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Cleopatra's palace shimmered with onyx and gold but was richer still in political and sexual intrigue. Stacy Schiff boldly separates fact from fiction to rescue the magnetic queen whose death ushered in a new world order, a generation before the birth of Christ.

Produktbeschreibung
Cleopatra's palace shimmered with onyx and gold but was richer still in political and sexual intrigue. Stacy Schiff boldly separates fact from fiction to rescue the magnetic queen whose death ushered in a new world order, a generation before the birth of Christ.
  • Produktdetails
  • Verlag: Ebury Publishing
  • Seitenzahl: 368
  • Erscheinungstermin: Juli 2011
  • Englisch
  • Abmessung: 198mm x 125mm x 30mm
  • Gewicht: 280g
  • ISBN-13: 9780753539569
  • ISBN-10: 075353956X
  • Artikelnr.: 33213654
Rezensionen
"We see a great queen painted in dazzling colours in the twilight of a dazzling kingdom ... new life is breathed into an indisputably authentic icon"
Besprechung von 07.10.2013
Die gute Frau von Alexandria

Die Wirkung der Pharaonin auf Männer war magisch: Dennoch schafft es Pulitzer-Preisträgerin Stacy Schiff, das Bild Cleopatras als Vamp zu entmythologisieren.

Momentan fügt in der enorm erfolgreichen ZDF-Serie "Borgia" die elfenhafte junge Schauspielerin Isolda Dychauck als Lucrezia Borgia dem überkommenen Bild dieser Papsttochter eine dezente Lolita-Facette hinzu. Doch sie mag noch so kindlich unschuldig spielen, am Klischee von der schönen Giftmischerin, Intrigantin und Gattenmörderin, die in blutschänderischer Beziehung zu Vater und Brüdern lebte, wird sich nichts ändern. Zu mächtig ist noch nach fünfhundert Jahren die allgemeine Lust an den Verleumdungen und Übertreibungen, die die Gegner der Borgias in Umlauf setzten.

Dabei sind sich die Historiker längst einig, dass diese Frau spätestens mit ihrer dritten Heirat, die sie zur Herzogin von Ferrara machte, zu einer der glänzendsten Politikerinnen, Unternehmerinnen und Mäzenatinnen der Renaissance aufstieg. "In Wahrheit sehr klug, liebenswürdig und von guter Natur" nennt sie der ferraresische Gesandte in einem geheimen Brief, in dem er auf Befehl des Herzogs und Bräutigams seine Beobachtungen in Rom zusammenfasste. Er fuhr fort: "Sie besitzt außerdem eine vollkommene Grazie in allen Dingen, nebst Bescheidenheit, Lieblichkeit und Sittsamkeit. Ihre Schönheit ist hinreichend groß; aber die Gefälligkeit ihrer Manieren und die anmutige Weise sich zu geben, lassen sie noch weit größer erscheinen."

Urteile wie diese könnten wortwörtlich auch in Dossiers gestanden haben, die Julius Cäsar rund 1500 Jahre zuvor wohl über Cleopatra VII., die junge, in blutige Machtkämpfe mit ihrem jüngeren Bruder und Gemahl Ptolemaios XIII. verwickelte Königin Ägyptens anforderte. Als Cäsar die Zwanzigjährige erstmals traf, schreibt Stacy Schiff in ihrer Cleopatra-Biographie, sah er sich einer kultivierten Griechin gegenüber, Spross einer makedonischen Dynastie, die in zehn Generationen regiert hatte: "Folglich ist Cleopatra etwa so viel Ägypterin wie Elizabeth Taylor."

Die junge Frau, die "einem alten Mördergeschlecht entstammte und diese Familientradition aufrecht hielt", sprach und schrieb fließend sämtliche damals geläufigen Weltsprachen, war wissenschaftlich und philosophisch interessiert und sollte später einige berühmte, sogar im Talmud erwähnte Traktate über Heilkunde schreiben. Letzteres aber legte nicht den Grund für ihr Ansehen als Medizinerin, sondern bot ihren berühmten Gegnern von Cicero über Plutarch bis zu Cassius Dio Anlass, sie als Giftmischern zu diffamieren, die sich am Ende mittels ihrer eigenen Todestränke der Strafe für ihre Untaten, die einigen der größten Helden Roms das Leben gekostet hatten, entzogen habe.

Ein sanft wirkendes tödliches Gift, so fasst Stacy Schiff ihrer Recherchen zusammen, habe Cleopatra bei ihrem Selbstmord angewandt. Die legendäre Kobra, die sie an ihren nackten Busen gelegt haben soll, sei Erfindung römischer Geschichtsschreiber, deren lüsternen Unterton die Künstler der Renaissance und des Barocks zu sonderbar tragisch-erotischen Kunstwerken inspirierte. Auch die berühmte Szene, in der Cleopatra einem Teppich entsteigt, in den eingewickelt sie sich in Cäsars Feldherrnquartier in Alexandria habe schmuggeln lassen, tut die Autorin als pikante Legende ab. Nicht aber, dass das junge Mädchen eine geradezu magische Wirkung auf den alternden, sonst so klug und kalt taktierenden Strategen ausgeübt haben muss.

Abgesehen von der Freude, die beide aneinander gehabt haben dürften, brachte das Verhältnis beiderseitige Vorteile: Cleopatra wird unumstrittene Königin, ihr Brudergemahl ermordet - und sie schenkt Cäsar, dem jahrzehntelang kinderlosen, einen Sohn. Sie nennt das Kind, das Cäsar als seines anerkennt - die Gerüchte, er sei zeugungsunfähig, wollten nie verstummen und dienten hinter vorgehaltener Hand noch zur Rechtfertigung, als Cäsars Großneffe und Adoptivsohn Oktavian den siebzehnjährigen Rivalen umbringen ließ - absichtsvoll Caesarion, ein Name, der die Vereinigung der uralten Großmacht Ägypten und der neuen Großmacht Rom symbolisiert und beschwört.

Selbst Rom, empört ob der Liaison, profitierte: Cäsar ist von der Schönheit Alexandrias hingerissen. (An Cleopatra, die nach dem Zeugnis aller Zeitgenossen angenehm anzuschauen, aber keineswegs strahlend schön war, schätzte er ihr Wesen und ihre Bildung). Cäsar also gab, nach Rom zurückgekehrt, Plätze, Tempel und öffentliche Bauten in Auftrag, um aus dem schäbigen ziegelsteinernen Riesendorf eine Marmorstadt zu machen. Und er feierte Cleopatra mit einer vergoldeten Statue, die er im Tempel seiner Schutzgöttin, der Venus Genetrix, aufstellen ließ.

Die plastische knappe Schilderung der verwickelten politischen, sozialen und kulturellen Verhältnisse im zwischen Republik und Diktatur schwankenden Rom, in Ägypten, Palästina (en passant wird man über den blutigen, aber auch konsolidierenden Werdegang Herodes des Großen informiert) und Griechenland zählt zu den Glanzpunkten dieser Biographie. Letztere lassen auch ein helles Licht auf Cleopatra fallen: Diese nämlich, so Schiff, inszenierte sich nicht nur, uraltem Brauchtum folgend, als Isis, die Göttin der Fruchtbarkeit, der Seefahrt und des geordneten Staatswesens, sondern handelte auch so. Die Königin sorgte für tiefgreifende wirtschaftliche Reformen, ordnete die Bodenverhältnisse neu, gewann geschickt verhandelnd lange verlorene Kolonien zurück und führte das Land ohne große Schäden durch drei der schlimmsten Dürreperioden, die Ägypten je erlebt hatte.

Was Wunder, dass bei einer solchen Person Liebe und Politik, Leidenschaft und Berechnung ununterscheidbar wurden. Als Mark Antons militärische Befriedung des Ostens der römischen Einflusszone ihr gefährlich wurde, empfing sie den Haudegen phantastisch kostümiert als Aphrodite/Venus. Dass er fortan ihr Geliebter wurde und sich selbst zum wiedergeborenen Dionysos stilisierte, hat mit dem magischen antiken Bilddenken ebenso viel zu tun wie mit dem Liebesrausch eines in der Wolle gefärbten Feldherrn, für den zuvor das Erobern von Frauen fast immer denselben Regeln wie für Kriege folgte.

Beides wiederum hinderte weder Cleopatra noch ihn an ausgeklügelten Strategien zur Erringung der Weltmacht: Cleopatra kostümierte und erzog die drei Kinder, die sie dem Mark Anton gebar, mit dessen Einverständnis als künftige Regenten der Länder des östlichen Imperiums. Und Mark Anton nutzte das ägyptische Staatsvermögen samt der Flotte, um den vom Verbündeten zum Erzrivalen gewordenen Oktavian zu beseitigen.

Den Ausgang kennt jeder: Mark Anton scheitert in der Seeschlacht bei Actium, während der Cleopatra vorzeitig flieht. Er versucht nach verlorenen Landkämpfen Selbstmord zu verüben, wird in das Mausoleum in Alexandria gebracht, in dem sich Cleopatra verschanzt hat, stirbt in ihren Armen. Es folgt ein Treffen zwischen Oktavian und ihr. Kurz darauf bringt sie sich um. Als Augustus wird Oktavian nicht nur Kaiser des Imperiums, sondern auch neuer Pharao in Ägypten. Noch ehe Cleopatra beerdigt ist, steht ihr Verruf als skuroelloser Vamp auf dem Pharaonenthron felsenfest. Die letzten Zeilen Stacy Schiffs aber gelten jener Regentin, die sie dem Leser in ihrer gut recherchierten und bestechend flüssig geschriebenen Biographie vorgestellt hat: "Angst und Wut müssen Cleopatra bis ins Innerste erschüttert haben, als sie zuletzt begriff, dass sie diejenige sein würde, die die ägyptische Königsherrschaft zerstörte."

DIETER BARTETZKO

Stacy Schiff: "Kleopatra". Ein Leben. Aus dem Englischen von Helmut Ettinger und Karin Schuler.

C. Bertelsmann Verlag, München 2013. 448 S., geb., 24,99 [Euro].

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