorge und Aufenthaltsbestimmungsrecht als angeordnet vorausgesetzt, ggf. ergänzt um weitere erforderliche Aufgabenkreise. Inhaltsverzeichnis:Inhaltsverzeichnis: Inhaltsverzeichnis2 Vorwort9 1.Materielle Grundsicherung als Voraussetzung für ein eigenständiges Leben12 1.1Rechtsgrundlage12 1.2Gesellschaftliche Entwicklungen im Sozialstaat12 1.3Schwachstellen im System14 1.4Der Betreuer als Garant von Sozialleistungsansprüchen16 1.5Einspareffekte im Sozialleistungssystem durch professionelle Betreuung19 2.Rechtliche Betreuung als Handlungsfeld sozialer Arbeit und Instrument der Existenzsicherung20 2.1Definition20 2.2Das Grundgesetz als wichtigste Handlungsnorm des Betreuungsrechts21 2.3Ausgewählte, themenrelevante Aspekte zur rechtlichen Betreuung22 2.3.1Das Wesen rechtlicher Betreuung22 2.3.2Voraussetzungen rechtlicher Betreuung23 2.3.3Orientierung an Wohl und Wille des Betroffenen als ethische Leitlinie25 2.3.3.1Allgemeines Lebensrisiko des Betreuten- Risiko für den Betreuer?29 2.3.4Vom Umgang mit der Macht31 2.3.5Grundsatz persönlicher Betreuung i.V. mit dem 2. BtÄndG34 2.3.6Zwangsmaßnahmen36 2.3.6.1Einwilligungsvorbehalt37 2.3.6.2Zur Zwangsbetreuung39 2.3.6.3Zum Unterbringungsrecht40 2.3.7Rechtliche Aspekte43 2.3.7.1Zivilrechtliche Konsequenzen psychischer Erkrankung43 2.3.7.2Strafrechtliche Konsequenzen psychischer Erkrankung44 2.3.7.3Recht der Heilbehandlung44 2.4Betreuung als Beruf45 2.4.1Voraussetzungen45 2.4.2Anforderungsprofil an den Berufsbetreuer46 2.4.2.1Persönliche Kompetenzen47 2.4.2.2Inhaltliche Qualitätsanforderungen47 2.4.2.3Strukturelle Qualitätsanforderungen47 2.4.3Professionsbegriff48 2.4.3.1Methode des ¿Case-Managements¿49 2.4.3.2Theorie: Lebensweltorientierung52 2.4.3.3Professionsethik56 3.Risikofaktor Armut 58 3.1Die Frage nach den Zusammenhängen58 3.2Definition der Armut59 3.3Ursachen und Auswirkungen59 3.4(Fehl-)entwicklung des Selbstwertgefühls und Kompensationsmöglichkeiten durch Konsum- ausgewählte psychologische und soziologische Ansätze61 3.4.1Psychologische Theorie nach ERIKSON61 3.4.1.1Themenrelevanz und praktische Ableitung63 3.4.2Soziologische Theorie: Prestigeerhöhung durch Konsum63 4.Psychische Erkrankung als Ursache von Armut66 4.1Krankheit als Krise66 4.2Psychische Krankheit: Definition und Entwicklung68 4.3Stigmatisierung- die ¿Zweite Krankheit¿70 4.4Grundsätzliche Aufgaben des Betreuers71 4.4.1Situation des Betroffenen71 4.4.2Aufgaben71 4.4.2.1Kurzfristige Kriseninterventionen73 4.4.2.2Mittelfristige Kriseninterventionen74 4.4.2.3Langfristige Kriseninterventionen75 4.4.3Auswahl besonders relevanter Rechtsnormen zur Krisenintervention und Existenzsicherung77 4.5Typische Betreuungsrelevante Krankheitsbilder, die ein Armutsrisiko beinhalten78 4.5.1Verarmungsrisiken bei Schizophrenie (paranoid-halluzinatorische)80 4.5.1.1Interventionsmöglichkeiten des Betreuers81 4.5.2Verarmungsrisiken bei Depressionen82 4.5.2.1Interventionsmöglichkeiten des Betreuers82 4.5.3Verarmungsrisiken bei Manie83 4.5.3.1Interventionsmöglichkeiten des Betreuers84 4.5.4Verarmungsrisiken bei Alkoholerkrankung84 4.5.4.1Interventionsmöglichkeiten des Betreuers85 4.5.5Verarmungsrisiken bei Borderline-Persönlichkeitsstörung87 4.5.5.1Interventionsmöglichkeiten des Betreuers88 4.5.6Verarmungsrisiken bei Demenz89 4.5.6.1Interventionsmöglichkeiten des Betreuers89 4.6Auswirkungen von Überschuldung auf die Erkrankung91 5.Überschuldung als akute materielle Krise92 5.1Schuldenregulierung als Aufgabe rechtlicher Betreuung?92 5.2Sozialprofil überschuldeter Haushalte93 5.2.1Definition93 5.2.2Einkommensquelle überschuldeter Haushalte94 5.2.3Gläubigerstruktur94 5.2.4Überschuldungsauslöser95 5.3Leben am Limit- Typische Arten von Schulden und Problemstellungen96 5.3.1Überlegungen im Vorfeld96 5.3.2Vorbereitung der Interventionen97 5.3.3Interventionen zum Schutze des Existenzminimums97 5.3.3.1Bankschulden97 5.3.3.1.1Kontopfändung99 5.3.3.1.2Kontosperre99 5.3.3.1.3Kontokündigung99 5.3.3.2Primärschulden100 5.3.3.2.1Energieschulden100 5.3.3.2.2Mietschulden101 5.3.3.2.3Räumungsklage102 5.3.3.2.4Grundschulden103 5.3.3.3Schulden beim Staat104 5.3.3.3.1Schulden bei Behörden104 5.3.3.3.2GEZ105 5.3.3.4Schulden aus Prozesskosten106 5.3.3.4.1Anwaltskosten106 5.3.3.4.2Gerichtskosten107 5.3.3.5Schulden aus Ordnungswidrigkeiten/Strafsachen107 5.3.3.5.1Geldbuße107 5.3.3.5.2Geldstrafe107 5.3.3.5.3Geldauflage108 5.3.3.6Privatrechtliche Schulden108 5.3.3.6.1Kreditschulden108 5.3.3.6.2Versicherungen109 5.3.3.6.3Telefongesellschaften110 5.3.3.7Auswahl spezieller Interventionen111 5.3.3.7.1Erbenhaftung111 5.3.3.7.2Erzwingungshaft111 5.3.3.7.3Abgabe der Eidesstattlichen Versicherung112 6.Falldarstellung: Herr W.113 6.1Biografie113 6.2Situation bei Übernahme der Betreuung114 6.3Vorläufige Betreuungsplanung120 6.3.1Kurzfristige Interventionen120 6.3.1.1Umsetzung der Interventionen121 6.3.2Mittelfristige Interventionen126 6.3.2.1Umsetzung der Interventionen126 6.3.3Langfristige Interventionen132 6.4Herausarbeitung zweier Interventionen133 6.4.1Intervention I: ¿Durchführung einer Entmüllung¿133 6.4.1.1Rechtliche Dimensionen133 6.4.1.2Zustand der Wohnung134 6.4.1.3Geplante Interventionen134 6.4.1.4Überlegungen zur Rechtmäßigkeit der geplanten Interventionen134 6.4.1.5Reflexion135 6.4.2Intervention II: ¿Rechtsstreit gegen Telefongesellschaft T.¿135 6.4.2.1Überlegungen zur Rechtmäßigkeit der geplanten Interventionen136 6.4.2.2Weiterer Verlauf138 6.4.2.3Reflexion138 6.5Reflexion der Betreuungsangelegenheit ¿Herr W.¿139 7.Zusammenfassung und Ausblick143 8.Literaturverzeichnis149 Textprobe:Textprobe: Kapitel 2.3.4, Vom Umgang mit der Macht: Eine gute Basis zur Zusammenarbeit ergibt sich, wenn - trotz des erheblichen Machtpotentials des Betreuers- eine vertrauensvolle Beziehungsebene hergestellt werden kann. Dabei ist es wichtig, sich die (beidseitige?) Abhängigkeitsproblematik der Beziehung bewusst zu machen. Gleichberechtigt ist diese nie, kann sie nicht sein. Auch diese Asymmetrie muss verstanden und ausgehalten werden. Da mir die Auseinandersetzung mit diesem Thema außerordentlich relevant erscheint, wird der Themenkomplex Macht hier aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Die Situation chronisch kranker Betreuter geht in der Regel einher mit Persönlichkeitsveränderungen, kognitiver Beeinträchtigung und sozialer Not. Allein deshalb ist der Betreuer von Beginn an in einer machtvolleren Position. Seine reifere Persönlichkeit, seine akademische Ausbildung, seine wirtschaftliche Situation, sein Expertenstatus sowie sein hoheitlicher Auftrag legen die Asymmetrie im Augenblick der ersten Begegnung fest. Zudem verfügt der Betreuer über die Kompetenzen, an denen es dem Betroffenen typischerweise mangelt: Aktivität, Kontaktfreudigkeit, Organisationstalent, Belastbarkeit, u.s.w. Dem Betroffenen kann somit in der Interaktion seine eigene Unzulänglichkeit ¿gespiegelt¿ werden- hier von einem symmetrischen Verhältnis auszugehen, wäre realitätsfern und naiv. Eine bekannte Definition von Macht stammt von dem Soziologen MAX WEBER: ¿Macht bedeutet jede Chance innerhalb einer sozialen Beziehung, den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel, worauf diese Chance beruht¿.. Hervorzuheben ist hier, dass WEBER Macht offensichtlich zunächst als Option versteht, Macht handelnd durchzusetzen. Dieses Entscheidungsrecht charakterisiert auf das typischste die Beziehungsebene zwischen Betreuer und Betreutem. (¿Doppeltes Mandat¿) Selbst wenn die Beziehungsgestaltung grundsätzlich in Form eines gleichberechtigten Aushandlungsprozesses geführt wird, so hat- explizit im Rahmen von Krisenintervention- der Betreuer in der Regel ¿das letzte Wort¿, übernimmt die Verantwortung, wenn der Betroffene hierzu nicht mehr in der Lage ist. Trifft ggf. Entscheidungen auch gegen den ausdrücklichen (natürlichen) Willen des Betroffenen, wenn es an Alternativen fehlt. Um so zu handeln, bedarf es legitimierter Macht. Die hat der Betreuer, ¿kraft seines Amtes¿. Dieses Entscheidungsrecht muss bereits im Vorfeld kritischer Situationen transparent gemacht werden; zum einen deshalb, weil der Betreute grundsätzlich ein Recht darauf hat, über betreuungsrechtliche Handlungen umfassend aufgeklärt zu werden. Andererseits auch darum, weil ein unerwarteter rigider Eingriff, womöglich in Grundrechte, das Vertrauensverhältnis zum Betreuer irreparabel belasten kann. Die Entscheidungsübernahme durch den Betreuer in kritischen Situationen kann für den Betroffenen jedoch auch Entlastung bringen und ihm Sicherheit und Vertrauen geben. Eine Analogie zur rechtlichen Struktur einer Eltern-Kind-Beziehung erscheint mir hier angebracht. Jedoch können, wo immer Menschen miteinander in Beziehung treten, schädigende Abhängigkeits- und Missbrauchbeziehungen entstehen. Die Soziale Arbeit ist hiervon nicht frei. Der Psychotherapeut SCHMIDTBAUER beschreibt in seinem Standardwerk Die hilflosen Helfer den Machtmissbrauch als Fehlform des Helfens. Die Bedürftigkeit des Klienten wird- häufig unbewusst- ausgenutzt zur Befriedigung eigener narzisstischer Bedürfnisse. Die eigenen Machtposition wird kultiviert und der Klient in einer abhängigen Position gehalten. Dies dient der Regulation des eigenen Selbstwertgefühls. Die Helferpersönlichkeit benötigt permanente Zuwendung und Anerkennung, macht sich emotional vom Klienten abhängig und beutet diesen somit für seine eigene Bedürftigkeit aus. Der Schweizer Psychiater GUGGENBÜHL-CRAIG spricht gar von einem Machtschatten, den der professionelle Helfer möglicherweise in die Beziehung mit einbringt. Er beschreibt Helfer, die ihre Klienten bekämpfen, sich gegen deren Vorstellungen und Bedürfnisse durchsetzen- auch wenn die Klienten die Hilfe ablehnen. Weiter unterstellt GUGGENBÜHL-CRAIG Machtgelüste: Nicht der Wunsch zu helfen, sondern den Klienten zu beherrschen und zu entmachten kann hier Motivation des sozialarbeiterischen Handelns sein. Er fragt: Was treibt einen Menschen dazu, sich mit der dunklen Seite des Lebens zu befassen? Was fasziniert ihn daran? Es müssen Menschen von einer sehr speziellen psychologischen Struktur sein, so GUGGENBÜHL- CRAIG, welche es sich zur Lebensaufgabe setzen, einer der großen Polaritäten der Menschheit, nämlich sozial angepasst- sozial versagend, sozial erfolgreich- sozial außenstehend, sozial gesund- sozial krank, sich tagtäglich auszusetzen.¿ Und er stellt fest: ¿Polaritäten faszinieren Angehörige helfender Berufe mehr als andere.¿ GUGGENBÜHL-CRAIG hebt die Bedeutung der eigenen Lebensgeschichte hervor sowie deren Einfluss auf das ¿Helferverhalten¿, und leitet die Notwendigkeit ständiger Reflexion ab. Dem schließe ich mich an. Unbedingt ist die persönliche Hilfsmotivation abzuklären, um ggf. selbst therapeutische Begleitung wahrzunehmen und Fehlentwicklungen vorzubeugen. Dennoch ist Macht nicht grundsätzlich negativ zu verstehen. Abgeleitet von dem griechischen Wort ¿telos¿, also: Grenzen setzen, bedeutet es doch auch: Kraft, Vermögen, im Sinne des englischen ¿power¿: Kraft, Energie und, angelehnt an das lateinische ¿potentia¿, auch Möglichkeit. STAUB- BERNASCONI unterscheidet zwischen Begrenzungsmacht und Behinderungsmacht. Zusammenfassend ist eine Begrenzungsmacht durchaus als positive Machtausübung zu werten, da handelnd etwas bewirkt werden kann- themenbezogen also zum Wohle des Betroffenen. Abzulehnen ist hingegen die ¿Behinderungsmacht¿, die sich, um die Ausführungen von STAUB-BERNASCONI auf die Betreuungstätigkeit zu übertragen, schädigend auf den Klienten auswirkt und dem Selbstbestimmungsrecht des Betreuten entgegensteht. Fazit ist letztlich, die Asymmetrie einer Beziehung des Betreuers zum Betreuten, insbesondere im Rahmen von akuten Kriseninterventionen, anzuerkennen. Von wesentlicher Bedeutung ist es, gegebene Machtstrukturen sowie die eigene Macht bewusst wahr zu nehmen und verantwortungsvoll zu reflektieren. Hierzu bieten sich Supervisionen u.ä. Gremien zum reflektiven therapeutischen oder kollegialen Austausch an. Nicht unerwähnt bleiben soll hier die Machtposition des Klienten. Durch dessen oft fehlangepassten Verhaltensmechanismen und Widerstände erfährt auch der Betreuer immer wieder die Grenzen seiner Möglichkeiten und fühlt sich ohnmächtig. PLOG schildert den langen psychotherapeutischen Hilfeprozess eines Klienten, der kurz vor seiner Entlassung einen schweren Rückfall erleidet; infolgedessen werden sämtliche geleisteten Maßnahmen und Vorbereitungen für einen Neueinstieg ins Berufsleben hinfällig. In der Konsequenz fühlen sich sämtliche am Hilfeprozess Beteiligten enttäuscht, frustriert- und ohnmächtig. Zusammenfassend bietet sich hier ein Zitat von POLKE an: ¿Die Zuweisung der alleinigen Verantwortung für das ¿Wohl und Weh¿ des Betreuten verschafft dem/r BetreuerIn ein enorm hohes Machtpotential und gleichzeitig analog hierzu eine große psychische Belastung.¿ Kapitel 2.3.5, Grundsatz persönlicher Betreuung i.V. mit 2. BtÄndG: Nach § 1897 (1) soll der Betreuer die Angelegenheiten des Betreuten nicht nur rechtlich besorgen, sondern ihn in dem hierfür erforderlichen Umfang persönlich betreuen. Wie bereits erörtert, ist es die unbedingte Pflicht des Betreuers, den Willen des Betroffenen zu ermitteln, um die Umsetzung des subjektiven Wohls des Betreuten zu gewährleisten. Es geht somit kein Weg an der persönlichen Betreuung vorbei. Denn nur dadurch, dass ein Zugang zum Betroffenen gelingt, und somit ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden kann, ist die Basis einer Zusammenarbeit gegeben. Erinnert wird in diesem Zusammenhang auch an die Besprechungspflicht gem. § 1901 (3). Betreuung wird- gerade auch im Kontext von Krisensituationen- verordnet, und es ist dem Betroffenen üblicherweise nicht freigestellt, diese ¿fremdbestimmte Leistung¿ anzunehmen. Eine Beziehung aufzubauen und zu erhalten kostet- Zeit. Erschwerend kann hinzukommen, dass die Betreuung gegen den natürlichen Willen des Betroffenen angeordnet wurde. Infolgedessen sind hier erfahrungsgemäß zunächst erhebliche ¿Sperren¿ zu überwinden. Der Betreuer hat die Pflicht, im Rahmen der angeordneten Aufgabenkreise die Angelegenheiten des Betreuten zu dessen Wohl zu besorgen. Dies kann gerade bei psychisch Kranken sehr zeitintensiv sein, und jeder Betreuer ist gut beraten, hier sorgfältigst zu arbeiten, denn stets ist er für sein Tun haftbar. Nach der rechtswidrigen Entrümpelung durch den Stiefsohn fand die Betreuerin in einem der vor dem Haus stehenden Container Jahrgänge einer Fachzeitschrift für Gartengestaltung. Diese hatte Frau K. trotz ihrer extremen Sparsamkeit im Abonnement bezogen. Der Nachbar erzählte, dass Frau K. ihren kleinen Garten, der hinter hohen Hecken verborgen war, mit Hingabe gepflegt hatte. Ihr ganzer Stolz seien die seltenen Rosensorten gewesen. Zu den regelmäßigen Besuchen bei Frau K. brachte die Betreuerin jeweils die neue Zeitschrift mit, gelegentlich ein paar Rosen aus dem Garten der Frau K. Endlich war ein emotionaler Zugang zur Betroffenen möglich. Es schien, als holten die Blumen und die Gespräche darüber die Betroffene in die Wirklichkeit zurück. Mit der Betreuerin konnte ein Stück Lebenswelt geteilt werden. Dies erst ermöglichte eine vertrauensvolle Beziehungsgestaltung, die sich im Laufe der Zeit festigte und Grundlage dafür war, die notwendigen Interventionen zur weiteren Lebensgestaltung zu akzeptieren. Seit dem 01.07.2005 wird die Vergütung des Berufsbetreuers nach Pauschalen erstattet. Unabhängig davon, wie umfangreich sich eine Betreuung gestaltet: Es gilt, unterschieden jeweils nach Dauer, Aufenthaltsort und Vermögenslage, stets das entsprechende Stundenkontingent. Die Umstände des Einzelfalls sind passé. In dieses vorgegebene Raster soll die tatsächliche Arbeit ¿hineingepackt¿ werden. Ausgegangen wird hier von einer ¿Mischkalkulation¿, die ein ¿Auskömmliches Einkommen¿ garantieren soll. Eine Mischkalkulation für Berufsbetreuer, das ist Illusion - übernehmen doch gerade Berufsbetreuer besonders schwierige und damit zeitintensive ¿Fälle¿! (Die, so steht es im Gesetz, an ehrenamtliche Betreuer zu übergeben sind, wenn die Betreuungsarbeit keiner Intention eines Profis mehr bedarf.) Wie sich diese Gesetzesänderung langfristig auswirken wird, ist noch nicht abzusehen. Die Praxis zeigt, dass gegenwärtig etliche Berufsbetreuer als selbständige Unternehmer die Zahl der von ihnen geführten Betreuungen ganz erheblich aufstocken, um ihr bisheriges ¿auskömmliches Einkommen¿ zu erwirtschaften. Der zeitliche Rahmen für den einzelnen Betreuten reduziert sich somit erheblich, ¿Kontakte werden zum Luxus¿ und aus Sicht der Vormundschaftsrichterin VON LOOZ, Richterin am AG Kerpen, sind bereits deutliche Veränderungen spürbar: ¿Kritische Bemerkungen von Betreuern über Betreute nehmen zu. ¿¿¿ Wenn wir uns vom Borderliner mit ¿Für dieses Theater ist hier kein Platz!¿ abgrenzen und vom depressiven Menschen verlangen, er ¿solle sich mal ein bisschen zusammenreißen¿ , sind wir in die Entsolidarisierungsfalle getappt¿. Ihr Fazit: ¿Sozialarbeiterisch, betreuungsrechtlich und haftungsrechtlich falsch!¿ Kapitel 2.3.6, Zwangsmaßnahmen: Wie der Name schon sagt, handelt es sich hierbei um Maßnahmen gegen den Willen des Betroffenen, da diesem krankheitsbedingt die Einsichts- und Steuerungsfähigkeit fehlt und er sich infolgedessen nicht frei für oder gegen eine Behandlung entscheiden kann. Es besteht folglich keine Wahlfreiheit, trotz ¿Freiheit zur Krankheit¿. Hinzu kommt eine konkrete Gefährdungssituation für den Betroffenen, die nicht anders abgewendet werden kann. Zwangsmaßnahmen verlaufen selten ¿glatt¿. Insbesondere im Kontext von Unterbringungen mit Freiheitsentziehung werden alle Beteiligten mit Macht, Gewalt und möglicherweise auch mit Gefahr konfrontiert. Die grundsätzliche Anerkennung des doppelten Mandats sozialer Arbeit - Hilfe und Kontrolle- erfährt hier m.E. seine direkteste, konkreteste Ausprägung. Es ist nicht einfach, diese Situationen auszuhalten; wichtig ist hier fachlicher Austausch und zu reflektieren, dass es an Alternativen zur Zwangsmaßnahme fehlte und die Unterbringung letztlich im Interesse und zum Wohle des Betroffenen vollzogen wurde. Unbedingt erforderlich sind im Kontext von Zwangsmaßnahmen die strenge Bindung an die jeweiligen gesetzlichen Grundlagen und Fachlichkeit aller Beteiligten. Für den Betroffenen kann die Zuführung zur Unterbringung ein traumatisches Erlebnis sein und zudem kann, so V. LOOZ, ¿ jede Unterbringung von den Betroffenen als Scheitern, als Beweis für die Sinnlosigkeit ihres Lebens empfunden werden.¿ Bezogen auf das Klientel dieser Diplomarbeit, ist trotz der grundsätzlichen Würdigung der Selbstbestimmung der Betroffenen festzuhalten, dass bei dieser Gruppe häufig ein höheres Maß an äußerer Kontrolle und Absprachen, als letztes Mittel ggf. auch Zwangsmaßnahmen, notwendig ist. Dies alternativ zu der ¿Freiheit¿, sich in schwierigste, existenziell bedrohliche Lebenslagen zu bringen.

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  • Produktdetails
  • Verlag: Bedey Media GmbH
  • Seitenzahl: 155
  • Erscheinungstermin: 24.11.2008
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783836622752
  • Artikelnr.: 39977183