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Wenn wir verstehen wollen, wie unser Geist funktioniert, dann müssen wir nicht in die Labore der Neurologen und Technologen schauen, sondern in die Schreibzimmer der großen Literaten. Das Spektrum unseres Bewusstseins ist so schöpferisch und so einzigartig, dass kein Computerprogramm dem je gleichkäme. Unser Geist kann sich von Regeln frei machen und gänzlich Neues erschaffen. Gezeiten des Geistes lotet das Spektrum des Bewusstseins aus und gibt uns ein neues Verständnis von dem, was das Wesen des Menschen ausmacht.…mehr

Produktbeschreibung
Wenn wir verstehen wollen, wie unser Geist funktioniert, dann müssen wir nicht in die Labore der Neurologen und Technologen schauen, sondern in die Schreibzimmer der großen Literaten. Das Spektrum unseres Bewusstseins ist so schöpferisch und so einzigartig, dass kein Computerprogramm dem je gleichkäme. Unser Geist kann sich von Regeln frei machen und gänzlich Neues erschaffen.
Gezeiten des Geistes lotet das Spektrum des Bewusstseins aus und gibt uns ein neues Verständnis von dem, was das Wesen des Menschen ausmacht.
  • Produktdetails
  • Ullstein Taschenbuch Nr.37705
  • Verlag: Ullstein Tb
  • Originaltitel: The Tides of Mind
  • Seitenzahl: 391
  • Erscheinungstermin: 11. August 2017
  • Deutsch
  • Abmessung: 185mm x 118mm x 30mm
  • Gewicht: 284g
  • ISBN-13: 9783548377056
  • ISBN-10: 354837705X
  • Artikelnr.: 47073407
Autorenporträt
David Gelernter, geboren 1955, ist Professor für Computerwissenschaften an der Yale-Universität. Seine Kolumnen erscheinen in verschiedenen Zeitungen und Magazinen u.a. der FAZ und lösen grundlegende Debatten aus. 1993 wurde er durch eine Briefbombe des Una-Bombers schwer verletzt. In Deutschland machte er zuletzt als Redner auf der Digital Life Design-Konferenz in München auf sich aufmerksam.
Rezensionen
"ein ebenso klug wie rhetorisch geschickt argumentierendes Buch", Süddeutsche Zeitung, 26.02.2016

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 16.04.2016

Wo bleibt das Subjektive?
David Gelernter entdeckt die Nachtseite der Vernunft

Die Vorstellung, dass der Geist wie ein Computer funktioniert, ist ein Produkt der achtziger Jahre und wird heute eher als Metapher verstanden. Ingenieuren der künstlichen Intelligenz (KI) ist meist bewusst, dass ihre Maschinen kein Bewusstsein und trotz emotionaler Zusätze auch keine wirklichen Empfindungen haben. Das ändert nichts daran, dass intelligente Artefakte mit ihrem partiellen, aber immer vielseitigeren Verstand die Grenzen sukzessive verschieben. Der unlängst errungene Sieg einer künstlichen Intelligenz über den besten Go-Spieler hat demonstriert, dass Maschinen im Ergebnis auch intuitives Denken nachbilden können. Seit ein paar Wochen kursiert ein so beeindruckendes wie verstörendes Video im Netz (F.A.Z. vom 31. März), in dem ein Roboter sich nach menschlichen Stößen immer wieder aufrichtet und weiterläuft, als könnte kein Mensch mehr den Vormarsch der KI verhindern.

Der Computerpionier und KI-Kritiker David Gelernter, der maßgeblichen Einfluss auf die Softwareentwicklung ausgeübt hat, warf jüngst in einem Zeitungsartikel einen spekulativen Blick in eine nicht weit entfernte Zukunft, in der KI-Apparate nicht mehr einzelne Aufgaben abarbeiten, sondern sich zu einer flexiblen menschenähnlichen Intelligenz entwickelt haben. Hochintelligente Assistenten mit riesigen Intelligenzquotienten werden Menschen auf Schritt und Tritt verfolgen, weil diese ohne sie nicht leben können. Die Apparate werden daher fortschreitend mit Affekten belegt. Durch den ständigen Kontakt werden zwei Typen von Vernunft verschmolzen werden, die man, so Gelernters zentrale Botschaft, besser auseinanderhalten sollte.

In Gelernters neuem Buch "Gezeiten des Geistes" ist die künstliche Intelligenz nur noch ein Schema, an dem er sich abarbeitet, um in die tieferen Regionen des Geistes zu dringen. Künstliche Intelligenz steht bei Gelernter für die analytisch verengte Vernunft, die unsere Zeit, so der nicht originelle, aber richtige Befund, mehr denn je beherrscht. Gefühle werden für wichtig gehalten, aber Verstand heißt bei den meisten doch logisches Denken. Die dunkle Pointe liegt darin, dass die künstliche Intelligenz den menschlichen Verstand zwar nicht erreicht, dieser ihr aber entgegenkommt - als rationalistisches Denken.

Die Dominanz des Rationalen hat Gelernter schon häufig kritisiert. Neu ist, dass er ihr ein Gegenmodell des Geistes gegenüberstellt, das sogenannte Spektrum. An dessen oberen Ende stehen die analytischen Fähigkeiten - Konzentration, Willensstärke, Logik. Nach unten hin löst es sich auf in ein schweifendes, gefühlsbetontes Denken. Gelernters Sympathie gehört der subjektiven Vernunft: Träumen, Visionen, Mystik, Magie. Auf dieser Skala bewegt sich der Verstand im Tagesverlauf mehrfach von unten nach oben.

Das Buch entfaltet die Nachtseite der Vernunft mit einem reichen Zitatenschatz, scheut aber auch keine Redundanzen. Stil und Konzeption sind schweifend und essayistisch, als wollte Gelernter das von ihm beschriebene Denken in der Form der Darstellung wiederholen. Problematisch ist der scharfe Gegensatz zwischen oberem und unterem Spektrum. Das emotionale Denken hat zwar Synthesequalitäten. Gedanken und Gegenstände sind mit identischen Gefühlen belegt und lassen sich poetisch zu geistigen Landschaften verketten.

Insgesamt ist Gelernters Modell aber vertikal angelegt. Oben ist ein Kontrollbereich, der das Gedächtnis als Speicher benutzt. Die untere Skala wird von unwillkürlichen Stimmungen und Erinnerungen dominiert, die so stark an den Körper gebunden sind, dass an Lenkung kaum zu denken ist. "Deprimiert sind wir ungefähr im selben Sinn, wie eine Petunie lila ist", schreibt Gelernter an einer Stelle. Das gilt aber nur für den untersten Bereich der Skala. Dem Spektrum fehlt der Punkt, an dem Energie und Gefühl zusammenfließen. Wenn die poetische Vernunft nur ein Zerfließen in Erinnerungen und Stimmungen ohne konstruktive Vermögen ist, möchte man die entsprechende Literatur oder Musik dann noch lesen und hören?

Das Verdienst von Gelernters Konzept ist, dass es eine verblassende Linie nachzieht. Eine ideale künstliche Intelligenz, schreibt Gelernter, müsste auch das subjektive Spektrum beherrschen, würde an dieser Aufgabe aber absehbar scheitern. Das Mitgefühl für stolpernde Roboter darf sich in Grenzen halten.

THOMAS THIEL.

David Gelernter: "Gezeiten des Geistes". Die Vermessung unseres Bewusstseins. Aus dem Englischen von Sebastian Vogel. Ullstein Verlag, Berlin 2016. 400 S., geb., 22,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 26.02.2016

Geist
mit Gefühl
Der Informatiker David Gelernter erörtert
Bewusstsein und künstliche Intelligenz
VON BERND GRAFF
In den Debattenbeiträgen und Erklärstücken zur künstlichen Intelligenz (KI) und zu der Richtung, in die sie sich mutmaßlich entwickelt, werden, weil es so plastisch und plausibel klingt, Computer und Software oft in Analogie zum menschlichen Gehirn und zum Bewusstsein gesetzt. Der Geist, die menschliche Seele, sei ja auch nur Software, die auf den Hirnen, diesen natürlichen Rechen-Plattformen, installiert ist. Man spricht in Entsprechung zu Hardware und Software sogar von „Wetware“. Eine These, die aus dieser Metaphorik heraus geboren wurde, lautet: Computer werden irgendwann so intelligent wie Menschen sein und sogar intelligenter. Sie werden auch Bewusstsein erlangen. David Gelernter zählt zu den Wissenschaftlern, die sich dem entgegenstellen.
  Die These mit dem Bewusstsein wird damit begründet, dass Computer ja wie Hirne rechnen können, allerdings viel schneller, und auch ihre Software wird ja immer weiter verfeinert, also werden die Rechner zuerst wie Schulkinder lernen können, um sich dann irgendwann selber zu erziehen. Computer könnten sich also demnächst selber schlau und schlauer machen. Wenn Wissen Macht ist, dann wird Wissen irgendwann Computermacht werden. Und diese Macht ist mächtiger als wir. So etwa.
  In dieser Überwältigungs-Dystopie taucht regelmäßig ein Begriff aus der Systemtheorie auf: Man spricht von Singularität und meint damit jenen Moment, in dem die KI sich selber so weit ertüchtigt haben wird, dass Menschen zu Sklaven dieses synthetischen Geistes werden, den sie dann eben nicht mehr geschaffen, sondern lediglich verschuldet haben.
  Die Singularitätsthese ist gar nicht mal so neu. Sie entstand spätestens mit dem Aufkommen der Informatik nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. So ahnte der Mathematiker John von Neumann schon 1958, dass der Fortschritt „auf eine entscheidende Singularität in der Geschichte der Menschheit hinauslaufen könnte, nach der die Lebensverhältnisse, so wie wir sie kennen, sich nicht fortsetzen könnten“. Der Statistiker Irving John Good, der im Zweiten Weltkrieg zur Entschlüsselung der deutschen Rotorschlüsselmaschine Enigma beitrug, wurde 1965 deutlicher. Er sagte: „Eine ultraintelligente Maschine kann noch bessere Maschinen bauen; zweifellos würde es dann zu einer explosionsartigen Entwicklung der Intelligenz kommen, und die menschliche Intelligenz würde weit dahinter zurückbleiben. Die erste ultraintelligente Maschine ist also die letzte Erfindung, die der Mensch zu machen hat.“
  Vernor Vinge und Ray Kurzweil werden seit Ende der Achtzigerjahre nicht müde zu behaupten, dass „ wir innerhalb von 30 Jahren über die technologischen Mittel verfügen werden, um übermenschliche Intelligenz zu schaffen. Wenig später ist die Ära der Menschen beendet“- so Ving; Kurzweil spricht von „technischem Wandel“, der „so schnell und allumfassend ist, dass er einen Bruch in der Struktur der Geschichte der Menschheit darstellt“. Und wenn ein Superbrain wie Stephen Hawking sagt, dass die Apokalypse nicht atomar ausfallen werde, sondern technologisch, dass wir also nicht von Krieg vernichtet werden könnten, sondern von Computern – muss man dann nicht doch Angst bekommen?
  Jedenfalls ist die KI-Metapher so wirkmächtig geworden, dass Science-Fiction-Autoren und Special-Effects-Leute daran längst Gefallen gefunden haben. Können sie doch nun den Horror einer geknechteten Menschheit in Form von supersmarten Überrobotern metallisch glänzend durchs Bewegtbild von Kino und Computerspiel tapern lassen. Doch – Suggestivkraft der Bilder hin oder her – stimmt das eigentlich? Wird man irgendwann Maschinen gebaut haben, die selber zu Geist und Intelligenz gekommen sind und nun ebenso autark wie planvoll handeln? Und noch schlimmer: Wird man dann sagen müssen, dass diesen klug gewordenen Blechköpfen nun auch Rechte nach Menschart zuerteilt werden müssen, weil sie doch Bewusstsein besitzen, eine Seele gar?
  Gegen diese Erlöschungsfantasien hat David Gelernter ein ebenso klug wie rhetorisch geschickt argumentierendes Buch geschrieben: „Gezeiten des Geistes. Die Vermessung unseres Bewusstseins.“ Aber es erhebt nur auf den ersten Blick einen Einwand gegen die oben skizzierte Singularitätsdebatte. Denn Gelernter argumentiert nicht gegen die Computer, sondern für den menschlichen Geist. Das ist tatsächlich ein Unterschied. Seine Argumentation kehrt die der Singularisten gewissermaßen um. Er fragt nicht: Was bedeutet die Entwicklung technischer Intelligenz für den Menschen? Sondern: Was hat die menschliche Intelligenz, was haben Menschen, das Maschinen eben nicht haben und auch nie haben können? Seine Antwort ist ganz unpathetisch: sich selber. „Nur wir wissen, was in uns selber vorgeht, das kann man nicht von außen messen.“
  Gelernters Erörterung, was Bewusstsein ausmacht, ist eher phänomenologischer als technologischer Art, eher Philosophie als Ingenieurskunst. Und darum war der deutsche Übersetzer nicht gut beraten, den Untertitel des Buches mit „Die Vermessung unseres Bewusstseins“ anzugeben. Im amerikanischen Original heißt es : „Uncovering the Spectrum of Consciousness“. Denn Gelernter geht es gerade nicht um Vermessung – also um Übersetzung des Bewusstseins in die Terminologie von Technik, sondern um Entdeckung und – um das Spektrum. Dass das Bewusstsein ein Spektrum darstellt und keinen Zustand, macht für ihn den Unterschied zwischen dem Verwenden von Sprache und ihrem Verstehen, von Zeichen und Bezeichnetem, von Text und Botschaft.
  Nun kann man sagen: Ein gelehrter Vertreter der Geistes- und Sozialwissenschaften versucht sich an einer Deutung von Technik, die typisch ist für diese Fakultäten. Gab es alles schon. Doch Gelernter ist kein Geisteswissenschaftler, sondern Informatiker, Professor für Computer Science in Yale, ein Mann, der mit Apple in Patentrechtsstreitigkeiten verwickelt war, die an Forderungen die halbe Milliarde Dollar überschritten. Er ist ein streitbarer Autor und Kolumnist, etwa zu Bildungsfragen. Und er ist ein Opfer, wurde durch die Briefbombe des Una-Bombers 1993 schwer verletzt. Doch Gelernter ist weder Philosoph noch Literaturwissenschaftler, auch wenn „Gezeiten des Geistes“ sich
vogelwild in Philosophie und Literatur tummelt und sich dort bedient, als handele es sich um Laborberichte. Wie aber argumentiert David Gelernter denn nun mit Freud, Shakespeare, J. M. Coetzee, Wordsworth und John Searle als seinen Gewährsleuten?
  Zuerst: Er rehabilitiert die Psychoanalyse. Und die Introspektion. Denn Geist ist für Gelernter eben nur als „Spektrum“ zu denken, das von hochfokussierter Konzentration über Tagträumerei zu unspezifischem Träumen im Schlaf reicht. Insofern spannt sich auch das Bewusstsein von Wahrnehmung der Außenwelt und intentionaler Handlung bis zu Introspektion und den Bildern im Traum. Alle kognitiven und mentalen Prozesse – konzentrierte Gedanken, Gefühle, die Vernunft, Träume und Erinnerungen – siedeln innerhalb eines individuellen Spektrums und sind abhängig vom körperlichen und psychischen Zustand – und von der Tagesform. So wird „Geist“ zu einer Funktion in und mit der Zeit: Er „ist“ nicht, sondern variiert eben entlang seines Spektrums, dessen Zustände Gelernter vertikal anordnet: „Oben“ erkennt er Logik und Vernunft, „unten“ sieht er Erinnerung und Traum. Das – auch in den willkürlich wirkenden Korrelaten – macht für Gelernter insgesamt menschlichen Geist aus, der eben nicht nur auf die logisch-vernünftige Funktion des Hirns zu beschränken sei.
  „Gefühl“, schreibt er, „ist ein ungeheuer machtvolles Medium für Zusammenfassungen, denn es kann alles zusammenfassen: Menschen, Orte, Romane, historische Epochen. Viel wichtiger ist noch, dass man mit Emotionen auch die gemeinsame Essenz von beliebigen Dingen aufdecken kann, ganz gleich, wie grundsätzlich verschieden sie zu sein scheinen. Wir können die gemeinsame Essenz eines Flugzeugträgers und einer Schüssel Haferflocken finden – vorausgesetzt, es gibt sie.“
  Die Perspektive, unter die David Gelernter den Geist (zurück-)bringt, entwickelt ihre Dynamik in einem Diskurs, der sich mit dem Verlauf seines Buches mehr und mehr in Richtung auf Hermeneutik, Neurologie und Psychologie, also auf Gebiete der Geisteswissenschaften bewegt. Sie drängt weg von der puren Gegenrede und der Negierung einer starken KI.
  Gelernter weiß das, und darum plädiert er am Ende – trotz seiner eigenen Vorbehalte gegen die blinde Freud-Adaption – doch auch für eine Rückkehr zur Tiefenpsychologie, damit der Mensch mit William Wordsworth wieder zum „Propheten der Natur“ werden und zeigen könne, „wie der Geist des Menschen tausendmal schöner wird als diese Erde, auf der er wohnt.“ Solange es keinen Computer gibt, der diese Wordsworth-Aufforderung versteht, ist man bereit, David Gelernters Absage an die Silikon-Intelligenz bis auf Weiteres zu folgen.
Würde die erste ultraintelligente
Maschine dem Menschen jede
weitere Erfindung abnehmen?
Das Bewusstsein ist kein
Zustand, schreibt David Gelernter,
sondern ein Spektrum
Der Mensch soll, wie William
Wordsworth schrieb, wieder zum
„Propheten der Natur“ werden
      
    
David Gelernter: Gezeiten des Geistes. Die Vermessung unseres Bewusstseins.
Aus dem Englischen von Sebastian Vogel. Ullstein Verlag, Berlin 2016.
400 Seiten, 22 Euro.
E-Book 18,99 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

David Gelernter hält nicht allzu viel von künstlicher Intelligenz, aus ziemlich ähnlichen Gründen kritisiert er in seinem neuen Buch "Gezeiten des Geistes" nun ein rationalistisches Bild unseres Denkens, erklärt Thomas Thiel. Es geht Gelernter um "die Nachtseite der Vernunft", so der Rezensent, um jene Art des Denkens, die so radikal körperlich ist, dass sie nicht kontrolliert werden kann - wobei Gelernter Kontrolle als eben jenes Merkmal des Bereiches unseres Denkens versteht, der gemeinhin mit Vernunft und Logik beschrieben wird, fasst Thiel zusammen. Für den Rezensenten leistet Gelernter im Insistieren auf ein umfassenderes Verständnis unseres Verstandes einen willkommenen Beitrag, allerdings findet Thiel Gelernters alternative, vertikale Skala der Kontrolle nicht unbedingt hilfreich, weil sie eine zu scharfe Trennung zwischen kontrollierten und unkontrollierten Bereichen des Denkens einführt.

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