Buch der Bestimmungen - Cojocaru, Mara-Daria
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Mara-Daria Cojocarus neue Gedichte weben die Fetzen unserer in Fachgebiete fragmentierten Tier-, Pflanzen- und Menschenwelt wieder zusammen. »Buch der Bestimmungen« erzählt von der Leichtigkeit des Gesprächs zwischen Katzen und Füchsen und den Missverständnissen zwischen dir und mir, von Wasserbären im Weltall, vom Aussterben der Nebel, vom Auf und Ab der Liebe und von desinteressierten Rehen. All dies wird in diesem poetischen Forschungstagebuch zur gleichberechtigten Quelle von Erkenntnis, vor allem aber von Mitgefühl.…mehr

Produktbeschreibung
Mara-Daria Cojocarus neue Gedichte weben die Fetzen unserer in Fachgebiete fragmentierten Tier-, Pflanzen- und Menschenwelt wieder zusammen. »Buch der Bestimmungen« erzählt von der Leichtigkeit des Gesprächs zwischen Katzen und Füchsen und den Missverständnissen zwischen dir und mir, von Wasserbären im Weltall, vom Aussterben der Nebel, vom Auf und Ab der Liebe und von desinteressierten Rehen. All dies wird in diesem poetischen Forschungstagebuch zur gleichberechtigten Quelle von Erkenntnis, vor allem aber von Mitgefühl.
  • Produktdetails
  • Verlag: Schöffling
  • Seitenzahl: 105
  • Erscheinungstermin: 20. Juli 2021
  • Deutsch
  • Abmessung: 243mm x 158mm x 16mm
  • Gewicht: 342g
  • ISBN-13: 9783895616488
  • ISBN-10: 3895616486
  • Artikelnr.: 61606036
Autorenporträt
Cojocaru, Mara-DariaMara-Daria Cojocaru, geboren 1980 in Hamburg, lebt als Schriftstellerin und Philosophiedozentin in England und widmet sich vor allem tierethischen und -politischen Themen. Für ihre vielfach übersetzten Gedichte erhielt sie 2017 den Kunstförderpreis Bayern in der Sparte Literatur, 2021 erreichte sie den zweiten Platz (Alfred-Gruber-Preis) beim Lyrikpreis Meran und wurde mit dem Deutschen Preis für Nature Writing sowie dem Lyrikpreis des Mondseelandes ausgezeichnet.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Rezensentin Angelika Overath geht mit den Gedichten von Mara-Daria Cojocaru in die stadtnahe Natur, zu Dachs, Reiher und Dohle. London und Wien sind laut Overath die Koordinaten, von der Autorin akribisch vermerkt, so wie die Uhrzeit. Im zufälligen Begegnungen kommt es laut Overath zu "schönen Verdichtungen", etwa zwischen lyrischem Ich und einem Karpfen oder einem Schmetterling, der gegen die Psychose die Metamorphose empfiehlt. Nicht immer geht das für Overath auf. Manchmal grenzt es an Kalauerei und kriegt grad noch die Kurve mit dem Charme "jugendhafter Verse". Oder die Autorin nervt mit "pseudoakademischen Umständlichkeiten".

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 03.11.2021

Mitternacht? Mutternacht!
Mara-Daria Cojocaru dichtet mit Tieren

Die 1980 geborene Mara-Daria Cojocaru unterrichtet als Lehrbeauftragte an der von der "Gesellschaft Jesu" getragenen "Hochschule für Philosophie". Sie beschäftigt sich leidenschaftlich mit Tierethik, essayistisch in ihrem Sachbuch "Menschen und andere Tiere", aber auch lyrisch etwa in ihrem Band "Anstelle einer Unterwerfung". Nun legt sie mit "Buch der Bestimmungen" einen neuen Gedichtband vor, der um die Botschaft der Tiere kreist; meist erscheinen sie an den Rändern, in grünen Zwischenbereichen der Städte. Tiere werden Spiegelfiguren, sie antworten dem Ich, schützen es, werden zu seinem Bürgen.

In der Abteilung "Minima anthropophilia" - der Titel wohl inspiriert von Adornos "Minima Moralia" - geht es um Nahexpeditionen in eine Natur, die sich in der urbanen Kultur entwickelt. Die Autorin beginnt sekundengenau ("13:29") mit einer Art Tagebuch zwischen Wien (Leopoldstadt am 8. Juni 2019) und London (Highgate, 29. Juli 2020) in der Dämmerung. Und nennt auch noch Längen- und Breitengrade, bei denen sie auf Dohle und Rotfuchs, Dachs und Graureiher, Hausmaus und Grünspecht, Buchsbaumzünsler, Karpfenfische und Zwergfledermaus trifft, die sie in der jeweiligen Überschrift mit ihrem lateinischen Namen nennt: "Notiz zu Corvus monedula", zu "Vulpes vulpes", zu "Meles meles" und so weiter.

Die Gedichte zeigen Begegnungen mit dem anderen Zustand der Natur: das Ich als "Neozoon", als eingeschlepptes, fremdes Wesen, das eigentlich nicht hierhergehört; oft hat es als "Hundemensch" einen Tiergefährten an der Seite. Manchmal blitzen im Zufälligen und Beiläufigen schöne Verdichtungen auf, etwa in "Notiz zu Cyprinidae XX/ Breite: 48.09, Länge: 11.67 / 01.09.19 - 7:45/ München, Waldperlach", einem Gedicht, in dem der "alte Backfisch" mit einem Karpfen enggeführt wird. An einem Teich geht das sprechende Ich in die Knie und erlebt in einem Fisch-Blickkontakt einen beglückenden Moment, der ihm Kraft gibt: "Und ich lauf' vorbei / An der Stelle, wo wir jung und schleierhaft / Gezeltet haben. Dort stehen Goldruten nun / Hohe Wache, auf dass nie wieder hier / Ein Mädchen sich derart verliere."

Mara-Daria Cojocaru spielt mit Klangmodulationen. Lotet Worte aus, macht aus Mitternacht die "Mutternacht" und hat dabei keine Angst vorm Kalauer. Beim Anblick eines (vermutlich weiblichen) Schmetterlings, einer "Buchsbaumzünslerin", erkennt sie: "Sie empfiehlt, mit einem letzten Flattern, statt Psychose / Noch einmal den Versuch der / Metamorphose: Das gibt mir eine Perspektive." Fragwürdig auch: "Es liegt was in der Luft wie ein Hund vorm Bäcker". Aber eine gewisse Unerschrockenheit, ein manchmal fast mutwilliges Drüberhinwegschreiben, mag auch den Charme dieser jugendhaften Verse ausmachen.

Leider gibt es in der "Schlussbestimmung" (die ein gnädiger Lektor hätte diskret vermeiden können) immer wieder pseudoakademische, grammatikalisch fragwürdige Umständlichkeiten: "Wir kennen auch die Bestimmung der und über die menschliche Natur, die sich auf der A-Seite finden ließen, hätten höhere Wesen Schallplatten mitlaufen lassen, die das anthropologische Denken aufzeichneten." Es geht hier um den Zyklus "Hominide B-Seiten", der entstanden sei in einem "Dreischritt" zwischen den frauenfeindlichen Äußerungen des Biologen Thomas Huxley, Alltagsbeobachtungen und der Frage: "Was dann geschah". In den Texten ist kein Huxley zu finden. Eine der "Hominiden B-Seiten" beginnt: "Frau und Herr Grau kaufen sich ein Mischbrot / Beim Bahnhofsbäcker / Nich von hier (. . . Auslassung, Zeichen) / Sie zischeln mehr, als dass sie zahlen / Sie setzen, wohin sie gehen, einen Kriegsfuß / vor den anderen". Ein Spiel mit Grau- und Mischbrot, mit Blick auf Existenzen, die nicht strahlen, die missmutig vor allem erkennen, dass ein Gegenüber ein Fremder ("Nich von hier") ist.

Das fließende Spiel zwischen der (besseren) Tierwelt und der (schlechteren) Menschenwelt bleibt prekär. Die Sprache hält nicht, was der All-Empfindungswille unendlicher Kommunikation zu versprechen meint: "Vielfalt der tierlichen Sprachen. Vertraute Fanfaren am Rotkehlchenplatz, ein Leuchten // Dann erscheint alles auf einmal, ganz stimmig / I have changed my mind about giving it all away / Und in uns wehrt sich etwas Katholisches / Gegen den Puritanismus der Bezeichnungen". ANGELIKA OVERATH

Mara-Daria Cojocaru:

"Buch der Bestimmungen". Gedichte.

Verlag Schöffling & Co., Frankfurt am Main 2021. 112 S., geb., 20,- Euro.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Utopien beginnen mit dem Alphabet, weiß Rezensent Björn Hayer. Mara-Daria Cojocarus Gedichte, die den Sprung vom Affen zum Menschen, vom Fuchs zum Verliebten vornehmen, liest er daher als beherztes, durchaus pathetisches Plädoyer für die moralische Gleichstellung von Mensch und Tier mit den Mitteln der Liebe. Wie sich im Band Miniaturen über Liebesbeziehungen mit wortschöpfungsreichen Analogien aus dem Tierreich abwechseln, findet Hayer stark und bewegend.

© Perlentaucher Medien GmbH