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Menschen, die scheinbar bereits unendlich lange Zug fahren. Eltern, die ihr Kind verkaufen. Eine Familie, die vom Unbekannten vertrieben wird. Urwaldforscher, die vom Fluch des Vergessens erfasst, Leute, die von Termiten zerfressen werden. Menschen träumen, und in ihren Träumen zeigen sie ihr ureigenes Ich, ihre tiefsten Ängste und geheimsten Wünsche, ihr Verdrängtes. Die ausgezeichnete Hörspielfassung von 1951 mit Inge Meysel, Erich Schellow, Annegret Lerche u. v. a. und unter der Regie von Fritz Schröder-Jahn schrieb Hörspielgeschichte. Eine hörbare Legende. Und 2006? In einer spektakulären…mehr

Produktbeschreibung
Menschen, die scheinbar bereits unendlich lange Zug fahren. Eltern, die ihr Kind verkaufen. Eine Familie, die vom Unbekannten vertrieben wird. Urwaldforscher, die vom Fluch des Vergessens erfasst, Leute, die von Termiten zerfressen werden. Menschen träumen, und in ihren Träumen zeigen sie ihr ureigenes Ich, ihre tiefsten Ängste und geheimsten Wünsche, ihr Verdrängtes. Die ausgezeichnete Hörspielfassung von 1951 mit Inge Meysel, Erich Schellow, Annegret Lerche u. v. a. und unter der Regie von Fritz Schröder-Jahn schrieb Hörspielgeschichte. Eine hörbare Legende. Und 2006? In einer spektakulären Neuproduktion schaffen fünf junge Hörspielregisseure die heutige Sicht auf die Träume und verdeutlichen die literarische Brillanz und Hellsichtigkeit Günter Eichs - auch über 50 Jahre später. (Laufzeit: 2h 32)

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  • Produktdetails
  • Verlag: Der Hörverlag
  • Gesamtlaufzeit: 152 Min.
  • Erscheinungstermin: 27.12.2011
  • ISBN-13: 9783844509045
  • Artikelnr.: 40152664
Autorenporträt
Günter Eich wurde am 01.02. 1907 in Lebus/Oder geboren. Von Beginn an war er Mitglied der Gruppe 47 und erreichte in den 50er Jahren, der Blütezeit des Hörspiels, seinen Durchbruch als Autor. Zu seinen bekanntesten Hörspielen zählen Träume, Sabeth und Die Mädchen aus Viterbo. 1953 erhielt er für Die Andere und ich den "Hörspielpreis der Kriegsblinden". Günter Eich wurde 1959 mit dem "Georg-Büchner-Preis" ausgezeichnet. Er starb am 20.12.1972 in Salzburg.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 07.03.2007

DAS HÖRBUCH
Ruf nach der Polizei
Günter Eichs Hörspiel „Träume”
„Das entspricht ja keinem mitteleuropäischen Geschmack.” „Scheint mir höchste Zeit, dass die Polizei da mal einschreitet.” „Denn wird da gesprochen von kollektiver Schuld, die anerkannt wird, die sind doch alle verrückt.” Als der Nordwestdeutsche Rundfunk am 19. April 1951 um 20 Uhr 50 – etwas später als gewöhnlich, um sicherzugehen, dass keine Kinder mehr vor dem Radio sitzen – Günter Eichs Hörspiel „Träume” ursendete, hagelte es noch während der Übertragung Proteste.
Der Regisseur Fritz Schröder-Jahn, der die Anrufe zum Teil persönlich entgegennahm, musste wüste Beschimpfungen über sich ergehen lassen. Unzumutbar erschien vielen Zuhörern der Inhalt von Eichs insgesamt fünf Traumerzählungen: Da rollt eine Familie seit vierzig Jahren in einem verriegelten Güterwagon durch die Welt; da verkaufen Eltern einem kranken Mann, der einer Blutauffrischung bedarf, ihren Sohn zum Schlachten; da höhlen Termiten Häuser, Städte, Menschen aus.
Die Anrufe wurden vom NDR archiviert. Sie dienen dem Musiker Hans Schüttler als Material für seine mehrminütige Klangcollage „Träume 1951”. Sie befindet sich auf der CD „Träume 2006”, die der Hörverlag gemeinsam mit der legendären Aufnahme von 1951 in einer CD-Box herausgegeben hat. Fünf junge Hörspielregisseure, unter ihnen Simona Ryser, Bernadette Sonnenbichler und Sven Stricker, haben gemeinsam mit renommierten Schauspielern wie Barbara Auer und Udo Wachtveitl jeweils einen von Eichs Träumen neu eingespielt. Jedoch nur Schüttler gelingt mit seinem geschickt arrangierten Zusammenschnitt der Hörerproteste eine zeitgemäße Auseinandersetzung mit Eichs Hörspiel.
Bereits 1967 stellte Fritz Schröder-Jahn selbstkritisch fest: „Ich würde das heute ganz anders machen. Ich meine, gerade diese Art Stücke, die sind aus der Zeit geboren, die Zeit hat sich sehr geändert. Damals herrschte allenthalben noch Lebensangst . . .”
Was für die sechziger Jahre gilt, gilt heute umso mehr. Und so dürfte für heutige Hörer die damalige Rezeption der „Träume” aufschlussreicher sein als diese selbst. Der schnelle Ruf nach der Polizei etwa verrät viel über die bundesrepublikanische Auf- und Verarbeitung des Dritten Reichs.
Gut geölt
Eindeutig zu wenig aber ist das, was die jungen Regisseure aus den „Träumen” machen. Keiner von ihnen entwickelt eine Haltung zu Günter Eichs bekanntestem Hörspiel. Keiner wagt eine Neuinterpretation, die auch die von Eich umgearbeitete Buchfassung von 1953 mit ihrer bekannten Aufforderung „seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt” einzuschließen hätte.
Stattdessen beschränken sich alle darauf, die Hörspielfassung von 1951 mit moderner Studiotechnik, was vor allem heißt: voluminöserem Sound, beinahe eins zu eins noch einmal einzuspielen. Die damalige Inszenierung jedoch ist in ihrer kargen Personenführung durch Schröder-Jahn, ihrer beunruhigenden Orchestrierung durch Siegfried Franz und dem brillanten Umgang mit der Eichschen Sprache durch Schauspieler wie Erich Ponto, Inge Meysel und Dagmar Altrichter unübertroffen. Das macht die Box durch die Möglichkeit des direkten Vergleichs der beiden Einspielungen unmissverständlich klar. FLORIAN WELLE
GÜNTER EICH: Träume. Hörspielinszenierungen aus den Jahren 1951 und 2006. Der Hörverlag, München 2007. 3 CD’s, 24,95 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Als der NDR 1951 Günter Eichs Hörspiel "Träume" zum ersten Mal sendete, weiß Florian Welle zu berichten, haben die Hörer nach der Polizei gerufen. Doch was vor fünfzig Jahren noch für Empörung sorgen konnte, entlockt dem Rezensenten Welle heute nur ein Schulterzucken. Bedauerlich findet er vor allem, dass die meisten Regisseure in ihren Neufassungen keine Haltung, keine Neuinterpretation zu Eichs Traumerzählungen wagen. Einzig Fritz Schröder-Jahns Kollage hat ihm gefallen. Darin sind die damals vom NDR aufgenommenen Höreranrufe versammelt. O-Ton: "Das entspricht ja keinem mitteleuropäischen Geschmack."

© Perlentaucher Medien GmbH