12 Years a Slave (Movie Tie-In) - Northup, Solomon
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Produktdetails
  • Verlag: PENGUIN GROUP
  • Seitenzahl: 304
  • Altersempfehlung: ab 18 Jahre
  • Erscheinungstermin: 4. September 2013
  • Englisch
  • Abmessung: 195mm x 128mm x 22mm
  • Gewicht: 227g
  • ISBN-13: 9780143125419
  • ISBN-10: 0143125419
  • Artikelnr.: 39108025
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 24.03.2014

Gesprengte
Ketten
Zwei Self-Publisher fordern den Piper-Verlag
mit ihrer Ausgabe von „12 Years a Slave“ heraus
VON LOTHAR MÜLLER
Meist handeln Geschichten aus der Welt des Self-Publishing von Autorinnen, die erotische Romane oder Thriller oder Kreuzungen aus Liebesroman und Thriller auf den Markt bringen, indem sie an einen großen Verteiler wie den Konzern Amazon andocken. Diese Geschichte geht anders. Am Sonntag, dem 12. Januar 2014, las der Buchgestalter Rainer Zenz ein Zeitungsinterview mit Steve McQueen über seinen Film „12 Years a Slave“. Darin sagte der britische Regisseur über das gleichnamige Buch von Solomon Northup, das dem Film zugrundeliegt, es sei für die Sklaverei so wichtig wie das Tagebuch der Anne Frank für die Nazizeit. Schnell fand Zenz heraus, dass Northups Bericht über seine Entführung und Versklavung, der 1853 erschien und zusammen mit Harriet Beecher Stowes Roman „Uncle Tom’s Cabin“ (1852) Furore machte, nie ins Deutsche übersetzt worden war.
  Noch am selben Tag wurde der Buchgestalter zum Self-Publisher. Er bildete mit der Übersetzerin Petra Foede einen Zwei-Personen-Verlag auf Zeit, um möglichst rasch eine deutsche Erstübersetzung von „12 Years a Slave“ nach der Originalausgabe des Jahres 1853 im E-Book-Format herauszubringen. Es dauerte nicht lange, bis die beiden erfuhren, dass ein großer Publikumsverlag, Piper, ebenfalls dabei war. Der Zeitdruck, unter dem die Self-Publisher standen, wollten sie dem in Deutschland bereits angelaufenen Film nicht allzu weit hinterherhinken, wurde durch die Rivalität mit Piper verschärft.
  Sie griffen zum Mittel der Portionierung, teilten ihr E-Book in drei Lieferungen auf und speisten Anfang Februar die erste Folge in die üblichen Online-Bookshops ein, zum Preis von 0,99 Euro. Mitte Februar erschien die zweite Folge, für 1,49 Euro, und nun wurde es interessant. Denn am 17. Februar brachte der Piper Verlag die Gesamtübersetzung heraus, als „deutsche Erstausgabe“ im Taschenbuch für 9,99 Euro und als E-Book für 8,49 Euro. Zugleich näherte sich der 2. März, der Termin der Oscar-Verleihung in Hollywood, bei der McQueens Film nominiert war. Am Freitag, dem 28. Februar brachten die Self-Publisher ihre Gesamtübersetzung auf den Markt – für 2,99 Euro. Als „12 Years a Slave“ dann den Oscar als Bester Film erhielt, zogen die Verkaufszahlen an.
  Sie lagen schon zuvor über denen der teureren E-Book-Ausgabe bei Piper. Dass die Edition der Self-Publisher eher die Konkurrenz der E-Books anderer Self-Publisher scheuen muss als die Konkurrenz des E-Books aus dem Publikumsverlag, dürfte nicht nur an der Preisdifferenz liegen. Sondern auch an den unterschiedlichen Konzepten der Ausgaben. Die Piper-Ausgabe ist konsequent als Buch zum Film durchgestaltet: Der Titel ist im englischen Original belassen und hat den Untertitel „Die wahre Geschichte“ erhalten, im Innern des Buches findet sich eine Sequenz von Film-Stills und Bildern zu den Dreharbeiten.
  Die Self-Publisher setzten ebenfalls die Banderole „Die Vorlage zum Film 12 Years a Slave“ auf ihren Umschlag, ihr Buch aber trägt den deutschen Titel „Zwölf Jahre als Sklave“, und ihr Cover zeigte nicht den Filmschauspieler Chiwetel Ejiofor, sondern eine Dokumentarfotografie mit historischer Anmutung, aufgenommen 1936 von Dorothea Lange in Mississippi, bei einer ihrer Reportagereisen durch das Amerika der Großen Depression.
  Im Buch selbst verwendete Rainer Zenz die ausdrucksstarken Schwarz-Weiß-Lithografien der Erstausgabe von 1853, vom Frontispiz, in dem Solomon Northup in Arbeitskleidung auf der Plantage sitzt und das Bild mit seiner eigenhändigen Unterschrift beglaubigt, bis zu den drastischen Szenen, in denen der Held von seinen Peinigern, den Sklavenhändlern, ausgepeitscht wird. Als Bonusmaterial haben die SelfPublisher ihrer Ausgabe historische Fotografien zur Sklaverei beigefügt, darunter auch das Bild eines der „Slave Pens“, der gefängnisartigen Sklavenbauten von James Birch, dem Sklavenhändler, der Solomon Northup entführte.
  Der Buchgestalter Zenz durchtränkt das aktuelle „Buch zum Film“ mit der historischen Aura der Erstausgabe. Die Übersetzerin liefert einen soliden deutschen Text, ein knappes Nachwort zur Lebensgeschichte Solomon Northups, der 1808 geboren wurde und über dessen Leben nach 1857 es wenig gesicherte Erkenntnisse gibt, zudem eine Erläuterung zur Entstehung des Buches aus dem mündlichen Bericht Solomon Northups, den ein Ghostwriter aufzeichnete.
  Und nicht zuletzt, anders als die Piper-Ausgabe, Anmerkungen. Wer weiß schon, was mit „Quadroon“ gemeint ist, jener Klasse von Menschen, der Solomon Northup seine Mutter, nicht aber seine Ehefrau zuzählt? „Quadroon ist eine historische Bezeichnung unter anderem in Gesetzestexten für Menschen gemischter Abstammung, bei denen ein Großelternteil farbig und drei Großeltern Weiße waren. Es ging bei dieser und ähnlichen Bezeichnungen wie ,Mulatte‘ darum, den Anteil des ,schwarzen Blutes‘ zu bestimmen, in diesem Fall ein Viertel.“
  Ihren Verlag auf Zeit haben Zenz und Foede vorfinanziert. Es könnte sein, dass sich das am Ende rechnet – denn ihr E-Book ist mehr als „das Buch zum Film“.
Solomon Northup: Zwölf Jahre als Sklave. Aus dem Englischen von Petra Foede. Herausgegeben von Petra Foede und Rainer Zenz. Ca. 350 Normseiten, E-Book (Kindle/Epub) 2,99 Euro.
Solomon Northup: 12 Years a Slave. Die wahre Geschichte. Aus dem Englischen von Johannes Sabinski und Alexander Weber. Mit einem Vorwort von Steve McQueen. Piper Verlag, München 2014. 288 Seiten, 9,99 Euro. E-Book 8,49 Euro.
Das Konkurrenzprodukt
ist mit allerhand Bonus-Material
sinnvoll angereichert
„Zwölf Jahre als Sklave“:
Die deutsche E-Book-Ausgabe von Rainer Zenz und Petra Foede
verwendet als Cover eine Fotografie aus dem Jahr 1936 von Dorothea Lange und im Innern die
Illustrationen der Originalausgabe (rechts) sowie historische Fotografien wie die eines „Slave Pen“ (unten).
Fotos: Zenz
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