Die lichten Lieder der Bäume liegen im Gras und scheinen nur so - Altmann, Andreas

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Andreas Altmann lässt in diesem Gedichtband die Magie in den Worten aufscheinen. Die Natur und die sich darin spiegelnden geis tigen Dimensionen werden zu einem schwebenden Spiel aus Melodik und Rhythmik. Dabei entgehen dem Blick nicht die zivilisatorischen Brachen, leere Fabrikhallen oder still gelegte Bahnhöfe, geborstener Beton, Rudimente einer vergessenen Zeit und Indizien einer Vergangenheit, die Teil des Naturbildes werden. Die magische Schönheit verdankte sich der Intensität der Bilder, so schrieb die FAZ.…mehr

Produktbeschreibung
Andreas Altmann lässt in diesem Gedichtband die Magie in den Worten aufscheinen. Die Natur und die sich darin spiegelnden geis tigen Dimensionen werden zu einem schwebenden Spiel aus Melodik und Rhythmik. Dabei entgehen dem Blick nicht die zivilisatorischen Brachen, leere Fabrikhallen oder still gelegte Bahnhöfe, geborstener Beton, Rudimente einer vergessenen Zeit und Indizien einer Vergangenheit, die Teil des Naturbildes werden. Die magische Schönheit verdankte sich der Intensität der Bilder, so schrieb die FAZ.
  • Produktdetails
  • Verlag: Poetenladen
  • Seitenzahl: 97
  • Erscheinungstermin: 6. Februar 2014
  • Deutsch
  • Abmessung: 221mm x 149mm x 15mm
  • Gewicht: 330g
  • ISBN-13: 9783940691521
  • ISBN-10: 3940691526
  • Artikelnr.: 40440988
Autorenporträt
Andreas Altmann, geboren 1963 in Hainichen (Sachsen), lebt in Berlin. Er veröffentlichte bisher acht Gedichtbände, zuletzt den Sammelband Art der Betrachtung (poetenladen 2013). Für seine Arbeit wurde er unter anderem mit dem Christine-Lavant-Lyrikpreis und dem Erwin-Strittmatter-Preis ausgezeichnet sowie zuletzt mit dem Literaturpreis des Sächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Wolfgang Hilbig, Sarah Kirsch, auch ein bisschen Brecht gehen Rezensentin Insa Wilke nach der Lektüre des unter dem Titel "Die lichten Lieder der Bäume liegen im Gras und scheinen nur so" erschienenen neunten Gedichtbands von Andreas Altmann durch den Kopf. So erdig, "visuell stimuliert", bisweilen gar surrealistisch erscheinen der Kritikerin die Gedichte Altmanns, der sie ganz sanft mit auf eine Wanderung durch die Natur, Erfahrungen von Flucht und Vertreibung, Gewalt und Gewissen nimmt. Ganz besondere, mal barocke, mal romantische Bild- und Klangwelten erlebt die Rezensentin hier und erinnert sich manches mal an ihre Kindheitstage. Allerdings muss sie gestehen, dass die vom Autor durchgehend gewählte Parataxe und die gehäuften Adjektive auf Dauer ein wenig monoton und "unbeweglich" wirken.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 25.11.2014
Augenwind im Gedächtnisraum
„Lichte Lieder zu leicht, zu schwer“: Andreas Altmanns Gedichte
Genau zu beobachten, Laute zu übersetzen und Mimik zu deuten, habe ihn seine Arbeit gelehrt. Andreas Altmann, 1963 im sächsischen Hainichen geboren, betreut in Berlin geistig behinderte Menschen. In unserer Kreativ-Hauptstadt fällt man mit einem solchen Beruf auf. Wer dagegen sagt: „Ich bin Dichter“, ist einer von vielen und hat es schwer, wenn er nicht zu den jungen Wilden gehört. 2011 hat Andreas Altmann deswegen eine Anthologie herausgegeben, die sächsische Dichterinnen und Dichter vorstellt. Thomas Kunst, Volker Sielaff und Ulrich Zieger sind dabei, aber auch Steffen Popp und Martina Hefter, die zum Kookbooks-Kosmos gehören.
  Auf die lyrischen Welten jenseits der Berliner Pfade wollte Altmann damals aufmerksam machen. Seine eigenen Gedichte passen ebenfalls eher in die sächsischen Traditionen geerdeter, visuell stimulierter, sacht surrealistischer Poesie, zu den Schreibweisen eines Wolfgang Hilbig oder einer Sarah Kirsch. Das zeigt auch sein neunter Gedichtband: „Die lichten Lieder der Bäume liegen im Gras und scheinen nur so“. Wer dabei an Brecht denkt, liegt nicht ganz falsch. Allerdings löst sich die Assoziation nicht formal ein, sondern eher in Hinblick auf ein Dichten nach den deutschen Diktaturen. Altmann schreibt: „es sind figurenschatten, in die wir uns stellen. / ohne über die ränder zu treten, kommen wir nicht / weiter“.
  Bei Altmann werden in diesem Sinne keine Gespräche „über“ Bäume geführt. Sie sprechen selbst, die Bäume. In sich gekehrt lauscht Altmann den Erfahrungen von Flucht und Vertreibung, Gewalt und Gewissen, die Waldwege und verlassene Gemäuer gespeichert haben. Er reagiert auf sie mit einem achtsam nach außen gerichteten, zeitlosen Schauen: „bäume haben sich ihre schatten herausgerissen, / brennen im wurzelfeuer. holzasche über / geöffneter erde verstreut. Das licht der laternen / wurde durchtrennt. lose treibt es im augenwind. / die tür ist zugemauert, fenster sind verschweißt. / auf den scheiben liegen die nerven der blicke / blind. Hier atmen worte ihr schweigen aus.“
  Im Schrittmaß des Wanderers reihen sich die Sätze aneinander. Den komplizierten Zusammenhang von Erinnerung, Herkunft und Generationengespräch und die widersprüchliche Schönheit dieser Verse stiften die Bilder und Klänge. Allein durch die Längen und Laute der Vokale ergibt sich ein Text, der sich über das bloße Sagen der Verse legt. Das lange „e“ der „herzgegend“, so heißt das Eröffnungsgedicht, aus dem die zuletzt zitierten Verse stammen, taucht mitten im Gedicht in den „wegen“ wieder auf und ganz am Ende, wenn Altmann mit unseren Klanggewohnheiten spielt: „wie leicht mir das alles fehlt“, heißt es da – eben nicht, was aber mitklingt: „fällt“. So entsteht eine irritierende Mehrdeutigkeit, die uns doch geradlinig erreicht wie die Widmung, die den Gedichten voran steht: „Für Mutter und Vater“.
  Mit Volksdichtung haben wir es hier in gewisser Weise zu tun und mit einem Poeten, der in barocken und romantischen Spuren seine Motive variiert: die Schatten, den Schnee, die Spiegel, das Licht, die Wege, das Meer und immer wieder Bäume und Augen: „dunkle vögel zwitschern ihre grünen lieder“ an diesem Ort, fernab vom schnellen Takt der Großstadt.
  Man möchte sich verlaufen in den Bildwelten, die einem auf merkwürdige Weise vertraut sind, vielleicht aus Kindheitstagen. Zumindest gilt das für einzelne Gedichte. Als Buch aber fallen auch die Schwächen auf, die Monotonie der Parataxe, die Häufung von Adjektiven und lokalen Präpositionen. Die Verrätselung wirkt irgendwann prätentiös: „hier sehe ich die versteinerten geräusche, die im spiegel / aus den augen gefallen sind (. . .) augentrost säumt / an den pfaden die ränder, über die ich ins / straucheln gerate“.
  Man möchte die Bilder auseinanderziehen, Tautologien auflösen. Die beharrliche Wiederholung der einen Form bringt leider auf Dauer eine Unbeweglichkeit mit sich, die eigentlich nicht zu einem Dichter passt, für den die Poesie so sichtlich Ereignis ist.
INSA WILKE
Andreas Altmann: Die lichten Lieder der Bäume liegen im Gras und scheinen nur so. Poetenladen, Leipzig 2014. 104 Seiten, 17,80 Euro.
„auf den scheiben liegen die
nerven der blicke / blind. // Hier
atmen worte ihr schweigen aus“
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