Astronauten - Gugic, Sandra
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Wie Astronauten, nur über ein dünnes inneres Kabel verbunden mit dem Mutterschiff Erde, bewegen sie sich einen Sommer lang durch ihre Stadt: die Schulfreunde Darko und Zeno, das Mädchen Mara, der Taxifahrer und heimliche Schriftsteller Alen, sein Freund, der Polizist Niko, und der Kleinkriminelle Alex, ein Sohn aus gutem Haus, der von seiner Drogensucht loszukommen versucht.
Sehnsüchtig nach Wärme und Nähe begegnen sie einander und verstricken sich doch immer wieder in ihre Geheimnisse, ihre kleinen und größeren Lügen: Es ist ein Sommer der Begegnung mit sich selbst und den anderen, ein
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Produktbeschreibung
Wie Astronauten, nur über ein dünnes inneres Kabel verbunden mit dem Mutterschiff Erde, bewegen sie sich einen Sommer lang durch ihre Stadt: die Schulfreunde Darko und Zeno, das Mädchen Mara, der Taxifahrer und heimliche Schriftsteller Alen, sein Freund, der Polizist Niko, und der Kleinkriminelle Alex, ein Sohn aus gutem Haus, der von seiner Drogensucht loszukommen versucht.

Sehnsüchtig nach Wärme und Nähe begegnen sie einander und verstricken sich doch immer wieder in ihre Geheimnisse, ihre kleinen und größeren Lügen: Es ist ein Sommer der Begegnung mit sich selbst und den anderen, ein Sommer der Liebe und des Verlierens, eine Zeit allmählichen Erkennens.

Sechs sehr unterschiedliche Menschen erzählen im Debütroman von Sandra Gugiæ von sich selbst, und allmählich enthüllt sich, wie ihre Wege sich überschneiden, wie sie Vertrauen fassen, es enttäuschen und doch aneinander hängen - wie sie ihre Maßnahmen gegen die Kälte der Welt treffen. In Sandra Gugiæs klarer, poetischer Sprache entfaltet sich ein Kosmos des alltäglichen Lebens, der uns zunehmend fremd und vertraut zugleich erscheint: Jeder Einzelne behauptet sein Recht auf ein eigenes Leben, alle zusammen aber entwerfen ein Bild unserer gefährdeten Zusammengehörigkeit.
  • Produktdetails
  • Verlag: Beck
  • Seitenzahl: 199
  • Erscheinungstermin: 20. Januar 2015
  • Deutsch
  • Abmessung: 210mm x 135mm x 20mm
  • Gewicht: 325g
  • ISBN-13: 9783406673702
  • ISBN-10: 3406673708
  • Artikelnr.: 41719252
Autorenporträt
Sandra Gugic, 1976 in Wien geboren, lebt als freie Autorin in Berlin und Wien. Studium der Sprachkunst an der Universität für Angewandte Kunst Wien, Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. 2010/11 Staatsstipendium für Literatur des bm:ukk, 2012 Open Mike Preisträgerin, 2012 Preis der Akademie Graz, 2013 Autorenstipendium der Stadt Wien. Publikationen in Zeitschriften und Anthologien.
Inhaltsangabe
I. DARKO"Gott ist ein Astronaut", sagt Zeno und tritt seine Zigarette aus. Wir stehen vor der roten Ziegelmauer, die den Park zur Straße hin begrenzt, und betrachten eine Weile schweigend das noch unbeschriebene Stück Mauer vor uns. Die Stadt gehört uns steht rechts davon, links Meine Mutter nennt mich Hurensohn. Beides Werke von Zeno, auch wenn er darauf besteht, dass er nur den Hurensohn gesprayt hat, weil ihm das mit der Stadt mittlerweile peinlich und abgegriffen vorkommt, sprayt doch jeder, außerdem gehört uns die Stadt nicht. Wenn sie einem gehört, dann nicht uns, nur der Park, der Park ist unser. Der Park liegt nur dreihundert Meter vom Casino entfernt hinter dem lang gezogenen Gebäudekomplex des Theaters. Also auf der einen Seite, Schulter an Schulter, Theater und Casino mit dem verschnörkelten Springbrunnen und dem akkurat gemähten Rasen davor und auf der anderen der Park. Im Festsaal des Casinos finden die Partys und Abschlussbälle der Privatschulen statt, Unterrichtssprachen Französisch und Englisch, dort sitzen abends die Mädchen kichernd auf den Treppen, in Cocktail- oder Ballkleidern, je nachdem, ein Martiniglas in der Rechten, Zigarette in der Linken, nein, andersrum, nur das Kleid nicht ansengen, also die Zigarettenhand weit weghalten, ein leichtes Schwanken und Tänzeln auf den zu hohen Absätzen, Frisur und Make-up gegen Ende des Abends, wie alles, an der Grenze zur Auflösung. Die Jungs in Anzügen, die Haare mit Gel nach hinten gekämmt oder kunstvoll verstrubbelt, die älteren fahren in den Autos der Väter vor, der Lack glänzend, die Wagen frisch aus der Waschanlage, Fenster heruntergekurbelt, Zigarette im Mundwinkel. Die Mädchen zücken ihre Kameras, schürzen die Lippen und posen angestrengt sexy für das perfekte Bild, quetschen sich zu dritt vor die Linse, fallen lachend auf den Rasen, nur das Kleid und die Schuhe nicht ruinieren, Zeno sagt, dabei sollten sie, sowieso und erst recht. Minuten, Stunden später wird das Geknutsche und Gefummel vor dem Springbrunnen losgehen, auf dem Parkplatz und zwischen den Säulen. Von drinnen dringen Fetzen von Paartanz-Musik nach draußen, sittsamer Ausgleich zum allgemeinen Treiben bleibt die Verwendung von Französisch und Englisch als Partykonversationssprachen, und immer neue Erinnerungsfotos vom Abheben und Abstürzen und den Aggregatzuständen dazwischen, an die sich keiner erinnern wird. Dazwischen liegt die steinerne Grenze zwischen Casino und Park, der Gebäudekomplex des Theaters, das Zeno nur einmal von innen gesehen hat. Eine Aufführung der Räuber, in die uns eine Jugendarbeiterin mitgenommen hatte, der alte Schinken aufgepimpt als Gangballade, mit Rap und Breakdance, und Zeno und ich, als alberner Gegensatz dazu, aufgebrezelt in Hemd und Krawatte im Parkett. Zum Haupteingang des Theaters führen etliche Stufen, über die sich ein Dach aus Arkaden spannt, flankiert von Säulen, in Stein gehauenen Gesichtern und Figuren aus vergessener Zeit, und auf der Rückseite, dort, wo der Bühneneingang liegt, beginnt der Park. Unser Park. Jeden Tag sind wir hier draußen, an den Wochenenden, vor allem im Sommer, manchmal bis spät in die Nacht. Zeno, die anderen und ich. Die Mitte des Parks markiert ein kreisrunder, künstlich angelegter See, in dessen leicht nach rechts verschobenem Zentrum thront ein überdimensional großer, hässlicher Frosch aus Beton, von unzähligen Schichten Taubenscheiße bedeckt und marmoriert. Im brackigen Wasser des Sees baden Enten und andere Vögel, rote und graue Eichhörnchen flitzen an Ästen entlang, jagen einander, manchmal huscht eine Ratte durchs Gebüsch. Stadtkonservennatur, sagt Zeno. Kieswege laufen kreisförmig um den See und verzweigen sich nach außen, an die Ränder. Die große Wiese, unser Treffpunkt, wird flankiert von dicken alten Bäumen, der Fußballkäfig liegt ganz vorne, zur Straße hin dann noch ein winziger Kinderspielplatz mit Sandkisten und rostigen Wippen. Angrenzend der städtische
Rezensionen
Besprechung von 25.03.2015
Völlig losgelöst
Sandra Gugics lesenswertes Romandebüt "Astronauten"

"Eins ist eine einsame Zahl, die verdammt einsamste Zahl der Welt." Dieser Satz steht nicht nur einmal in Sandra Gugics Debütroman "Astronauten". Sechs Figuren in einer nicht benannten Großstadt schildern im Verlauf eines Sommers ihre Sicht auf ihre Sehnsüchte, Ängste und Träume. Darko hängt mit seinem Schulfreund Zeno im Stadtpark herum, kifft und weiß nicht, wohin mit sich. Darkos Vater Alen hat als Erster in der Familie studiert und den sozialen Aufstieg doch nicht geschafft. Als alkoholkranker Taxifahrer schreibt er für die Schublade. Niko, ein junger Polizist, lebt mit Frau und Kind in stummer Wut zusammen, freundet sich aber mit Alen an. Und Alex, ein heroinabhängiger Sohn aus gutem Haus, der mehrmals erfolglos den Entzug versucht hat, steht im Astronautenkostüm in der U-Bahn und bettelt. In diesem Roman ist nicht nur "Gott ein Astronaut", auch die Figuren scheinen durch eine bodenlose Wirklichkeit zu schweben. Sie führen vor, was einmal explizit zu lesen ist: "Dass die Guten und Normalen nur eine Wunschvorstellung sind, dass in jeder Biographie ein Knick ist, ein Bruch, eine Leerstelle, weil das Herausfallen aus der Ordnung das einzig Normale ist." Die Wege der sechs berühren sich zwar, doch alle bleiben allein.

Sandra Gugic hat in ihrem Roman, in dessen Verlauf Kitsune, japanische Origami-Füchse und wilde Eichhörnchen immer stärker mit Bedeutung aufgeladen werden, das Herausfallen ihrer Protagonisten aus der Ordnung formal umzusetzen versucht. Sie hat die Gefühle der Haltlosigkeit in einen anspielungs- und aussparungsreichen Text übersetzt. Die Experimentierkunst der Autorin, die bewusst auf eine die verschiedenen Stimmen zusammenführende Erzählinstanz verzichtet, macht dieses Tableau der Verzweiflung zur anspruchsvollen Lektüre. Nicht ganz nachzuvollziehen ist, weshalb die Sprache der Charaktere sich mitunter in Tonfall und Vokabular stark ähnelt. Es braucht Konzentration, um nicht den Faden zu verlieren. Dennoch ist das Debüt, das den Figuren am Rand der Gesellschaft eine Stimme verleiht, unbedingt lesenswert.

BEATE TRÖGER.

Sandra Gugic: "Astronauten". Roman. Verlag C. H. Beck, München 2015. 200 S., geb., 18,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 31.07.2015
Eins ist die verdammt einsamste Zahl der Welt
Sandra Gugićs Debütroman „Astronauten“ erzählt von der Verlorenheit dreier Jugendlicher in der Großstadt
Es ist vielleicht eine Grundsatzfrage, ob ein Roman schon dann als gelungen zu bezeichnen ist, wenn die Leere und Verlorenheit, die seine Protagonisten verspüren, im Lektüreprozess nachempfunden werden können. Insofern sind einem die sechs Figuren, die in Sandra Gugićs Debütroman „Astronauten“ aufeinandertreffen, durchaus nah. Drei Jugendliche sind das, mit den üblichen und auch ein paar unüblichen Jugendlichenproblemen. Alle drei haben als Kinder von Eltern, die vor dem Jugoslawien-Krieg in den Westen geflüchtet sind, denselben Migrationshintergrund, und dieser Krieg, er spukt als traumatisches Hintergrundrauschen weiterhin durch die Köpfe.
  Geschildert wird ein Sommer in der Großstadt, ein Sommer, von dem es heißt, dass er ein Arschloch sei. Am Ende dieses Sommers in Wien hat jeder jeden verraten, als wäre die Gewalt der Väter übergegangen auf die Kinder, die den jugoslawischen Brudermord auf ihre Weise perpetuieren. Hinzu kommen ein Taxifahrer mit literarischen Ambitionen und einer Alkoholikervergangenheit, ein Polizist, der an seinem Beruf und an der Alltäglichkeit im Allgemeinen verzweifelt, ein Junkie aus bürgerlichem Elternhaus. Verloren sind diese sechs wie Astronauten im Weltall, so das immer wieder bemühte Bild, aber doch verstrickt in ihre ganz irdischen Verirrungen, Sinnkrisen und Schicksalsschläge.
  Gugić gießt diese gesammelten Einsamkeiten in innere Monologe, wechselt zwischen den Perspektiven der sechs Protagonisten hin und her. Leider nur ergeben die Puzzleteile kein stimmiges Ganzes. Denn die einzelnen Erzählstränge mögen zwar kunstvoll ineinander verwoben sein, auf Dauer wirkt dieses Wiederaufgreifen von Motiven, Gedanken, Formulierungen aber recht bemüht und redundant. Auch dass die Figuren blass bleiben, mag teilweise den wechselnden Blickwinkeln geschuldet sein. Dabei ist unklar, warum sich Gugić für diese Form entschieden hat, wenn man bedenkt, dass die einzelnen Stimmen sich in ihrem melancholischen Lamento kaum zu unterscheiden scheinen – sieht man davon ab, dass bei den Jugendlichen etwas Umgangssprache und hier und da ein Schimpfwort eingefügt wurde.
  Überhaupt ist anhand von „Astronauten“ trefflich zu beobachten, wie sich formale Ambition in Beliebigkeit verwandeln kann. Gugićs Sprache etwa zeichnet sich aus durch große Genauigkeit: jedes Blatt, das unter dem Scheibenwischer klemmt, jeder Spuckefaden im Mundwinkel wird wahrgenommen. Dieser exzessive Wille zur Präzision allerdings, er läuft ins Leere und verkehrt sich in Prätention. Der Leser spürt wohl, dass die Details untergründig mit irgendeiner schwer zu fassenden Bedeutung aufgeladen sein sollen. Aber statt atmosphärischer Spannung erzeugt dieser Ton über weite Strecken nur gepflegte Monotonie. Die wird auch nicht gemildert durch den Hang zum Assoziativ-Pathetischen, der sich durch „Astronauten“ zieht. Von der „Stadtkonservennatur“ ist da die Rede. Eine Plastiktüte „schwimmt in den Stadthorizont wie eine Qualle ins offene Meer“ und „eins“ ist „die verdammt einsamste Zahl der Welt“. Man könnte darin poetische Kunstfertigkeit sehen – oder, weniger gutwillig, überflüssige Sprachspielereien und mantrahaft vorgetragene Parolen, die in ihren schwächeren Momenten dem Klischee des gefühligen Poetry-Slam-Singsangs recht nahe kommen.
  Alles in allem verhält es sich mit „Astronauten“ so, wie man sich wohl Astronautennahrung vorzustellen hat: schmeckt allzu künstlich.
LUISE CHECCHIN
Allzu künstlich bleibt hier
die Beschwörung unbewältigter
Vergangenheit, die sich rächt
      
          
    
  
        
Sandra Gugić: Astronauten. Roman. Verlag C.H. Beck, München 2015. 199 Seiten, 18,95 Euro. E-Book
14,99 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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"Ein vielschichtiges Debüt." Stern "Ein überzeugender Ensembleroman mit dem durchaus sozialkritischen Anspruch, einen Blick auf die zersplitterten Lebenswirklichkeiten der Großstadt zu werfen." Fabian Thomas, Die Zeit Online "Unbedingt lesenswert." Beate Tröger, Frankfurter Allgemeine Zeitung "Der Leser zieht von einer zur anderen Figur, verweilt ein Kapitel lang und zieht dann weiter. Er treibt durch das Buch wie ein Astronaut durchs All." Tobias Becker, KulturSpiegel "Ein funkelnder Roman." Sebastian Fasthuber, Falter Verlag "Sandra Gugic versteht die Welt sehr gut. Sie weiß sich die richtigen Begegnungen und Eindrücke für ihren Roman zu borgen und erschafft damit viel Authentizität." Teresa Reiter, The Gap "Ein fein konstruiertes Textkunstwerk." Friederike Gösweiner, Tiroler Tageszeitung "Gugics Debütroman hat ein hohes Tempo und einen Ton, dem man sich kaum entziehen kann." Günter Keil, Die Rheinpfalz