20,00
versandkostenfrei*

Preis in Euro, inkl. MwSt.
Sofort lieferbar
0 °P sammeln

    Gebundenes Buch

3 Kundenbewertungen

»Selten hat man sich in der Beschreibung einer Wissenschaftlerin so exakt
wiedergefunden.« Die Weltwoche >P Gehirnforschung und lebensnaher, eindrücklicher Beispiele bringt sie die gängigen Stereotype über Männer ins Wanken.…mehr

Produktbeschreibung
»Selten hat man sich in der Beschreibung einer Wissenschaftlerin so exakt

wiedergefunden.« Die Weltwoche >P< Nach ihrem Bestseller über das weibliche Gehirn nimmt sich die Neuropsychiaterin Louann Brizendine nun die Männer vor: Anhand neuester Erkenntnisse der

Gehirnforschung und lebensnaher, eindrücklicher Beispiele bringt sie die gängigen Stereotype über Männer ins Wanken.
  • Produktdetails
  • Verlag: Hoffmann Und Campe
  • Seitenzahl: 340
  • Erscheinungstermin: Mai 2010
  • Deutsch
  • Abmessung: 215mm x 145mm x 30mm
  • Gewicht: 508g
  • ISBN-13: 9783455501483
  • ISBN-10: 3455501486
  • Artikelnr.: 28035378
Autorenporträt
Louann Brizendine studierte Neurobiologie an der University of California in Berkeley, der Yale und Harvard University und dem University College in London. Heute ist sie Professorin für

Neuropsychiatrie an der University of California in San Francisco. Sie ist Gründerin und Leiterin der

Women’s and Teen Girl’s Mood and Hormone Clinic. Mit ihrem Mann und ihrem Sohn lebt sie in San Francisco. Bei Hoffmann und Campe erschien ihr Bestseller »Das weibliche Gehirn. Warum Frauen anders sind als Männer« (2007).
Rezensionen
Besprechung von 24.08.2010
Blondinenwitze übers männliche Geschlecht

Gute Nachrichten für alle, die sich auf ihren Testosteronspiegel berufen wollen, wenn es ans Brüllen oder ans Prügeln geht: Die Hormonversteherin Louann Brizendine erklärt uns das Männergehirn.

Nach dem weltweiten Erfolg ihrer Monographie über "Das weibliche Gehirn" (F.A.Z. vom 5. Februar 2007) hat die amerikanische Ärztin Louann Brizendine nun das unvermeidliche Gegenstück publiziert: ein analog aufgebautes Buch unter dem Titel "Das männliche Gehirn".

Das Stichwort Gehirn führt allerdings in die Irre. Die Autorin, die eine Hormonbehandlungsklinik leitet, argumentiert nicht als Hirnforscherin, sondern als Expertin für den Hormonhaushalt. Das Hirn erscheint so als eine Maschine im Hormonbad. Teils genetisch, teils durch Erziehung "verdrahtet" ist es vor allem eines: ein Organ, das man durch Pharmaka beeinflussen kann.

Inhaltliche Überraschungen bietet der - subtrahiert man den Anmerkungsteil von fast 150 Seiten - recht schmale Band nicht. Männliche und weibliche "charakteristische Gehirnstrukturen und Hormonwirkungen" seien verschieden, es gebe daher, so Brizendines These, eine spezifische männliche "Realität". Anekdoten aus ihrer Praxis sollen das belegen, pauschale Hinweise auf Forschungsliteratur unterschiedlicher Herkunft und Güte sind angeheftet.

Die in launigem Aufklärungstonfall vorgetragenen Einsichten aus der Hormonküche geben sich hier und da als Kritik an Geschlechterstereotypen, schreiben Klischees jedoch umso tiefer fest. Männer sind nicht so simpel, wie man denken sollte, das ist Brizendines Botschaft. Und Männer sind eigentlich ganz nette Wesen. Allerdings haben sie zu viel Testosteron im Tank, ihren "Steuerknüppel in der Hose" und durchleben in Situationen der Männerkonkurrenz heftige Hormonwellen. Außerdem nehmen sie die Gefühle eines weiblichen Gegenübers nicht unter dem Gesichtspunkt des Teilens und des Verständnisses wahr. Sie sehen in allem lediglich Anzeichen für Probleme, die es zu lösen gilt. Das sorgt in der Ehe für Konflikte.

In sieben Kapiteln schreitet Brizendine die männlichen Lebensphasen vom Kind über den Jugendlichen über das "Vatergehirn" bis zum "Gehirn des reifen Mannes" ab. Der männliche Teenager erlebe einen "Testosteron-Tsunami", können wir da lernen, was die altersübliche schlechte Laune und das Wettbewerbsverhalten erkläre: "Jakes Bedürfnis nach Abgrenzung und Selbständigkeit war ein uralter Trieb. Das gleiche risikofreudige Streben nach Unabhängigkeit beobachtet man auch bei anderen Primatenmännchen, die in die Pubertät kommen." Das sogenannte Vatergehirn wiederum ist vor allem streng, was wiederum bei der Erziehung von Söhnen hilft: "Glaubt man den Befunden schwedischer Forscher, kann aktive Disziplinierung durch den Vater entscheidend zum Erfolg eines Kindes beitragen."

Zum - wie sie es nennt - "paarungsbereiten" Männergehirn hat die Autorin Weisheiten wie die folgenden zu bieten: "Wissenschaftliche Studien haben es bestätigt: Wenn sich ein Mann von einer Frau angezogen fühlt, will er so schnell wie möglich mit ihr schlafen." Oder: "Das männliche Gehirn gleicht einem Schnellzug: Es hält erst dann an, wenn es seinen Bestimmungsort erreicht hat." Noch einer gefällig?: "Auf die Frage, was einen Mann zum monogamen Partner macht, gibt es bisher keine wasserdichte Antwort, doch Forschungsarbeiten mit Präriewühlmäusen liefern einige Indizien."

Männer können hin und wieder nicht anders - das gibt Brizendine namentlich den Ehefrauen unter ihren Leserinnen zu verstehen. Gute Nachrichten für alle, die sich auf ihren Testosteronspiegel berufen wollen, wenn es ans Brüllen oder ans Prügeln geht. Gute Nachrichten auch für alle, die keine Bedenken haben, zur Tablette oder zur Hormonspritze zu greifen. So muss etwa der "reife" Mann nicht verzagen: Gegen Potenzprobleme, Müdigkeit und unklare Gedanken empfiehlt die Autorin eine hormonelle Ersatztherapie.

Nachdenken macht das Buch hinsichtlich seiner Zielgruppe und überhaupt des Genres. Soll man sich ärgern oder besser lachen? Handelt es sich um Populärwissenschaft, um einen verkappten Sexualratgeber, um Produktwerbung oder vielleicht doch eher um Unterhaltungsliteratur? Dem Buch über das weibliche Gehirn wurden zahlreiche Fehler nachgewiesen, dies mag der Grund für den überdimensionierten Anmerkungsapparat des "männlichen Gehirns" sein.

Vorsichtig umschifft die Autorin auch die Festlegung auf naturalistische Thesen: Sie schildert uns sowohl als determiniert wie auch als frei, das Gehirn sowohl als genetisch und evolutionär geprägt wie auch als durch Erleben geformt. Zustimmung in wechselnde Richtungen also. Wissenschaftlicher wird das Werk auf diese Weise nicht.

Die vermeintliche Lebensnähe der Anekdoten wirkt stilisiert, sie sind allesamt auf die amerikanische Mittelschichtsfamilie und ihre Ehe- wie auch Eltern-Kind-Konflikte zugeschnitten. Auf kuriose Weise verloren findet sich am Ende des Buches dann noch ein "Anhang", welcher auf drei Seiten zur männlichen Homosexualität Stellung nimmt. Zwischen den Gehirnen hetero- und homosexueller Männer gebe es Unterschiede, letztere seien Frauen ähnlicher, erfahren wir. Die Hormonforschung stehe hier noch am Anfang, aber das Gehirn wirke sich auch auf die sexuelle Orientierung aus.

Die deutschsprachige Presseresonanz auf Brizendines Buch scheint bisher verhalten, die Mehrzahl der Rezensentinnen und Rezensenten schüttelt eher den Kopf. Offenbar kommen auf Männer zielende Sätze, die wie Blondinenwitze klingen, schlechter an als vergleichbare Stereotype über Frauen. Bleibt die Frage: Wer liest so etwas? Wozu wird das gebraucht? Folgen wir der Produktinformation eines bekannten Internetbuchhändlers, so kauften Kunden, die "Das männliche Gehirn" bestellten, zum einen auch "Das weibliche Gehirn", zum anderen ein Buch "Was Hunde denken". Alles, so dessen Untertitel, "was Sie über das Innenleben der Vierbeiner wissen müssen". Frau - Mann - Haustier. Na denn her mit der Hundepfeife.

PETRA GEHRING

Louann Brizendine: "Das männliche Gehirn". Warum Männer anders sind als Frauen. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2010. 319 S., geb., 20,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Keine übermäßige Überraschung bei der Rezensentin angesichts dieses Buches. Als logisches Pendant zum Vorgänger "Das weibliche Gehirn" taugt das neue Buch von Louann Brizendine schon, findet Petra Gehring. Nur geht es darin weniger um das Gehirn, als um den männlichen Hormonhaushalt. Dass sich dieser mittels Pharmaka beeinflussen lässt, darauf wird die Rezensentin hier in einer Weise hingewiesen, die den Schluss nahelegt, es handle sich bei dem mindestens populärwissenschaftlichen Buch um Produktwerbung. Für inhaltsbezogene oder stilistische Aufregung sorgt der Band bei Gehring jedenfalls nicht. Im "launigen Aufklärungston" werden der Rezensentin Anekdoten aus dem Behandlungszimmer serviert, die Klischees festschreiben, wie: Mann gleich Frau plus jede Menge Testoteron. Ein enormer Anmerkungsteil hintendran, um sich gegen Kritik zu wappnen, und fertig ist das Buch. Nur für wen eigentlich und wozu?, fragt sich die Rezensentin.

© Perlentaucher Medien GmbH