Die plötzlich hereinkriechende Kälte im Dezember - Wolf, Ror
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Einzigartig und unvergleichlich ist das Gedichtwerk von Ror Wolf, es liegt in einem starken Band der ROR WOLF WERKE (RWW) gesammelt vor. Dachte man, bis der Dichter gekonnt mit einem weiteren Buch überraschte: DIE PLÖTZLICH HEREINKRIECHENDE KÄLTE IM DEZEMBER, ein vorläufig letzter Band neuer Gedichte, von frühen Arbeiten aus dem Ende der fünfziger Jahre bis zu einem abschließenden, hinreißenden Zyklus HANS WALDMANNS ENDGÜLTIGES VERSCHWINDEN.
Es sind Ror Wolfs Blicke auf die Welt in unverwechselbarer Manier und Sprache, vom "dunklen Boden der Wirklichkeit" über "Das Zerquetschen und das
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Produktbeschreibung
Einzigartig und unvergleichlich ist das Gedichtwerk von Ror Wolf, es liegt in einem starken Band der ROR WOLF WERKE (RWW) gesammelt vor. Dachte man, bis der Dichter gekonnt mit einem weiteren Buch überraschte: DIE PLÖTZLICH HEREINKRIECHENDE KÄLTE IM DEZEMBER, ein vorläufig letzter Band neuer Gedichte, von frühen Arbeiten aus dem Ende der fünfziger Jahre bis zu einem abschließenden, hinreißenden Zyklus HANS WALDMANNS ENDGÜLTIGES VERSCHWINDEN.

Es sind Ror Wolfs Blicke auf die Welt in unverwechselbarer Manier und Sprache, vom "dunklen Boden der Wirklichkeit" über "Das Zerquetschen und das Zerplatzen", den "Nächtlichen Geräuschen", der "Übernachtung im kalten Eisenbahncoupé beim Toben des Sturmes im Hochgebirge in den menschenleeren Gebieten von Colorado" bis hin zum "Ende der alten Verhältnisse".

Die "Schwierigkeiten beim Heben der Füße", "Die Feuchtigkeit und der Tod", auch die "Mitteilungen aus der Tiefe" lassen entstehen, was Literatur im Äußersten zu leisten imstande ist: einen "sehr glücklichen Zustand im Kopf".

DIE PLÖTZLICH HEREINKRIECHENDE KÄLTE IM DEZEMBER bietet zusätzlich eine Fülle bislang nicht gedruckter Collagen Ror Wolfs.
  • Produktdetails
  • Verlag: Schöffling
  • 2. Aufl.
  • Seitenzahl: 128
  • Erscheinungstermin: 6. Oktober 2015
  • Deutsch
  • Abmessung: 246mm x 164mm x 15mm
  • Gewicht: 420g
  • ISBN-13: 9783895613067
  • ISBN-10: 3895613061
  • Artikelnr.: 42715619
Autorenporträt
Wolf, Ror
Ror Wolf, geboren 1932 in Saalfeld/Thüringen, gestorben 2020 in Mainz. Für sein Werk wurde er vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden (1988), dem Bremer Literaturpreis (1992), dem Heimito von Doderer-Preis (1996), dem Staatspreis des Landes Rheinland-Pfalz (1997), dem Großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (2003), dem Preis Hörbuch des Jahres 2006, dem Preis Hörspiel des Jahres 2007, dem Friedrich-Hölderlin-Preis (2008), dem Günter-Eich-Preis (2015), Schiller-Gedächtnispreis (2016) und der Rainer-Malkowski-Preis (2018).
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Rezensent Hilmar Klute hat eigentlich keine Angst, dass dieser Band wirklich der letzte mit Gedichten von Ror Wolf sein könnte, wie der Dichter selbst verkündet hat. In der neuen Sammlung mit Texten aus den späten 50ern bis heute jedenfalls, einer Art Ror-Wolf-Museum, wie Klute findet, zeigt sich der Autor laut Rezensent sowohl als Frühfertiger als auch als jemand, der immer wiederkommt, um seine Weltuntergangsfantasien und den beiläufigen Schrecken zu inszenieren. Städte, Menschen, Landschaften und Wahrheiten sieht der Rezensent hier "prächtig-bunt" verschwinden, und was die Welt zusammenhält, ist allenfalls die Sonett-Form, meint er.

© Perlentaucher Medien GmbH

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 03.02.2016

Es frisst, es schlingt
Jemand sieht die Dinge wie sie sind:
Ror Wolf in einem neuen Band gesammelter Gedichte
VON HILMAR KLUTE
Vor einiger Zeit fragten wir bei Ror Wolf an, ob er Lust hätte, ein Gedicht für eine grafisch aufwendig gestaltete Sonderbeilage zu schreiben, das Thema laute „Die Macht der Worte“. Statt einer der bei Autoren nicht unüblichen ausweichenden Antworten (Ja, mal sehen, aber dieses Jahr eher nicht) kam binnen Tagesfrist das fertige Gedicht. Es handelte, wie viele Balladen von Ror Wolf, von jenem ins Verschwinden verliebten Hans Waldmann, der diesmal an verschiedenen Orten nichts weiter anstellt, als zuzuschauen, was vor sich geht in der Welt, und das ist zumeist nichts Gutes: „Waldmann saß und hat hinaufgesehen,/ und er sah die Welt, wie sie verdorrte. Plötzlich spürte er die Macht der Worte./ Später ist dann gar nichts mehr geschehen.“
  Das Gedicht steht jetzt auf Seite 75 von Ror Wolfs neuer Sammlung „Die plötzlich hereinkriechende Kälte im Dezember“. Und es ist so aufregend kalt, weltverloren und unheilfroh wie die meisten anderen Texte dieses Bandes, der neben neuen Gedichten auch solche aus den späten fünfziger Jahren enthält und somit eine Art lyrisches Ror-Wolf-Museum eröffnet.
  Ton und Thema scheinen bei ihm schon von Anfang an dagewesen zu sein, und – das ist das Verblüffende – wären die Texte nicht datiert, ließe sich ihr Alter schwer bestimmen. Ror Wolf ist schon vom ersten Text an der Zeremonienmeister jenes Weltuntergangs-Spektakels, das er im Laufe seines Lebens in so vielen Spielarten veranstaltet hat. „Jemand sieht die Dinge wie sie sind“, heißt es im ersten Text des Bands, dem „Vierten kleinen Nachtgedicht“. Man nennt derartige Sätze gerne programmatisch, und bei Ror Wolf ist dieser Begriff deshalb so gut angewendet, weil Wolf ein Programm der dystopischen Weltbetrachtung verfolgt. Städte, Landschaften, Menschen treten auf den Plan, um umgehend zu explodieren, wegzurutschen, wegzuschwimmen oder in einem Erdspalt zu verschwinden. Die Welt ist eine Fress-Maschine, sie verschlingt alles, auch die meisten Wörter, und der Dichter muss mit den übrig gebliebenen Wörtern die Wirklichkeit neu beschreiben: „Das Meer beißt große Stücke ab vom Strand, / es frißt und frißt ein Stück von meiner Hand,/ es schlingt und schlingt in diesen Tagen,/ die Schiffe sinken rasch in seinen Magen,/ das Meer, es frißt am Ende das Hotel/ in dem ich wohne, insgesamt und schnell.“
  Ror Wolf hat sein poetisches Laboratorium „Wirklichkeitsfabrik“ genannt. Sie ist auf die Herstellung von Finsternissen aller Art spezialisiert. Und sie stellt nebenbei das Equipment für die prächtig-bunte Apokalypse her: der Mond, der weich am Himmel hängt; die Würste, in die man mit der Gabel sticht wie im nächsten Gedicht der Mann das Messer in den Körper einer Frau. Jeder Vorgang wird von einem nachfolgenden außer Kraft gesetzt, und die erstbeste Wahrheit wird von einer zweiten verschluckt. „Wenn es so weiter geht, geht es nicht weiter“, endet ein Gedicht und fünf Gedichte weiter heißt es: „Wenn es so weiter geht, dann geht es weiter.“
  Bei Ror Wolf passiert alles gleichzeitig, und wenn etwas wahr ist, so ist auch sein Gegenteil wahr. Zusammen gehalten wird diese ganze rutschende, quellende und krachende Welt durch die strengen lyrischen Formen, die Sonette, die akkurat abgezählten Metren – das alles beherrscht Wolf meisterhaft. Und man kann sich manchen Reim von ihm wie einen Wilhelm-Busch-Vers ins innere Poesiealbum schreiben: „Hagel fällt wie Bohnen/ hart auf die Personen.“ In den späten Texten, aus den vergangenen zehn Jahren, gibt es zwar auch noch die unablässig fressende und verdauende Welt; aber Ror Wolf wagt hier und da eine vage Sinndeutung, er fragt, was aus dem „dichten Schlamm der Geschichte“ noch zu gewinnen sei außer der bösen Lust, den Untergang zu besingen. „Wir haben nichts als das, was wir noch haben.“
  Es gibt auch die illusionslosen Selbstporträts des Künstlers als alter Mann, der wie im Sonett „am oberen Rand des Topfes“ seit zwanzig Jahren durch das Viertel tigert, in dem er wohnt „in Mainz im Müll im März im dritten Stock“ und manisch abzählt, wie oft er den monotonen Gewohnheiten nachgeht: „Und zweimal dreimal viermal fünfzehnmal/ lief ich in etwa achtundzwanzig Tagen/ hinüber in das griechische Lokal.“ Wolfs poetische Zählgröße ist das „nicht Erwähnenswerte“, die beiläufigen Schrecken, die er adäquat mit den surrealen Sensationen in seinen unheimlichen Collagen flankiert. Der Band enthält auch einige neuere Arbeiten.
  Das große Finale bestreitet Wolfs Referenzfigur Hans Waldmann, der als eine Art poetische Laborratte in die rutschende, schlingende Welt geschickt wird, um das Verschwinden zu üben. Bei Hans Waldmanns letztem Abenteuer sieht es tatsächlich so aus, als hätte er es geschafft. Aber soll man sich da auf einen Mann wie Ror Wolf, der die Furie des Verschwindens immer wieder aufs Neue sattelt, wirklich verlassen können? Es soll dies sein letzter Gedichtband gewesen sein, hat er kürzlich gesagt. Andererseits: „Und wenn ich nicht verschwunden bin/ dann sehen Sie mich wieder.“ Das klingt schon sehr viel besser.
  
  
  
  
  
Ror Wolf: Die plötzlich hereinkriechende Kälte im Dezember. Gedichte. Verlag Schöffling & Co. 160 Seiten, 24,95 Euro.
Wenn es so weiter geht . . . Der Dichter Ror Wolf, 1996.
Foto: SZ Photo/Jürgen Bauer
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"Jedes Gedicht von Ror Wolf kommt einem Wagnis gleich, einem Abendteuer, das nicht selten wohlbehaglich beginnt und sich zuletzt als wahrer Höllenritt erweist." Björn Hayer, buchkultur "Der Welt den grotesk-absurden Spiegel vorzuhalten ist das Metier des begnadeten Dichters." Matthias Ehlers, WDR 5 "Eine Schneespur zum schwarzen Humor." Andreas Puff-Trojan, SWR 2 "Hätte Ror Wolf nur 1000 Leser mehr, wäre die Welt ein besserer Ort." Andreas Ammer, Bayern 2 "Wunderbar!" Elke Heidenreich, Literaturclub "Darüber muss man oft lachen: das Zerschellen der Bedeutsamkeit und des aufgespreizten lyrischen Ichs am Stoizismus (...)." Die Welt "Ror Wolfs Reime-Laboratorium erinnert an das von Morgenstern, Ringelnatz, Gernhardt oder Eckenga." Andreas Trojan, Bayern 2 Diwan "Städte, Landschaften, Menschen treten auf den Plan, um umgehend zu explodieren, wegzurutschen, wegzuschwimmen." Hilmar Klute, Süddeutsche Zeitung