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"Ich beginne ein neues Notizbuch / für Fragen, die keine Antwort brauchen. / Wie lange hält sich der Schnee / auf den Zweigen des Vogelbeerstrauchs?"
"Einmal einfach" heißt Hinreise - ohne Rückfahrkarte. Nicht zurück in die neuen Verhältnisse der Entsinnlichung, Speicherung, des Bescheidwissens und der Hetze im Netz. Und wohin geht die Reise? Wieder und noch einmal: in die Natur - als wären ausgerechnet Bäume und Wiesen und weite Himmel das, was man von der Welt im Gedächtnis behalten will.
Ach, wer so reisen könnte, mit offenen Augen: nicht verklärend, nicht mehr naiv und dennoch nicht
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Produktbeschreibung
"Ich beginne ein neues Notizbuch / für Fragen, die keine Antwort brauchen. / Wie lange hält sich der Schnee / auf den Zweigen des Vogelbeerstrauchs?"

"Einmal einfach" heißt Hinreise - ohne Rückfahrkarte. Nicht zurück in die neuen Verhältnisse der Entsinnlichung, Speicherung, des Bescheidwissens und der Hetze im Netz. Und wohin geht die Reise? Wieder und noch einmal: in die Natur - als wären ausgerechnet Bäume und Wiesen und weite Himmel das, was man von der Welt im Gedächtnis behalten will.

Ach, wer so reisen könnte, mit offenen Augen: nicht verklärend, nicht mehr naiv und dennoch nicht ohne Rührung. Nicht mit großen Worten, sondern einmal einfach - ohne Ziel.

Michael Krügers neue Gedichte - weit entfernt und ganz nah - sprechen mit vertrauter Stimme. Es sind Wortmeldungen unterwegs, von einer Reise ins Offene.

"Wenn nur das wütende Schluchzen des Windes

nicht wäre, träte die Wahrheit vielleicht ans Licht,
die naive Wahrheit, die dem Gras so ähnlich sieht!"
  • Produktdetails
  • Verlag: Suhrkamp
  • 2. Aufl.
  • Seitenzahl: 130
  • Erscheinungstermin: 15. Januar 2018
  • Deutsch
  • Abmessung: 203mm x 123mm x 20mm
  • Gewicht: 250g
  • ISBN-13: 9783518427989
  • ISBN-10: 3518427989
  • Artikelnr.: 49453323
Autorenporträt
Krüger, Michael
Michael Krüger wurde am 9. Dezember 1943 in Wittgendorf/Kreis Zeitz geboren. Nach dem Abitur an einem Berliner Gymnasium absolvierte er eine Verlagsbuchhändler- und Buchdruckerlehre. Daneben besuchte er Veranstaltungen der Philosophischen Fakultät als Gasthörer an der Freien Universität Berlin. In den Jahren von 1962-1965 lebte Michael Krüger als Buchhändler in London. 1966 begann seine Tätigkeit als Literaturkritiker. Zwei Jahre später, 1968, übernahm er die Aufgabe des Verlagslektors im Carl Hanser Verlag, dessen Leitung er im Jahre 1986 übernommen hat. Seit 1981 ist er Herausgeber der Literaturzeitschrift Akzente. Im Jahr 1972 veröffentlichte Michael Krüger erstmals seine Gedichte, und 1984 debütierte er als Erzähler mit dem Band Was tun? Eine altmodische Geschichte. Es folgten weitere zahlreiche Erzählbände, Romane, Editionen und Übersetzungen. Die Cellospielerin ist sein erster Roman im Suhrkamp Verlag. Michael Krüger lebt in München. Auszeichnungen: 1974Förderpreis für Literatur der Landeshauptstadt München 1976 Förderpreis für Literatur im Bundesverband der deutschen Industrie 1982 Bayerischer Förderpreis für Literatur Stipendium der Villa Massimo 1983 Tukan-Preis 1986 Peter-Huchel-Preis 1991 Wilhelm-Hausenstein-Medaille 1994 Ernst-Meister-Preis 1996 Prix Medicis Etranger 2000 Ehrenpreis der Stadt München 2004 Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste 2006 Michael Krüger wird von der Universität Bielefeld mit dem Titel eines Ehrendoktors der Philosophie geehrt. Am 8. Februar erhält Michael Krüger zudem für sein Gesamtwerk den mit 12 000 Euro dotierten Mörike-Preis der Stadt Fellbach in Baden-Württemberg. Mitglied in folgenden Akademien: Bayerische Akademie der Schönen Künste in München Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt Akademie der Wissenschaften und Literatur in Mainz Akademie der Künste in Berlin
Rezensionen
Besprechung von 05.04.2018
Totenlieder der Fliegen
Je älter, desto kürzer: Michael Krügers neuer Gedichtband
Einmal einfach – das ist einer jener Sätze, die Michael Krüger, ein Stammgast am Fahrkartenschalter, sicher häufiger im Munde führt als andere Menschen, beständig unterwegs zwischen München und Berlin, zwischen Hannover und Wien. Über diese rege Reisetätigkeit ist Krüger zu einem der eminentesten Vertreter jener Gattung der Poesie geworden, die man in aller Wertschätzung Eisenbahnlyrik nennen darf. Ja, mit Krügers Zuggedichten könnte man inzwischen wohl einen ganzen Band füllen.
Einmal einfach, damit ist aber auch die Lebensreise gemeint, jene Einbahnstraße namens Vergänglichkeit. Nicht selten fallen für Krüger diese beiden Reisen freilich in eins: „Der Zug hielt an, wir mußten warten/ bis auf dem Gegengleis der Tod vorbeifuhr“ heißt es etwa in seinem neuen Gedichtband. Aber auch in seinem letzten Band, „Umstellung der Zeit“ von 2013, finden sich Zeilen, nach denen man das nächste Mal mit etwas mulmigem Gefühl die Bahn benutzen wird: „Dann fährt der Zug wieder an, die Toten/ unter der Trasse beginnen zu kreischen.“
Einmal einfach, um einen weiteren Aspekt zu erwähnen, der sich beim Titel des neuen Bandes Michael Krügers aufdrängt, „Einmal einfach“ stellt zugleich auch eine Art poetologischer Aufforderung dar. Einfach zu schreiben, nicht experimentell, konzeptuell, in irgendeiner Form avantgardistisch. Das heißt nicht, das der Dichter Krüger, jahrzehntelang auch ein wichtiger Verleger zeitgenössischer Poesie, die Avantgarden nicht zur Kenntnis genommen hätte, dass er nicht wüsste, was Sprachspiel oder Sprachkritik sind, was es heißt, an der Form zu arbeiten.
Gleichwohl sind für Krügers eigenes Schreiben Peter Huchel oder Günter Eich wichtiger als Welimir Chlebnikow oder Konrad Bayer. Wobei es müßig ist, Krüger überhaupt auf Vorbilder festlegen zu wollen, er selbst nennt in „Einmal einfach“ gar keine Namen und enthält sich aller Zitathuberei. Stattdessen empfiehlt er als Vorbilder die Bienen: „Bitte, nehmt euch ein Beispiel/ an den Bienen (…) Die Bienen/ übersetzen, und der Wind, der ums Haus/ geht wie ein Dieb, sammelt ein/ und macht einen Vers draus,/ den wir nur nachsprechen müssen.“
Die Natur spielt in Krügers Lyrik mit den Jahren eine immer größere Rolle, der Apfelbaum im Garten, die Vögel, der Schnee und die Wolken. „Sieh, wie der Weißdorn sich aufdrängt!“ heißt es einmal. Dass die Natur bei Krüger eine solche Präsenz entfaltet, mag daran liegen, dass für den Dichter im Alter die Erinnerung an die Kindheit eine immer größere Rolle spielt, die ersten Jahre im sachsen-anhaltinischen Wittgendorf bei den Großeltern, die zwar keine Bücher besaßen, aber jeden Halm zu benennen wussten.
So liest man auch vom Wunsch, „noch einmal den Wiesenkümmel zu riechen“, was ja durchaus möglich wäre, würde sich in diesem doch ganz „einfachen“ Wunsch nicht eben auch eine zweite, unmöglich zu erfüllende Sehnsucht verbergen: Für die einmal gelöste Fahrt nachträglich noch ein Retourbillet zu erhalten, noch einmal in die geborgene Welt der frühen Kindheit zurückzukehren, in die Zeit, bevor man als Sechsjähriger ins zertrümmerte Berlin versetzt wurde. Ein Lebensbruch, der noch siebzig Jahre später ein Fremdheitsgefühl auszulösen vermag: „Ich soll hier aufgewachsen sein“, heißt es skeptisch in „Nikolassee, Februar 2015“.
Einmal einfach: Man könnte meinen, dass Michael Krügers neuer Gedichtband ein Buch der Trauer und der Todesahnung ist. Das ist er auch. Seltsamerweise aber ist er zugleich ein großes Buch des Trostes. Liest man etwa die Gedichte „Rätsel“ oder „Der Nußbaum, die Zeit“, dann bezweifelt man den Satz, dass im Sterben jeder alleine sei. Betrachtet man das Leben als eine langsame, aber stetige Bewegung des Vergehens, so fühlt man sich bei der Lektüre von „Einmal einfach“ deutlich weniger einsam.
Aber zugleich warnt Krüger davor, dem Trost in die Arme zu laufen. Er erinnert an die „Totenlieder der Fliegen“, an die „gefräßige Zeit, die alles an sich reißt“. Und doch findet er bei seinen Fahrten in und durch die Städte so treffende wie komische Bilder, Bilder, die die fürchterliche Zeit nicht so schnell zernagen wird: „Schrebergärten kriechen um die Städte herum wie Schnecken“, heißt es im Titelgedicht. Anderswo ist die Rede von der „geschwätzigen Mafia der Spatzen“, vor der man sich fürderhin ein wenig mehr in Acht nehmen wird.
Einen Hinweis gibt Krüger freilich doch, in welcher Tradition seine Gedichte stehen. Gleich zu Beginn von „Einmal einfach“ steht als Motto der von Eckermann notierte Ausspruch Goethes, alle seine Gedichte seien Gelegenheitsgedichte. Das sind auch die Krügerschen. Aus dem Augenblick geboren, häufig mit Datum versehen, lyrische Fundstücke eines Weltreisenden, der in Skopje die Kohlweißlinge grüßt und in Warschau Zbigniew Herberts Stuhl probesitzt.
Es sind Gelegenheitsgedichte auch in ihrer Kürze. Hätte man meinen können, Krüger würde nach dem Ende seiner Tätigkeit als Verleger mehr und länger schreiben, so ist das Gegenteil eingetreten. Keines seiner neuen Gedichte ist länger als eine Seite, vielen ist gar etwas haikuhaftes eigen, ohne dass Krüger es nötig hätte, eigens ein Haiku zu schreiben. Es steckt eine Souveränität in seinen Versen, die man fraglos dem Alter zuschreiben muss. Und man muss sich schon arg Mühe geben, um eine Spur von Koketterie in all diesen so einfachen wie gewichtigen, so höchst konzentrierten wie extrem entspannten Versen auszumachen: Mein Weg, „wie das schon klingt -/ ein paar Kiesel, über die ich nicht gestolpert bin.“
TOBIAS LEHMKUHL
Michael Krüger:
Einmal einfach. Suhrkamp Verlag 2018. 136 Seiten, 20 Euro. E-Book 16,99 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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"'Einmal einfach' ist ein ganz exzellentes Buch mit 76 weltklugen und lakonischen Gedichten eines Meisters der subtilen Wahrnehmung."
Matthias Ehlers, WDR