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Es gibt wohl kaum ein schillernderes Phänomen als den Sozialismus. In den letzten 100 Jahren gab es mehr als zwei Dutzend Versuche, eine sozialistische Gesellschaft aufzubauen, von der ehemaligen Sowjetunion über Kuba und Nordkorea bis hin zu Venezuela - alle waren früher oder später zum Scheitern verurteilt. Wie kann eine Idee, die sich so oft, in so vielen unterschiedlichen Varianten und Kontexten als unrealisierbar herausgestellt hat, nach wie vor so populär sein? Der Autor zeigt an wichtigen historischen Beispielen diese Kluft zwischen dem idealen Konzept einer besseren Gesellschaft und dem real existierenden Sozialismus auf.…mehr

Produktbeschreibung
Es gibt wohl kaum ein schillernderes Phänomen als den Sozialismus. In den letzten 100 Jahren gab es mehr als zwei Dutzend Versuche, eine sozialistische Gesellschaft aufzubauen, von der ehemaligen Sowjetunion über Kuba und Nordkorea bis hin zu Venezuela - alle waren früher oder später zum Scheitern verurteilt. Wie kann eine Idee, die sich so oft, in so vielen unterschiedlichen Varianten und Kontexten als unrealisierbar herausgestellt hat, nach wie vor so populär sein? Der Autor zeigt an wichtigen historischen Beispielen diese Kluft zwischen dem idealen Konzept einer besseren Gesellschaft und dem real existierenden Sozialismus auf.
  • Produktdetails
  • Verlag: FinanzBuch Verlag
  • Seitenzahl: 317
  • Erscheinungstermin: 23. Februar 2021
  • Deutsch
  • Abmessung: 221mm x 149mm x 27mm
  • Gewicht: 498g
  • ISBN-13: 9783959724401
  • ISBN-10: 3959724403
  • Artikelnr.: 60709932
Autorenporträt
Niemietz, Kristian§Dr. Kristian Niemietz ist Leiter der Abteilung Politische Ökonomie am Londoner Institut für Economic Affairs. Er studierte Volkswirtschaftslehre an der Humboldt-Universität zu Berlin und der Universität von Salamanca sowie politische Ökonomie am King's College London. Zuvor arbeitete er am Institut für Freies Unternehmertum (IUL) in Berlin und lehrte Volkswirtschaftslehre am King's College London.
Rezensionen
"Ein sehr wichtiges und lehrreiches Buch"
Mario Lochner, Mission Money

"Das grundlegende Buch von Kristian Niemietz [...] setzt Maßstäbe. "
Die Tagespost, 17.06.2021

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 27.06.2021

UND EWIG LOCKT DER SOZIALISMUS

Wie kann es sein, dass eine gescheiterte Ideologie noch immer viele Anhänger hat?

Von Philip Plickert

Vorige Woche verkündete die Linkspartei - anlässlich des Jahrestages des Volksaufstands in der DDR - eine denkwürdige Botschaft: "Sozialismus kann nur demokratisch sein." Am 17. Juni 1953 "kam es in der DDR zu Massenstreiks und Massendemonstrationen aus Protest gegen Lohndrückerei und unverhältnismäßigen Leistungsdruck", twitterte sie, dazu das Bild eines Panzers in einer Menschenmenge. Es erweckte fast den Eindruck, als hätten die DDR-Arbeiter nicht gegen, sondern für "echten" Sozialismus demonstriert.

Der deutsch-britische Ökonom Kristian Niemietz, der in London am Institute of Economic Affairs arbeitet, versammelt in seinem lesenswerten Buch "Sozialismus" eine fast schon erdrückende Fülle an Zitaten von Intellektuellen, die mit sozialistischen Regimen sympathisierten und, wenn deren Scheitern manifest wurde, nach Ausreden suchten. Das Buch ist gerade auch auf Deutsch erschienen. Die beliebteste Ausrede: Das war kein echter Sozialismus. So kann man es auch in Deutschland hören. "Den 'echten' Sozialismus gab's bislang noch nicht", twitterte SPD-Chefin Saskia Esken 2019. Noch stärker die Aussage des amerikanischen Linguisten Noam Chomsky: "Es gab nicht einen Hauch von Sozialismus in der Sowjetunion. [...] Es hatte mit Sozialismus nichts zu tun."

Niemietz führt auch die Resultate einer älteren Allensbach-Umfrage an, wonach 45 Prozent der Westdeutschen und die große Mehrheit der Ostdeutschen dem Satz zustimmten: "Der Sozialismus ist eine gute Idee, die in der Praxis nur schlecht umgesetzt wurde." In Großbritannien erzeugte vor einigen Jahren der damalige Labour-Vorsitzende Jeremy Corbyn eine Welle der Sozialismus-Begeisterung. Sogar in den Vereinigten Staaten ist in der jüngeren Generation ein gewisser Enthusiasmus für solche Ideen aufgeflammt, angefacht durch Bernie Sanders, so dass große Magazine wie der Economist schon Titelgeschichten über den "Millennial-Sozialismus" druckten.

Freilich meint jeder etwas anders unter Sozialismus. Manche erträumen sich ein diffuses Paradies, in dem niemand mehr ausgebeutet wird und alle ein glückliches, harmonisches und sozial abgesichertes Leben führen. Niemietz hält sich an die klassische Definition von Sozialismus: Abschaffung des Privateigentums und stattdessen staatliche, planwirtschaftliche Lenkung von Produktion, Distribution und Konsum.

In mehr als zwei Dutzend bekannten Fällen sozialistischer Regime - von der Sowjetunion über Maos China, Castros Kuba, die DDR bis zum heutigen Venezuela -, überall sind die Versuche, mit diesem Modell Massenwohlstand zu erzeugen, in bitterer Not geendet. Und überall endete der vermeintliche Sprung ins "Reich der Freiheit" (Marx) mit einer Landung in einer politischen Diktatur, die Dissidenten einsperrte und Gegner hinrichten ließ.

Gleichzeitig weist Niemietz auf eine erstaunliche Regelmäßigkeit im Verhalten der Sozialismus-Bewunderer hin. Das Spiel läuft in drei Phasen. Die erste nennt er die Flitterwochen: Linke Intellektuelle sind begeistert und preisen die - oft vorhandenen - Anfangserfolge neuer sozialistischer Regime. Phase zwei: Eine gewisse Ernüchterung setzt angesichts wirtschaftlicher und politischer Krisen ein, doch die "Errungenschaften" des sozialistischen Landes sollen verteidigt werden. Phase drei, nachdem das sozialistische System kollabiert ist: Nun wird heftig bestritten, dass es sich um echten Sozialismus gehandelt hat.

Als jüngeres Beispiel konnte man das in Venezuela erleben. Zunächst waren wieder zahlreiche Intellektuelle hingerissen vom Versuch des charismatischen Hugo Chávez, einen "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" zu errichten. Getragen vom hohen Ölpreis, hatte er Anfangserfolge. Nach dem wirtschaftlichen Absturz in Venezuela mit Hyperinflation, Versorgungskrise, existenzieller Armut und Massenemigration versuchen die früheren Bewunderer nun, ihre Spuren zu verwischen. Alles wird auf Korruption, unfähige Parteipolitiker, das Militär oder Sanktionen geschoben.

Sogar kommunistische Massenmörder wie Stalin und Mao wurden von großen Intellektuellen gefeiert, die Verbrechen und die Not systematisch kleingeredet oder verdrängt haben, wie Niemietz in einer bedrückenden Abfolge von Zitaten erinnert. In den 1930ern, in der "roten Dekade", herrschte eine regelrechte Sowjeteuphorie unter vielen westlichen Intellektuellen, die Russlands Erfolge mit der Wirtschaftskrise im Westen kontrastierten. Die Labour-Vordenker und Gründer der London School of Economics, Sidney und Beatrice Webb, schwärmten nach mehreren Reisen in die Sowjetunion vom basisdemokratischen Arbeiterparadies. Über die Kollektivierung der Landwirtschaft (die Millionen Tote in der Ukraine forderte) schrieben sie: "Ob die kollektivierte und mechanisierte Landwirtschaft ein voller Erfolg ist, daran mag es in gewissen Kreisen noch immer ein paar Zweifel geben. Aber [...] die Anfangsschwierigkeiten dieser gigantischen Transformation sind überwunden."

Viele verharmlosten die mörderische Tyrannei Stalins mit der zynischen "Um ein Omelett zu machen, muss man Eier zerschlagen"-Theorie. Der Schriftsteller Upton Sinclair meinte: "Es gab in der Menschheitsgeschichte noch nie große soziale Veränderungen ohne Tötungen." Nach dem Hitler-Stalin-Pakt kühlte die Begeisterung für die Sowjetunion ab. Ab den späten 1960ern richteten viele westliche Intellektuelle ihre Hoffnungen auf China. Simone de Beauvoir schwärmte über Maos Land: "Das Leben in China ist außergewöhnlich schön. [...] Ein Land, wo die Generäle und Staatsmänner Gelehrte und Poeten sind, [...] erlaubt es, liebevolle Träume zu träumen." Immerhin war es ein Land, in dem durch Maos Experimente - vom Großen Sprung nach vorn bis zur Großen Kulturrevolution - nach heutigen Schätzungen bis zu 60 Millionen Menschen gestorben sind.

Dies sind die extremsten Fälle des "real existierenden Sozialismus", aber der Autoritarismus war und ist kein Unfall, sondern in der Natur des Sozialismus angelegt, betont Niemietz. Es gebe kein Beispiel für einen Sozialismus, der nicht früher oder später autoritäre und repressive Züge zeigte. Gibt es kein Privateigentum und keine Märkte, nur Staatseigentum, werden die ökonomischen Aktivitäten nicht durch Preise gelenkt, sondern durch staatliche Befehle. Es kann keine allgemeine freie Berufswahl geben, die Bewegungs- und Reisefreiheit wird eingeschränkt, ebenso die Freiheit zum politischen Widerspruch. Demokratie mit freien Wahlen gab es nicht. Überall in echten sozialistischen Regimen war das so. Aber offenbar ist es sehr schwer, diese Zusammenhänge zu verstehen.

Kristian Niemietz: Sozialismus. Die gescheiterte Idee, die niemals stirbt, München 2021.

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